Vor etwa fünfzehn Jahren nämlich, als er auf dem Gchfel seines schriftstellerischen Ruhmes stand, machte er eine Reise durch die Schweiz und er kam in dem Gasthause zu Interlaken in dem Augenblicke an, als der Fürst und die Fürstin von H.. dasselbe verließen. Balzac wurde in das Zimmer gewiesen, welches die fürstliche Familie inne gehabt hatte und er legte sich in das Fenster, um die Fremden abfahren zu sehen. In diesem Augenblicke wurde seine Aufmerksamkeit durch eine liebliche Stimme erregt, die neben ihm um ein Buch bat, welches auf dem Stuhle an dem Fenster vergessen worden sey. Die Dame, welche vor ihm stand, war allerdings schön, sie erschien dem Schriftsteller aber um noch Vieles schöner, als sie ihm mittheilte, das Buch sey ein Band von der Taschenausgabe der Werke Balzac's, weil dieser Schriftsteller allein ihr Vergnügen mache. Sie nahm darauf das Buch unter dem Fensterkissen hervor, unter welchem es sich fand und eilte die Treppe hinunter, denn ihr Gemahl, ein ziemlich bejahrter dicker Herr, der bereits im Wagen saß, äußerte sich laut genug nicht eben freundlich über das Nichtfertigwerden der Frauen im Allgemeinen und der seinigen insbesondere.
Der wappengeschmückte Wagen fuhr endlich davon und Balzac versicherte bei seiner Ehre, er habe die Fürstin H. nicht wieder gesehen bis er sie vor drei Monaten in Deutschland besuchte. Allerdings beeilte er sich, ihr ein sehr artiges Schreiben nachzusenden, in welchem er ihr erzählte, wie ihre Liebe zu seinen Schriften ihn erfreut habe 2c. Sie antwortete ihm darauf und so begann ein regelmäßiger Briefwechsel, der fünfzehn Jahre lang fortdauerte, aber immer nur literarische Gegenstände betraf, bis der Dichter endlich zu Ende des vorigen Jahres statt eines der gewöhnlichen Briefe ein Schreiben der Fürstin erhielt, in welchem sie ihm meldete, daß ihr Gatte gestorben sey und ihr, der Kinderlosen sein ganzes Vermögen vermacht habe, daß sie deshalb aus Dankbarkeit auch etwas für ihn thun und ihm einen — Nachfolger geben wolle. Ihre Wahl sey auf ihren Lieblingsschriftsteller, auf Balzac, gefallen. Wir brauchen wohl kaum zu erwähnen, daß der verarmte Schriftsteller keine weitere Aufforderung abwartete, sondern vielmehr sofort zu der Dame eilte. In den letzten Tagen hat die Vermählung stattgefunden und das junge — ziemlich bejahrte — Ehepaar hat eine glänzende Wohnung in Paris bezogen, in welcher große Festlichkeiten bei Gelegenheit der Natio- nalversammlung gegeben werden sollen. — (A.M.-Z.)
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Wenn die Volkslehrer einmüthig auf Besserung ihrer äußeren Lage dringen, dann haben sie ganz Recht. Aber so gewiß wir hoffen, daß es endlich einmal besser werde mit dem Schullehrer-Elende, so gewiß ist cs auch noch niemals besser gewesen, sondern vielmehr vor dem noch viel schlechter.
Zur Zeit der Reformation hatte der Schullehrer von Weil
burg einen Jahresgehalt von achtzehn bis zwanzig Gulden, und war dabei nicht von der Gemeinde angestellt, geschweige denn vom Staate, sondern vom Scholaster, der den Schullehrer miethete und die Präbende — für sich bezog. Ein solcher Dienst war, wie auch alle Kirchen- und Staatsdiener- Anstellungen damaliger Zeit, vierteljährig kündbar, also au das, was wir etwa ein festes Brod nennen, gar nicht zu denken. Die Besoldungen wurden nicht regelmäßig quartaliter bezahlt, sondern der Lehrer mußte sie selber eintreiben, wobei er in der Regel abermals zu kurz kam, ein Theil des Gehaltes, der von den Schulkindern in der Form von Schulgeld gesteuert wurde, konnte fast nie ganz beigetrieben werden. An vielen Orten hatte der Schullehrer zugleich die Kost (das Runde ssen bei den reicheren Bauern) und einen Sommer- oder Winterrock als Theil seiner Besoldung, wodurch sein dienstliches Verhältniß zur Gemeinde fast auf dasselbe hinaus lief, wie jetzt das von unsern Knechten und Mägden zu ihren Herrschaften.
In einer Supplik aus dem Jahre 1543 oder 1544 bittet der Schullehrer Joh. Orth von Weilburg den Oberamtmann um eine Jahreszulage von 5 fl. zu seiner Besoldung von 20 fl. „Und wenn mir auch die 5 fl. fielen," fährt er dann fort, „kann ich doch nit bezahlen, und alles ist vorgegessen Brod. Es sagten Ew. Gnaden hinter der Kirch zu niir, ich käme zu früh und balde; es hat mich aber diesen Winter anders ge- däucht, er ist mir mächtig lang worden. Gott weiß es, dem sey es geklagt, was ich diesen Winter gehabt! Von dem ersten Markttag in der Fasten hab' ich zu keinem Markttag einen Heller gehabt, daß ich ein Hellerbrod hätt' können bezahlen, soll gleichwohl Holz, Fleisch, Salz, Schmalz, und was zur Haushaltung von Nöthen, so wohl haben, als ein anderer Mensch" u. s. w.
Man sieht also, cs geht mit den gerechten Klagen der Lehrer über Hunger und Elend ganz nach dem Spruche des Rabbi Akiba — „es ist Alles schon einmal da gewesen!"
Selbst die Bitten jener Gemeinden, welche da glaubten, die Schullehrer gehörten zu den abgeschafften öffentlichen Lasten und demgemäß einkamen, daß man ihnen mit den übermäßigen Steuern auch die Lehrer wegnehmen möchte, sind Nichts Neues. Zur Reformationszeit glaubten manche Gemeinden in unserer Gegend, mit der neuen Glaubensfreiheit seyen auch alle Arten von Pfarrern abgeschafft und wollten ihren Beitrag zum Gehalte des Pfarrers nicht mehr bezahlen, indem sie behaupteten, derselbe habe ja nun nichts mehr zu thun. Die Bauern konnten nämlich nicht einfehen, daß die rein geistige Arbeit einer Predigt auch eine Arbeit sey, während sie sagten, wenn früher ein Priester die Messe gelesen, dann habe er doch etwas „gethan" und man habe da doch gewußt, wofür der Mann eigentlich sein Geld bekomme.