Beilage zur Nassauischen Allgemeinen Zeitlang.
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Sonntag -en ia. Mai
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Uebersicht.
Deutschland. Wetzlar (Wahlen für's Parlament). — Hamburg (Erklärung Schwedens in Betreff des dänischen Kriegs). — Hannover (Depesche des Generall. Halkett). — Rendsb urg (Ein neuer Kampf erwartet). — Wien (Die Jesuiten und Redemptoristen in der Monarchie verboten).
Frankreich. Paris (Nationalversammlung. Tagesnachrichten). Italien. Rom (Das Ministerium). — AuS dem Lager bei Verona. Sprechfaul für Stabt und Land.
Deutschland.
0 Wetzlar, 10. Mai 1848. Nachdem vorgestern für den Kreis Wetzlar die Wahl eines Abgeordneten zur Berliner Ständeversainmlung hier stattgefunden hatte, in welcher Justiz- rath Diest erw eg aus Atzbach, jetziger kommissarischer Landrath des Kr'eifes, gewählt wurde, schritt man heute zu der eines Abgeordneten und eines Stellvertreters zur konstituirenden deutschen Nationalversammlung. Der Bezirk Wetzlar erhielt durch 62 aus dem Kreise Altenkirchen gekommene Wahlmänner seine Vervollständigung, und es traten auch von dort mehrere gewichtige Bewerber auf. Sowohl von den Männern des konstitutionellen Klubs als von jenen der republikanischen Partei war Alles in eine unbeschreibliche Bewegung gesetzt; aber es siegten auch hier die Männer des gemäßigten Fortschrittes. Abgeordneter: Oberkammerrath Münch; Stellvertreter: Landgerichtsrath Larenz, beide von hier.
Hamburg, 9. Mai. (B.-H.) Dem Senate ist unterm heutigen Datum von Seiten des königl. schwedischen Herrn Minister-Residenten eine von der königl. schwedischen Regierung dem Berliner Hofe zugestellte Deklaration mitgetheilt worden, in welcher die Erstere anzeigt, daß sie, ohne sich in die schleswig- sche Frage einmischen zu wollen, sich veranlaßt sehen werde, für den Fall, daß der Kampf sich nicht auf das Herzogthum Schleswig beschränke, sondern die deutschen Truppen andere Provinzen der dänischen Monarchie betreten sollten, ein Truppenkorps nach Dänemark zu senden, um mit den dänischen Truppen vereint, jedoch lediglich defensiv, gegen diese Invasion oder Landung deutscher Truppen zu agiren. ' Der Hr. Ministerresident fügt in seiner Note hinzu, die königl. schwedische Negierung werde keine Maßregeln gegen den Handel und die Schiffahrt Deutschlands ergreifen; deutsche Handelsschiffe könnten auch ferner ungehindert die Gewässer von Schweden und Norwegen befahren, so lange keine Feindseligkeiten gegen diese Länder ergriffen werden.
Hannover, 9. Mai. Auszug aus einer Depesche des Generallieutenants Halkett an den König von Hannover.
„Hauptquartier Ulderup, den 7. Mai. Die dänischen Truppen, welche gestern, meinem Berichte zufolge, von Alsen zur Einebnung eines unvollendeten Brückenkopfs herüber gekommen waren, sind heute Alle wieder zurückgegangen. Nach der Meldung der Vorposten ist es gestern Abend sehr unruhig in Sonderburg gewesen, und heute Morgen Generalmarsch geschlagen. Man vermuthet, daß die Dänen, aus Besorgniß einer Landung auf.Alsen, viele Truppen in Sonderburg zusammenge- zogen gehabt, und diese jetzt wieder weggeschickt haben.
Gestern Abend ist noch ein Soldat des 5. Infanterieregiments durch den Arm geschossen, indem er den Feind nicht in Augen hatte, und einen dänischen Jäger, der sich an ihn heranschlich, nicht bemerkte. Der einzige von unserer Seite gefallene Schuß soll einen dänischen Offizier verwundet haben.
Rendsburg, 8. Mai. (Schlesw.-Holst. Z.) Nach einem uns gefälligst mitgetheilten Privatbriefe aus Gravenstein vom 6. Mai, haben die Dänen am Morgen des 6. d. unter dem Schutz eines heftigen Feuers ihrer Schiffe (wodurch eine in Sandberg postirte Schildwache verwundet ward) die Meerenge überschritten und stehen jetzt anderthalb Stunden von unseren Truppen entfernt, welche die Höhen von Dübbel besetzt halten.
