Einzelbild herunterladen
 

ja bei den besten Absichten für die Wiederherstellung Polens in einen hartnäckigen und blutigen Krieg mit den polnischen Be­wohnern des Großberzogthums Posen gerathen; es hat dort die Sache von einer halben Million Deutschen zu vertreten, und hat durch die neuerdings ergriffenen Maßregeln, durch das Ziehen Ler Demarkationslinie den thatsächlichen Beweis geliefert, daß es ebensowohl die gerechten Ansprüche der Polen, als die gleich gerechten der Deutschen berücksichtigt. Aber nichts desto weniger werden deutsche Soldaten im Bette erdrosselt und Grausamkeiten verübt, die daS Mitgefühl für die Leiden der Polen ersticken müßten, wenn man nicht in dieser grausamen Rache zugleich die Strafe für früher begangene Sünden erblicken müßte. Betrachtet man die Ereignisse von diesem Standpunkte, so ist es allerdings unbegreiflich, wie man die feindlichen Kräfte noch vermehren, wie man die Zahl derjenigen noch verstärken soll, die es für ihre nächste Pflicht halten, die Deutschen aufzuknüpfen, und die von einer fanatischen Priesterschaft zu Mord und Brand auf- geheßt werden. Der Ausdruck Michelei ist für das zu milde das völlige Vergessen der Pflichten, die Deutschland seinen eige­nen Söhnen gewissenhaft zu erfüllen hat, zeigt, daß man ent­weder keinen Begriff hat von Vaterland, von einem einigen Vaterlande, oder daß persönliche Stimmungen zu sehr sich geltend gemacht haben, wie diese schon einmal bei den Berichten über die Vorfälle in Aachen hervorgetreten sind. Wahrlich, es fehlt nicht viel daran, so rufen wir Triumph und jubeln, wenn die Lombarden in Deutsch-Tyrol eindringen, und die polnischen Sensenmänner die Bevölkerung deutscher Kreise niedersäbeln. Der Reichstag wird hoffentlich eine gesundere Politik mitbringen und mehr Verstand.

Von der Niederelbe, 6. Mai. Je weiter die Preußen in Jütland vorwärts dringen, desto spärlicher und unzuverlässiger werden die Nachrichten vom Kriegsschauplätze; und desto mehr verringert sich das Jnterresse des Publikums an dem weiteren Verlaufe der Operationen des Landheeres. Dagegen nimmt der Antheil an dem theils begonnenen theils noch bevorstehenden Treiben der Dänen zur See von Tage zu Tage zu; denn hier­bei ist das ganze kommerzielle Deutschland wesentlich betheiligt und hieran knüpfen sich die materiellen Interessen aller Stände. Daß diese bereits bedeutend leiden, ist unzweifelhaft; aber erfreu­lich ist es andrerseits, daß man das Schlimme nicht bloß mit Muth zu ertragen, sondern auch mit energischen Mitteln zu be­kämpfen beginnt.

Laut neueren Nachrichten aus St. Petersburg hieß es, daß der Großfürst Constantin zum Schutze des russischen Han­dels am 23. April (5. Mai) mit einer Flotte nach dem Sunde abgehen werde.

Die Besetzung Fried ericias wird im Preuß. Staats- anzeiger nach einem Bericht des Gen. Wrangel vom 3. Mai mit folgenden Zusätzen angezeigt.

Eine heftige Kanonade hat heute Mittag bei Snoghoe zwi­schen dänischen Kanonenschaluppen und der preußischen Artillerie, welche nebst einem Bataillon zur Deckung dieses Landungsplatzes ausgestellt war, stattgehabt. Von unserer Seite ist dabei ein Kanonier erschossen worden, doch scheint der Feind bedeutender gelitten zu haben.

Die Bevölkerung ist ernst und hat den Takt keine Gefühle zu heucheln, die sie für uns nicht empfinden kann, doch zeigt sie vollständiges Vertrauen in die Mannszucht unserer Truppen.

Von den Freischaaren haben sich viele den preußischen Trup­pentheilen als Tirailleurs attaschirèn lassen, so z. B. die kieler Studenten dem Regiment Alexander, die thüringer Schützen dem 2. Infanterie-Regiment.

Altona, 7. Mai. (W. Z.) Es erhält sich noch immer die Ansicht, daß die Hannoveraner den Uebergang nach Alsen mit Gewalt versuchen werden, während gestern Abend wieder hier das Gerücht ging, Alsen sey bereits von den Dä­nen verlassen.

Hamburg, 7. Mai. Es wird bereits eine außerordent­liche Thätigkeit und Energie der Bestrebungen daran gesetzt zur Verwirklichung des kühnen Planes mit bewaffneten Fahr­zeugen die zur Elbe geschickten Dlokadeschiffe der Dänen an­zugreifen; es fanden gestern noch zwei Versammlungen statt in Bezug auf das schleunige Herbeischaffen von Mannschaft und Geldmitteln. Die erste Vereinigung erfolgte als Wirkung des Aufrufes eines Matrosen (es soll ein Rheinländer sein); diese Versammlung war zwar noch nicht stark besucht, doch konnte sich daselbst schon ein Komite von Schiffskapitänen bil­den, welche morgen ihre Namen veröffentlichen werden.

