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Nassauische

Allgemeine Zeitung.

^o ââ. Montag den 13. Mai 18L8.

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Die Nass. Allg. Zeitung mit ihrem belletristischen Beiblatt erscheint täglich. Der vierteljährige Pränumerationspreis ist in Wieèbaken 2 fl., für den Umfang des Herzogthums Nassau, des Großher;ogthnmS und Kurfürstenthums Hessen, der Landgrafichast Hessen-HomlMrg und der freien Stadt Frankfurt 8 fl 30 fr., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und Tarisschen Verwaltungsgebietes S fl. 40 ft. Inserate werden die drei­spaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellenberg'scheu Hof-Buchhandlung auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

Uebersicht.

Don einem Volkslehrer.

Eine katholische Stimme aus den Rheinlanden.

Deutschland. Aus dem D illth a le (Kuriose Geschichte). Frank­

furt (Der, Fünfziger-Ausschuß über das Separat-Protokoll. Erklärung

I H. v. Gagerus und Hergenhahn'S). Bo n d e r badischen Rhein- gränze (Verminderung der Truppen). Posen (Bom Kriegsschau­platz. Die Jesuiten). Königsberg (Unruhen in der Umgegend). Altona (Die dänische HeereSmacht auf Alsen. Schweden.) Kol­bing (Fridericia beschossen).

Sprechsal für Stadt und Land.

Nachschrift.

it Von einem Volkslehrer.

t Von der Dill. Als der Rus der Freiheit mit Windes- schnelle durch die heimathlichen Gaue ging und, wie am Taunus, : so auf unsern waldigen Höhen einen Jubel weckte, würdig des J großen Sieges, da hat auch ein Stand mitgesubelt, welcher J zu Mühen und Sorgen verurtheilt sonst nur die Klage kannte. 1 ^ch meine den vielgeprüften Stand der Volksschullehrer.

I War es nicht die rohe Gewalt, als vielmehr die unwider- Istehliche Macht des Volksgeistes, welche uns die lang verküm­merten Rechte errungen, dann durften wir Lehrer stolz darauf seyn , als Träger und Pfleger dieses Geistes vor Allen mitgebaut zu haben an dem Prachtdome vaterländischer Freiheit.

Mehr aber noch glaubten wir Theil nehmen zu dürfen an der allgemeinen Freude, als wir in der neuen Gestaltung der staatlichen Verhältnisse die Bürgschaft einer freundlicheren Zukunft I auch für uns zu erkennen meinten. Hatten wir seither mit dem Volke gelitten, so hofften wir fortan auch mit ihm zu leben. Ja, die Noth des Volkes ist auch unsere Noth. Mitten unter einem Wüste von Papier, das unsere Pflichten nennt, sind wir bis heute in Ansehung unserer Rechte der Spielball der freiesten Willkür von Unten bis Oben. Wäre es meine Absicht, zu er­bittern, eine Reihe der traurigsten Thatsachen sollte den Beweis liefern, wie wir Lehrer moralisch und physisch mißhandelt wur- den, wohl, um den Knechtsgeist von Kindes Beinen an auch ., dem Volke einzuimpfen, dessen Erziehung in unsere Hände ge- ( geben.

! Dw Noth des Volkes ist auch unsere Noth. Die Gemeinde­lasten in ihrer bunten Benennung haben wir redlich mitgetragen ffvnd uns gerne mit dem guten Willen begnügt, wenn die er­schöpften Kassen nicht erlaubten, uns die Hungerbissen zu reichen, $ welche man unter den Namen Theurungszulagen und Gratifika- k Honen kennt.

i , So haben wir mit dem Volke gelitten, und werden wir fürder mit ihm leben?

Immer waren wir deßhalb voll freudiger Zuversicht, und I zum Lügner hätten wir den gemacht, welcher uns die Ueberzcu- I 8UnS angefochten, daß Achtung und Erkenntlichkeit gegen seine Lehrer nicht fest wurzele unter dem nassauischen Volke.

