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Berlin, 13- Mai. (B. N.) Die Kunde von der Rück­berufung des Prinzen von Preußen hat zu vielfachen Bespre­chungen, welche gruppenweise auf öffentlicher Straße stattsanden, Anlaß gegeben. Ein Mauer-Anschlag forderte die Bürger, welche den Schritt des Ministeriums mißbilligten, auf, der heut ange­setzten Parade nicht beizuwohnen. Mittags um 12 Uhr fand in' der Aula eine große Versammlung der Studirenden statt, worin man sich entschied: fünf Abgeordnete sollten, Na­mens der Studentenschaft, dem Minister-Präsidenten die Ansicht aussprechen, daß die Rückberufung des Prinzen von Preußen nicht an der Zeit sey.

Die Deputation entledigte sich ihres Auftrages, indem sie dem Herrn Minister-Präsidenten erklärte, daß die Studirenden es für ihre Pflicht hielten, dem Ministerium zu erklären, wie sehr es zu befürchten sey, daß bei der gegenwärtigen gereizten Stimmung des Berliner Volkes gegen den Prinzen von Preußen die Rückkehr desselben eine Aufregung Hervorrufen werde, die der des 18. März an die Seite zu setzen sey.

Der Minister-Präsident gab hierauf die Erklärung, daß man zur vollständigen Befestigung der neuen Verfassung die Zustim­mung des Prinzen von Preußen durchaus nöthig erachte, und glaube, daß er als wohlthätiges Element in die andern Elemente des Staats eingreifen und sich mit ihnen verbinden werde. Auch sey zu erwarten, daß das Heer, von welchem dem Herrn Camphausen gesagt wurde, es sey noch immer für den Prinzen eingenommen, der Verfassung seine Stütze bieten werde, die Jener beschworen habe.

Die Deputation schilderte die Stimmung der Berliner Be­völkerung nochmals, wie sie vor Augen liegt. Der Hr. Minister- Präsident erwiederte darauf: er könne vorläufig nur annehmen, daß die Deputation die Ansicht der Studierenden vertrete, und er müsse daher, bevor der Befehl zurückgezogen werden könne, auch die Erklärungen aus den andern Theilen der Bevölkerung Berlins erwarten. Außerdem sey die Stimmung der Residenz nicht die der ganzen Nation. Die Deputation legte dem Hrn. Camphausen Beweise von Mißstimmung gegen den Prinzen von Preußen auch aus andern Provinzen vor, und bat um Antwort für ihre Kommittenten. Der Minister versprach schließlich, den Protest der Studenten zur Kenntniß des Ministerraths und des Königs zu bringen. ,

Schleswig, 9. Mai. (W. Z.) DieSchleswig-holstei­nische Zeitung" von heute meldet nach brieflicher Mittheilung, daß von der Insel Alfen aus 10,000 Mann Dänen auf Sun- dewik gelandet seyen, denen diesseits nur 5000 Mann gegen­überständen. Diese Nachricht verdient indeß keinen Gl aub en. Zuverlässige Reisende, welche heute von Norden her hier ange­langt sind, haben nichts davon gehört. Auch sind die zur mobilen Kolonne des 10. Bundes-Armeekorps gehörigen Trup­pen int Sundewitschen so dislocirt, daß innerhalb weniger Stunden 910,000 Mann auf einen Punkt zusammengezogen werden können. Es ist deshalb schon aus inneren Gründen durchaus unglaublich, daß die Dänen gerade hier eine Lan­dung versucht hätten, zumal bei dem Zustande, in welchem ihre Landtruppen sich noch ganz vor Kurzem notorisch befanden.

Rendsburg, 10. Mai. (S.-H. Z.) Die angebliche Be­schießung der Festung Fridericia durch dänische Fahr­zeuge löst sich in ein wenig ernsthaftes Scharmützel auf.

(Tagesbefehl des Gen. v. Wrangel.) Soldaten der deutschen Bundesarmee.' Seit Eurem Siege bei Schleswig ist der Feind unaufhaltsam zurückgewichen und nur einmal ge­lang es noch einen Theil desselben an der Bilschauer Mühle vor Flensbnrg zu erreichen, wo er noch eine neue Niederlage er­litt. Groß waren seitdem Eure Anstrengungen, Ihr habt sie überwunden mit einer Ausdauer, die Eurem Muthe im Kampfe gleichkommt, und wenn ihr auch keinen neuen Kampf mit dem Feinde bestehen konntet, weil er sich Euch durch Schnel­ligkeit entzog, so sind doch schon die Früchte jener beiden Siege bedeutend. Schleswig und Holstein sind vom Feinde geräumt bis auf einige Inseln, welche wir wegen Mangel an Kriegs­schiffen nicht betreten können. In Jütland sind wir eingerückt und die Feste Fridericia ist unser dort weht jetzt die deutsche Fahne, und so lange diese aufgepflanzt ist, soll kein Schiff mehr bei der Durchfahrt durch den kleinen Belt einen Zoll entrichten.

Nach diesen Erfolgen will ich Euch jetzt Ruhe geben, um neue Kräfte zu neuen Siegen zu sammeln, denn nicht eher darf der Krieg enden, als bis die Rechte unsers gemeinsamen Vater­landes vollkommen gesichert sind und jeder durch denselben ent­standene Schaden ersetzt ist. Bis dahin bleiben wir beisammen.

