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vor allen die schändliche Erdichtung, als sey General Gagern meuchlings gefallen.

Wiederholt erzähle ich den Hergang, wie er sich wirklich zugetragen hat, und appellire an die Ehrenhaftigkeit der Augen­zeugen, an die Ehrenhaftigkeit, welche ein Feind dem andern schuldig ist, damit sie die Wahrheit meiner Behauptung bestä­tigen. Als unsere Kolonne von Kandern auszog, faßte sie auf den Hohen dicht vor Kandern Posto. Ich stand bei einem Fähnlein am Berge, als mir zugerufen wurde, Gagern wün­sche mich zu sprechen. Ich begab mich auf die Straße, wo mir ein Kavallerie-Lieutenant, ich meine Kiefer, vom Dragoner- regiment in Bruchsal, entgegenkam, und diese Mittheilung wiederholte. Ich stieg den Weg herab, begleitet von mehreren republikanischen Anführern, und traf mit Gagern auf der Mitte einer vor der Stadt Kandern befindlichen Brücke zusammen, wo er mich anredete:Sie, d. h. die Republikaner, müssen die Wassen niederlegen," was ich natürlich ablehnte; darauf fuhr er fort:

Sie sind ein gescheckter Mann, aber ein Fanatiker," worauf ich erwiederte:Wenn die Hingebung für die Befrei­ung eines großen Volkes Fanatismus ist, dann mögen Sie diese Handlungsweise also bezeichnen, dann gibt es aber auch einen Fanatismus auf der andern Seite, dem Sie dienen; übrigens bin ich nickt hier, um hierüber zu streiten, sondern frage, ob Sie mir sonst etwas mitzutheilen haben."

Hierauf enrgegncte er mir: so werde ich mit aller Strenge gleich einschrei'tcii, worauf ich erwiederte: und wir werden einem Angriff zu begegnen wissen; übrigens werden Sie uns (die Anführer) zu unsern Korps zurückkehren lassen; worauf er er­wiederte: Allerdings. Nach diesem Zwischengespräch rief mir ein badischer Stacibsoffizier (Kunz, wenn ich nicht irre) noch zu:Ich beschwöre Sie, stehen Sie ab." Damit hatte das Par­lamentiren und der erste Akt der Handlung ein Ende.

Wir verließen nun unsere Position vor Kandern, sammel­ten unsere Korps auf der Straße und marschirten vorwärts bergauf, ungefähr drei Viertel oder eine Stunde Zeit. In einiger Entfernung marschirten uns die Linientruppen, die Hessen voran, nach. So gelangten wir, nachdem also zwischen der Unterredung aus der Brücke drei Viertel bis eine Stunde ver­stossen war, auf die höchste Spitze des Berges, von wo dann die Straße sich bei Schlechtenhaus stets bergab gegen Steinen W zieht. Hier mußten wir Position fassen, denn zogen wir bergab und ließen den Feind die Höhe fassen, so konnte er uns von oben herab mit Geschütz-, Musketen-, Kavallerie-Chargenleicht werfen. Als die uns nachrückende Linie sah, daß wir Halt machten, hielt sie ebenfalls an, und wir stellten uns nun fol­gendermaßen auf: Ein Fähnlein rechts an der Straße (von Kandern aus gedacht), ein Fähnlein links, ein Fähnlein quer über die Straße, rechts von ihm am Waldrand sämmtliche Sensen und hinter dem ersten Fähnlein rechts von der Straße 4m Gebüsch die Reserve; zu beiden Seiten der Berghänge die Scharfschützen. Die Gegner standen so, daß das hessische> Fuß­volk voranstand, wie man denn wohlweislich vermieden hatte, uns badische Truppen gegenüber zu stellen.

Die Republikaner empfingen nun diese mit einem Zuruf, schwenkten die Mützen oder Hüte, riefen :Kein Bürgerblut ver­gießen, Ihr seyd unsere Brüder, cs lebe die Freiheit, tretet in unsere Reihen," und gleichzeitig traten aus unseren Reihen Männer hervor, streckten die Hände aus, und schon traten ans den vorderen Reihen der Hessen 810 Soldaten vor, offenbar in der Absicht friedlicher Begegung. Als dies bemerkt wurde, ritt Gagern vdr, einer oder mehrere Oberoffiziere begaben sich eben­falls vor. Die Soldaten traten in die Reihen zurück, nachdem er ihnen etwas zugerufen hatte; Feuer wurde kommandirt, ein Pelotonfeuer erfolgte, und nun erst schoß man republikanischer Seits. Hätten wir zuerst schießen lassen, so wäre der Erfolg nicht zweifelhaft gewesen, denn es ist etwas ganz anderes bei kriegsungewohnten Truppen, die erste Salve geben oder die erste Salve ruhig aushalten. Erst nachdem nun Gagern'scher Seits gefeuert worden, feuerten unsere Leute, es fiel Gagern und fast gleichzeitig mit ihm fielen noch andere verwundet oder todt, das konnte ich nicht unterscheiden. Es ist also eine wahre Schändlichkeit, behaupten zu wollen, Gagern sey beim Parla­mentiren erschossen worden, und kein Ehrenmann, mag er auch mein politischer Feind sein, wird je glauben, daß ich sähig sey, einen Meuchelmord auch nur durch Zusehen zu gestatten , ge­schweige ihn zu verhehlen oder zu vertheidigen, ' dafür bürgt mein ganzes Leben. Gewissenlos muß ich es aber nennen, wenn der Fünfziger-Ausschuß zu Frankfurt a. M., wenn dessen Vor­stand, v. Soiron, welchem ich noch ein besonderes Kapitel wid­

men werde, so leichtfertig diese schändliche Anschuldigung als wahre Thatsache annimmt und daraufhin proklamirt.

