Urtheil in politischen Dingen hat, der wird wissen, wie hoch demnach der Werth dieser Anschuldigung anzuschlagen ist.
* Damit unsere Leser auch die Kehrseite einer andern An- ' sicht zu unserem gestrigen Bericht einer „katholischen Stimme aus den Rheinlanden" sehen, geben wir folgenden Artikel der Weser- iZeitung, welcher die Ueberschrift: „Ultramontane Wahl- chgitat ton" trägt:
1 ' Koblenz, 8. Mai. Unsere Urwahlen haben einer irlän- kdischen und wilden Verwirrung nichts nachgegeben. Die Pfaffen -hatten Tags zuvor bis in die Nacht aus den Straßen gepredigt und sogar die Frauen im Beichtstuhl wegen des Heils ihrer Männer besorgt gemacht, wenn sie nicht katholische Kandidaten wählten. Das Militär wurde in unserm Wahlbezirk vor unsern Mugen fanatisirt, die Wahlzettel den Soldaten zuweilen unter -dem Vorgeben, daß sie gemeinschaftlich abgegeben werden würden, weggenoinmen und unterschlagen, thcilweis die aufgeschriebenen Kandidaten ausgcstrichen und andere zur katholischen Partei gehörende Namen an ihre Stelle gesetzt.
Die Frankfurter Wahl endete am ersten Tage, ohne daß es nur zu einer Abstimmung gekommen wäre, mit einer allgemeinen Schlacht, welche unter den Soldaten ausbrach und bei welcher gegen dreißig verwundet wurden; das Blut floß in Strömen ; die Trümmer von Tischen und Stühlen flogen im Garten, wo sich der Kampf entspann, umher. Einer der Aufwiegler, auf der Flucht begriffen und zu Boden gestürzt, wurde durch seinen Offizier, der ihn mit gezogenem Degen schützte, vom Tode 'gerettet. In allen Wahlbezirken, den unserigen ausgenommen, haben die Ultramontanen gesiegte. Mögen sie sich ihres Sieges nicht überheben!
Schon ist die Reaktion gegen sie erwacht und leicht möchte der alte Mönchsspruch aus dem vorigen Jahrhunderte, der schon zum Theil eingetroffen, sich vollends erfüllen: „Im Jahre 1847 I raöcht' ich kein Apfelbaum seyn, im Jahr 1848 kein Soldat, im Jahr 1849 kein Priester. Aber im Jahr 1850 wird die Welt Frieden haben."
Heidelberg, 13. Mai. (D. Z.) Aus Frankfurt bringt man uns soeben die für ganz sicher ausgegebene Nachricht, daß Oesterreich in Galizien dem Beispiele Preußens folgen und das Polnische polnisch reorganisiren wird.
Karlsruhe, 10. Mai. (Köln. Z.) Nach sicheren Nachrichten ist Hecker vor wenigen Tagen aus Straßburg abgereist ‘ und hat sich nach Paris gewandt. Ob er dort zu Gunsten der ' deutschen Propaganda wirken oder sich ganz vom politischen ^ Schauplätze zurückziehen will, ist vor der Hand ungewiß; doch ' schönt cs beinahe, als wolle er mit Struve, Heinzen und ; Konsorten nicht viel zu thun haben.
' Hannover, 18. Mai. (Auszug aus einer Depesche des General-Lieutenants Halkett.)
I „Hauptquartier Mderup, den 8. Mai. Nachdem am 7. (Sonntag) alles ruhig geblieben, landeten die Dänen c heute schon ziemlich früh, von Alfen kommend, auf unserem Ufer, um die neulich (am 6.) angefangene Arbeit der Einebnung ' des Brückenkopfes fortzusetzen. Das von ihnen besetzte Terrain wurde durch die Strandbatterien und bewaffneten Schiffe so gut gedeckt, daß ohne große Verluste nichts gegen sie unternommen werden konnte. Es wurde daher der feindlichen Tirailleurkette eine gleiche entgegengestellt, und die geschlossenen Abtheilungen j (vier Bataillone hannoverscher Infanterie), die hannoversche ,s reitende Batterie und die oldenburgische Halb-Batterie außer- I# halb des feindlichen Gefchlltzfeuers gehalten, bis Nachmittags I« 3 Uhr ein Bajonnett-Angriff unserer Tirailleure, namentlich i, der Schützen des zweiten Bataillons 4. Infanterie - Regiments, das Gefecht beendigte; worauf der Feind jedoch ein ziemlich hef- 0 tiges Geschützfeuer unterhielt, um seine Abtheilungen aufzunehmen, ’t Unser Verlust war nur unbedeutend. Das dritte leichte ,- Bataillon hat einen Todten, und einige Leute sind verwundet; )t jedoch fehlen noch die näheren Berichte."
c 0 Berlin, 12. Mai. In neuerer Zeit werden wichtige Kundmachungen des Königs und des Ministeriums gemeinig- tich in einer ganz eigenthümlichen Weise veröffentlicht. Man e- liest nämlich ein offizielles Schreiben der Minister an den lö König, über den in Frage stehenden Gegenstand, welches im K »Staatsanzeiger" abgedruckt ist, und darunter die Antwort des e- Königs, worin er die gestellten Anfragen oder Wünsche bejaht 4 und gutheißt, und gelegentlich auch noch einige eigene Ansichten il- mit in Kauf gibt. Dieses Verfahren, wobei gleichsam ein ’ii offizielles Zwiegespräch zwischen dem König und dem ver- i- antwortlichen Ministerium vor den Ohren des Publikums in gehalten wird, zeigt wie wenig eS der König übers Herz brin- W gen kann, seine Persönlichkeit ganz und gar in Hintergrund
treten zu lassen. Denn griffe man zur einfacheren und gewöhnlichen Form eines königlichen Erlasses, gegengezeichnet von den verantwortlichen Ministern, dann würde ja alle Welt glauben, daß hier, wie auch in andern konstitutionellen Staaten, die Minister allein das Aktenstück abgefaßt hatten.
