Gewalt unterdrückt; ein Ausbruch stand täglich bevor, ein besonders glücklicher Zufall hat uns davor bewahrt. Selbst am letzten Mttwoch, wo alle Vorbereitungen getroffen waren und Lie Sache einen ganz unerwartet günstigen Verlauf nahm, indem alle Behörden den Kopf verloren hatten, muß irgend ein Umstand, vielleicht das Ausbleiben des Landvolkes, die Empörer von der Ausführung ihres eigentlichen Plans obgehalten haben, so daß wir mit dem bloßen Schrecken davon kamen. Jetzt ist Alles ruhig, und wir danken dem Himmel, nicht unserer eigenen Kraft und Entschlossenheit, daß der Sturm über unser Haupt weggezogen, und daß der Blitz zwar eingeschlagen, aber nicht gezündet hat."
Ueber das Gefecht Lei Dossenbach lesen wir in der Deutschen Zeitung:
„Aus dem Munde von Augenzeugen vernehmen wir, daß gegen 30 Freischärler erschossen und noch mehr verwundet worden, während von den Truppen, außer dem verwundeten Hauptmann, kein Mann weder geblieben ist noch verwundet worden. Dreimal soll die Frcischaar aus einem Walde hervor zum Angriffe auf die am Abhange des Berges tiefer gestellten Truppen vorgedrungen, jedesmal aber durch die wohlgezielten Schüsse der würtembergischen Scharfschützen zum Rückzug gezwungen worden seyn, bis endlich von Seite der Soldaten eine förmliche Jagd auf die Fliehenden gemacht wurde.
Gleich im Beginne des Gefechtes verschwand Herwegh, -er vor Schreck fast ohnmächtig geworden, und ward feldflüchtig. Die Entschlossenheit seiner Frau allein rettete ihn in einem Wägelein, dessen Spritzledcr sein Versteck ward, so oft die Flucht mitten durch Züge von Reitern ging, denen nicht in den Sinn kam, ein fahrendes Weib anzuhalten, und so entkam er über die Brücke bei Rheinfelden. Einen mannhafteren Führer aber hatten die Freischaaren an Schimmelpfennig, vulgo Rhein- Hardt. Dieser drang, als er seine Sache verloren sah, mit dein Säbel in der Hand auf Hauptmann Lipp ein. Es entspann sich zwischen Beiden ein Zweikampf, in welchem Hauptmann Lipp einen Hieb in die Hand , Schimmelpfennig einen solchen über den Kopf erhielt. Soldaten sprangen nun ihrem Hauptmann zu Hülfe und einer derselben stieß sein Bajonett dem Schimmelpfennig in den Mund, daß es durch den Kops drang und den Getroffenen niederstreckte, worauf noch Schüsse und Kolbenstoße seinem Leben ein Ende machten. Die Reste der Freischaar, die noch vereint den Rückzug nach Rheinfelden fortsetzten, hatten den Nachmittag bei Schwörstätten noch ein unbedeutendes Gefecht, in welchem sie vollständig zersprengt wurden, zu bestehen."
Die Stadt Mannheim ist in Kriegszustand erklärt worden. Einige Tausend Mann Bayern rückten am 1. Mai Morgens in die Stadt ein. Von allen Seiten werden Waffen aller Art an die Behörden abgeliefert. Die Stadt ist übrigens, obwohl bewegt, ruhig.
Hamburg, 27. April. Heute sind endlich im Altonaer Hafen zwei dänische Schiffe mit Beschlag belegt worden, während man noch in voriger Woche in unpassender Gutmüthig- keit ein solches von einem Dampfer in's Schlepptau nehmen und zum Hafen hinausbringen ließ.
Vom Kriegsschauplätze in Schleswig-Holstein ist Nichts Neues zu berichten. Die deutschen Truppen sind am 27., nachdem sie einen Rasttag in Flensburg gehalten, wieder ausgerückt, um sich, wie man meint, vorzugsweise nach Alsen zn wenden, wo der Hauptbestandtheil der dänischen Armee sich befinden soll. Ueber den Rückzug eines andern Theils der Armee nach Tondern und Nipen finden sich in den Blättern keine nähere Angaben.
Indeß bestätigt sich unsere Vermuthung, daß nach der Räumung Schleswigs vonden Dänen die Unterh andlungen wieder beginnen. Mögen nur, nachdem die Waffen entschieden haben, die Diplomaten nicht wieder das Spiel verderben. Ein dänischer Parlamentär ist in Flensburg angekommen, und die Berufung des Grafen Karl Moltcke' zum dänischen Könige nach Fridericia scheint ebenfalls mit diesen Unterhandlungen in Verbindung zu stehen.