Von Herrn Baron von Soiron, der selbst noch in Offen­burg im Gasthause auf die Republik Toaste ausbrachte, und mich lange genug kennt, um zu wissen, daß Meuchelmord we­der eines ehrlichen Mannes, noch eines Republikaners, noch mein Handwerk ist, von ihm hatte man wenigstens erwarte» dürfen, daß er mir nicht eine Erklärung mit seinem Name» in die Welt schickte, die eben so grundlos als schmählich ist Ich hätte erwarten dürfen, daß man eben so wenig an eint Tödtung beim Parlamentiren glaube, als ich daran, daß die Familie von Gagern 40 Banditen gegen Struve und mich ge düngen habe. Das Maß des Frechvèrläumderischen ist abet voll mit der angeblich protokollarischen Erklärung eines gewissen Soldaten Trautmilch in derKarlsruher Zeitung," wonaâ ich sogar gegen Gagern ein Pistol abgeschossen hätte.

Ii^dem ganzen Feldzüge kam ich nie, das brachte schon meine Stellung mit sich, in die Lage, den Säbel und die Pisto­len auch nur zu zücken oder anzulegen, geschweige denn davon Gebrauch zu machen. Um aber das völlig Nichtswürdige diesec angeblichen Deponenten in das Licht zu setzen, bemerke ich, das die Badener hinter den Hessen standen, vor mir das Fähnlein rechts vom Wege, ich selbst vor diesem Fähnlein noch rückwärts gegen den Wald, dem Seitenfeuer der Hessen ausgesetzt, so daß ein badischer Soldat gar nicht sehen konnte, was vorne bei den Hessen vorging. Ich bin es fest überzeugt, dieser Geselle ifi nicht im Stande, den Platz zu beschreiben, auf welchem ich sinnt, und doch ist cs ein sehr leicht zu beschreibender. Ich erkläre auf mein Wort, daß die Anschuldigung eine infame Verläumdunz ist, als hätte ich ein Pistol auf Gagern abgedrückt.

Ich zweifle nicht, daß cs gemeine Seelen genug geben wirb, welche in Wort und Schrift die republikanische Sache mit Su­del und Geifer zu bewerfen unternehmen; am meisten solche die noch vor wenigen Wochen selbst die wüthcndsten Fttrstcn- tödter waren; von Hof- und Staatsräthen und andern Ge­schöpfen nicht zu reden. Ich werde diesem monarchischen Epheu und seinem vae victis nicht antworten, es genügt an dieser Erklärung.

Aber Eines mögen sich die Herren notiren: Aus dem für die Herrschaft eines Menschen vergossenen Blute vieler Menschen wird die Republik so sicher erstehen , als aus dem Keim der Baum. Dr. Friedrich Hecker/O

Deutschland. L

Mannheim, 9. Mai. (Deutsche Zeit.) Die Erleichte­rung der die Gesammteinwohnerschast sehr drückenden Last berrj Einquartirung und Verköstigung von 7000 Mann Soldaten wurde bereits am 4. d. M. im Staatsministerium beschlossen, ist aber bis heute noch nicht vollzogen, wahrscheinlich weil die Befehle über die Dislozirung der Truppen vom Prinzen Karlk von Bayern erst noch erwartet wurden.

Heute ist nun dieser in Person hier eingetroffen und ha! einer Deputation des Gemeinderaths , welche ihm das Anlie­gen der Stadt vortrug, die Versicherung gegeben, daß morgen ein großer Theil der Erekutionstruppen abgehen wird. Aaß auch der Kriegszustand aufgehoben werde, scheint einst voreilige Hoffnung gewesen zu sein.

Uebrigens herrschte seit den bekannten Ereignissen in unse­rer Stadt die vollständigste Ruhe, die trotz der vielen Ver­haftungen auch nicht einen Augenblick gestört wurde. Der Deutsche Zuschauer ist unter einem andern Redakteur (Karl Hoff, Bruder des Buchhändlers Hoff) wieder erschiene«, die Abendzeitung noch nicht; für diese hat sich wohl ein Re­dakteur in der Person des Druckers Hähner gefunden, aber die Kaution konnte bis jetzt nicht gestellt werden.

Berlin, 9. Mai. (Köln. Ztg.) Aus bester Quelle wird versichert, daß Rußland an unser Kabinet eine Note gerichtc! habe, durch welche Erklärungen erbeten werden über das Ein- rücken der Preußen in Jütland. Man versichert ferner mit großer Bestimmtheit und von derselben Seite, man fange an, sich die Frage zu stellen, ob nicht in Frankfurt eine provi­sorische Zentral - Regierung zu beantragen sey. Z« dieser Beziehung liegen zwei Entwürfe vor. Der eine stimm! für einen Erzherzog, einen preußischen Prinzen und einen ander« Prinzen für die übrigen Fürsten. Der zweite Entwurf gingt auf Wesscnbcrg, Camphausen und von Gagern hinaus. Ma« fügt hinzu, daß eine dieser beiden provisorischen Regierungen baldmöglichst zusammentreten möchte. Auch an eine definitiv- Zentralgewalt wird gedacht.