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* Einige Worte über das hiesige Theater.

(Schluß.)

Ein Hauptpunkt, welcher aus oben angegebenen Gründen einer Berichtigung bedarf, ist die irrige Vorstellung, welche sich der Verfasser jenes Artikels und mit ihm ein Theil des Publi­kums von der Großartigkeit der pekuniären Mittel macht, über welche das hiesige Theater zu verfügen hat. Ich erlaube mir einfach anzuführen, daß unser Theater jährlich verausgabt 74 bis 75,000 fl. und füge zum beliebigen Vergleiche hinzu, wie viel die Theater der Nachbarstädte verausgaben, nämlich: Mannheim 102 bis 104,000 fl., Darmstadt 120 bis 125,000 fl., Frankfurt mindestens 140,000 fl., und überlasse cs dem unbe­fangenen Theil des Publikums, in Berücksichtigung dieser Ver­hältnisse, zu beurtheilen, ob an unserer Bühne viel zu wenig geleistet wird. Darmstadt bezieht zu seiner Ausgabe für Thea­ter und Kapelle durch Verwilligung der Stände und aus der Schatulle des Großherzogs einen Zuschuß von 95,000 fl.; Mannheim ist eine reiche Stadt von ungefähr 30,000 Einwoh­nern, unter denen bekanntlich ein Sinn für den Theaterbesuch herrscht, wie wir ihn kaum an einem andern Orte finden. Das Mannheimer Theater hat allein ein, wenn ich nicht irre, sogen. persönliches jährliches Logenabonnement von 24,000 fl., während das Logenabonnement bei uns noch nicht den dritten Theil dieses Ertrags liefert und bedarf zur Erhal­tung seines Theaters dennoch eines, von der Stadt und den Ständen bewilligten, Zuschusses von 38,000 fl. jährlich. Wies­baden ist keineswegs eine reiche Stadt zu nennen, zählt noch nicht die Hälfte der Mannheimer Einwohnerzahl und der Sinn für den Theaterbesuch ist verhâltnißmäßig nicht bedeutend. Ist nun ein Zuschuß von 50 bis 55,000 fl. jährlich für die Er­haltung des hiesigen Theaters etwas so Ueberschwenglicheö? und wird der, welcher Gelegenheit hatte, die Leistungen unserer Bühne mit denen der genannten Städte zu vergleichen, mit Recht behaupten können, daß bei uns unverantwortlich wenig geleistet werde? Ich glaube dies nicht, obgleich ich auf der andern Seite weit entfernt bin, nicht einzusehen, daß unser Theater an manchen Mängeln laborirt, die beseitigt werden müssen. Wo ist aber, bei der Zersplitterung der dramatischen Talente und Kräfte auf den hundert und fünfzig deutschen Schaubühnen ein vollkommenes Theater zu finden?

Ganz und gar einverstanden bin ich mit der in jenem Artikel über das Theater ausgestellten Behauptung, daß der nach und nach eingeschlichene Handel mit den Abonnements­karten der Theaterkasse zum größten Schaden gereiche und ab­geschafft werden müsse. Es werden hierdurch nicht allein die Tageseinnahmen an der Kasse außerordentlich geschmälert, son­dern es wird auch das Abonnement selbst immer geringer, weil mancher frühere Abonnent sein Abonnement nicht erneuert, weil er zu einzelnen für ihn anziehenden Vorstellungen Abonne-

mentökarten kaufen kann; ja eS werden sogar bereits die Frem­den, welche das Theater im Sommer besuchen, davon ent­wöhnt, Billets an der Kasse zu lösen, weil ihnen die verkäuf­lichen Abonnementskarten auf die Zimmer getragen werden. Die Intendanz und Direktion ist auch darüber einverstanden, daß es nothwendig ist, diesem Uebel zu steuern und das wäre bereits geschehen, wenn man sich über die geeignetsten Mittel hierzu, welche allerdings nicht so leicht aufzufinden sind, als cs scheinen möchte, schon hätte verständigen können.

Dr. Meyer.

Abd-el-Kader in der Gefangenschaft.

Abd-el-Kader befindet sich jetzt, seit 2. Mai, mit sechs arabischen Familien (die des Emir allein mit Inbegriff der Sklaven zählt 30 Personen) auf dem Schlosse zu Pau. Die ganze Gesellschaft, ungefähr 90 Köpfe, ist im zweiten und dritten Stockwerk des Flügels der Südseite untergebracht.

Die Anwesenheit des seltenen Gasts lockt viele Neugierige herbei. Herr Beque, Maire von Pau, und seine Adjunkten machten ihm einen Besuch, er drückte ihnen in warmen Worten seine Sympathien für die Einwohner der Stadt, seine Bewun­derung der unter den Fenstern seines Gefängnisses ausgebreite­ten Landschaft aus. ^Ueberall," sagte er,sind die Bäume grün, aber das Grün der eurigen scheint noch etwaö lachen­deres zu haben." Eine große Zahl. Damen wurde ihm vor­gestellt, und er empfing sie mit bezaubernder Artigkeit.

Diese Besuche scheinen ihm nicht zu mißfallen, er plau­dert gern mit den Besuchern, aber in allen seinen Unterhal- ; tungen kommt das Wort Freiheit jeden Augenblick. Als man ihm die Frau eines Offiziers, der bei den eisernen Tho­ren gegen ihn gekämpft hatte und der zum Volksvertreter er­nannt worden ist, Lestapis, vorstellte, so erwiederte er: der Gatte dieser Dame ist ein tapferer Mann, und weil er jetzt Repräsentant des Volks, so schreibe sie ihm, daß er sich bei der Regierung verwende, damit ich bald frei werde.

Auf die Anzeige des Obriften Daumas, daß eine beträcht­liche Zahl am Thore stehe und ihn zu sehen wünsche, ver­langte Abd-el-Kader, man möchte das Volk in den Hof her- einlassen und eilte sich ihm zu zeigen. Er erschien am Fenster und ertheilte dem Volk Segensprüche, die der Obrist übersetzte. Sie wurden mit einhelligen Merkmalen der Theilnahme aus­genommen.

Miszellen.

Düsseldorf, 15. Mai. Ferd. Frei ligrath ist gestern hier an- gekommen und will sich in unsrer Künstlerstadt ansiedeln. Er hat bereits heute ein Quartier gemiethet.

Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl. Druck und Verlag der L. Schellen berg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.