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Nassauische
Allgemeine Zeitung.
M âEV Donnerstag den LL Mai L8L8.
Die Nass. Alla. Zeitung mit ihrem belletristischen Beiblatt erscheint täglich. — Der vierteljährige PränumerationSpreis ist in Wiesbaden 8 f[., für t^n Umfang des Herzogthums Nassau, des GroßherzvqthumS und Kurfürstenthums Hessen, der Laiidgrafschaft Heffen-Hvmburg und der freien Stadt Frankfurt 2 fl 30 fr., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und Tarisschen Verwaltungsgebietes 2 fl. 40 fr.—Inserate werden die drei- svalnge Petitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.
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U e b erst ch t.
Das Ende vom Lied.
Deutschland. Wiesbaden (Taktloses Verfahren der badischen Regierung. Die Petition der Gymnasiasten). — Dillenburg (Doppelte Wahl). — Von der Dill (Die Berg- und Hüttenindustrie).— Frankfurt (Gutmüthige Politik). — Offenburg (Berichtigung). — Lörrach (Die auswärtigen Truppen in Baden). — Solingen (Arndt gewählt). — Berlin (Gräuelthaten in Buk). — Posen (Vom KriegS- W-schauplatze. „Brndergruß"). Königsberg (Knechte als Wahlmänner).
— Hamburg (Angriff zur See. Heldeumüthiger Entschluß der Pil- laner. Aufruf. Die Insel Alsen. Der König von Dänemark. Dropsen gewählt). — Wien (Der Erzbischof. Die czcchische» Tendenzen. Graf Figuelmont).
Frankreich. Straßburg (Die deutschen Freischaaren). Großbritannien. London (Erklärung Palmerston'S). Ungar». (Die drohenden Gefahren in den österreichischen Ostprovinzen). Polen. Von derGräuze (Gränzsperre. Ein BrieferüffniingSfabri- kaut). '
Nachschrift. Paris (Sitzung der Nationalversammlung).
Italien. Rom (Aufruhr).
Sprechsaal.
er es schon einmal nach der ersten französischen Revolution gethan. Der Militär st and hatte durch die Ereignisse des Februar und März seine ganze Bedeutung vollends verloren, die in den langen Friedensjahren ohnedies so sehr geschmälert worden war. Aber man vergleiche einmal die deutschen Soldaten von gestern mit denen von heute. Man wird finden, daß sich seit den kleinen Siegen in Baden und den großen in Schleswig-Holstein das Selbstgefühl des Soldatenstandes ungeheuer gehoben hat. Dieß wird noch weiter gehen. Laßt nur erst einmal den drohenden europäischen Krieg hereingebrochen seyn, dann ist der Soldat wieder der erste Mann im Staate, und es bedarf nur die volle Entschiedenheit und das Genie eines kühnen Kopfes und übermorgen haben wir wieder einen Napoleon, d. h. eine Militärdespotie. Was werden dann jene Männer in Paris sagen, die zum Kriege wegen Italien, wegen Polen, wegen der „Gloirc“ gereizt, und solchergestalt das Militär wieder zur ersten Nothwendigkeit gemacht haben? — Was werden unsere Anarchisten sagen, welche den Leuten, die aus sie nicht hörten, die Ohren schlechterdings mit Büchsenkugeln aufknöpfen wollten? — Sie werden reumüthig eingestehen müssen, daß sie einen Selbstmord an der eigenen Partei begangen haben, und außerdem — einen Mord an der jungen europäischen Völkerfreiheit.
* Das Cnde vom Lied.