" Von dem Kriegsschauplätze schreibt ein Freiwilliger: Die geschlagene Armee flieht in wilder Hast vor uns, Einige ohne Hosen, in Unterhosen, Andere ohne Schuhe und Strümpfe. Wir setzen nach, aber die Märsche, das schlechte Wetter, die tiefen Wege, die karge Nahrung machen die Verfolgung sehr lästig, trotz des göttlichen Gefühls von Sieg und Freiheit.
Husum, 25. April. (Schlesw.-Holst. Z.) Gestern Nachmittag traf hier durch einen Bauervogt aus der Umgegend die Nachricht ein, daß bei den nach dem Entsatz von Schleswig gegen Norden weiterrückenden dentschen Truppen Mangel an Lebensmitteln eingetreten sey. In kaum zwei Stunden wurden durch freiwillige Beiträge der Einwohnerschaft 13 Wagen mit Brod, Fleisch, Schinken, Bier und Branntwein beladen und sofort in's preußische Lager unter General Möllendorff bei Luschebusch am Itzstedter Gehölz geschickt, wo sie die Truppen, bei lebhaften Feuern bivouakirend, und für die mitgebrachten Viktua- lien raschen und dankbaren Abgang fanden. Auch die Landdistrikte machten vcrhältnißmäßige Sendungen.
Die Berliner Blätter enthalten sehr lebendig geschriebene Privatbriese preußischer Militärs über die kriegerischen Ereignisse in Schleswig. General Wrangel hat bei allen Kameraden den Namen General Drauf erhalten. Gott gebe, heißt es in einem Briefe, daß General Drauf! Gelegenheit hat, seinem Wahlspruch so treu zu bleiben, wie der alte General Feldmarschall Vorwärts. — Wenn nur die Papiere und die Aktenstücke nicht wieder dazwischen kommen 1 — Es war eine wahre Freude, dieses Drauf! Drauf! in allen Ecken zu hören. — Es ist ja noch keine Artillerie da! Schadet nichts! drauf! — Nendsdorf ist stark besetzt! Schadet nichts! drauf! — Dies Nendsdorf ist nämlich dasjenige Dorf, um dessen Besitz am heftigsten gekämpft wurde, und wo, so weit ich übersehen konnte, das lebhafteste Artilleriefeuer stattfand.
Frankreich
Strasburg, 30. April. (F. I.) Durch ministerielle Entschließung ist den dahier eingetroffenen politischen Flüchtlingen der Aufenthalt in den an Deutschland gränzenden Departements untersagt. Es sind ihnen mehrere Departements, wie das des Jura, der Ardennen, des Daubs und des Obersaone als Aufenthalt angewiesen. Sie erhalten Pässe und Reiseunterstützung.
I t a l i e n
Triest, 26. April. (A. Z.) Mehrere übereinstimmende Briefe aus Görz und Cormons enthalten die Nachricht, daß Palma nuova sich aus Vermittlung des Erzbischofs und einiger Deputaten von Udine gestern Nachmittags um 3 Uhr ergcbemyak und die österreichischen Truppen bereits daselbst eingerückt sind. (Nach einem Bericht von Nugent, in der neuesten Wiener Zeitung, hatte sich auch Cividale unterworfen, Codroipo sollte am 14. besetzt werden, in Pontcba war ein siegreiches Treffen geliefert worden).
Die Venet inner Zeitung vom 22. April, die in gedrücktem Tone geschrieben ist, enthält einen Beschluß der Consulta und der Regierung, der den Umsturz der Markusrepublik und die politische Verschmelzung mit der Lombardei einleiten soll.
Rußland.
Von der polnischen Grenze, 25. April. (D.A. Z.) Nachrichten aus Rußland zufolge soll unter der Petersburger Garde ein Aufstand ausgebrochen seyn. Dasselbe wird auch aus Moskau berichtet. Vielleicht hängt hiermit auch die Abreise des Kaisers nach Warschau zusammen, die ebenfalls gemeldet wird.
Unter den russischen Truppen im Königreiche Polen herrscht ein für die Bestrebungen der Polen nur günstiger Geist. Offen sprechen die Offiziere ihre Sympathie für die Polensache aus, schon fängt der Soldat an, die gedrückte Lage der Polen zu begreifen und selbst über seine eigene Stellung Reflexionen zu machen. In diesem Umstand ist wohl die Erklärung zu suchen, warum die russische Negierung nur sehr wenig Truppen an die Grenze geschickt hat; wie auch darin, daß von den Militärposten längs der Grenze zahlreiche Desertionen stattfinden. Man spricht sogar von der Desertion der ganzen Bedienungsmannschaft eines Geschützes mit dem Geschütze selbst in das Großherzogthum Posen.
In Lithauen, Volhynien, Podolien, der Ukraine, wie über Haupt im ganzen Königreiche Polen ist die Bevölkerung auf den Ansstand vorbereitet, und wartet nur den günstigen Zeitpunkt aus Posen und Galizien ab.
Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl. — Druck und Verlag der p. Schellenberg'fcheu Hof-Buchhandlung in W-ieSbadeg.