reservirt, die, wie es scheint, unter Oudinot in Piemont einrückt, um den Mailändern und Benetianern zu Hülfe zu eilen. Dieser Entschluß findet allgemeinen Beifall.
Heute ist der Tag, an dem sich die Schicksale Frankreichs zu formuliren beginnen. Gegen 2 Uhr wird die provisorische Regierung der Nationalversammlung ihren Rechenschaftsbericht über die Verwaltung seit dem 24. Februar Vorlegen und dann wird die Versammlung wohl zur Ernennung einer 'neuen provisorischen Regierung schreiten, welche die Staats- Geschäfte Frankreichs bis zur definitiven Verfassungsannahme zu leiten hat. Das Journal des Debüts stellt zwei Mittel in Aussicht, 1) fünf Glieder zu ernennen, die sich verantwortliche Minister beiordnen, 2) eine Art Ministerrath, mit einem Präsidenten an der Spitze.
Der erste Vorschlag taugt offenbar nichts; der zweite, ein praktischerer, dürfte aber heiß bekämpft werden, weil die Radikalen der Lamartin'schen Popularität überdrüssig sind. Wie wäre es, wenn man die provisorische Regierung noch einmal provisorisch bestätigte. Die Versassungsbäckerei kann doch nicht allzu lange dauern?!
Das fünfte Heft der Revue retrospective ist erschienen. Es enthält weniger Skandalgeschrei als die früheren, ist aber nichtsdestoweniger wegen seiner Finanzgeheimnisse sehr erbaulich. Man sieht aus ihm deutlich, daß Louis Philipp mit Staatsanleihen sich den Beutel mit Privatrenten spickte. Und derglei^en Dinge mehr.
Das Gerücht, wonach die provisorische Regierung von den deutschen Bundesstaaten die Erlaubniß zum Durchmarsch eines Armeekorps von 30,000 Mann nachgesucht habe, um damit den Polen zu Hülfe zu eilen, machte leider die Runde durch alle Zeitungen. Irren wir nicht, so veröffentlichte die Berliner Zeitungshalle zuerst einen Pariser Brief, worin es hieß, daß Depeschen von hier aus nach Berlin und Wien abgegangen seyen, denen Armeen bald folgen dürften. Diese Angabe entbehrte jedoch jedes Grundes», Es ist der provisorischen Regierung gar nicht eingefallen, ein solches Verlangen an Deutschland zu stellen. Sie besitzt Strategie
genug, um zu begreifen, daß es ein Unsinn wäre, mit einer Handvoll Leute mitten durch Deutschland gegen Rußland zu Felde zu ziehen, ohne vorher der Beistimmung oder Geleits des gesammten deutschen Volks versichert zu seyn.
Abdelkader, dem die provisorische Regierung erklärt hatte, daß sie ihn nicht früher nach Aegypten abreisen lasse, als bis die innere Ruhe Frankreichs gesichert sey, hat einen sehr verbindlichen Brief an sie gerichtet, worin er ihr gesteht, daß er mit Freuden noch drei Monate lang ihr Staatsgefangener in Pan bleiben wolle. Nach drei Monaten werde er seine ergebenste Anfrage erneuern.
In dem Lamennais'schen Verfassungsentwurfe ist ba^ Büdget für die Geistlichkeit gestrichen.
Nachschrift.
* Durch gütige direkte Mittheilung auf Privatweg ist uns nachfolgende verbürgte neueste Nachricht aus Posen zugekommen :
Posen, 4. Mai. Gestern wurde von hier zum Zweck der Befreiung der in Gorka gefangenen Landwehren ein Detachement von 40 Mann Infanterie unter Lieutenant v. Borowski und 20 Husaren unter Lieutenant v. Garnier ausgesendet. Dieselben drangen bis Krosno, zwischen den beiden Jnsurgentenlagern von Gorka und Moschin vor, wo sie von der bereits erfolgten Freilassung der deutschen Landwehrleute unterrichtet wurden. Auf dem Rückwege wurden sie von etwa 300 Sensenmännern in Gürczyn angegriffen, die nur nach hartnäckiger Gegenwehr und mit fünf! Todten den Platz räumten. In diesem Gefecht hat sich ein jü-1 bischer Soldat ganz besonders ausgezeichnet. Der Bruder des; gefangenen O. Brachvogel, der Assessor E. Br., begleitetes diese kleine Abtheilung auf ihrem unter den obwaltenden Umständen fast tollkühnen Zuge.
Heute Morgen wurde von Samter der bekannte Mackiewicz ; schwer verwundet nebst zwei andern Aufwieglern gefangen ein- i aebracht. Der dort stationirte Lieutenant v. Mitzlaff hält mit seinen Husaren durch überraschende Schnelligkeit die Ruhe int ganzen Kreise aufrecht.
Bekanntmachungen.
70] Einladung.
