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Beilage zur Nassauischen Allgemeinen Zeitung.

M 49»

Samstag den 20. SOtai

1848.

Uebersicht.

Deutschland. Frankfurt (Weiterer Bericht über die erste Sitzung des Reichstags). Schleswig-Holstein (Vom Kriegsschauplätze. AuS Stockholm). Wien (Schwarzer. Differenzen mit Ungarn. Der öster­reichische Reichstag). Triest (Treviso genommen. Vicenza).

Frankreich. Paris (Nationalversammlung).

Großbritannien. London (Verschiedene Berichte).

Deutschland.

*b Frankfurt, 19. Mai. Voraussichtlich wird der Reichstag noch einige Zeit zu thun haben, bis er mit den einleitenden For­malitäten einer jeden parlamentarischen Versammlung, Wahl­prüfung, Geschäftsordnung, Wahl für die einzelnen parlamenta­rischen Aemter re. in's Reine gekommen seyn wird. Eine in diesem Sinne rein einleitende und vorbereitende Sitzung war auch die erste von gestern Nachmittag, worüber ich Ihnen bereits einen kürzeren Bericht erstattete (S. die Nachschrift unseres letz­ten Hauptblattes). Allein trotzdem, daß diese Sitzung ihrem Inhalte nach nicht sehr bedeutsam seyn konnte, zeigte sich doch bereits viel Veben und Energie in der Haltung der ganzen Ver­sammlung. was ein gutes Vorurtheil erweckte. Sie Redner sprachen fast allesammtkurz, knapp und mit Nachdruck, und wenn ja Einer abschweifen wollte, dann wurde er sofort von der ge­summten Versammlung unterbrochen. Eine solche Selbstbeauf­sichtigung ist ganz recht. Prof. Hildenbrand aus Marburg brachte z. B., als man von der Wahl einer Vorbercitungskom- mission sprach, plötzlich ein Schreiben von kurhessischen Bürgern über dasSeparat-Protokoll" vor, allein man ließ ihn schlechter­dings nicht zu Wort kommen. Ebenso erging cs einem andern Redner, der mit einer ziemlich trivialen Deklamation über die deutsche Freiheit und Einheit hereingeschneit kam als just von den Stenographen die Rede war. Dasselbe gilt von dem verunglückten Auftreten des Bischofs von Münster, der ganz spät, als Alles bereits zum Schlirsse rief, noch einmal mit der zwei- tausendjährigen Geltung der Bibel begann, um von da zur An­empfehlung von Predigt und Messe überzugehen! Soviel wissen wir jetzt schon ganz sicher: das geistliche Element wird nicht aufkommen bei diesem Reichstag; denn für das vordringliche Wesen dieser Kleriker haben sich sogleich verzweifelt wenig Sym­pathien gezeigt.

Die heutige Sitzung beginnt um 10 Uhr; die Tagesordnung lautet auf Wahl des provisorischen Präsidenten, einiger Aus­schüsse u. dgl. Man hofft, daß heute wohl schon über 300 Mit­glieder zusammen seyn werden.

Schleswig-Holstein. Vom Kriegsschauplätze sind keine Nachrichten von Erheblichkeit eingelaufen. Die bei Suude- witt stationirten Truppen werden regelmäßig Morgens durch einige Kugeln der Sonderburger Batterien begrüßt, ohne dadurch besoudern Schaden zu leiden. Ein Schullehrer aus dem nahe bei Apenradc gelegenen Kirchspiele Loit, welcher mit den däni­schen Kriegsschiffen in Korrespondenz gestanden, ist von den han­noverschen Dragonern aufgebracht worden. Zu Fridericia wird schweres Geschütz aus Rendsburg und aus Magdeburg erwartet.

Aus Stockholm, 10. Mai, wird geschrieben: Das Kriegs­kollegium hat ein Regierungsschreiben erhalten, nach welchem 16,000 Mann, unter dem Befehl des Generallieutenants Ceder- ström, in Schonen zusammengezogen worden. Die Regierung hat ein Schreiben an den reichsständischen Ausschuß gerichtet, in welchem sie 2 Millionen für die Rüstungen verlangt. Acht Lan- dungs-Bombenkanonenschaluppen werden ausgerüstet und sollen sofort in die dänischen Gewässer abgehen.

Altona, 13. Mai. (A. M.) Der Herzog von Augusten­burg scheint in Gefahr gewesen zu seyn, von den Dänen auf­gehoben zu werden; denn ohne Zweifel war es auf den Her­zog abgesehen, als dieselben bei Stenderup, unweit der jüti- 1chen Gränze, den Jägermeister, Kammerherr von Krogh, und den Jagdjuuker Schrader überfielen und fortschleppten. Sie

waren über das Wasser gesetzt, ohne Zweifel, weil sie geglaubt haben, daß der Herzog in Begleitung jener Jagdbeamten von Hadersleben kommen würde; derselbe hatte sich aber wohlweis­lich nicht mit diesen Herren auf die Jagd, sondern nach Kol­bing begeben.

