Nassauische
Allgemeine Zeitung.
^ LS. Dienstag den 16» Mai L8L8.
Die Nass. Allg. Zeitung mit ihrem belletristischen Beiblatt erscheint täglich. — Der vierteljährige Pränumerationspreis ist in Wiesbaden Ä fL, für den Umfang des Herzogthirmâ Ntaffau, des Großherzogthums und Kurfürstenthums Hessen, der Landgrafschaft Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt Ä fl^ 30 je„ in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und Tarisschen Verwaltungsgebieies Ä fl. 410 kr. — Jnsera te werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.
* Uebersicht.
Oeffentliche Sparsamkeit.
DaS deutsche Postwesen (Dritter Artikel).
Deutschland. Wiesbaden (Adresse an den Fünfzigerausschuß). —
Vom Rhein (Aufschneiderei durch polnische Sendlinge). — Koblenz
(Ultromontane Wahlagitation). — Heidelberg (Oesterreich in Preußens Fußtapfen tretend). — Karlsruhe (Hecker). — Hannover (Depesche vom Kriegsschauplätze). — Berlin (Königliche Erlasse. Der Prinz von Preußen. Bündniß mit England. Der Kode Napoleon. Schlöffel vcr- urtheilt). — Posen (Bedingungen für die Insurgenten. MieroslawSki.
Die Priester). — Wien (Ein Ministerium. Weffenberg in Anficht. Der päpstlichen NunstuS).
Frankreich. Straßburg (Zwei telegraphische Depeschen). Großbritannien. London (Thronfolger in Schleswig-Holstein). Rußlaud. Petersburg (Das Stettiner Postdampfboot zurückgehalten). Nachschrift. Paris (Nationalversammlung. Die Rheinarmee. Die
Arbeiter. Erste Sitzung der neuen Regierung). \
** Staats-Sparsamkeit
Von der Dill. Unter Sparsamkeit ist im Staatshaus- baltc dasselbe zu verstehen, was auch im gewöhnlichen Leben darunter verstanden werden muß — das ist: mit wenigst geringen Mittel möglichst Viel zu erreichen. Schlägt dieser Grundsatz nach der einen oder andern Seite um, so ist es Geiz oder Verschwendung.
Zn unserem Vanbe hatten wir leider seit langer Zeit eine ganz besondere Art der Staatshaushaltung, die der Geiz- Verschwendung, worüber der eigentliche Begriff der Sparsamkeit — die sowohl im bürgerlichen Leben als auch in der Staatsverwaltung eine große Tugend genannt werden muß — fast ganz abhanden gekommen ist. Unsere letzten nun in Gott ruhenden Landstände haben hiervon ein herzerhebendes Beispiel gegeben, wodurch sich die Mitglieder derselben nicht mit Unrecht den Namen Landstreicher" erworben haben.
Der Humor hat hier eine tiefe, ernste Bedeutung, und ich glaube, daß sich unsere junge Volkskammer vor keinen Fehlern mehr zu hüten hat, als vor übertriebener Sparsamkeit.
Es ist eine ganz falsche Lehre, daß die Güte einer Negierung nach ihrer Wohlfeilheit beurtheilt werden will, denn es kommt ganz darauf an, was dieselbe leistet oder leisten soll, und die Beurtheilung der Wohlfeilheit kann nur auf das Verhältniß Anwendung finden, das zwischen Kosten und Leistungen besteht. Es kann deshalb eine wohlfeile Regierung schlecht und mithin theuer, und eine theure Negierung wohlfeil seyn.
