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Beilage zur Nassauischen Allgemeinen Zeitung.

«M 32. Mittwoch den 3. Mai 1848.

Uebersicht.

Die Vorgänge in Krakau.

Deutschland. Eltville und Nastätten (Wahlen für die Kammer). Frankfurt (Beginn der Nationalversammlung). Mannheim (Lug und Trug der Anarchisten). (DaS Gefecht bei Doffenbach. Mann­heim in Belagerungszustand). Hamburg (Beschlagnahme zweier dänischen Schiffe in Altona. Schleswi g-Holstein (Vom Kriegs­schauplatz. Ein Parlamentär. Die geschlagene Armee). Husum (Lieferung von Lebensmitteln. General Wrangel).

Frankreich. Straßburg (Die deutschen Freischaaren).

Italien. Triest (Fortschritte der Oesterreicher). Bened ig (Bereini­gung der Republik mit der Lombardei).

Rußland. Bon der polnischen Gränze (Aufstand in Petersburg. Revolutionäre Stimmung in Polen).

Die Vorgänge in Krakau.

Die D. A. Z. bringt über die bereits in unserer gestrigen Beilage erwähnten Krakauer Unruhen folgende ausführliche Mit­theilung :

Am 26. April gingen gegen 3 Uhr Nachmittags sowohl Emigranten als junge aus Krakau gebürtige Männer unbe­waffnet auf die Blonja beim Kosciuszkohügel, um dort eine Musterung abzuhalten. Die österreichischen Soldaten hatten sich inzwischen auf dem Kastell vcrbarrikadirt und, den Augenblick der Abwesenheit der jungen Mannschaft aus der Stadt benutzend, eine Abtheilung in das Haus des Schmieds Müller gesandt, um sich der dort "vorräthigen Piken und Sensen zu bemächtigen. Einwohner der Stadt Krakau waren es, die sich diesem Vor­haben der Soldaten zu widersetzen suchten, und nicht Emigranten, wobei eine Frau, die dieses Verfahren der Soldaten für wider­gesetzlich erklärte und entschieden ihrem Eindringen Widerstand leistete, durch Bajonncttstiche getöbtet wurde.

Während dieses in der Stadt geschah, eilten einige Ein­wohner auf die Blonja hin, riefen die dort anwesenden Emi­grantendo broni! do broni? (zu den Waffen), die, als noch überdieß drei Lärmschüsse von dem Kastell erschallten, eilig diesem Rufe Folge leisteten und in Reihe und Glied, unbewaffnet wie sie waren, aus den Ring marschirten. Auf dem Ringe ange­kommen, trafen sie daselbst österreichische Kavallerie und Infan­terie, auch in einzelnen Häusern hatten österreichische Soldaten Posto gefaßt. Die Polen bauten nun in der Eile Barri­kaden, zuerst auf der Annen- und Florianerstraße, wobei einige polnische Pariser Barrikadenhelden die in Paris gewonnenen Erfahrungen in Anwendung brachten. Gegen die Barrikade auf der Florianerstraße wurde der erste Angriff von den Oesterreichern unternommen; sie wurde genommen und gegen die einzelnen Zurückziehenden in Pclotonfcuer geschossen.

Da, cs war 5 Uhr Nachmittags, wurden die ersten scharfen Schüsse aus den Geschützen des Kastells abgeseuert; es wurde mit Paßkugeln, Kartätschen, Granaten und Brandraketen ge­schossen, welche letztere jedoch wegen des Regenwetters keinen weitern Schaden anrichteten. Trotzdem, daß die Polen meist unbewaffnet, höchstens mit Stöcken und Stangen, und nur einige mit Gewehren, die sie theilweise von den Oesterreichern erbeutet hatten, bewaffnet waren, hielten sie sich tapfer, so daß die Oesterreicher sich theils auf das Kastell, theils auf den Kazimierz zurückzogen und dort eine feste Stellung einnahmen. Gegen 7 Uhr wurde das Bombardement eingestellt, man schickte öster­reichischerseits zwei Parlamentaire an das Nationalkomite und stellte den Polen folgende Bedingungen: 1) die Emigran­ten sollten sich sofort auf den Bahnhof begeben; 2) sämmtliche Barrikaden sollten bis zum folgenden Tage früh 5 Uhr abge­tragen seyn ; 3) das Nationalkomite sollte sich sofort auflösen. Würden diese Bedingungen nicht bis zum 27. erfüllt seyn , so sollte alsdann das Bombardement von neuem beginnen.

