gemeldet wurde, welcher in Angelegenheiten von höchster Wichtigkeit eine geheime Audienz von ihm verlangte, die ihm auch gewährt wurde. Nach langer Einleitung und Unterhandlung, um eine bedeutende Belohnung und zugesicherte Straflosigkeit entdeckte der Italiener dem General den Plan zu einer mit großer Schlauheit angelegten Verschwörung auf das Leben sämmtlicher Offiziere in Mailand, welche binnen kurzem zum Ausbruch kommen würde. In einigen Tagen sollte nämlich eine neue Oper in der Skala zur Aufführung kommen, und während der Darstellung sollte jeder der Verschworenen sich an einen Offizier drängen, und denselben erdolchen; eine Anzahl derselben sollte die Loge des Generals stürmen und demselben das Lebenslicht ausblasen, wo cs dann, nach dem wohlberechneten Plan der Empörer, ein Leichtes gewesen wäre, sich der ihrer Häupter beraubten Mannschaft zu bemächtigen.
Mit schnellem Blick übersah der unerschrockne Krieger das Bedrohliche seiner Lage, und traf dagegen eben so kühne als originelle Maßregeln.
Der Angeber wurde, zur Verhinderung jeder Verrätherei, vor der Hand festgehalten, und der General traf feine stillen, aber um so sichereren Anordnungen.
Eine neue Oper ist in ganz Italien, namentlich aber in Mailand, ein sehnsüchtig erwartetes Ereigniß, und an solchen Tagen sind die weiten Räume der prächtigen Skala noch viel zu klein, um die Massen der neugierig zuströmenden Menge zu fassen. So auch am 12. März 18—. Der ungeheure Saal war bis zum Ersticken gefüllt, wenn auch sonderbarer Weise nicht ein Offizier im Parterre, dem gewöhnlichen Sammelplätze derselben, sichtbar war. Festlich geschmückte Damen zierten die Logen, nur eine derselben, die größte und für den kom- mandirenden General bestimmte, stand noch leer, wenn gleich festlich beleuchtet. Immer näher rückte die Minute des Anfanges, die Orchestermitglieder stimmen ihre Instrumente, ungeduldiges und neugieriges Gemurmel durchtönt die Räume, kurz nirgenvs die leiseste Spur irgend eines ungewöhnlichen Ereignisses.
Da rollt plötzlich der Vorhang auf, und ein seltsam unerwartetes Schauspiel stellt sich den erstaunten Blicken dar.
Der ganze kolossale Raum der Bühne ist mit Militär bedeckt, die erste Reihe knieend, die hinteren in aufsteigender Erhöhung '— die Mündungen der Feuerröhre schußfertig gegen das Publikum angeschlagen— starr und unbeweglich! — Man denke sich die Wirkung dieser sonderbaren Dekoration. — Die Nichtunterrichteten, erstaunt über diesen Anblick, von dem sie nicht wußten, ob er nicht vielleicht zur Oper gehöre und diese sonderbarer Weise ohne Ouvertüre anfange; die Verschworenen — das Rechte ahnend — mit panischem Schreck das wunderbare Tableau anstarrend.
Nach einer kurzen Pause tritt der General, gefolgt von
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seinem Generalstabe, in glänzender Gallaunifsrm in seine Loge, mit gewaltiger Stimme ins Paterre rufend: „Meine Herren, ich kenne genau die mörderische Absicht, welche Sie heute hieher geführt. Alle Vorkehrungen Md getroffen, um Ihr schändliches Vorhaben zu nichte zu machen. In diesem Augenblicke werden die Wohnungen der Verschworenen, welche mir alle genau bekannt sind, durchsucht, die Straßen Mai- land'S sind mit Ketten gesperrt und mit Kanonen bepflanzt, sämmtliches Militär steht, meines Winkes gewärtig, unter Waffen. Bei der geringsten zweideutigen Bewegung lasse ich augenblicklich Feuer ins Parterre geben; Ihre schändlichen Pläne entschuldigen meine ungewöhnlichen Gegenmittel. — Entfernen Sie sich langsam durch die Mittelthüre, jedoch nur paarweise, jeder Versuch sich durchzudrängen, wird strenge geahndet — die übrigen Ausgänge sind geschlossen. Nur Ergebung in Ihr Schicksal kann dasselbe mildern."
Die erschreckten und eingeschüchterten Verschworenen mußten sich diese Vorschrift gefallen lassen, nur zwei und zwei durften die Schwelle überschreiten. Alle wurden untersucht, und die, bei welchen sich Waffen vorfanden, sogleich arretirt. Diese Untersuchung im Opernhause selbst dauerte über vierzig Stunden. In dem geleerten Schauplatze fanden sich über hundert weggeworfene Dolche.
Die eingeleitete, strenge Nachforschung unterdrückte die, letzten Zuckungen dieser Verschwörung, und so rettete die kräftige Besonnenheit des würdigen Generals das Leben von hundert tapfern Kriegern und die Ruhe Mailand's.
Miszellen.
— Die Sammlung für Dr. List's Hinterbliebenen hat nach der Allg. Ztg. folgendes Ergebniß geliefert: Außer etwa 6000 Gulden, die schon bei List's Tod von dem Handels- und Fabrikantenstande in Bayern, Württcm- berg und Baden als Tribut der Dankbarkeit für ihn zusammenfföl^gt waren, und die dann — da List keinen Gebrauch davon gemacht hatte — seiner hinterlassenen Familie übergeben wurden, hat die in ganz Deutschland eröffnete Sammlung die Summe von 21,809 ff. gebracht. Hierzu darf die Leibrente gerechnet werden, welche Se. Maj. König Ludwig von Bayern, auS Anlaß jenes Aufrufs, der Wittwe Lists und seinen beiden unverheiratheten Töchtern verliehen hat im Gesammtbetrage von jährlichen 800 ff.
In die Freude über dieses Resultate mischt sich herbe Trauer bei dem Gedanken, wie der rüstige Mann von seinem Schicksal ereilt wurde so kurz vor dem Anbruch der neuen Zeit, in der wir seine lehrende und leitende Stimme so schmerzlich vermissen. Die Staatsgefangenen, die seit Jahren in Kufstein wie begraben lagen, wurden dem Licht und dem Leben wiedergegeben; er schläft seinen Schlaf fort auf dem dortigen Friedhofe — wir können ihn nicht zum erste deutsche Parlamente senden. Aber der erste deutsche Kriegsda mp fer der aus der Sammlung der deutschen Frauen erkauft wird, soll den Namen „Friedrich List" fuhren, und das Bild des Mannes tragen.
der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.