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-sicher nicht der Verfasser. Man versichert vielmehr ganz offen, daß Lamartine und Marrast ihn fast ganz allein aufsetzten.

Außer den zahlreichen Reformen, worunter natürlich der Sieg über die rothe Fahne, die Abschaffung der politischen Todes­strafe obenan stehen, enthält der Bericht die Erklärung, daß die provisorische Regierung der Nationalversammlung keinen Der- fassungsentwurf verlegen wolle, doch ermuntere sie die Versamm­lung: Gott, Eigenthum und Familie zu beschützen, die Steuern gehörig zu vertheilen und der Arbeiterfrage ihre möglichst größte Aufmerksamkeit zu widmen.

Ledru-Rollin bestieg hierauf die Tribüne, um als Mi­nister des Innern die Reihe der Spezialberichte über die Staatsverwaltung zu beginnen. Seine Stellung war offenbar die delikateste und sein Vortrag wurde mit gesteigertem Interesse gehört. Allein es will uns bedünken, daß derselbe einen viel zu persönlichen Charakter trug. Er entwickelte alle die gegen ibn gerichteten Angriffe mit viel zu großer Empfindlichkeit, während er den Nadelstichen des Constitutionel gänzliche Verach­tung hätte entgegensetzen sollen. (?) Das Journal des Debats sagt deßhalb heute sehr geistreich:Hr. Ledru-Rollin ist sehr undankbar; man will aus ihm einen großen Mann machen und er mag nicht."

Herr Ledru-Rollin, der Robesplerre der Iultrevolution, machte sich in der That lächerlich, als er die Vorwürfe von Anarchie und Kommunismus mit dem Ausrufe zurückwies: Nie­mand anders, als Er habe den Appell zur berüchtigten Wind­mühlenschlacht gegen den Kommunismus am 16. schlagen lassen

Ganz anderer Natur war darum der Eindruck, den Louis Blanc's Rede auf die neuen Gesetzgeber machte. Trotz der jugendlichen Physiognomie des Redners, der so klein ist, daß er auf ein Fußbänkchen trat, um die Brust vor der Bühne desto freier lüften zu können, lief kalter Ernst durch den Saal und auf allen Gesichtern malte sich die Furcht vor dem Gespenst des Kommunismus. In lebhaften Farben schilderte er, der Präsi­dent des Arbeiter-Parlaments, die Lage des eigentlichen Sou- verains und mehr als einem Mitgliede lief es eiskalt über den Rücken, als der Redner die gesellschaftlichen Wunden ausriß und Heilmittel forderte.Wir sind," schloß er,nicht ausschließlich mit den Interessen des Proletariats beschäftigt; wir wollen nicht blos das Wohl dieses oder jenes Volks, sondern der ganzen Menschheit." Die Carnotschen und Garnier-Pago'schen Vor­träge; mit denen die Sitzung schloß, enthalten Zahlen und müssen darum gelesen werden.

H Italien. Die Pariser Blätter vom 7. enthalten fol­gende telegraphische Depesche:Am 1. Mai brach in Rom eine Volksbewegung aus, weil sich der Pabst geweigert hatte, Oesterreich den Krieg zu erklären. Das Ministerium hat abgedankt und das Volk gab dem Pabst 2 4 Stun­den Bedenkzeit, nach deren fruchtlosem Ablauf eine pro­visorische Regierung, eingesetzt werden sollte. Die unter deck Herzog von Savoyen kommandirenden sardinischen Generäle Sormatz und Sommerive haben die Oesterreicher bei Ve­rona geschlagen. Das mittelländische französische Geschwader ist am 4. Mai von Livorno nach Neapel abgegangen.

Sprechfaal für Stadt und Land.

§ Wiesbaden, 8. Mai. Gestern wurde unser Kursaal eröffnet. Das herrliche Frühlingswetter, die wiedererwachte üppige Natur, ewig neu und ewig dieselbe im ewigen Wech­sel immer beständig hatte viele Sonntagsgäste herbeigelockt. Möge der Himmel dem schönen Anfang einen guten Fortgang gönnen; denn die Kur ist unser Acker und unser Pflug.

Im Kursaalgarten spielte, anstatt unserer mit in's Feld für's Vaterland gezogenen Militärmusik des 2ten Regiments, unser braves Theaterorchester, welches sich vor Kurzem auch als Musikchor für unsere Bürgergarde organisirte.

Zwar hatte sich ein auswärtiges Chor zum Spiel hinter dem Kursaale für die Saison gemeldet da trat unser Orche­ster auf und übernahm den Dienst, um ihn und den Verdienst jeden Tag, wann unsere Regimentsmusik zurückkehre, an diese wieder abzutreten.

Die Leute der in's Feld gezogenen Militärmusik verlieren ihren ganzen Nebenverdienst, der wohl zwei Drittel ihrer jähr­lichen Einnahme betrug. Bei einer solchen Schmälerung können Verlegenheiten für Weib und Kind bei Vielen nicht ausbleiben.

