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«gen die Regierung ein Signal szu geben, worauf sogleich 20,000 Bauern der Negierung zu Hülse eilen wollen. Dieses Faktum ist ein ganzfreiwilliges" Ergebniß der Stimmung der Bauern gegen die Edelleute, welche sie Jahrhunderte lang wie Thiere behandelten, ich glaube, der polnische Bauer würde lieber in Masse auswandern, als sich mit seinen Guts­herren aufrichtig versöhnen. Und dieser verblendete Adel fängt in diesem Augenblick an, zu revoltiren, wo er Zugeständnisse aller Art von der Regierung erhält und die Sympathie von ganz Deutschland ihm beinahe eine Garantie für die Regenerirung seines Landes bieten.

B o tz e n, 29. April. (D. Z.) Gestern trafen bei der hiesigen Kriegskanzlei Nachrichten ein, daß I u d i k a r i e n neuerdings durch einen Jnsurgentenhaufen von 23000 Mann bedroht sey; von einem wirklichen Einfall hat jedoch bisher Nichts verlautet. Sollte es die fanatisirten wälschen Freischaaren in der That noch einmal gelüsten, auf tyrolischem Boden die dreifarbige Fahne aufzu- pflanzen, so dürfte es noch blutigere Köpfe für sie absetzen, als letzthin. Das Thal Judikarie» ist von unseren Truppen hin­reichend besetzt, und wackere Schützen rücken nach.

Frankreich

s-s- Paris, 3. Mai. Die neue Verfassung! Wie wird sie aussehen? Was wird sie enthalten? Welche Grundsätze werden darin vorwalten? Wie wird sie die französische und die euro­päische Preße beurtheilen? Was wird der Kongreß zu ihr sagen? Wie wird er den Cormeninschen Versassungs - Entwurf aufneh­men?..... Das sind die Fragen, die heute mancher Volksre­präsentant an seine Freunde in vertraulicher Gruppe richtet und die unsere ernstesten Köpfe beschäftigen. Cormenin und die pro­visorische Regierung beobachten das größte Geheimniß über den neuen Entwurf. Sie bewachen ihn wie ein Geizhals seine Schätze. Unsere politischen Vielwisser sind darob in Verzweiflung.

Doch man kann ihre Ungeduld leicht begreifen. Hängt nicht die Zukunft von ganz Frankreich, vielleicht der ganzen Menschheit von dem Charakter der neuen französischen Verfassung ab? Richtet nicht die ganze gebildete Welt ihr Auge auf die Pariser National-Versammlung? Besonders in den religiösen Lagern herrscht große Spannung Die 31 Konsistorien der Augsburger Konfession, die Frankreich außer vielen anderen protestantischen Sekten zählt, sowie die gesammte katholische Geistlichkeit, die sich bisher als herrschende Staatskirche betrachtete , brennen voll Ungeduld. Man lese ihre beide» Hauptvrgane, den Semeur (ziemlich methodistisch) und das Univers. Da ihr Schicksal übri­gens auch das Ausland interessirt, so lassen wir hier einige Winke über die künftige Stellung der Kirche zum Staate folgen:

Cormenin's Entwurf ist längst fertig und, wie wir schon früher einmal berührt, im Schooße der provisorischen Regierung lebhaft geprüft, ausgebessert, abgefeilt und endlich angenommen worden. Cormenin wollte Anfangs Eine Kammer, Einen Prä­sidenten, Einen Willen, das heißt ein absolutes Veto. Cormenin wollte die Religion dem Staate unterordnen und so durch die eiserne Hand das Gewissen lenken. In diesem Falle wäre die Geistlichkeit natürlich aus der Staatskasse bezahlt worden. Lamartine, der dem ehemaligen Pamphletisten Vikomte Cormenin, jetzigem Vicepräsidenten des Staatsrathes, den Auftrag zur Aus­arbeitung eines Verfassungs-Entwurfes speziell gegeben hatte, schlug jedoch ein dreiköpfiges Staatsoberhaupt mit suspensivem Veto und Einer Kammer vor, verlangt gänzliche Trennung zwischen Kirche und Staat. Diese Meinung ist im Schooße der provisorischen Regierung durchgedrungen. Garnier-Pages, als Finanz-Minister der Republik zur Anlage des neuen Staats- büdgets verpflichtet, hat daher das Kultusbüdg et aus seinem, der morgen zusammentretenden Nationalversammlung vorzule­genden Hauptfinanz-Etat gestrichen. Der Jammer hierüber ist sowohl in der protestantischen als katholischen Klerisei gleich schrecklich. Das Volk zeigt sich durchaus indifferent.

Paris, 4. Mai. Der Mo niteur bringt eine Masse von Dekreten und Proklamationen, darunter eine, worin die provisorische Regierung Abschied nimmt, außerdem Dekrete, die das französische Münzwesen betreffen. Die Republik wird a) Goldstücke zu 40, 20 und 10 Franken (letztere den hvlländ. 5 Guldenstücken ähnlich), b) Silbermünzen zu 5, 2,1, 7, und 7, Fr. (nicht mehr 7* oder 25 Centimen), endlich c) Kupfergeld zu 10, 5, 2 und 1 Centimen schlagen lassen. Die alte Umschrift: Gott schütze Frankreich (Dieu protège la France) wird beibehalten.

