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nur auf die Auslegung an. In dem Gasthofe, den ich nannte, zittert täglich der Wirth, daß das Volk vor das Haus rücken und es demoliren könnte; in gerechter Wuth, nicht gegen ihn, den unschuldigen Miether, sondern gegen den abwesenden sehr schuldigen Eigenthümer, den ehemaligen Beichtvater des Kö­nigs, Monsignore Coclcs. Es hängt von einem Haar ab. Cocles ist reich in der Verbannung, und hier sind Tausende von Familien durch ihn arm, unglücklich. Die Konstitution schützt seine Reichthümer nicht. Wie sie ist, schützt sie über­haupt noch nichts, nicht die Freiheit, nicht das Eigenthum, nicht den König. Wenn sie alles gut machen sollte, was vor ihr schlecht gemacht ist in Neapel, welche Zauberkraft traute man ihr zu!

Der aufgeweckte Kellner in einem letzten Nachtquartier vor Neapel schüttelte ungläubig den Kopf auf unsere Bemer­kung, daß diese oder jene Ungebühr durch die Konstitu­tion, durch das Parlament abgeschafft werden dürste. Er hielt sie für eben nicht mehr als ein Spielzeug für einige der reichen Herren und Familien in Neapel und meinte, daß sie es in Paris kürzer und klüger gemacht, den König und die ganze Regierung in 24 Stunden fortzujagen. Der Kellner in Sankt Agatha hat viele Sinnesgleiche hier, die wohl das Faktum begreifen, aber sich nicht die Mühe geben zu fragen, was denn nun aus Frankreich geworden, da König und Re­gierung so leicht fortgejagt?

Die Lazzaroni halten das Ganze bekanntlich für dummes Zeug, zu ihrem Druck erfunden; sie hatten in der Unordnung nichts zu verlieren, in dem, was heute Ordnung heißt, er­wächst ihnen kein Gewinn. Wer, was hier regiert? Was man eigentlich will? Es wäre eine weitläufige Untersuchung, der Himmel bewahre wenigstens Neapel vor dem, was Viele, wenn nicht im Herzen, doch auf den Lippen tragen, der Re­publik. Zu allem Unheil, an dem dieses in sich versunkene Reich laborirt, hieße es das letzte Siegel aufgedrückt. Ist ein Reich, ein Land, ein Volk spezifisch unfähig zur republikani­schen Verfassung, so ist es Neapel. Davor haben sich wenig­stes die körnigern, klügern Sicilier bewahrt, indem sie in die­sem Augenblicke sich unabhängig erklärt; sie suchen noch nach einem König. Gruppen standen am Thor , in den Straßen als wir einfuhren. Was gibt es? Solamente una piccola revoluzione questa scra." Patrouillen durchreiten die Stadt, Militär ist aufmarschirt. Was soll es?Nur eine kleine Revolution," die stehende Antwort. Alle Revolutionen begin­nen des Abends hier, und sind längst aus vor Mitternacht; denn Revolutionen sind der legale Weg, um Alles durchzusetzen, Ministerveränderungen, Abschaffung der Pairskammer, Trup­pensendung nach der Lombardei, Krieg an Oesterreich. Die Constitution ist nichts; das der Fluch eines Reiches, welches so lange selbst gegen den Schatten einer Verfassung sich sträubte.

Das Dunstgebilde der Pontinischen Sümpfe hat also auch da­rin nicht getäuscht. (D. A. Z.)

Miszellen.

Kurnik, 2. Mai. (Pos. Z ) -Gestern hat eine Bande polnisch« Sensenmänner den Malerlehrling Walther aus Posen, welcher unbewaffnüs war und harmlos seinen Weg verfolgte, im Walde bei Santomysl meudj- lings überfallen, ihn mit Sensen niedergeschlagen und ihn in der Meinung. / daß er todt sey, ins Getreide geschleppt, wo er so lange liegen geblieben, bit ihn Reisende aufgefunden haben. Glücklicher Weise war jedoch der Knab: nur betäubt, nur scheinbar todt und ist mit zwei Kopfwunden und mehrer« Verletzungen an Händen und Füßen davon gekommen. Ein Sensenhieb h« ihm den rechten Fuß der Länge nach gespalten. Der Verwundete befiäss sich hier in Kur und Pflege.

t Aus Westphalen. Zu A......g im Kastno äußerte ein' Pfarrer, Konsistorialrath und Inhaber des rothen Adler-Ordens: zwelk westphälische Schinken seyen ihm lieber, als die ganze Preß- freih eit. Ein Kaufmann erwiederte ihm darauf, daß dieser Geschmack sich aus Verdaulichkeitârückstchten wohl erklären lasse.

t Paris, 12. Mai. Gestern Abend fand die erste öffentliche Sitzung' des hiesigen FrauenklubbS statt. Der Saal war so voll von Männern, daß die Präsidentin und Herausgeberin derVoix des lemmes mit ihrer Stimme nicht durchdrang. Sie hielt deßhalb nur die Eröffnungsrede und verschob die eigentlichen Diskussionen bis zu einem Tage, wo die gegen so übermäßigen Andrang nöthigen Maßregeln getroffen sein würden. Hr Abhè^ Châtel versuchte ebenfalls zu sprechen, aber das Getümmel übertâubte auch seine gewaltige Stimme. Die Männer selbst gehörten den gebildeten wenigstens feingekleideten Ständen an.

Das Amt Veile in Jütland hat an tägliche n Lieferungen für die deul-i scheu Truppen zu beschaffen: Qchsenfleisch 20,700 Pfund, Reis 5200 $funb| oder Graupen 6900 Pfund, Salz 1400 Pfund, Butter 2650 Pfund od«v Speck 5200 Pfund, Branntwein 5100 Flaschen, Brod 40,000 Pfund, Weiß« brod 1400 Pfund, Wein 350 Flaschen, seine Cigarren 3300 Stück, simpW dito 100,000 Stück, Taback 4000 Pfund, Zucker 100 Pfund, Hafer 32â|g Tonnen, Heu 16,500 Pfund, Stroh 19,800 Pfund. Außerdem sind zum

d. 300 Pferde mit Geschirr zu liefern. Mit diesen Lieferungen wird fortgefahren werden, bis man in Kopenhagen auf an dere Gedanken ko mmt.

Es ist Thatsache, daß in dem aufgeregten badischen Oberlande, N-z man so stürmisch die Repulik verlangte, eine Anzahl der heftigsten Verfechte:» derselben, als man sie fragte, warum sie den Großherzog nicht mehr wollte«,» erwiderten:ja wir wollen den Großherzog behalten, aber wir wolle» auch die Republik dazu."

* In der Kölner Zeitung lesen wir ein Inserat, durch toeldj^ Jemand zu einer Versammlung auffordert, in welcher die-Einfüh runzi der Vielweiberei besprochen werden soll.

Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl. Druck und Verlag der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.