Unsere dort vereinigten Truppen schätzte der Schreiber auf 5—6000 Mann, der Feind soll 10,000 Mann haben. Doch erwartete man auf unserer Seite Verstärkung. Man macht sick- fertig, den Feind zu empfangen; der Geist der Truppen ist vortrefflich, die Artillerie im besten Zustand. Zum 7., spätestens zum 8. erwartete man den Kampf.
Wien, 8. Mai. (A. Z.) Ein kaiserlicher Befehl verfügt die Aufhebung der Gesellschaft Jesu und der Kongregation der Redemptoristen. Minister v. Pillersdorf, der diesen Antrag bereits vor acht Tagen stellte, fand einiges Widerstreben ( die ehrwürdigen Väter hatten bekanntlich sehr hohe Gönner und Gönnerinnen. Es half alles nichts. Die riesigen Katzenmusiken der vergangenen Woche machten die hohen Fürsprecher verstummen, und Jesuiten und Ligvrianer müssen auch Oesterreich Lebewohl sagen. Wohin sollen sie nun ziehen? Immer kleiner wird der Raum, wo man ihnen npch eine Ruhestätte gönnt!
Eine Riesendeputation des Magistrats, der Universität, der Bürgerschaft und sämmtlicher Vereine Wiens begibt sich morgen nach Prag, um zu vermitteln und Frieden zu stiften zwischen Tschechen und Deutschen. Friedenstiften? Ihre Freunde meinen, sie könnten sich das Postgeld ersparen.
Frankreich.
□ Paris, 10. Mai. (Schluß der Verhandlungen der Nationalversammlung vom 9.) Die Nationalversammlung schritt demnächst zur Diskussion der Negierungskommission. Aus wie viel Gliedern soll sie bestehen? Soll man die Glieder der prov. Regierung beibehalten ? Eine ganze neue Staatsgewalt wählen, oder was sonst machen?
Senart, der diese Fragen zuerst anregte, wünschte, die Versammlung solle sich in ihre Abtheilungssäle zurückziehen, um die Wahl zu treffen. Dieser Vorschlag fiel jedoch glänzend durch und die Versammlung schritt zur Diskussion des Dornö'sch^n Vorschlages einer Ernennung von fünf Staats Häuptern ad interim. Daragon wünschte nur drei. Bastide und Barbös schlugen vor, die prov. Regierung, wie sie eben bestehe, bis zur Verfassungsannahme zu bestätigen und die Zeit nicht mit Balgereien über gesetzgebende und vollziehende Gewaltentrennungen zu verlieren.
Ueber diesen Vorschlag entspann sich eine überaus lebhafte, faßt tumultuarische Diskussion. Dieselben Männer, die gestern der prov. Regierung zugestimmt hatten: „daß sie sich große Verdienste um das Vaterland erworben," geriethen sich in die Haare, und verriethen nur zu klar, daß sie wohl einen Lamartine und Mar rast, aber keinen Ledru-Rollin, keinen Louis Blanc und keinen Flocon länger am Staatsruder wünschten. Ganz obskure Leute, z. B. wie L acaze, Berard, lüfteten den Schleier über die angeblichen Händel im Schooße der prov. Regierung mit einer Offenherzigkeit, daß Ledru- Rollin auf die Tribüne eilte und eine donnernde Philippika gegen seine verkappten Feinde schleuderte. „Wohlan," rief er im Feuer seines Zornes, „ja, ja, wir haben diskutirt. Ja, die Einen wollten entschiedenere Dinge, als die Andern; ja, über die Mittel, wie den Millionen zu helfen, die ihre Hände um Brod gegen uns streckten, waren wir nicht einig. Aber wenn die Diskussion geendigt, wenn die Mehrheit ihr letztes Wort gesprochen hatte, dann verbeugte sich die Minderheit achtungsvoll und unterschrieb. (Stürmischer Beifall: sehr gut, sehr gut!) Wollen Sie wissen, warum man so viel von unserer angeblichen Uneinigkeit spricht? Die Leute, die so sprechen, haben die Einigkeit nur auf den Lippen, im Herzen dagegen Zwist und Verwirrung, Mißtrauen und Confusion. Verlieren Sie darum nicht ihre Zeit mit fruchtlosen Diskussionen, sondern macht's wie wir, macht's besser, wenn Sie es können; nur handeln, handeln Sie im Sinne des Volks."
Diese Rede machte einen bedeutenden Eindruck auf die Versammlung. Von allen Seiten drückte man dem von der Bühne steigenden so gefürchteten Minister des Innern die Hände und sie wurde das Ereigniß des Tages genannt.