Einen solchen schriftlichen Dialog mit dem Ministerium hat die neueste Rümmer des Staatsanzeigers veröffentlicht, woraus wir erfahren, daß der König den Prinzen von Preußen auf Antrag der Minister zur Rückkehr aus England bestimmen will, da man dessen Anwesenheit beim Zusammentritt des ersten wahrhaft konstitutionellen Landtages für nützlich und -nothwendig hält.
Berlin, 11. Mai. (D. A. Z.) Unsere Stadt war namentlich heute Morgen wieder in einer ungewöhnlichen Unruhe und Bewegung. Auf heute war die Verhandlung des Schlöf- fel'schen Processes angesetzt, welche soeben, gegen 1 Uhr, nach fast vierstündiger Dauer damit endete, daß der Angeklagte zu sechs Monaten Festungsstrafe verurtheilt wurde.
Berlin, 11. Mai. (Köln. Z.) Wie höhere Justiz-Beamte erzählen, sei die Ansicht ausgesprochen worden, den Code Na- pole'on unter zeitgemäßer Veränderung der furchtbaren, mit Blut geschriebenen Strafsätze, als Gesetzbuch in die preußischen Staaten allgemein einzuführen. Das Gesetz wegen Entführung der Geschwornen ist im Entwürfe bereits vollendet.
Berlin, 9. Mai. (Bresl. Zeit.) Zwischen England und Preußen ist, dem Vernehmen nach, ein Schutz- und Trutzbündniß abgeschlossen. Das englische Kabinett hat an Präliminarien für die von ihm übernommene Vermittelnnâ in der dänisch-deutschen Angelegenheit die Proposition gemacht, daß Dänemark sofort den Blokadezustand der von ihm gesperrten Häfen aufzuheben, hingegen Preußen Jütland zu räumen hat.
Posen, 9. Mai. (B. N.) Es ist den Polen noch ein Marsch nach Schroda gestattet, wo ihnen dann folgende Kapitulationsbedingungen diktatatorisch auserlegt sind: 1) Niederlegung sämmtlicher Waffen und keine weitere Bewegung nach irgend einer Richtung. 2) Verlegung der Emigranten und Nicht-Ansässigen in Depots zwischen der Elbe und Weser, wo sie Pässe nach Frankreich erhalten sollen. 3) Die Ansässigen: Komoruiks, Bedienten und Gesellen werden kreisweise unter Führung preußischer Detaschements den Landräthen übergeben. 4) Deserteure und Landwehrmänner werden in Posen zur Untersuchung und Kriegsgericht genommen und der Gnade des Königs empfohlen. Burezanski ist Befehlshaber bei Schcoda; Mieroslawski hat sich in Cujavien ergeben.
Die Edelleute flüchten nach allen Seiten, Zwistigkeiten, zweckloses Parlamentiren, ganz unnütze Märsche zeigen die Rath- losigkeit und Auflösung der polnischen Haufen, welche, durch die Geistlichkeit bethört, nur vermöge der Nachsicht der preußischen Generale der Zerstörung entgehen.
Das ganze Unternehmen war ein übermüthiges Spiel mit dem leichtbethörten Volk^ welches, wie es scheint, von gallizischen Szenen nur durch die Stärke der preußischen Verwaltung, die sich selbst in diesen Stürmen bewährt, abgehalten wird.
Posen, 9. Mai. Seit gestern hat sich die sehr wichtige Nachricht hier verbreitet, Mieroslawski sey von seinen eigenen Leuten von der Oberbefehlshaberstelle abgesetzt; als Ursache dazu wird angegeben, er habe einen der Führer wollen erschießen lassen, weil derselbe mit seiner Schaar gegen die kleinen Städte Exzesse verübt.
Die katholischen P r i e ft e r ziehen jetzt auf dem platten Lande mit Schleppsäbeln, Reithosen und Reiterstiefeln mit großen Sporen umher und führen die unglücklichen Landleute dem Tode entgegen. So war der jetzt als Kriegsgefangener hier eingebrachte Priester Koszutski mit Genehmigung ■ und Vorwissen des Erzbischofs v. Przyluski nach Fivns gesandt, um dort die Insurgenten „über die Vaterlandsliebe zu belehren," d. h. die Mannschaften zur Wuth gegen die Deutschen anzufeuern, wie aktenmäßig feststeht. Dessen Feuereifer ist jedoch nichts gegen den des Geistlichen von Cerekwise, welcher mit Doppelflinte und Jagdtasche; bewaffnet, seine Schlachtopfer aufforderte, die Stadt Samter, falls die preußischen Truppen den beabsichtigten Angriff zurückschlügen, an allen 4 Ecken anzu- zünden, sonst aber jeden Deutschen und Juden, welcher angc- troffen werde, sogleich aufzuschneiden (technischer Ausdruck der Geistlichen!) oder todtzuschlagen.
Wien, 8. Mai. (Wiener Z.) Um allen Zweigen der Staatsverwaltung eine gleichmäßige Sorgfalt zuzuwendcn und einzelne Ministerren die jetzt überbürdet sind, in den Stand zu setzen, ungetheilt ihren Hauptausgaben obzuliegen, haben Seine