Hauptquartier Fridericia, den 3. Mai 1848. Der Oberbefehls­haber der Armee, (gez.) v. Wrangel.

(B.-H.) Daß Schweden wirklich den Dänen beispringt, erklärt sich sehr wohl, nicht bloß aus reiner Sympathie für Dänemark, denn daran glauben wir weniger, aber weil Schwe­den dadurch die skandinavische Union vielleicht jetzt schon zu realisiren, wenigstens für eine nahe Zukunft wirksam vorzu­bereiten denkt, und Schweden kann um so mehr hier kühn auf­treten, weil, wie Privatbriese aus Kopenhagen mit Bestimmtheit melden, Rußland nicht allein seine Zu­stimmung erklärt, sondern auch gegen Schweden die Garantie übernommen hat, wegen aller etwaigen Konflikte, in welche die­ser Staat deßhalb mit den übrigen Mächten gerathen möchte; eine Garantie, welche um so erklärlicher ist, weil Rußland da­durch Schweden von Finnland abzieht und gegen dieses Land gewissermaßen die Hände bindet.

Wien, 8. Mai. (A. Z.) Während in England jeder Ministerwechsel auch eine völlige Umänderung in dem Hofstaate nach sich zieht, und selbst die Hofdamen hievon nicht ausgenom­men werden, finden wir hier noch eine ganze Camarilla beisammen. Gleiches gilt auch hinsichtlich unserer vorzüglichsten Negierungsorgane in den Provinzen und den diplomatischen Agenten im Auslande. Unser neues System wird überall noch von Männern des alten Regime vertreten. Gewiß, das kann und darf nicht so bleiben.

In Cro atien herrschte wilde Kampfgier, und neue Schau­ren zogen ab, um sich der italienischen Armee, die solcher Ver­stärkung wohl bedarf, anzuschließen. Die Männer wurden von den Weibern ermuthigt, den Wälschen doch diesmal den Garaus zu geben, damit sie denn künftig in Ruhe daheim bleiben könn­ten , und die Croaten selbst meinten: so weit sie nun zurückge­drängt wären, so hätten sie den Weg nach den Goldschmidsläden in Mailand nicht vergessen.

Frankreich.

Paris, 12. Mai. Im Ministerium des Auswärtigen ist die Nachricht eingegangen, Ludwig Philipp beabsichtige wirk­lich aus Clarendon nach Spanien überzusiedeln.

In Rouen sind mehrere Hunderte der jüngst arretirten Ar­beiter in Freiheit gesetzt worden. Es sitzen nur noch 150 in den Gefängnissen.

Straßburg, 10. Mai. (Alla. Ztg.) Die Anhäufung von Truppen auf d em deutschen Gebiete längs des Rheins hat, wie ich aus guter Quelle vernehme, zu diplo­matischen Erläuterungen, welche indessen ganz zur Be­friedigung des Hrn. v. Lamartine ausfielen, geführt. Jeden Tag verlassen deutsche Flüchtlinge unsere Stadt, dagegen kom­men auch stets neue an. Herwegh, welcher sich mit seiner Frau einige Tage dahier aushielt, wird heute unsere Stadt verlassen und nach Paris gehen; auch Corvin wird von hier abziehen. Struve und Börnste in haben ihren Aufent­halt vorderhand in Chalons an der Marne aufgeschlagen. Gestern kam eine Kolonne Polen aus Algerien dahier an : sie wollten auch nach ihrer Heimath wandern, allein man hielt sie davon ab. Sehr viele dieser Unglücklichen kehren wieder nach dem Innern von Frankreich zurück.

Spanien.

i Madrid, 7. Mai. Seit diesem Morgen herrscht große Gährung unter der Bevökerung *). In einigen Straßen kam es sogar schon zu Erzessen. Madrid ist von Neuem in Belage­rungszustand erklärt worden; Pezuela ist Platzkommandant; kein Mensch darf ohne Karte zum Thore hinaus und ein Kriegs­gericht ist niedergesetzt worden, das jeden Rebellen noch vor Sonnenuntergang niederschießen läßt. Ucberall herrscht Schrecken. Der Hof hat seine Reise nach Aranjuez aufgeschoben.

Großbritannien.

f London, 11. Mai. Die Königin, Prinz Albert, ihr Gatte, der Prinz von Wales und die Kronprinzessin, ihre beiden ältesten Kinder, haben am Dienstage dem Exkönige Ludwig Philipp, oder, wie sich die Hofblätter ausdrücken,dem erlauchten Verbannten (exiled)" einen Besuch zu Clarendon abgcstattet. Der Besuch geschah mit großem Pomp. Die Reiter, welche den Hof be­gleiteten , waren in Galla. Man könnte diesen Besuch fast eine politische Demonstration nennen, wenn der Hof in England überhaupt noch prinzipielle Bedeutung hätte.

*) Wir haben diese Nachricht bereits vor 2 Tagen als telegraphische Depesche kurz mitgetbcilt. Die Ned.

Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl. Druck und Verlag der L. S ch ellenberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.