Eben so falsch ist es, die öffentlichen Ausgaben — was man vielleicht eine weise Sparsamkeit nennen könnte — auf das Nöthigste beschränken zu wollen, denn der Staat vertritt oder ist vielmehr in den verschiedenen Verwaltungszweigen die produktive geistige Kraft, die die Mittel schaffen muß, durch welche eine fortschreitende Entwicklung des Staatslebens und eine wohlthätige Vermehrung des National-Reichthums nur allein möglich ist. Der Staat muß deshalb nicht allein den Ackerbau, die Gewerbe rc. direkt in den Kreis seiner Pflege ziehen, sondern er muß es auch indirekt dadurch thun, daß er die Künste und Wissenschaften — die das geistige Kapitel der zivili- sirten Völker darstellen — begünstigt und unterstützt. Hierdurch
allein kann sich ein gesittetes Gemeinwesen zu einem großartigen, harmonischen Ganzen entfalten.
Es ist eine der Hauptaufgaben unserer neuen Volkskammer, den Staatskräften eine ausgedehnte, aber auch möglichst produktive Wirksamkeit anzuweisen, die alten Schäden und Mängel mit schonender aber kräftiger Hand zu beseitigen und allen öffentlichen Anstalten eine solche Organisation zu geben, daß sie ohne schleppenden Geschäftsgang und mit frischen, dem Flügelschlage der Zeit folgenden Kräften uns möglichst schnell einem Zustande entreißen, der unseren materiellen und geistigen Fortschritt fortwährend hemmt.
Keine Maßregel halte ich in dieser Beziehung für nöthiger und wirksamer, als die-Auflösung unserer Landes Regierung in besondere Direktionen ihrer verschiedenen Vcrwaltungszwcige — und mit thatkräftigen sachkundigen Männern an der Spitze, deren Gesammt-Wirksamkeit durch ein Ministerium, das ebenfalls nicht allein aus Juristen, sondern auch aus Fachmännern zusammengesetzt seyn muß, überwacht und im Gleichgewichte erhalten wird.
Es kommt dabei nicht darauf an, ob durch nothwendige Beseitigung verbrauchter oder unbrauchbarer Beamten dem Lande eine vorübergehende größere Last erwächst; sondern nur einzig darauf, daß wir unsere Hülfsmittel möglichst rasch und nachhaltig entwickeln — und uns die Gewähr verschaffen, daß nicht alle unsere Hoffnungen an einer Anstalt scheitern, deren schwerfällige Zusammensetzung und unpraktische Geschäftsführung den drängenden Anforderungen einer neubildenden Zeit gegenüber, keinerlei Vertrauen mehr erwecken kann.
Ich halte alle Ausgaben, die im wohlverstandenen Interesse des öffentlichen Wohls von der neuen Volkskammer — wenn auch im Nothfalle durch Kontrahirung von Schulden oder Erhöhung der Steuern — gemacht werden, und die darauf berechnet sind, unserer Zukunft eine sichere Grundlage zu geben, oder unsere Hülfsquellen zu vennehren, als vollkommen gerechtfertigt und sogar als nothwendig geboten; während ich eine mißverstandene Sparsamkeit, wie sie der jungen Volksvertretung im Namen des Volkes und sicher als Köder des Polizeistaats vorgehalten wird, um sie von ihrem wahren Beruf — der zeitgemäßen Umgestaltung unserer öffentlichen Zustände — abzulenken, nur als eine Verschwendung zur Begünstigung des alten Systems betrachten kann, das nur in der Landesregierung — die der eigentliche Träger desselben vermöge ihrer Organisation ist und immer bleiben wird, wenn auch neue und bessere Elemente in dieselbe gebracht werden — mit Erfolg beseitigt werden kann.
Hüjen wir uns vor einer solchen Sparsamkeit, sie würde uns theuer zu stehen kommen.
Grpj.
0 Das deutsche Postwesen
(Dritter Artikel.)
Indem wir jetzt die Vereinstare, womit die Dresdener Conserenz uns beglücken will, einer Kritik unterwerfen, beginnen wir mit der Portotare für die Hauptgattung der Briefe: mit der rekommandirten Korrespondenz.
Für diese Gattung von Briefen ist ohne Rücksicht auf die Höhe des Porto's, welches tarifmäßig wie von gewöhnlichen Briefen berechnet werden soll, ein Zuschlag von 0 fr. K.-M.