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demnächst zu Herrn Camphausen, mußten aber, da Abgeordnete des Bürgerwehr-Clubs in' derselben Angelegenheit bereits Vor­tritt batten, warten.

Auch der Bürgerwehr-Club hatte erklären lassen, daß die öffentliche Meinung des Prinzen Rückkehr hier noch nicht wünsche, und die Zusage erhalten, daß die Angelegenheit am nächsten Tage ftüb sofort in dem Ministerrathe erwogen werden solle. Eine äbnliche Antwort wurde auch den Abgesandten der Volks­versammlung unter den Zelten. Der Ministerpräsident war von dem Minister Gr. Schwerin und einigen Räthen umgeben, als er die Abgeordneten empfing. Beide Minister ergriffen wieder- holentlich das Wort. Einer der Anwesenden bemerkte, daß der Schritt wegen Rückberufung des Prinzen von Preußen nothwen­diger Weise zurückgethan werden müsse, da er eben so wenig zu verantworten, wie auszufübren sey. Als, nach Ertheilung be­ruhigender Zusagen, die Abgeordneten sich zurückzogen, wurde ihnen Seitens der Minister noch an das Herz gelegt, die ver­sammelten Massen ruhig zurückzuführen, was auch geschah.

Von den Zelten indeß wogte die Menge auf das Neue die Linden binab vor den Palast des Prinzen von Preußen, um die seit Kurzem verlöschten Worte:National- Eigenthum" wieder erscheinen zu lassen. Dies führte zu einem Zusammen­stoß mit der Bürgerwehr,und es kam sogar auch eine leichte Verwundung mittels eines Bajonettstichs vor. Aus der Bürger­wehr wurden zwei durch Steinwürfe verletzt. Herr Held und einige Andere begütigten die Massen von der Rampe des Pala­stes hinab, und nachdem die WorteNational-Eigenthum" wie­derum angeschrieben waren, auch der Gen. von Aschoff milde zuredend eingetreten war, verloren sich die dichten Massen. Eine Spiegel-Scheibe des Palastes war freilich zertrümmert worden. Die Königswache hatte schon am Abend gegen 9 Uhr Verstär­kung von der Schloßwache und anderweitig kommen lassen, und, vermuthlich in der Meinung, daß die vorhandenen Mannschaften nicht ausreichten, wurde die gesammte Bürgerwehr erst (nach 11 Uhr) durch Horn-Signale, und nach Mitternacht sogar durch den Generalmarsch unter die Waffen gerufen. Als sie aber in Masse nach 1 Uhr auf dem Opernplatze erschien, war derselbe leer, und eben nur von Bürgerwehrmännern besetzt. Unter den Kompagnien der Bürgerwehr ist eine Adresse in Umlauf, welche sich gegen des Prinzen Rückkehr erklärt.

Das Ministerium hat heute eine beruhigende Erklärung über die Rückberufung des Prinzen abgegeben, die wir in unsrer mor-

Posen, 12. Mai. (Pos. Z.) Dre gestrige Festfeier wegen Aufnahme in den deutschen Bund begann in würdiger Weise mit einem großartigen Akte der Wohlthätigkeit. Auf dem Hose und in dem Saale des Odeums wurden von 6 Uhr Morgens bis gegen Mittag an 1200 Arme Nahrungsmittel, als: Brod, Mehl, Neis, Graupe, Kartoffeln, Fleisch, Häringe, an die zuletzt sich Meldenden Geld in Gaben von 5 und 27â Sgr. vertheilt.

Mieroslawski ist in der Nacht zum 10. nicht hier gewesen, v. BrzezanSki hat sich unter den Schutz des Generals v. Wedell gestellt. Kapituliren wollte hier Graf Szoldrski, erhielt aber nur die Weisung, daß er seinen Landsleuten anzeigen möchte, die Waffen müßten ohne alle Bedingung von ihnen nieder­gelegt werden.

Am 10., Vormittags, sollte bei dem Dorfe Czarne Piat- kowo, zwischen Schroda und Miloslaw, die Waffenübergabe der Insurgenten stattfindeii. Es fand sich jedoch nur eine ganz kleine Schaar verlaufenen Gesindels dort ein, 34 Mann, wie gesagt wird. Die Hauptmacht hat sich durch die Wälder- zerstreut, Niemand weiß wohin. Eine große Abtheilung von gut bewaffneten Insurgenten soll sich unter der Führung des Jan Palacz, Schulzen von Gurczyn und bisherigen Comitö- Mitglied, in die Gegend von Schrimm gezogen haben, und durchaus nicht Willens seyn, freiwillig die Waffen niederzulegen. So liegt allerdings die Besorgniß sehr nahe, daß die Insur­genten an irgend einem anderen Punkte bald genug wieder auftauchen werden.

Der gestern eingebrachte Justizkommissär Krauthofer- Krotowski ist unter allen polnischen Gefangenen der einzige, dem Hand- und Fußschellen angelegt worden sind. Die Ge­fangenen werden übrigens mit großer Humanität behandelt.