Der Erzbischof von Paris und seine Geistlichkeit haben ihre Theilnahme verboten an dem großen Nationalfest, das am 10. zu Ehren der Nationalversammlung aus dem Marsfelde ge-: geben wird, und durch einen Zug von Triumphwägen mit Ochsen | (in antiker Weise), deren Hörner geziert, eröffnet werden soll. !

Viele Blätter sehen in der Abreise des österreichischen Ge­sandten Appony eine Kriegserklärung der Republik gegen Oesterreich. Eines derselben will sogar wissen, daß Appony erst dann abgereist sey, als dem General Oudinot mit­telst des Telegraphen der Befehl gesandt worden, mit seiner Alpenarmee in Piemont einzurücken. Wir haben jedoch Grund, an dieser Angabe zu zweifeln. Oesterreich will sich, gleich der Republik, künftig nur durch einen einfachen Ministerbevollmäch- tigtcn vertreten lassen.

I t a l i e n.

Den Mailänder Blättern zufolge hat am 26. April ein kleines Gefecht jenseits Villasranca stattgefunden, bei dem die! Oesterreicher den kürzern zogen, und den Italienern 22 Ge­fangene ließen; die Piemonteser hatten nur Einen Verwundet ten (daß die Italiener nur Einen Todten, nur Einen Ver­wundeten in einem Gefecht ließen, haben die transalpinischem Blätter schon öfter berichtet, und erinnern damit an den Spruch Friedrichs des Großen:Die Feinde haben wieder den bekannten Einen Mann verloren.")

Nachschrift

Wien, 3. Mai. Den zur Nationalversammlung in Frank­furt gewählten Abgeordneten werden für Reisekosten 100 fl. C.-M. und für Diäten monatlich 100 fl. C.-M. bewilligt.

Bremen, 5. April. (Wes.-Z.) Die Blockade unseres Stromes durch ein dänisches Kriegsschiff hat begonnen; obwohl nach den bisherigen Nachrichten die FregatteGefion" noch keine aus der Weser ausgelaufene Fahrzeuge ungehalten hat.

Ein heute hier eingegangenes Schreiben des Herrn Kapitän Hederich aus London, 1. Mai, meldet, daß die ganze englische Küste entlang an alle Lootsen und Fischerböte eine Warnungs- anzeige des preußischen Generalkonsuls Hrn. Hebeler vertheilt worden ist, durch welche die preußischen und überhaupt die deut­schen Schiffe von der Kriegsgefahr unterrichtet und gewarnt werden, nicht nach der Nordsee zu segeln. Außerdem ist ein Dampfboot für 30 Pfd. Sterl, wöchentlich mit freiem Kohlen­verbrauch gemiethet worden, welches zwischen Dungeneß und Calais kreuze» und alle de» Kanal passirenden deutsche» Schiffe auf die sie erwartende Gefahr aufmerksam machen wird. Ein zuverlässiger deutscher Mann ist an Bord mitgegrss7n"wvrd«,.

Hamburg, 4. Mai. (B.-H.) Nach zuverlässigen, gestern hier bekannt gewordenen Kopenhagener Berichten sollte die Blokade von Stettin am 2., die von Danzig am 3., und der Elb- und Wesermündung am 10. Mai beginnen.

Flensburg, 2. Mai, Nachmittags. (Wes.Z.) Die große Neuigkeit des Tages ist, daß heute früh halb 3 Uhr nach einem! gestern in dem Herrnhuterdorfe Christian sfeld (2 Meilen diesseits der Königsau) gehaltenen Kriegsrathe die preußischen Truppen vorwärts gerückt und wahrscheinlich schon um 6 Uhr in Kolbing angekomme» sind. Prinz Friedrich v. Augustenburg mit den Schleswig-Holsteinern und dem Zastrow'schen Korps, dem die Freischaaren angehören, wird diese Bewegung 2 Meilen ober­halb Kolbings unterstützen. Die Stärke dieser aktiven Armee beläuft sich auf etwa 1718,000 Mann. So wird denn heute zum ersten Male ein deutsches Heer den Fuß über Jütlands Grenze gesetzt haben.

} Einladung.

Zufolge einer Verordnung deS Herzogl. Staats-Ministeriums vom t. Mai d. I. soll zur Berathung der auf Schutz und Förderung der Arbeit bezüglichen Einrichtungen eine besondere Commission errichtet werden und^ zwar aus neun Personen, welche durch ihre Verhältnisse und Beschäftigungen die Bedürfnisse der arbeitenden Klaffe genauer kennen zu lernen Gelegenheit^ gehabt haben.

Der Gewerbeverein ist damit betraut worden, vier dieser neuen Com- missionSmitglieder^zu wählen.

Da diese Waffl am zweckmäßigsten in der auf den 11. d. M tS., W ie gewöhnlich, ausgeschriebenen ordentlichen Generalversamm­lung vorzunehmen seyn wird, in welcher außerdem, wie schon bekannt gemacht worden ist (Nr. 8 der Mittheilungen für den Gewerbeverein) die Wahl der Wahlmänner zur theilweisen Ergänzung des Vorstandes und Aus­schusses des Vereins stattfinden wird, so laden wir hierdurch noch einmal sämmtliche Mitglieder des Vereins zn jener Versammlung ein. Dieselbe wird um IO1/, Uhr Morgens im Gasthause zu den vier JahrSzeiten ihren Anfang nehmen.

Wiesbaden, den 7. Mai 1848.

Der Borstand und Ausschuß des

Gcwcrbevereins.

Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl. Druck und Verlag der 8 Schellen bcrg'schcn Hvf-Buchhandlung in Wiesbaden.