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an der Bewegung verdächtig erscheint. Die Behandlung und Verpflegung der zahlreichen Gefangenen auf Fort Winiari soll sehr schlecht seyn. In der Nacht vom 4. zum 5. ist ein Ba­taillon des 18. Infanterieregiments in Buk von den Insurgen­ten angegriffen und, nachdem wiederum gegen 200 in die Reihen der Polen übergetreten waren, wie man gestern sagte, fast ganz vernichtet worden. Auch andere kleine Kämpfe sind vorgefallen. Seit der Einäscherung der ganzen Stadt Xions durch die Trup­pen haben dieselben, so viel bekannt, überall den Polen weichen müssen.

Die Taktik Microslawski's ist eine ganz eigene und neue, die unsere Generale sehr in Verlegenheit zu setzen scheint, und das Militär selbst soll sehr entmutigt seyn, sowohl durch den Löwenmuth, mit dem die Polen überall siegreich kämpfen, wie durch die graufenerregende Art des Anmarsches der Sensen­männer. Diese wetzen nämlich die bis zum Augenblicke des wirklichen Einhauens in der Hand kurzgefaßte Sense, so daß die Funken fliegen, und singen dazu ihr brausendes Volkslied: Noch ist Polen nicht verloren;" so rücken sie nach dem Takt des Liedes an, fallen bei der ersten Gewehrsalve, die ihnen ent­gegen kracht, auf's Knie und stürmen dann geschloffen vor; nur wenn sie gegen Kanonen anrücken, singen sie einen Choral und scheinen mit geschloffenen Augen resignirend in den Tod zu gehen.

Dieser furchtbare Kampf der Polen, die ihre Freiheit als ein Geschenk von Deutschland erwarteten und sich ursprünglich gegen Rußland rüsteten, wird nur mit ihrer Vertilgung enden können, und wie man sagt, soll auch die ganze Garde- ; Artillerie (3G Geschütze) hiehcr unterwegs seyn, um dann mit 60 bis 70 Geschützen und mit Kartätschen und Shrepnells die Metzelei zu führen.

' Gestern Abend bald nach 10 Ukw fielen hier von Fort : Winiari und dem Wilda-Fort in Zwischenräumen mehrere 1 Kanonenschüsse, und gegen 11 Uhr wurde Generalmarsch ge­schlagen. Das Schießen dauerte mit kleinen Unterbrechungen ' bis nach 1 Uhr Nachts, doch erfolgte kein wirklicher Angriff - auf die Stadt, und wahrscheinlich hatten sich der Festung nur ! Sensenmänner genähert, um die Besatzung zu alarmiren. Das ) dürfte sich wohl noch öfters wiederholen, da die Operationen c Microslawski's darauf berechnet sind, das Militär systematisch - zu ermüden. General von Colomb hat auf eigene Hand hin - das Stand recht an demselben Tage wieder cingefuhrt, wo - Mieroslawski die gefangenen Landwehr-Offiziere und Wehr- r männer ungekränkt in Freiheit gesetzt hatte; allein Mieroö- lawski ist der Mann dazu, bei wirklicher Ausführung desselben fürchterliche Repressalien zu üben, und auf der anderen 8 Seite wird es die Insurgenten mit noch größerer Tovesverach- it tung im Kampfe erfüllen, wenn sie wissen, daß doch jeder Ge­tz fangene erschossen wird. Dieses ist hier schon viel gesprochen n und nicht gehalten worden.

s Bromberg, 3. Mai, Abends 6 Uhr. So eben erhalten n wir eine Schrecken verbrertende Nachricht aus Wongrowice. In - Lopienno, einen Städtchen bei Wongrowice, wurde in dieser > Nacht Sturm geläutet. Der Ruf erscholl: Nach @tiefen! t- und in kurzer Zeit war die ganze männliche (nur polnische) tr Bevölkerung im Marsche dahin, u n den Insurgenten beizustehen.

i 0liefen wird sich bei einer solchen Macht der Insurgenten nicht H halten können, und wehe dann den armen Deutschen und Juden!

Hamburg, 6. Mai. (K. Z.) Der Kampf mit Däne- mark wird nun, trotz der schwachen Kräfte zur See, rasch be- ii' ginnen und wohl eben so rasch beendet seyn, da unsere Matro- 7 sen voll Feuer und Muth sind; sie kämpfen um ihre Existenz. 0 Mangelt es auch vorläufig noch an Kriegsschiffen, so werden s doch unsere Dampfschiffe und größere Kauffarther- fi fairer gute Dienste leisten, besonders da sie von tüchtigen so Matrosen geführt werden. Weder Griechenland noch Amerika so hatte im Beginne des Kampfes mit den Türken und Englän- >t, dern Kriegsschiffe, und doch siegten Beide, warum sollte dies E nicht in Deutschland auch der Fall seyn? Alles wirv aber ' von den Schritten Englands abhängen, dessen B e o b a ch t ung s- [ Flotte schon ausgelaufen seyn soll, wie Briefe aus England berichten. Die in der Nordsee liegende Fregatte würde bald überwältigt seyn, wenn sie nicht von England aus unter- stützt wird. Die dänischen Kriegsschiffe sind sehr schwer gebaut und gewiß nicht so leicht zu bewegen, wie unsere Dampfschiffe.