Hamburg, 12. Mai. (B. H.) Die hiesige Kommerz- Deputation bringt Folgendes zur Kenntniß des Publikums:

Nach einer unter dem 8. Mai von dem Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten den Gesandtschaften zu Kopenhagen mitgetheilten Note ist beschlossen worden:

1) daß für jetzt weder die Mündung der Elbe oder der Weser, noch auch irgend ein anderer Hafen an der Nordsee durch dänische Kriegsschiffe werde blockirt werden;

2) daß die Blockade der folgenden Häfen: P illau, Dan­zig, Stralsund, Rostock und Wismar vom 16. Mai an aufgehoben werden soll, daß also nur Kiel mit der Mündung des Schleswig'schen Kanals bei Holtenau und Swinemünde blockirt bleiben werden, daß aber die Blockade von demselben Tage an sich ausdehnen wird auf die drei Mündungen der Oder, d. h. von Wolgast, Swinemünde und Camm in.

Um Mißverständnissen vorzubeugen, welche zum Bedauern der dänischen Regierung von Seiten der Befehlshaber der Kriegs­schiffe vorgekommen sind, welche der Blockade eine zu große Aus­dehnung gebend, neutrale Schiffe, die nach nicht blockirten Plätzen bestimmt waren, zurnckgewiesen haben,' wird ein Dampf­schiff diesen Abend erpedirt werden, um ihnen in dieser Beziehung bestimmte Ordre zu überbringen.

Wien, 11. Mai. (A. Z.) Es ist heute sehr Wichtiges zu berichten. Doblhof und Baumgarten sind zu Mini­stern ernannt und das Wahlgesetz ist erschienen. Das entscheidet nicht nur für die bedeutsamen Ministerien, die von jenen Männern eingenommen werden, sondern für die Stellung des gesammten Ministeriums, denn nun erscheint der Sturz der Camarilla als unzweifelhaft.

Frankreich.

Paris, 13. Mai. In dem Ministerium wird an der Resormirung des gestimmten französischen Verwaltungswesens (préfcctures) fleißig, sogar Tag und Nacht gearbeitet.

Boulog ne soll, vernimmt man, befestigt werden.

Großbritannien

London, 12. Mai. P arlament. Unterhaus. Sitzung vom 11. Die Fremdenbill wurde zum dritten Male ver­lesen und ging mit 146 gegen 29 Stimmen durch.

Unterhaus, Sitzung vom 12. Mai. Hr. Hume, Chef des von uns früher schon erwähnten parlamentarischen Reform- Klubs, zeigt an, daß er am 23. c. die Aufmerksamkeit des Hauses auf die Nothwendigkeit einer Reform des englischen Wahlsystems lenken werde. Das englische Parlament, (Unter­haus) in seiner aeqenwärtigen, Beschaffenheit drücke keineswegs "ttf TiT^ajetnsraafSjüpänSe^ der Abdruck der Eigenthums-, Intelligenz - und industriellen Produktionsver­hältnisse der englischen Nation. In diesem Uebelstande liege der Grund zur Gährung unter einer bedeutenden Volkszahl. Er suche daher hiermit die Erlaubniß nach, dem Hause eine Wahl­reformbill vorzulegen, deren Hauptzüge sich in folgende Anträge zusammenfassen lassen: 1) Vollständige Befreiung von jeglichem Zensus für alle Leute, die ein Stückchen Feld bebauen (tenant); 2) Abstimmung durch Zettel; 3) Reduzirung der Parlaments- Mandatsdauer aus drei Jahre; 4) völlige Gleichstellung aller Wahlbezirke nach der Kopfzahl.

Außer dieser wichtigen Anzeige Hume's wurde Palmerston, Minister des Auswärtigen, gefragt, ob es wahr sey, daß zwischen Rußland und der Türkei ein Offensiv - und Defensivvertrag geschlossen worden? Palmerston erwiederte , daß ihm die Existenz eines solchen Vertrags durchaus unbekannt sey und daß ihm keine Note hierüber von seinem Gesandten Stratfort Canning aus Konstantinopel bisher zugegangen. Die Sitzung dauert fort.

Ital i e n

In Turin ward am 8. Mai das Nationalparlament er­öffnet. Der Stellvertreter des Königs, Prinz Eugen v. Savoyen, wies in der Thronrede auf die gewünschte Verschmel­zung mit andern Theilen der Halbinsel, wodurch, wenn diese Hoffnung in Erfüllung gehe, Sardinien jenen Grad von Macht erreichen werde, zu dem es, zum Heil Italiens, die Vorsehung führen wolle.

83] Dienstag, Mittwoch und Donnerstag lasse ich Steinkohle« auSladen. _______~__V. Marburg. _

84] Bei herannahender Kurzeit laden wir Alle, welche Wohnungen zn vcrmiethen haben, ein, stch ans unserm Bürean einschreiben zu lassen und bemerfen dabei, daß Diejenigen, welche Dienstleute suchen, oder Woh­nungen er- und vermiethen , Häuser er- und verkaufen wollen, keine Einschreibgebühren zu tragen und nur dann dem Bürean das in den Sta­tuten festgesetzte Honorar zu entrichten haben, wenn das Geschäft durch die Vermittlung des BnreauS wirklich auSgeführt worden ist.

Wiesbaden, den 15. Mai 1848. Carl Lcncudccker,

Mühlgasse No. 1.

Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl. Druck und Verlag der L. Schellenberg'fchen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.