Von den durch das letztere verursachten Zerstörungen ist zu erwähnen, daß eine Kugel in die Thüre der Marienkirche und

eine andere in die Kuppel der kleinen St. Adalbertskirche auf dem Ringe eingedrungen ist, die dort erhebliche Verwüstungen angerichtet haben. Die erste Kugel in die Marienkirche wurde gerade in dem Moment abgefeuert, als eine Menge Menschen unter der Kirche sich befand. Auf der Grodzker Straße hatten ferner die Oesterreicher in die Häuser geschossen, wobei zwei Frauen das Leben verloren; ein vierjähriger Knabe, der auf derselben Straße drohend vor den Oesterreichern seinen klei­nen Säbel zog, wurde ebenfalls von ihnen erschossen.

Den beiden ersten von den Oesterreichern gestellten Bedin­gungen wurde von den Polen augenblicklich genügt Eine Ko­lonne von 120 Mann, worunter auch junge Leute aus Krakau, verließ gestern mit dem Frühzuge Krakau, und kam Abends hier an. Mit lautem Schluchzen und Thränen im Auge stiegen diese unglücklichen Männer aus dem Wagen, da ihre so lange gehegte und so oft erstrebte Hoffnung auf endliche Befreiung ihres geknechteten Vaterlandes abermals getäuscht zu werden scheint. Sie sind hier angekommen, ohne ihre Sachen aus Kra­kau mitnehmen zu können, fast gänzlich entblößt von allen Mit­teln. Noch mehrere werden nachkommen und einige Tage hin­durch hier in Breslau das Resultat der Verhandlungen der von Krakau nach Wien gesendeten Deputation mit den österreichischen Staatsbehörden abwarten.

D e n L f ch l K n d.

7 Eltville, 2. Mai. In unserer Stadt sind gestern folgende Abgeordnete für die Ständeversammlung gewählt wor­den: Prokurator von Schütz, Anton Gergens aus Rüdes- Heim und Amtssekretär Jung aus Eltville.

T Nastätten, 1. Mai. Im hiesigen Wahlbezirk ist Hr. Accessist Müller aus Nastätten und Hr. Prokurator Dr. Lang aus Schwalbach in die Kammer ver Abgeordneten ge­wählt worden.

* Frankfurt, 1. Mai. Zwölf Abgeordnete zum deut­schen Parlament, darunter Hergenhahn, Schepp und Hehn er, welche bereits hier anwesend sind, haben sich heute im Kaiser­saale versammelt, als Altersvorstand den Dr. Schott aus Stutt­gart gewählt und beschlossen, dem Fünfzigerausschuß von ihrem Hierseyn und dem Beginn der Nationalversammlung Anzeige zu machen und zugleich die noch nicht eingetroffenen Abgeordneten zur schleunigen Hierherreise aufzufordern.

Ueber das lügnerische, ehrlose Treiben der Anarchisteu in Mannheim lesen wir Folgendes in der Deutschen Zeitung:

Als Mathy Ficklers Arretirung bewirkte, lagen schon die Fäden der ganzen Konspiration nicht allein in den Händen der Negieruug, sondern auch offen vor den Augen aller Einsichtigen. Wenn der Einen entschlossenen That die andere in rascher Aus­führung gefolgt wäre, so konnte viel Blut erwart werden. Aber wer hatte damals wagen können, Hecker, Struve u. A. des Verbrechens, das sie nun begangen haben, damals anzuklagen und vor Gericht zu überführen? Hat doch Hoff am Tage, da die offizielle Nachricht von der Schilderhebung jener Beiden öffentlich vom Nathhaus verkündigt wurde, sich nicht gescheut, dies für Lüge zu erklären, indem Hecker einer solchen That un­fähig sey ! ' Am nächsten Tag schon vielmehr am nämlichen Tag und zur nämlichen Stunde war in seiner Volkszeitung die Nachricht von dem Aufstande gedruckt, nur mit der Variation, daß Tausende im Gefolge Heckers und Struve's seyen.

Die Perfidie, welche sich hierin kund that, charakterisirt überhaupt das ganze Verfahren der hiesigen Partei. Täglich, stündlich wurden falsche Nachrichten verbreitet, um das Volk künstlich in fortwährender Aufregung zu erhalten; war Hecker geschlagen, so stand Struve an der Spitze von Tausenden; war dieser auf der Flucht, so waren die deutschen Arbeiter aus dem Elsaß herübergedrungen oder das Militär in ganzen Bataillonen übergegangen u. s. w.

Die besten und verdientesten Männer wurden der Bolkorache denuncirt, jede freie McinungS-Aeußerung durch Drohungen oder