Wien, 5. Mai. (A. Z.) Gottlob! Die gute deutsche Sache cn hat wenigstens zur Hälfte in Wien gesiegt. Von den sieben gewählten Abgeordneten für Frankfurt sind drei für den engen, innigen Anschluß an Deutschland, und der vierte (Fehr. v. An- x drian) ist ein Patriot im vollsten und edelsten Sinn des Wortes.

Die gestrige Nacht ging ziemlich ruhig vorüber. Ein Theil der Nationalgarden blieb bis zu den Morgenstunden unter dem Gewehr. Eine kaiserliche Proklamation, an den Straßenecken angeschlagen, mahnte dringend zur Ruhe. Im gleichen Sinn hat Graf Colloredo Mansfeld, Kommandant der akademischen Legion, einen Aufruf erlassen. Der Pfarrer von St. Leopold, ein bekannter Anhänger der Redemptoristen, wurde von seiner Stelle vertrieben.

Die Wiener Bürger, welche ein Bittgesuch zu Gun­sten der Redemptoristen (Ligorianer) eingereicht hatten, haben wirklich durch gedruckten Mauer'anschlag öffentliche Abbitte geleistet.

Aus Italien lauten die Berichte fortwährend günstig für die Oesterreicher. General Nugent hat seine Avantgarde bis nach Conegliano, zwei kleine Tagemärsche vor Treviso, vor­geschoben. Man betrachtet hier allgemein den Fall Vene­digs als ziemlich nahe und glaubt nicht, daß die Stadt sehr ernsten Widerstand leisten werde. Die Republik von St. Marco war eine todte Geburt und würde sich keinenfalls selbständig er­halten haben.

Frankreich.

Straßburg, 6. Mai. (A. Z.) Gestern Abend um 7 Uhr erhielt das hier garnisonirende Regiment Scharfschützen (chasseurs cTOrle'ans) teil ganz unerwarteten Befehl, sofort an die italienische Gränze zu rücken. Dieser Befehl wurde mit solcher Schnelligkeit ausgeführt, daß, nachdem die an öffentlichen Orten und Spaziergängen verteilten Soldaten in ihre Kaserne zurückgerufen worden waren, das Regiment bereits um 9 Uhr mit der Eisenbahn die Stadt verließ.

Großbritannien

London, 6. Mai. (Köln. Z.) Der Krieg, welchen Cob­den und seine Freunde seit einiger Zeit gegen den Krieg und allen Kriegsaufwand führen, hat wenigstens die gute Folge, daß die Minister sich sorgfältiger als sonst gesche­hen seyn möchte, vor Krieg zu hüten haben. Lord Palmerston, diesergewaltthätige und gefährliche" Mann, um mit Lord Grey zu reden, hat in der letzten Zeit eine weise Zu­rückhaltung bewiesen und darf nicht mehr der Welt-Brandstifter genannt werden. Der etwas übermüthige Ton, welchen Eng­land gegen schwächere und abhängige Staaten bisher angenom­men hat, wird von selbst aufhören, da in Europa auch unter den Staaten die Demokratie sich geltend machen wird. Die allgemeine Stimmung der Engländer ist durchaus dafür, Eng­land, wenn es irgend mit Ehren geschehen kann, von jedem Kriege fern zu halten, welcher aus der allgemeinen Auf­regung der Völker des Festlandes Hervorbrechen könnte. Ein auswärtiger Krieg, z. B. wegen Schleswigs oder Italiens, steht vorläufig auch durchaus nicht zu besorgen; dagegen ist die Gefahr eines Bürgerkriegs in Irland noch immer nicht beseitigt.'

Sprecihsaal für Stadt und Land.*)

W Wiesbaden, 7. Mai. Es läßt sich nicht verkennen, daß die hiesige Volkswehr ihren Zweck von vornherein erkannt und mit großem Eifer zu verwirklichen gesucht, dabei mit Recht alle überflüssigen Scherereien verworfen und bei Ererzitium und Disziplinarbestimmungen nur das wahrhaft Nöthige ausgenom­men hat. Willig und in vieler Beziehung aufopfernd, wie es der Ernst dieser Tage gebot, ging Jeder an's neue Werk. Die­ser Pflichteifer hat in den letzten Wochen, wo in unserer näch­sten Umgebung die äußerliche Ruhe wieder eingetreten ist, merk­lich abgenommen. Wir dürfen uns darüber keineswegs wunder», und können auch, abgesehen davon, daß die öffentliche Beruhigung in unserer Nähe schon eine geringere Spannkraft zu erhalten vermag und die Wichtigkeit, für alles Kommende in jedem Augen­blick gerüstet und schlagfertig zu seyn , weniger vor Augen rückt, leicht Gründe auffinden, warum cs auch denen etwas verleidet und lästig erscheinen muß, die etwas weiter in die Zukunft sehen und von einem gewissen natürlichen Hang zur Bequemlichkeit weniger abhängig sind. , ,

Diese Gründe liegen einfach darin, daß die Diszipltnar« gesetzt der Volkswehr bei Einübungen des Exerzitiums, bei

*) Um Mißverständnissen zu begegnen, bemerkt die Redaktion ein für altes mal, daß sie die Tendenz des im Sprechsaal Ausgesprochenen in keiner Weise vertritt, sondern denselben theilweise gerade dazu bestimmt hat, daß Widerlegungen, Erklärungen, Vertheidigungen k. darin niedergelegt werden, denen sie ihrer persönlichen Ueberzeugung nach und um der einheitlichen Haltung des Blattes willen mt poli­tischen Tert keinen Raum hätte geben können.