gekommen werden, um so mehr, als nach der Erfahrung der Religionsunterricht auf die Oberklassen nur nachtheilig wirkt.
II. Als zweiten Hauptgrundsatz stellen wir auf, daß die Lehrer, wenn sie auch die Rechte haben, Alles anzuwenden, um unsere Kenntnisse zu erweitern, es dabei an einer anständigen Behandlung nicht dürfen fehlen lassen. Aus dem Verhältnisse der Schule zum Schüler, wenn es dem ersten Grundsätze gemäß verändert wird, ergibt sich dieses schon von selbst. Unserer Ansicht nach wäre darüber aber noch besonders zu bestimmen:
11) Die Schüler der beiden oberen Klassen müssen mit Sie angeredet werden; der Lehrer darf gegen sie nie Schimpfwörter gebrauchen, viel weniger sich thätlich an ihnen vergreifen.
12) Jedem Schüler steht in dem Falle, daß er sich ungerecht behandelt glaubt, das Recht zu, sich vor der Konferenz zu rechtfertigen und dabei seine Ansicht frei auszusprechen, auch zu dem Zwecke die nöthigen Zeugen mitzubringeu.
III. Als dritten Hauptgrundsatz stellen wir auf, daß der ganze Lehrplan , wie er jetzt besteht, unhaltbar ist und geändert werden muß. So viel wir davon verstehen, glauben wir, daß Folgendes festzubalten ist:
13) Das Maturitätseramen, welches nur dem Mißtrauen gegen die Lehrer seine Entstehung verdankt, und aus dem selten ein richtiges Urtheil über die Reife eines Schülers hervorgehen kann, welches außerdem noch aus andern allgemein anerkannten Gründen zu verwerfen ist, werde aufgehoben.
14) Der zweijährige Kursus in Prima, der als ein wohlfeiles Mittel, auf Kosten der Schüler und ihrer Eltern den Ruf der Anstalt zu heben, eingerichtet worden ist, um dem Ehrgeiz einiger Lehrer zu genügen, werde abgeschafft.
15) Es sollen die Privatarbeiten durch Neigung und Anlage eines jeden Schülers bestimmt werden, der betreffende Lehrer kann rathen, aber nicht befehlen.
16) Die Lehrstunden in Prima müssen so gelegt werden, daß mehr Nachmittage frei werden, weil diese sehr zweckmäßig für die Privatarbeiten verwendet werden können.
17) Die Zeit, die bisher aus die alten Sprachen verwendet worden ist, muß beschränkt werden. Dagegen muß die hierdurch erübrigte Zeit auf Geschichte § Mathematik und Naturwissenschaften verwendet werden.
18) Ebenso sollen die aussallenden Religionsstunden anderweitig verwendet werden, vielleicht die eine auf Geschichte, die andere auf freie deutsche Vorträge.
19) Der deutsche Unterricht in den drei oberen Klassen soll von einem Lehrer ertheilt werden. Dieß läßt sich hier um so leichter ausführen, da der Lehrer, welcher jetzt in Tertia und Sekunda diesen Unterricht ertheilt, sich sehr dazu eignet, denselben auch in Prima zu übernehmen.
20) Die Turnstunden sollen nach dem Wunsche der Gymnasiasten gelegt werden.
21) Der Antheil an den Turnübungen sey für die zwei oberen Klassen freiwillig.
22) In Bezug auf das Direktorium unseres Gymnasiums und den Regierungsreferenten für das höhere Schulwesen wünschen wir nur, daß man der öffentlichen Meinung Gehör leihe.
Indem wir nochmals bemerken, daß die gewünschten Veränderungen nur als unsere Ansicht gelten können, wie sich auch darin nur unsere Wünsche aussprechen, bitten wir, wo möglich die Artikel 1 — 16 und 18—21 uns unverweilt zu bewilligen, die übrigen Artikel hingegen, so wie die in der Einleitung ausgesprochenen Ideen bei der später vorzunehmenden gänzlichen Reorga- ganisation der Gymnasien, so viel unsere Ansicht dabei richtig ist, zu berücksichtigen.
Wiesbaden, den 6. Mai 1848.
Die Schüler der oberen Klassen des Gelehrten- Gymnasiums zu Wiesbaden.
Deutschland.