Man sagt, daß durch ein freiwilliges Uebereinkommen des Orche­sterpersonals der Verdienst den in's Feld gezogenen Kollegen zu gut kommen soll. Wie edel und großherzig wäre dies, wenn unser ausgezeichnetes'Theaterorchester das Spielhonorar für die Gartenmusik den Familien der in's Feld gezogenen Kollegen widmete!

Die Männer unsers Orchesters das meist aus wahren Künstlern besteht, das die Mitglieder der ehemaligen Hoskapelle des Herzogs, welche europäischen Ruf besaß, in sich ausgenom­men, dürften es unter ihrer Würde halten, als Gartenmusik aufzutreten aber nicht unter ihrer Würde, für einen edeln Zweck ihre Kunst zu verwenden. Hohe Ehre und das schöne Bewußtseyn einer edeln That sey ihr Lohn.

Wir hoffen, ja wir sind überzeugt, daß sich unser menschen­freundlicher, allgemein verehrter Direktor Foreith gewiß gerne an die Spitze des schönen Unternehmens stellen und nicht wenige Mitglieder unseres trefflichen Orchesters ihm hierin fol­gen werden. Der Dank aller Edeln wird ihnen nicht aus­bleiben. Pzi.

):( Wiesbaden. Im Hinblicke auf die während der nächsten Tage in Wiesbaden vorzunehmenden Wahlen für den Stad trat!) erlaubt man sich, darauf aufmerksam zu machen, wie sehr es im Interesse der Stadt liegen dürfte, das in dem Rathe derselben die Schulen sachkundige Vertreter auS der Mitte der Lehrer selbst fänden. Bei der erhöhten Zahl von Mitgliedern des Stadtraths kann man der Bildung unserer Jugend die angedeutete kleine Rücksicht ja auch leicht angMihen lassen.

Frankfurt a. M., den 8. Mai. Mittags 1 Uhr.

Oesterreich, 5 % MetalliqueS . ....

Papier. 597,

Geld.

57% 1

52

50

30

29

3 "/ Bankactien o. D.....

1060

500 fl. Loose........

102

98

250 ff. Loose........

68

64

Preußen, 50 Thaler Prämienscheine ....

79

77

31/, % Staatsschuldscheine â 105 kr. .

73

71

Bayern, 37,% Obligationen.......

74

72

Ludw igs -Kan al-A c ti en.......

.

Berbacher-Gisenbahn-Hlctien.....

52

51

Würtemberg, 37, % Obligationen.....

747,

73#

47, % neue Obligationen . . .

87%

Baden, 3 7, % Obligationen von 1842 ....

71

69

Lotterie-Anl. â 50 ff. bei G. n. S. . .

377, 24%

367,

35 ft. Loose vom Jahr 1845 ....

247,

Darmstadt, 3'/, % Obligationen.....

75 7,

747,

4% .....

83

81 !

50 ft. Loose ........

54%

53%

25 ft. Loose.........

207,

197»

Kurhessen, Friedrich-Wilhelms- Nordbahn-Aktien

307,

30

40 Thlr. Loose bei Rothschild. . .

22%

217,

Nassau, 37, % Obligationen bei Rothschild . .

77

7571

25 fl. Loose..........

20

19

Frankfurt, 3 % Obligationen .......

75

37, % von 1839 . . .

90

88

3 7, von 1846 . . .

85

83

T aun u s - Ei senbah n - A e t i e n â 250 ff. . . .

265

255

" s, 's ult-

, g

Holland, 2'/, °/a Integralen . ......

417,

Spanien, 3 % Innere Schuld.......

177,

17

5 Ardoin incl. 15 Coup.....

127,

12

Pölen, 300 fl. Lotterie-Loose.......

500 ff.

-----1

52

50

Sardinien, 36 Fres. Loose bei Gebr. Bethmann

207,

1971

DiSco n t o..............

3

7°1 Einladung.

Zufolge einer Verordnung des Herzog!. Staats-MinisteriumS vom 1 Mai d. I. soll zur Berathung der aus Schutz und Förderung der Arheil! bezüglichen Einrichtungen eine besondere Commission ^errichtet werden uni zwar aus neun Personen, welche durch ihre Verhältnisse und Beschäftigungen die Bedürfnisse der arbeitenden Klaffe genauer kennen zu lernen Gelegenheit gehabt haben.

Der Gewerbcverein ist damit betraut worden , vier dieser neun CoM misstonsmitaliedcr zu wählen.

Da diese Wahl am zweckmäßigsten in der auf den 11. d. Mts., wi< gewöhnlich, ansgeschriebenen ordentlichen G eneralversamni- iung vorzunehmen seyn wird, in welcher außerdem, wie schon besann' gemacht worden ist (Nr. 8 der Mittheilungen für den Gewerbeverein) di! Wahl der Wahlmänner zur theilweisen Ergänzung des Vorstandes und Aus­schusses des Vereins stattfinden wird, so laden wir hierdurch noch einmal sämmtliche Mitglieder des Vereins zu jener Versammlung ein. Dieselbe wird um 10'/, Uhr Morgens im Gasthause zu den vier Jahrszeiten ihre« Anfang nehmen.

Wiesbaden, den 7. Mai 1848.

Der Vorstand und Ausschuß de»

Gewerbevercius.

Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl. Druck und Verlag der L S chelle n berg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.