Einzelbild herunterladen
 

sodann Posen sofort verlassen haben. Man versichert nämlich, daß seine Freilassung eine Hauptbedingung der geschlossenen Capitulation gewesen sey.

Nähere und sichere Nachrichten aus der Provinz fehlen noch; es scheint jedoch, daß man durch Zurückziehung der Trup­pen aus den insurgirten (also den rein und überwiegend polni­schen) Theilen des Großherzogthums die Veranlassung zu wei­terem Blutvergießen beseitigen wolle, und das würde vielleicht sicher und bald zur Beruhigung des Landes führen, denn wenn der Bauer keinen Soldaten mehr sieht, glaubt er das Land er­obert zu haben und wird ruhig nach Hause an die Arbeit gehen.

Von den bei Xions re. gefangenen Bauern ist nunmehr schon der größte Theil entlassen, doch sind sie zur Wieder­erkennung an der linken Hand durch ein chemisches Aetzmitt el schwarz gefärbt worden, mit der Androhung, daß sie auf der Stelle würden erschossen werden, wenn man sie nochmals mit Waffen fände.

Gestern verbreitete sich die Nachricht, daß Rußland ge­gen jede Theilun g des Großherzogthums als eine Verletzung der Verträge von 1815 protestirt habe, wodurch die Freude über die Einverleibung Posens in den deut­schen Bund sehr gestört wurde.

Breslau, 13. Mai. (D. A. Z.) Die Nachricht von der bevorstehenden Rückberufung des Prinzen von Preußen hat hier große Unruhe unter der Einwohnerschaft erregt. Mor­gen findet deßhalb eine große Volksversammlung hier statt. Ueberhaupt ist das Mißtrauen der Breslauer gegen die Regie­rung bedeutend im Zunehmen.

Hamburg, 12. Mai. (W.Z,) Sehr erfreulich war unserer Geschäftswelt die heute Morgen erfolgte Mittheilung, nach welcher das dänische Ministerium die Blockade der meisten deut­schen Häfen wieder aufhebt. Man will den Ursprung dieser milderen Maßregeln der dänischen Regierung in einer ihr jüngst zugegangenen sehr energischen Note Lord Palmerstons er­kennen; ein Kourier mit derselben passirte vor einigen Tagen Rendsburg.

Einem uns (B. H.) zugehenden Schreiben aus London vom 9. Mai entnehmen wir folgende Mittheilung: Im deutschen Leseverein hat sich ein Komite von zwölf Mitgliedern gebildet, um von allen Deutschen in England, Schottland und Irland Unterschriften zu sammeln zum Ankauf eines Kriegsschiffes, das dem deutschen Vaterlande zum Geschenk von den hierwohnen­den Deutschen gemacht werden soll. Das Versprechen, das in der Adresse gemacht wurde, auch mit der That bei Allem zu helfen, was dem Heile des Vaterlandes förderlich ist, soll nunmehr erfüllt werden, indem wir das erste Schiff zur deutschen Flotte liefern. Die Größe wird natürlich von der Summe abhängen, die zu­sammenkommt. Dem Komite sind beigetreten: der Ritter Bunsen, Baron v. Beust, sächsischer Gesandter, Herr Hebeler, Preuß. Konsul, und es wird erwartet, daß alle andern deutschen Ge­sandten sich anschließen werden. Der Prinz von Preußen hat sich erboten, eine namhafte Summe zu unterzeichnen.

Wien, 11. Mai. Für dießmal ist Oesterreich der Gefah entgangen, die Leitung des öffentlichen Unterrichts in die Hände eines slawenwüthigen Ministers übergehen zu sehen. Das Portefeuille des Unterrichts wurde Herrn Pa- lazky angeboten, der sich vierundzwanzig Stunden Bedenkzeit ausbat. Vor Ablauf dieser Frist war der ganze Plan indessen schon wieder rückgängig geworden. Ob in Folge einer Ablehnung Palazky's oder aus welchen andern Ursachen ist zur Zeit noch unbekannt.

Sittard, 12. Mai. (Aachen. Z.) Wahrscheinlich aus An­stiften unserer holländischen Beamten, die der deutschen Sache feind sind, erschien heute Morgen hier eine Staffette aus Maest- richt mit dem Befehle des Gouverneurs, das schwarz-roth-goldene Banner von dem Rathhause zu entfernen, widrigenfalls man es mit bewaffneter Macht herabholen werde. Der Stadtrath erklärte, daß er gegen den Willen des Volkes die Fahne nicht entferne. Die Bürgerschaft aber war höchst aufgebracht und wollte sich das Zeichen ihrer Erlösung nicht nehmen lassen. Ein- müthig erklärte man, die Fahne nicht gutwillig herzugeben; der 1 bewaffneten Macht werde man jedoch keinen Widerstand ent- i gegensetzen. Wir sind in Erwartung der Dinge, die da kommen ! werden.

