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senmänner mit Sturm genommen, und das hier postirte Gör- litzer Schützenkorps wie man sagt 40 Mann entwaffnet; die Schützen soll man dann haben lausen lassen; endlich verlo­ren die Truppen auch zwei Kanonen.

Nach Ankunft des Obersten von Brandt von Neustadt nah­men die Truppen Miloslaw zum zweiten Male mit Sturm, allein auch die Polen stürmten ihrerseits nochmals und jwarfen das preußische Militär, wie man sagt, jetzt bis Schroda zurück. Damit endete der Kamps; die Polen sollen wie Löwen gefochten haben. Preußischerscits sind außer einer starken Artillerie über 6000 Mann im Gefechte gewesen, von denen die pommer'sche Landwehr am meisten gelitten hätte; namentlich aber sind viele Ofiszicre gefallen, da die polnischen Scharfschützen sie Mann für Mann besonders aufs Korn genommen haben. Auch drei Ka­nonen, Scchspsünder, führten hier die Polen in den Kampf. Von dem 18. und 19. Regiment sind während des Kampfes mehrere Hundert Mann mit voller Armatur zu den Polen über­gegangen. Man macht es dem kommandirenden General über­haupt zum Vorwürfe, daß er diese beiden, meist aus Polen be­stehenden Regimenter zum Kampfe gegen ihre Landsleute ver­wendet.

So eben hören wir auch, daß Mieroslawski in einer Pro­klamation die ganze Provinz zum allgemeinen Aufstande aufgerufen hat, und daß namentlich der ganze buker Kreis bereits unter Wapen ist. Alles, Männer und selbst Weiber, soll nach Miloslaw, Wreschen und Pleschen strömen. Auch das pol­nische Nationalkomite hat sich von hier ins Lager begeben, und Stesanski ist sür die Zeit bis zum 4. zum Diktator des Großherzog thu ms ernannt. Es wird sich ein fürchterlicher Kampf entspinnen.

Pole n.

Von der'polnischen Grenze, 30. April. (D.A.Z.) Wie groß die Hast der Flüchtigen aus Polen in das Aus­land ist, geht schon aus den offiziellen Bekanntmachungen des Oberpolizeimeisters von Warschau hervor, nach denen allein 66 Personen aus Warschau sich heimlicherweise entfernt haben. Daß Rußland überhaupt die Absicht hegt, einen Feldzug von Polen aus vorzubereiten, scheint unter Andern auch aus dem Bau der Schiffbrücke bei der Festung Nowo-Gieorgiewsk (Modlin) über die Weichsel hervorzugehen. Bekanntlich ist die Vermehrung der Zahl der Uebergânge über die Weichsel in Polen von großer strategischer Wichtigkeit, welche die Russen noch aus dem Kriege von 1831 recht gut kennen. Damals war es Preußrn, das den Russen hart an der Grenze auf preu­ßischem Gebiete, bei dem Dorfe Schilno, oberhalb Thorn, den Uebergang auf das andere Weichselufer gestattete und so die Belagerung von Warschau, seine Einnahme und endlich den damaligen Untergang der Selbstständigkeit Polens herbeiführte. Die Brücke bei Modlin kann auch durchaus keinen anderen als einen strategischen Zweck haben, da durch jene Festung keine Handelsstraße geht und wohl die Anlegung einer solchen durch dieselbe keineswegs beabsichtigt werden" wird.

Ueber die in Warschau entdeckte Verschwörung unter den Offizieren der russischen Garnison theile ich Folgendes aus zuverlässiger Quelle mit. Bereits waren die Plane der Ver­schworenen so weit gediehen, daß sie sämmtliche Geschütze der Zitadelle vernagelt hatten, als, es ist vorläufig unbekannt durch welchen Zufall, die Verschworenen, 55 an der Zahl, entdeckt und verhaftet wurden, worauf bereits fünf erschossen sind.

Nachschrift.

fH Paris, 4. Mai. Eröffnung der National- Versammlu ng. Vom schönsten Wetter begünstigt, fand die­selbe heute Mittag Statt. Um 9 Uhr rief Trommelschlag die Nationalgarde und Linientruppen auf ihre Appellplätze. Ein großer Theil derselben wandte sich dem Vendomeplatze in der Nähe des Tuileriengartens zu, von wo er vom Hause des Justiz­ministers aus über die Boulevards und den Revolutionsplatz bis zur ehemaligen Deputirtenkammer hin, in deren Vorhof der neue Saal errichtet wurde, Spaliere bildete, zwischen wel­chen die auf dem Vendomeplatze (bei Eremieur) versammelten Volksrepräsentanten schritten.

Im Saale angekommen, wurden in dem Augenblicke, wo Dupont (de l'Eure) die Nationalversammlung als eröffnet er­klärte und alle anwesenden Glieder der Republik ihren Bei­fall zu riefen, 21 Kanonenschüsse von den Invaliden abge­feuert , denen die in den elysäischen Feldern, dem Jnvalidenhotel schrägüber aufgestellte Artillerie Schuß auf Schuß antwortete.

Von diesem Augenblicke an, wo alle Nationalgarden und Truppen das Gewehr präsentirten und ein rollender Zuruf Vive la republique! durch die Lüfte schallte, ist die einige und untheilbare Republik als unwiderruflich festgestellt zu be­trachten. Nach Duponts Rede wählte die Kammer ihr provi­sorisches Bureau unter Vorsitz ihres Alterspräsidenten und zog sich dann Behufs Prüfung der Vollmachten in ihre Büreaus zurück. Bis diesen Augenblick ist uns trotz der unübersehbaren Volksmenge, die, von nah und fernhergeeilt, der Eröffnungs­zeremonie beiwohnte, nicht die geringste Störung gemeldet worden.

Bekanntmachungen.

641 Die Lieferung von 1500 Frankfurter Bütten gemischte Kohlen für den Bedarf der Herzoglichen Hofhaltung dahipr, soll im Weg der Submission vergeben werden.

Lusttragende wollen ihre Offerten bis zum 15. dieses Monats Vormittags 9 Uhr, verschlossen, mit der Aufschrift'Kohlen­lieferung" bei der unterzeichneten Stelle einreichen. Daselbst können auch die Bedingungen täglich in den gewöhnlichen Bureau­stunden eingesehen werden.

Wiesbaden den 2. Mai 1848.

Herzog!. Nass. Hof-Commiffariat.

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Die deutsche Nationalbewaffnung.

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Frachtpreise.

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Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl. Druck und Verlag der L Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.