ganzen Tiefe aufgerissen wird, weil man durch diese Zurückberufung neue Unruhen ohne alle dringenden Veranlassungen heraufbeschwören muß. Eine Rückkehr des Prinzeu wäre über kurz oder lang nothwendig gewesen, ja sie würde zur rechten Stunde mit Jubel ausgenommen worden seyn; jetzt nimmt man sie auf als eine Demonstration. Die reaktionäre Bevölkerung Preußens, die in Pommern ihr Hauptlager und in Berlin ein starkes Filiale besitzt, macht sich wieder bereit; man wird die Zurückberufung des Prinzen hiermit in Zusammenhang zu bringen suchen, man wird behaupten, sie deute daraus hin, daß aus dem bei Schleswig vergossenen Solvatenblute wieder ein großmächtiger Korporalstock für ganz Preußenland aufwachsen solle. Dies mag eine bloße politische Kannegießerei seyn, aber weise ist es doch nicht, ohne Noth solchen Kannegießer- Vorurtheilen in einem Augenblicke entgegen zu treten, wo die Ruhe eines ganzen Landes durch einen derartigen Schritt gestört werden kann.
Aus Schlesien, 10. Mai. (D.A.Z.) Ob der Deutsch- katholizismus bei der neuen Gestaltung Deutschlands auf der Seite der Republik oder der konstitutionellen Monarchie stehen werde, darüber hat sich sein Urheber Ronge in diesen Tagen deutlich und öffentlich ansgesprochen. Drohenden Insulten ausweichend, war er neulich bei Nacht und Nebel aus Freiburg entflohen. Indem er in der Schlesischen Zeitung auf einen darüber erschienenen Artikel replizirt, erklärt er unter andern Aussprüchen das Militär für „eine vom Volke getrennte Soldatenkaste, die gegenwärtig schon wieder, besonders in Baden und Posen, zur Unterdrückung der Volkssouveränetät gebrauch, wird." Sollten also für Ronge die Meuchelmörder der Hecker schen und die Franzosen der Herwegh'schen Freischaaren, welch, von den Bundestruppen bekämpft wurden, Verfechter der Volks, souveränetät seyn?
Posen, 10.Mai. (D.A.Z.) Die größte Parteigängerschaar der Polen, unter dem Justizkommiffar Krotowski, ist, wie bereits gemeldet, vorgestern bei Rogalin an der Warthe gänzlich auseinander gesprengt worden; die Insurgenten haben etwa 30 Todte auf dem Platze gelassen und ihre sämmtlichen kleinen Kanonen eingebüßt; viele Gefangene sind in die Hände der Soldaten gefallen. Krotowski selbst, der ein geübter Schwimmer ist, entkam dadurch, daß er sich in den Fluß stürzte, indessen ist er in der verflossenen Nacht in Konnarzewo von dem Lieutenant v. Eckartsberg erkannt und verhaftet worden. Da er eins der Häupter und Hauptleiter der ganzen Schilderhebung der Polen ist, so dürfte sein Schicksal unschwer vorherzusehen seyn. Auch ein anderer Insurgentenchef, der hiesige Schlosser Lipinski, der noch an allen Verschwörungen Theil genommen hat, ein höchst verwegener Mann, ist gestern gefesselt hier eingebracht worden, wobei es noch eine grausenerregende Szene gab. Der Sohn eines bei Buk ermordeten Juden erkannte nämlich in Lipinski sofort den Mörder seines Vaters, und nun fiel das versammelte Volk mit kannibalischer Wuth über denselben her und würde ihn auch trotz der Militäreskorte sofort in Stücke zerrissen haben, wenn nicht ein entschlossener deutscher Mann von kolossaler Kraft, der Regierungsrath v. Schreeb, herzugesprungen wäre und mit eigener Lebensgefahr den Lipinsky der Lynchjustiz entzogen hätte.
Morgen werden wir ein großartiges National fest mit Armenspeisung, einen imposanten Festzug :c. wegen Ausnahme unserer Stadt und Festung in den Deutschen Bund feiern.
Lissa, 9. Mai. (D. A. Z.) Ueber die in Buk stattgehabten Gräuelszenen geht uns von einem Flüchtlinge folgendes Schreiben d. d. Gräz vom 7. Mai zu, für dessen Richtigkeit wir Bürge leisten können. Es lautet: In der Nacht vom 4. Mai rückten 1% Komp. Infanterie unter Anführung des Hauptmanns v. Böningk bei uns ein. Die polnischen Bürger Buks drückten den Soldaten freudig die Hände und begrüßten sie als ihre Erretter. Die dortige Bürgerwehr, fast nur aus Polen bestehend, bat den Hauptmann v. Böningk, die Soldaten, da sie doch sehr müde seyn würden, schlafen zu lassen, und versprach ihm, für die Ruhe der Stadt mit der größten Pünktlichkeit zu sorgen. Nach vielem Zureden der Polen ließen sich endlich die vom Marsche noch ermüdeten Soldaten bewegen und begaben sich, nachdem sie von den Polen fleißig mit Branntwein traktirt waren, zur Ruhe.
Aber kaum waren sie eingeschlafen, so lief die vor den Thoren postirte Bürgerwehr in die umliegenden Dörfer, um die Polnischen Banden zusammenzurufen und sie nach Buk zu führen. Den Anfang ihrer scheußlichen Handlungen machten sie damit, daß die polnischen Wirthe die bei ihnen einquartierten Militairs
im Schlafe ermordeten, die Tambours meuchlings niedermachten und so jede Alarmirung des Militairs verhinderten.