Karlsruhe, 5. Mai. Das großh. Regierungsblatt vom Heutigen enthält nachstehende landesherrliche Verordnung: Leopold, von Gottes Gnaden, Großherzog von Baden :c. Es ist bekannt, daß sich seit der Mitte des Monats März d. I. in den verschiedenen Kreisen und in einzelnen Bezirken und Orten sogenannte „Volksausschüsse" oder „Vereine" bildeten, welche sich zur Aufgabe machten, die öffentliche Gewalt an sich zu ziehen, und den verfassungsmäßigen Organen (den Behörden,
so wie selbst den Ständekammern) als eine selbstständige Macht' sich gegenüber zu stellen. Viele derselben haben die Leitung der Volksbewaffnung an sich gezogen. Sie haben sich angemaßt, die Beschlüsse der gesetzlichen Autoritäten, wenn sie solche nicht billigten, zu verwerfen, und wohl auch zum Widerstand gegen dieselben aufzuforden. Sie haben, als wenn ihnen die Sicherheitspolizei zustünde, Pässe oder Transportscheine ausgestellt rc. Durch ihren gegenseitigen Verkehr und durch ihre Unterordnung unter einen sogenannten „Zentralausschuß", zu dessen Obmann Hecker gewählt wurde, sind sie in ihrer ungesetzlichen Wirksamkeit bestärkt worden, und im Namen dieses Zentralausschusses wurde endlich der hochverrätherische Aufruhr! im Seekreife proklamirt und zum Ausbruche gebracht. Sind nun auch nicht alle einzelnen Mitglieder dieser Volksausschüsse oder Vereine in dieser verbrecherischen Richtung begriffen, so hat sich immerhin diese gegliederte Einrichtung an sich als unvereinbarlich mit der Staatsordnung und als die Sicherheit des Staates oder das allgemeine Wohl gefährdend dargestellt, weßhalb Wir btc ' oben bezeichneten Volksausschüsse (Komites) nach Maßgabe des Gesetzes vom 26. Oktober 1833 hiermit für aufgelöst erklären und ihr Fortbestehen verbieten. Gegeben zu Karlsruhe in Unserem Staatöministerium, den 4. Mai 1848. Leopold, v. Dusch. Nebenius. Bekk. C. Hoffmann. Mathy.
Flensburg, 2. Mai. Aus zuverlässiger Quelle kann ich! die Mittheilung machen, daß vorige Nacht von General Wrangel ! an die in Gravenstein, Ninkenis und den umherliegenden Dörfern logirenden Truppen Rapport zum Vorrücken gegen die Insel Alsen gekommen ist und daß morgen angegriffen werden soll. Es wird dies unbedingt ein sehr blutiger Kamps werden, aber wir halten doch die Hoffnung fest, daß es unseren tapferen deutschen Kämpfern gelingen wird, dies feindlich gesinnte dänische Volk aus seiner Verschanzung herauszutreiben.
Heute Mittag hat man hier Kanonendonner gehört. So, eben erfahren wir noch, daß heute Vormittag ein russisches j Dampfschiff in Apenrade eingelaufen ist, um einen russifchen s Gesandtschaftssekretär als Parlamentär nach dem preußischen General zu bringen. Nachdem ihm aber gemeldet worden, daß sich das Generalkommando schon in Kolding befinde, ist er sogleich über Land dorthin abgereist. Man sagt, er £omw als Vermittler der schleswig-holsteinischen Streitfrage von England und Rußland. Nebrigens kann dieses nicht ganz verbürgt werden.
Nach den eben eingehenden Nachrichten aus W^n -vom 3. Mai hat die Regierung amtlich die von Mähren und Böhmen gegen die Vornahme der Parlamentswahlen ausgegange- nen Proteste beseitigt und die alsbaldigen Wahlen auch für diese Provinzen wie für alle ihre deutschen Bundesländer wiederholt angeordnet. (A. 33
Frankreich.
□ Paris, 5. Mai. Der Vertrag, der zwischen Rußland, Schweden und Dänemark abgeschlossen worden ist, wird wesentlich dazu beitragen, das Verhältniß Frankreichs zu Deutschland, namentlich zu Preußen, enger zu schließen.
Als gestern eine Dame sah, daß die Sonne so fürchterlich in das Gesicht des über achtzigjährigen Dupont (de l'Eure) beim Cortege stach, bot sie ihm ihren Schirm an, der auch angenommen wurde. Der heutige Moniteur stellt diesen Schirm seiner Eigenthümerin in einem Sekretariat des Stadthauses zur Verfügung.
Lamartine ist unwohl. Er leidet, sagt man, am Fieber. Er wartete in der That das Ende der gestrigen Sitzung nicht ab, sondern entfernte sich aus dem Saale. Auch ihn schien der Marsch vom Vendomsplatze in die Nationalversammlung sehr angestrengt zu haben.
Buchez (von der demokratisch-katholischen bürgerl. Partei) und Trelat (von der revolutionären Partei) haben die meiste, Aussicht auf die Präsidenrur der National -Versammlung. '
Der Preis des Geldes ist auf 3*4 Frs. für 1000 Frs. , (Papiergeld) gefallen, d. h. wenn man ein Billet von 1000 Frs. wechselt, erhält man 1000 Frs. weniger 3 Frs. 50 Cts.
Rußland
Petersburg, 27. April. (D. A. Z.) Am ersten Oste^ tage verfügte der Kaiser eine große, durch alle Grade des Dienstes gehende Mil i tairpr o m o tio n, bei der allein 24 Generalmajore zu Generallieutenants befördert wurden.
Verantwortlicher Redakteur: W. H Ri-bl. — Druck und Verlag der L. S ch el le n be r g'scheu Hof-Buchhanvlung in Wiesbaden.