Die Sprache der französischen Blätter in Betreff der italienischen Angelegenheiten wird in dem Maße entschiedener als die Oesterreichcr wieder mehr Boden in der Lombardei gewinnen, und der Einsall der italienischen Freischaaren in Tyrol als eine wahnsinnige Tollkühnheit sich herausstellt. In gleicher Steigerung verstärken bekanntlich die Franzosen auch ihre Alpenarmee, und sollten die Oesterreicher ihre zwei Hauptfeinde in Italien überwinden, nämlich den Hunger und die schlechte eigene Führung der Truppen, dann sind wir gewiß, daß die Franzosen den Italienern zu Hülfe eilen werden. Schon vergleicht man in Paris die Lage der Dinge in Italien mit der ähnlichen zur Zeit der ersten französischen Revolution — es fehlt nur noch der Buonaparte, der die Oesterreichcr über die Alpen zurückjagt und hernach — die französische Republik in die Tasche steckt. Ganz besonders droht neuerdings das offizielle Blatt der provisorischen Regierung, der „National," den Oesterreichern sehr deutlich mit dem Finger, falls sie fortsühren, „die Rechte der Italiener und Polen mit Füßen zu treten, während sie sich die ihrigen aus dem Wege der Verfassung zu sichern bemüht seyen." — Ueberhaupt sind die Franzosen ungeheuer freigebig mit Zumuthungen, daß wir alle mögliche Länderstrecken im Norden, Süden, Osten, Westen aus" dem deutschen Reichsverbande streichen sollen, während cs ihnen im Traume nicht einfällt, uns das wiedcrzugcben, was sie uns gestohlen haben, — Elsaß, Burgund, Lothringen.
In Paris treiben die Männer der extremen Partei die Regierung unvermeidlich in jene europäische Kriegsverwickelungen um der Wiederherstellung von Ländern willen, welche die Franzosen in keiner Weise etwas angehen. Und was rufen diese Männer schließlich dadurch hervor? — Dasselbe was unsere Anarchisten, wenn sie zu den Waffen greifen, über kurz vder lang zu Wege bringen — einen Militärdespotismus, über ganz Europa sein eisernes Szepter halten wird, wie
D e u t s ch l a n d
* Wiesbaden, 9. Mai. Die badische Regierung hat, gelind gesprochen, unklug gehandelt, daß sie auf eine Formalität sich stützend, wobei sie äußerlich im strengen Rechte war, die sie aber eben so füglich hätte ignoriren können, die Mannheimer „Deutsche Volkszeitung" unterdrückt hat. Wir mißbilligen dies ebenso guf im Namen der Freiheit, wie wir das Hecker-Struve- sche Beginnen im Namen der Freiheit mißbilligt haben. Gerade bei der anarchistischen Presse muß die Polizei am ersten durch die Finger sehen, weil es gut ist, daß die Geister sich austoben, weil man hier am ersten auch den leisesten Schein einer Beeinträchtigung der freien Presse meiden soll. Die Mannheimer Schimpfblätter hatten sich ohnedies selber schon den Hals gebrochen, warum also noch einmal die Polizei zu Hülfe rufen? Die Regierung hat durch dieses polizei- mäßige Verfahren ihrer eigenen Sache einen schlechten Dienst geleistet, den Anarchisten aber den allerbesten.
+ Wiesbaden, 9. Mai. Die von den Schülern der oberen Klassen des hiesigen Gelehrten-Gymnasiums an Herzogliches Staatsministerium gerichtete Adresse findet sich in der heutigen Beilage zur Nass. A. Z. abgedruckt und erhält gerade durch die Aufnahme in öffentliche Blätter einige Bedeutung, die ihr sonst wohl nicht zu Theil geworden wäre. Wir sind überzeugt, die Verfasser und Absender der Adresse werden bei ruhiger Ueberlegung selbst einsehen, wie einerseits eine Adresse an das Staatsministerium gar nicht der geeignete Weg war, Abhülfe ihrer Beschwerden und Verwirklichung ihrer Wünsche zu verlangen, andererseits aber die Adresse selbst an solchen Inkonsequenzen und Widersprüchen leidet, baß cs schon deßhalb wohl besser gewesen wäre, die Arbeit wenigstens nicht der Oeffentlich- keit zu übergeben. Auf den Inhalt näher einzugehen, scheint überflüssig, womit jedoch nicht gesagt seyn soll, daß alle ausgesprochenen Wünsche unbegründet seyen; im Gegentheil, einige verdienen wohl Beachtung und werden diese sicher auch finden.