Als diese schändliche Metzelei in aller Stille gelungen war, fuhren vierspännige Wagen, mit Insurgenten besetzt, in die Stadt; ihre Führer hatten Larven vorgebunden und brachten gleichzeitig Frauen und Kinder mit, die die Beute forttragen halfen. Das Militair konnte sich durch das Fehlen der Spielleute nicht sammeln, wurde also einzeln theils niedergemacht, theils gemißhandelt, und mußte endlich, da die Insurgenten fortwährend Zuzug erhielten, die Stadt verlassen. Viele Deutsche, die mit dem Militär nicht fortkommen konnten, darunter auch Israeliten, wurden von den Polen erschlagen, davon sind bereits vier Personen beerdigt worden. Die Frau und Tochter des dasigen Rabbiners sind schwer verwundet, der Rabbiner ist gerettet. Ein Bürger weilte mit Frau und Kindern von Abends 9 Uhr bis Nachmittags 6 Uhr in einem Backofen, um sich vom Tode zu retten.
Alle Deutsche sind bis auf den letzten Heller ausgeraubt worden; in ganz Buk findet man weder Brod, Fleisch noch sonst etwas, was zum Lebensunterhalte nöthig ist. Wäsche, Kleidungsstücke, kurz, Alles haben diese räuberischen Horden mitgenommen, und was sie nicht fortbringen konnten, haben sie muthwillig zerstört, die Synagogen haben sie geplündert, die Thora zerrissen und mit Füßen getreten und die mit Gold und Silber gestickten Decken mit sich genommen. In ganz Buk findet man nur noch einige Leute, die sich nicht retten konnten. Ganz Buk ist zerstört, an vielen Stellen abgebrannt.
Hamburg, 12. Mai. (Köln. Z.) Die Blokade der Elbe vernichtet noch immer jede Thätigkeit, da der Eingang gänzlich versperrt ist. Die Sammlungen für die Flotte gehen noch immer durch die Stadt; die Herstellung einer Flotte ist aber nicht so unbedeutend, wie Manche glauben mögen, und die Aufstellung einer Berechnung ergibt, daß ein Kriegsschiff fünften Ranges, eine Fregatte von 60 Kanonen, kriegsfertig 900,000 Mark Courant koste und 550 bis 600 Mann Besatzung erfordere, eine Kriegsbrigg von 12 Kanonen kostet etwa 100,000 Mark Banko.
Die armirten Handels- und Dampfschiffe können Kriegsschiffen gegenüber wenig leisten, daher sind alle Kräfte Deutschlands nöthig, um eine Flotte zu erbauen. Der Enthusiasmus ist groß dafür im Norden; das kleine Bremerhaven zeichnete allein in wenigen Stunden 10,000 Thlr.; in Hamburg ward durch dieses Streben eine „Deutsche Marine-Zeitung" hervorgerufen, von der morgen Nr. 1 erscheinen wird und die sich als Organ für alle Marinebestrebungen dokumentirt.
Mona, 12. Mai. (K. ZI Sämmtliche Freischaaren sind nunmehr offiziell aufgelöst worden, und wir sehen sie zum großen Theil enttäuscht zurückkehren. Ueber den Prinzen Friedrich von Augustenburg, dessen Feldherrn«Talente bei Bau sich eben nicht glänzend bewährten, werden noch mannichfache Klagen laut. Selbst die Löhnung ist man den Freischaaren zum großen Theil rückständig geblieben, obgleich sie im Dienste nicht geschont worden sind.
Es ist Befehl gegeben worden, die Festungswerke von Fridericia zu schleifen und die preußische Avantgarde unter dem Kommando des Generals Bonin in Beile zu belassen, indem die Besatzung dieses Theiles von Jütland der von Alsen durch die Dänen entsprechen soll. Alle Verhandlungen, welche direkt mit Kopenhagen stattgesunden haben, beschränken sich auf Vorschläge zur Auswechselung der beiderseitigen Gefangenen.
Der Befehlshaber der dänischen Sexmacht im kleinen Belt hat an den General von Wrangel ein Schreiben gerichtet, in welchem er sich über das Verfahren der Preußen beschwert: 1) Gestern am 8. d., während des Kampfes, wurden einige verwundete Matrosen provisorisch in mehreren Häusern ein- quartirt, und diese durch eine weiße Fahne bezeichnet. Die preußische Batterie wählte gerade diese Häuser zur Zielscheibe ihrer Haubitzen und steckte dieselben in Brand. 2) Am gestrigen Abend ist die Stadt Mittelfahrt bombardirt worden. Das Bombardement hat nicht auf die Corvette statt gehabt, sondern auf eine offene und vertheidigungslose Stadt. Ich will ihnen nur bemerken, daß, wenn gegen meine Erwartung die Antwort, mit welcher Sie mich beehren werden, mir beweisen sollte, daß diese Thatsachen auf Ihren Befehl geschehen sind, die dänische Marine im Stande seyn wird, eine grausame Rache an den Seestädten der Ostsee zu nehmen.
In der Antwort von Wrangel heißt es: 1) Der Kampf am 8. vor Friedericia ist nicht von den Truppen unter meinem Befehl, sondern von der dänischen Marine selbstwillig begonnen worden. 2) Die dänische Marine hat sich zu ihrem Zielpunkt