Hamburg, 7. Mai. Mittags 12 Uhr. Noch gestern waren bereits 5 Schiffe und gegen 160,000 Mark zur deutschen Flotte zur Disposition gestellt.

Die Herren Godeffroy und Sloman haben mit ihren pa­triotischen Anerbietungen einen großen Eindruck hervorgebracht und werden gewiß viele warme Nacheiferer finden. Gestern um 6 Uhr fand zu demselben Zwecke eine Zusammenkunft von Matrosen im Elbpavillon statt und um 8 Uhr versammelten sich St. Pauli's Bürger, nachdem der Bürgerverein bereits 600 Mark aus seiner Aasse beigesteuert hatte, im (Urania-) Aktien­theater um eine Sammlung durch die Vorstadt zu berathen, ähnlich wie in der Börse eine durch die ganze Stadt angeregt worden.

Am 3. d. M. starb, 79 Jahre alt, in Warmbrunn (Schle­sien) der General-Feldmarschall Graf v. Zieten, Chef des 4. Husarenregiments, einer der tüchtigsten Männer des Befrei­ungskrieges , und von 1818 bis 1835 kommandirender General in Breslau.

Frankreich.

Paris, 8. Mai.

Ein Artikel der Presse über Schleswig-Holstein ist vom französischen Standpunkte sehr unklug. Dieser Krieg habe, sagt der Verfasser, für Frankreich keine Art von Wichtigkeit. Alle Welt überzeugt sich aber hier davon, daß ein einiges starkes Deutschland der Tod der britischen Handels-Ar istokratie wäre. Hier zeigt sich das russische Ohr des v. Girardin doch gar zu keck. Es lebe die deutsche Flotte!

I t a l i e n

Mit der Kriegserklärung des Papstes gegen Oesterreich ver­hält es sich nach den eben einlausenden genauern Nachrichten der Allg. Zeitung folgendermaßen:

Bekannt ist der Widerspruch, in den der heilige Stuhl kam, indem von ihm die wiederholte Erklärung des Friedens mit Oesterreich ausging, während der römische Feldhaupt­mann über den Po rückte und sich wie oberitalienische Blätter behaupteten von der Republik Venedig Subsidien bezahlen ließ. Fortwährende Tumulte, die dem Papst in seiner Haupt­stadt erregt wurden, konnten ihn nicht zu der Unterschrift der Kriegserklärung bewegen. Die Klubs drängten immer ffur? Mischer. Vergebens. Pius IX. zeigte, daß er noch nicht allen Willen verloren habe.

Da ward am 29. April ein Konsistorium abgehalten. Det Papst erklärte in seiner Allokution, ihm sey als Nachfolger Petri, der alle Völker mit Liebe zu umfassen habe, jeder Krieg ein Gräuel; mit Abscheu gar erfülle ihn der Gedanke, daß man ihn an die Spitze einer italienischen Republik stellen wolle. Nie habe die Absicht weltlicher Vergrößerung : ihn geleitet. Sey er nicht im Stande gewesen, den Feuereifer derjenigen seiner Unterthanen zu dämpfen, die an den Ereignis­sen von Oberitalien sich betheiligen wollten, so sey ihm bloß begegnet, was auch viel mächtigern Fürsten als ihm widerfahren sey; er habe seine Soldaten bloß zum Schutz des Kirchenstaats an die Grenze geschickt. Welche Macht aber habe er, die Leiden­schaften derer, welche weiter gehen, in Schranken zu halten? Alsbald nach dieser Allokution reichten alle Mini­ster ihre Entlassung ein. Der Pabst schien sie annehmen zu wollen. Die Klubs beriethen über Ausstellung einer provi­sorischen Regierung; die Bürgergarde besetzte alle Thore und ließ keinen Kardinal' hinaus es hatte sich das Gerücht verbreitet, der Papst wolle sich nach Subiaco zurückziehen.

Endlich erklärte der Pabst: für die weltliche Negie­rung seyen die Minister verantwortlich; er könne kei­nen Krieg zwischen seinen Kindern erklären. Das Ministerium bleibt; nur Graf Mamiani tritt an Cardinal Antonelli's Stelle, der den Vorsitz übernimmt. Vvn ihm erwartete man die Kriegserklärung, die der Pabst nicht unterschreiben wollte. Dessen ungeachtet werden die Italiener fortfahren, den Kreuz­zug gegen Oesterreich zu predigen, das österreich-feindliche Deutschland wird seinen Beifall klatschen und die Franzosen werden die Frucht des Sieges ernten.

Schweiz.

Bern, 8. Mai. (D.Z.) Heute ist der Gr. Rath eröff­net worden, und nach einer sehr stürmischen Sitzung, in welcher ein unheilbarer Zwiespalt in der Regierung zu Tage kam, hat Herr Ochsen dein seine Entlassung als Regie­rungsrath und Präsident des Vororts gegeben.

Verantwortlicher Redakteur: W. H Riehl. Druck und Verlag der 8. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.