Wien, 13. Mai. (A. Z.) Ernst v. Schwarzer, der Redakteur der Oesterr. Ztg., wurde in Böhmen zum Abgeord­neten nach Frankfurt gewählt. Auf das bestimmteste wurde mir heute aus bester Quelle versichert, daß die Differenzen mit Ungarn wegenZurückberufung der ungarischen Regimenter gelöst sind. Das Ministerium von Pesth steht von dem Verlangen der Zurückberufung der ungarischen Truppen aus Italien ab, erhält aber dafür drei Regimenter aus Böhmen und Galizien, um die südslavischen Bewegungen im Zaume zu halten, nachdem es fest erklärt hatte, daß die gegenwärtige Truppenzahl in Ungarn (etwa 21,000 Mann) zur Erhaltung der Ruhe nicht ausreiche. Der österreichi­sche Reichstag wird sich am 26. Junius in Wien versammeln.

Triest, 13. Mai. (A. Z.) Heute eingetroffenen Berichten zufolge sollen die Oesterreicher Treviso genommen und auch bereits Vicenza besetzt haben. Offiziell ist darüber noch nichts bekannt geworden; man hat aber keinen Grund daran zu zweifeln,' da die Nachricht von verläßlichen Personen gegeben wurde. Gewiß ist, daß unsere Vorhut auf den längs der Piave ausgestellten Feind gestoßen war, welcher von den Uh- lanen heftig angegriffen, sofort die Flucht ergriff; von einer Division Dragoner sollen die meisten niedergehauen worden seyn. Am 10. war das ganze österreichische Armeekorps in Spresiano, und an demselben Tage brach Feldzeugmeister Gras Nugent gegen Vicenza auf, welches keine Besatzung hatte. Eine Brigade blieb vor Treviso.

Frankreich.

Paris, 16. Mai. (Schluß der Verhandlungen der Nationalversammlung.)Zm Namen der Volks­repräsentanten," begann Louis Blanc,trage ich darauf an, daß die Petition, welche das Pariser Volk hierher gebracht, dis- kutirt werde. Um aber dasselbe thun zu können, muß Stille hergestellt werden, damit man nicht sagen könne, daß das Volk seine eigene Souveränetät nicht achtete." (Bravo's, stürmischer Beifall.) Raspail beginnt die ersten Worte der Petition.... Ein Repräsentant ruft:In wessen Namen?" Furchtbarer Lärm. Das Volk will auf den Unterbrecher losstürmen und ihn erwürgen, wird aber von den Klubpräsidenten zurückgehalten..... Raspail setzt die Vorlesung fort. Das tiefste Stillschweigen tritt im Saale ein; die Stimme des Lesers wird durch das Volksgedröhne von den Seineufern her und vom Platze begleitet. Die Petition verlangt sofortige Intervention zu Gunsten Polens und wurde mit dem Rufe:Es lebe Polen!" geendet.

Barbès richtet einige Worte stehend vom Präsidenten- büreau ab an die Versammlung, die wir nicht verstanden. Blanqui erhält endlich das Wort. Tiefe Stille. Er ver­langt, daß die Nationalversammlung sofort eine Armee zur Hülfe Polens schicke, ohne sich durch die diplomatischen Schwierigkeiten einschüchtern zu lassen. Dieß sey die Gesinnung des französischen Volks. In dieser Frage dürfe es weder eine Rechte, noch eine Linke, noch eine Mitte geben. Ganz Frankreich stehe wie Ein Mann hinter der Nationalversammlung. (Beifallsturm von allen Bänken.) Die Rede Blanqui's zerfiel in zwei Theile. Der erste handelte von Polen, d. h. vom Auslande, der zweite vom Zulande. Während er über das Emporblühen des Wohlstandes sprach, wenn die Arbeitsverhältuiffe unter dem Schatten einer allgemeinen europäischen Demokratie regulirt seyn würden (das ist der Kommunismus! Stimme zur Linken). Blanqui's Rede erntete stürmischen Beifall.

Nach ihm errang sich Ledru-R ollin Gehör. Er zählte erst die Begehren des Volkes auf und erklärte, daß sie die Nationalversammlung erörtern werde und müsse, aber um dies zu thun , müsse sie in Ordnung deliberiren können..... (Unter­brechung : Wir haben lange genug gewartet I) Endlich bricht sich Lagarde, Präsident der Luxemburg-Kommission, Bahn aus