Ungarn

Pesth, 11. Mai. (D. A. Z.) Die Aufregung in unserer i Stadt hat leider gestern Nacht zu einem blutigen Zusam- t menstoß mit dem Militär geführt. Gegen Mitternacht begaben )! sich etwa 150 junge Leute von hier in die Ofener Festung, um

dem kommandirenden General von Lederer eine Katzenmusik zu bringen. Obgleich man aber schon Nachmittag von dem Vorha­ben der Jugend wußte, so war doch der weite Platz vor der Wohnung des Kommandirenden von keinen Soldaten besetzt, sondern erst, nachdem gegen 5000 Menschen zusammengeström- waren, drangen aus plötzlich geöffneten Thoren Grenadiere, Dragoner und Cheveaurlegers auf die unbewaffnete Menge ein. Einem wurde der Kopf gespalten, zwölf sind schwer verwundet, so viel man jetzt weiß. Aber die racheglühende Jugend eilte zu den Waffen und sammelte sich hier in derRevolutions­halle". Mit Mühe gelang cs dem sehr populären ersten Vize­gespan des Pesther Komitats, v. Nyari, und dem Minister Klauzal, ein größeres Unglück abzuwenden, indem sie glänzende Genugthuung versprachen.

In Ofen selbst läutete die Sturmglocke, und es wurden auch Anstalten gemacht, die Schiffbrücke auszuheben. Die Auf­regung ist hier auf den höchsten Grad gestiegen und läßt für heute Nacht das Aeußerste befürchten.

Pesth, 8. Mai. (P. Z.) Das Gerücht, die türkische Besatzung hätte die ehemalige Gränzfestung Ungarns, das gewaltige Belgrad, geräumt, ist nicht nur falsch, sondern im Gegentheile zählt die türkische Garnison gegenwärtig 10,000 Mann, auch wurde Alles aufgeboten, um die Veste wehrhaft zu machen. Die Ingenieurs, die von hier zu Privatunternehmun­gen hinabgingen, würden zum Geniekorps beordert. Ferner steht an der südlichen Gränze Serbiens ein türkischer Heerhaufen von 3o,000 Mann, der freien Durchzug durch Serbien verlangte. Der serbische Fürst aber verweigerte den Durchmarsch. DaS gleicht einer Kriegserklärung wie ein Ei dem andern, deshalb steht auch Serbien unter Waffen. Auch Ungarn ist dabei betheiligt.

Italien

Bei Corunda, etwa vier Meilen nördlich von Treviso, hat nach dem neuesten Mailänder Bulletin ein Gefecht statt­gefunden, das sehr hartnäckig war; zuletzt zogen sich die Italie­ner (Römer) nach Montebelluno zurück.

Die Zeitung von Grätz meldet:Der k. k. Postinspektor in Verona, welcher durch Thatbestand überwiesen wurde, daß er eine geheime Korrespondenz seines beim Chiffren-Kabinette in Wien angestellt gewesenen Bruders mit dem König Karl Albert seit längerer Zeit vermittle und fortan unterhalte, wurde als Landesverräther auf Befehl des Generals Radetzky standrechtlich behandelt und sogleich erschossen."

Venedig ist durch einen Tagesbefehl des Grafen v. Salm in Blockadezustand erklärt, und die Blockade wird auch wirksam gehandhabt, so daß manche Schiffe einstweilen nach Triest sich gewendet haben.

Spanien.

f Madrid , 9. Mai. Neue Exzesse sind nicht vorgefallen. Die Negierung entfaltet eine ungeheure Thätigkeit, weniger durch Truppenaufstellung, als durch Polizeimaßregeln. Eine derselben dürfte zu ernsten Reklamationen Veranlassung geben. In einem Ministerrathe ist beschlossen worden, den Minister des Auswär­tigen zu ermächtigen, der Polizeiverwaltung den schriftlichen Befehl zu ertheilen, die Häuser der Gesandten von Belgien und Dänemark genau zu durchsuchen.

Die Gesandten haben dagegen reklamirt. Zweck dieser außerordentlichen Maßregel war: Hrn. v. Olozaga zu suchen, den man dort verborgen glaubte.

Nachschrift. Das Gerücht geht, Olozaga sey in der Scrrania de Nonda arretirt worden.

Zt a ch s ch r i f t.

Paris, 15. Mai. Einige hundert Polenfreunde ve» sammelten sich auf dem Bastillenplatze, um gleich ihren Kame­raden von vorgestern der Nationalversammlung eine Petition zuzutragen, welche direkte und sofortige Intervention zu Gun­sten Polens und Italiens fordert.

Die Bürgerschaft, vorzüglich das von abgesehen Polizei­beamten gestiftete BlattAssemblee nationale machte aus der Mücke einen Elephanten und donnerte gegen den Uebermuth der Arbeiter. Es predigte einen neuen kommunistischen Kreuzzug und siehe da, cs wäre ihm beinahe gelungen, denn die ganze Bürgerwehr ist auf den Beinen, die Linie konsignirt und an den Straßenecken und in allen Straßenecken liest man eine Prokla­mation des Exekutiv -Komite's, aus der wir folgende Stellen wörtlich entnehmen: