Den 3. Februar.
Morgengebet: Karriere! Im Cafe international zehn Dukaten verloren. Will nicht mehr spielen. Mehrere edle Vorsätze. Knoten im Schnupftuch, damit ich mich besinne, ein solider Mensch zu werden. Adalgise gut gesungen, dreimal applaudirt. Gute Handschuhe kauft man: Kavalierbrücke No. 7. Parole: Landsturm. NB. ohne Witz.
Den 4. Februar.
Morgengebet : Karriere! Ich will mir alles genau aufschreiben, damit, wenn ich einmal Feldmarschall bin und Jemand geneigt ist, mein Leben zu schildern, er Gelegenheit hat, sich bei dieser Gelegenheit u. s. w. Lange Perioden lieb' ich nicht. Liebe! Liebe! Schöne Stimme, schöne Figur. Parole: Mon- tecuculi. Wiederholtes Verbot: alles dienstwidrige Entstellen, Bewitzeln und Belächeln der Parole ist verboten.
Den 5. Februar.
Sehnsucht nach Karriere. Heute die Nachtwandlerin. Lodoiska — Amina. Ob es wohl wahr ist —?! — ? — ? — Seiner Durchlaucht--Parole: Balken. Nämlich das hängt so zusammen — doch Kommentare sind untersagt.
Den 6. Februar.
Zunehmende Sehnsucht nach Karriere. Die Nachtwandlerin gesungen. Lodoiska göttlich. Große Wahrheit und merkwürdig viel Gefühl. Allerliebste Toilette. Man zieht mich mit ihr auf. Als Amine über den Mühlensteg geht, fällt ihr'S Licht auS der Hand — ganz perplex gewesen. Der Erbprinz — schändliche Verläumdung! Parole: Kette. Nämlich für meinen künftigen Geschichtschreiber: Balken und Kette sind Wappenzeichen der Prinzessin Braut. In drei Wochen ist die Hochzeit deS Erbprinzen.
Den 7. Februar.
Karriere! Lodoiska kennen gelernt. Ganz toll. Zu ihr hingcgangen, anmelden lassen, angenommen, sehr schöne Einrichtung, etwas Angst, aber alles gut gegangen. Hinter den Kouliffcn noch schöner als bei Lichte. Allerliebste Morgentoilette: Kaisertuch von Bronzefarbe, schlichtes Kleid, Leibchen, reiche Posamentirarbeit, lange Kachemire, Kapote von Sammt: Muß in's Modejournal. Die Unterhaltung sehr lebhaft. Sie sagte: Herr Baron von Zastrow. Ich antwortete: Gnädiges "Fräulein! Das war die Einleitung. Dann setzten wir uns. Ich, oder vielmehr erst sie auf eine Chaise longue, ich auf einen niedlichen Fauteuil, auf Rollen, wodurch ich bei meiner Aufregung fortwährend ausrutschte. Darüber entspann sich folgendes Gespräch, das ich für einen künftigen Bearbeiter der allgemeinen deutschen Kriegs- und Militärgeschichte hierher setzen werde:
Lodoiska. Sie sehen, Herr Baron, in meinem Zimmer kann man Schlitten fahren.
v. Zastrow. Jawohl, gnädiges Fräulein, man hat ja "das Sprüchwort: Wenn dem Esel zu wohl wird, geht er auf'ö Eis.
Lodoiska. O bitte, Herr von Zasirow —
v. Zastrow. Ich meine mich, gnädiges Fräulein. Bloße Redensart. Vorgestern gesungen â mervcille!
Lodoiska. O! Sie find zu gütig, Herr von Zastrow — v. Zastrow. Nein, auf Ehre, en vérite'. Nachtwandlerin nie so gesehen. Die Löwe ein Pudel dagegen.
Lodoiska. Bitte, Herr von Zastrow —
v. Zastrow. Entschuldigen Sie! Meine Stellung zur Kavallerie entschuldigt — oder vielmehr ich spreche wie mir mein Schn—
Klingel. Brief, den Lodoiska mit großer Neugierde erbrach. Fast erschrack ich, weil ich das Siegel des Erbprinzen zu erblicken glaubte, doch war es wohl nichts, denn sie zerknickte es beinahe mit Heftigkeit. Ich wollte sie auffordern zu lesen, sie sagte aber mit etwas erzwungenem Lächeln: Sie blieben bei Ihrem — Nun lachte sie wirklich und ich ärgerte mich, daß wir grade bei der Redensart: Wie mein Schnabel gewachsen ist! abgebrochen haben.' Sie sagte dann: Ist" es also ganz bestimmt, daß der Erbprinz sich vermählt?
v. Zastrow. Parolebefehl.
Lodoiska wollte etwas erwiedern, warf sich aber auf ihrer Chaise longue so unmuthig herum, daß ich befürchtete, sie wäre krank. Ich sprang auf, der Roll - iauteuii flog weit hinter mir fort, so daß ich beim Niedersitzen ihn beinahe verfehlt hätte. Ich habe mich vorgestern, sagte Lodoiska, im Theater etwas erkältet.
v. Zastrow. Wahrhaftig aber auch keine Kleinigkeit, als Nachtwandlerin, wo die Nächte jetzt so kalt sind —
Lodoiska hörte nicht. Sie schlug ihr großes schwarzes Auge gen Himmel, wo ein verhängter Kronleuchter — überhaupt fürstliche Einrichtung! Uebrigens merke ich erst heute, daß ich Styl habe. Sie zerknitterte den Brief, ich balancirte auf meinem Stuhl, stand auf, ergriff ihre Hand, küßte sic — der Brief, den ich dicht vor mir hatte, straf' mich Gott, roch nach double Extrait Heliotrope, Lieblingsodeur des Erbprinzen. Ich war sehr verwirrt, schwöre auf ihre Unschuld und habe mich außerordentlich gut amüsirt. Parole: Tilly vor Magdeburg.
(Fortsetzung folgt.)
* Gaetano Donizetti
Vor einigen Wochen ist Donizetti in seiner Geburtsstadt Bergamo gestorben. Während sonst alle Blätter längst mit Nekrologen des Meisters angefüllt wären, hat man in diesen stürmischen Tagen kaum in drei dürren Worten seinen Tod berichtet. Es ist freilich war, Donizetti war schon lange todt, er war seit Jahren — wahnsinnig; auch im musikalischen Schaffen hatte er sich schon vorher ausgelebt, kaum fünfzig Jahre alt.