I Allein, noch auf der Schwelle der neuen, gepriesenen Zeit begegnen wir manch bitterer Täuschung. In keckem Uebermuthe haben verschiedene Dorfgemeinden unseres Landes sich nicht ge­

schämt, ihre Hände nach dem kargen Solde der Lehrer auszu­strecken und Denen zu nehmen, die zu empfangen hofften. Noch nicht genug an der Schande, daß man Männer, die im schwie­rigsten Berufe greis und schwach geworden, durch das armseligste Gnadengeld einem Loose preisgibt, um das sie der elendeste Bettler nicht beneidet: will man die schon betteln schicken, welche, noch thätig im wichtigsten Dienste, kaum was mehr verlangen, als das nackte Leben.

Wir beklagen diese Erfahrung, doch grollen wir den Armen nicht, denn sic wissen nicht, was sie thun. Aber empören muß dagegen jedes bessere Gefühl die Art und Weise, in welcher einzelne Glieder des geistlichen Standes einer würdigeren Gestal­tung unserer Verhältnisse entgegentreten.

' Unter einem Vorwande, der schon manchmal einem schlech­ten Zwecke gute Dienste geleistet, unter dem Vorwande, daß wir die Religion gefährdeten, sucht man das Volk aUfzureizen, daß es sich gegen unsere bescheidene Sache kehre. Ja, insofern eure Religio» immer nur euer Vortheil war, sind wir nicht der Religion, aber jedes pfäsfischen Sinnes Erbfeinde. Je mehr es dem armen, niedergehaltenen Volke wie Schuppen von den Augen fällt, desto mehr seht ihr das magische Dunkel schwinden, das Element, in dem ihr eure Karten mischt; desto mehr ent­schleiert sich das Truggewebe, das ihr fein gesponnen allenthal­ben ausgelegt, wo die Herrschsucht, die Habgier und die Genuß­sucht einen Fang zu machen denkt. Dem Volke aber den Sinn zu öffnen, soll fort und fort unsere heilige Pflicht bleiben; und dadurch, hoffen wir, wird der Religion gerade der wesentlichste Dienst geleistet.

Wir läugnen zwar nicht, es sind unter den Lehrern einzelne Stimmen und Wünsche laut geworden, die gerechten Tadel her- vorgerufen; allein hat sie der ganze Stand'gebilligt ? So gut wir auch wußten, daß in dem geistlichen Regimente die nächste Veranlassung dieser extremen Schritte zu suchen war, so haben wir es doch nicht unterlassen, gegen den Schwindel zu verwar­nen, welcher das Kind mit dem Bade ausschüttet.

Allein welcher katholische Geistliche ist gegen die heftigen Aus­fälle des Pfarrer Hörter aufgetreten?' Muß uns nicht das ruhige Verhalten von dieser Seite als stille Billigung erschei­nen ? Daß aber Gesinnungen, wie sie in jener Schrift einen Ausdruck gefunden, nicht gemacht sind, Zutrauen zu erwecken, daß sie nicht den Beweis liefern, wie es Beruf der Kirche sey, die Schule zu heben, daß sie nicht die Achtung vor dem Lehrer be­thätigen, mit der man sich so gerne breit macht: bei wem könnte darüber noch ein Zweifel obwalten? Gewiß soll cs aus euerm eigenen Munde die W<lt erfahren, wie viel Grund wir haben, uns von der Kirche zu emanzipiren, die so selten mütterlich an uns gehandelt hat.

Biedere Nassauer! Noch lassen uns diese Ausbrüche der Unmündigkeit und Entartung nicht verzweifeln an unserer Zu­kunft. Der Kern unseres Volkes ist ein gediegener, der sich nicht einer Pflicht entäußert, die selbst den Heiden heilig ist. Der gesiniiungstüchtige nassauische Bürgerstand hat längst seine Stimme für uns erhoben; ihm vertrauen wir auch jetzt. Er würdiget unser gebücktes Verdienst, und richtet über unsere Ankläger. Wir spielen nicht unter der Decke; sobald der Gesammtwille einen entsprechenden Ausdruck gefunden, werden wir offen unsere Absicht vorlegen. Volksfeindlich war dieselbe aber niemals, und ist es auch jetzt trotz aller Verdächtigung nicht. So werdet ihr uns dann gerne befürworten, wenn auch wir demnächst ein be­scheiden Theil der Freiheit für uns beanspruchen. Ihr werdet's