Zufolge einer Verordnung des Herzogl. Staats-Ministeriums vom 1. Mai d. I. soll zur Berathung der auf Schutz und Förderung der Arbeit bezüglichen Einrichtungen eine besondere Commission errichtet werden und zwar aus neun Personen, welche durch ihre Verhältnisse und Beschäftigungen die Bedürfnisse der arbeitenden Klaffe genauer kennen zu lernen Gelegenheit gehabt haben.
Der Gewerbeverein ist damit betraut worden, vier dieser neun Com- rnisfionsmitgUeder zu wählen.
Da die>e Wahl am zweckmäßigsten in der auf den 11. d. Mts., wie gewöhnlich, ausgeschriebenen ordentlichen G eneralversamm- iung vorzunehmen seyn wird, — in welcher außerdem, wie schon bekannt gemacht worden ist (Nr. 8 der Mittheilungen für den Gewerbeverein) die Wahl der Wahlmänner zur theilweisen Ergänzung des Vorstandes und Ausschusses des Vereins stattfinden wird, — so laden wir hierdurch noch einmal sämmtliche Mitglieder des Vereins zu jener Versammlung ein. — Dieselbe wird um 10'/a Uhr Morgens im Gasthause zu den vier Jahrszeitcn ihren Anfang nehmen.
Wiesbaden, den 7. Mai 1848.
Der Vorstand und Ausschuß des
GewerbevereinS.
69] Jagdgewehre, Terzerolen, Zündhütchen, Kugelformen bei
L. Marburg.
In der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden ist vorräthig:
Die deutsche Nationalbewaffnung.
Als Beitrag zur Lösung einer der wichtigsten Fragen in den Reform- ; bestrebungen unseres Deutschen Vaterlandes. Von Pz. Preis 24 kr.
Ferner:
Der Geist meines ersten Wirkens in der deutsch-katholischen Kirche, dargestellt in einer Sammlung von Festreden nnd Predigten. Von Eduard Graf, deutsch-katholischem Prediger.
Preis 1 ff.
The english Struwwelpeter, or pretty stories and funny pictures for little children. Aste ther sixth edition of the celebrated german work of Dr. H. Hoffmann. Price 1 11. 24 kr.
In der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden ist erschienen:
Marsch für Militärmusik, componirt und den deutschen Wehrmännern gewidmet von Eduard Kunz Clavier-AuSzug. Preis 12 kr.
67] Donnerstag den 11. d. M. Morgens 10 Uhr, werden dahier folgende bei Errichtung der neuen Zolldienstgebäude zu Biebrich vorkommende Arbeiten und Lieferungen, worüber die Etats vorher eingesehen werden können, versteigert:
1) Tannenholz, sogenanntes Rheinholz, angeschlagen zu ... . 6638 st. 52 kr.
2) Zimmerarbeit . . . 1957 „ 24 „ 3) Dachdeckerarbeit . . . 4212 „ 45 „ 4) Schlosserarbeit . . . 1988 „ 10 „ Wiesbaden den 3. Mai 1848.
Herzog!. Nass. Amt.
Winter. 8
66] In einem Landhause, nahe bei der Stadt, ist der obere Stock, bestehend aus 2 Salons, 4 Zimmern, Küche Speicher, Magdkammer, Keller, verschließbaren Holzplatz, Mitgebrauch der Wasch
küche und Pumpe zu vermiethen; auch ist in demselben Hause 1 Zimmer nebst Cabinet mit oder ohne Möbel abzugeben. Das Nähere bei der Expedition dieses Blattes. ____________________
68] Ein geübter Mühlarzt kann sogleich aus dauernde Zeit Arbeit erhalten. DaS Nähere bei Gebrüder Dofflein in Mainz.
In der Buchhandlung von E. W. Kreidel in Wiesbaden ist soeben angekommen:
Die Verfassungen der Vereinigten Staaten von Nordamerika, der Freistaaten Pennsylvanien und Texas, der Königreiche Belgien und Norwegen, die Bundesverfassung der Schweiz und die englische Staatsverfassung.
71] Preis 1 fl. 12 kr.
In der L. Schellenberg'schen Hofbuchhandlung in Wiesbaden ist erschienen und daselbst in allen Buchhandlungen zu haben:
Leichenrede O’Connell’s.
Gehalten von Pater Lacordaire in der Kirche Nötre Dame zu Paris am
10. Februar 1848.
Preis 15 kr.
Der Dominikaner-Mönch Lacordaire „der radikale Pater" gibt uns hier in der Leichenrede O’Connell’s ein Bild katholischer Anschauung. Wie fiegend widerlegt er den Haupt- und Grundirrthum unserer Tage: daß nämlich die Kirche sich nicht vertrage mit dem ersten und dringendsten Bedürfnisse des Jahrhunderts — dem Fortschritte und der Freiheit! —
Verantwortlicher Redakteur: W. H, Riehl. — Druck und Verlag der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.