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gestalten. Ob nun freilich die nämlichen Leute, welche das Alte so siegreich vernichteten, jetzt auch das Talent besitzen, das Neue ui organisiren. Wer weiß es?

Königstein, 3. Mai. Während im übrigen Theile unseres Landes wenigstens seither bloß materielle oder politische Fragen und auf friedlichem Wege erörtert worden sind, haben sich bei uns leider auch andere Interessen in's Spiel gemischt, nämlich die konfessionellen und es ist in Eppstein und Neuenhain zu schlimmen Auftritten gekommen.

In Eppstein wurde namentlich den evangelischen Schul­kindern der Besuch der Schule mit Schimpfworten, später auch mit Thätlichkeiten gewehrt, in Neuen Ha in, wo früher unter den abgegangenen Pfarrern der beiden Konfessionen, wie unter den Ortseinwohnern die größte Einigkeit geherrscht hat, ist diese jetzt fast vernichtet und man darf noch unangenehmere Szenen fürchten, als bisher.

Wenn wir die politischen Fragen wieder aus dem Auge verlieren oder sie unmerklich auf das religiöse Gebiet hinüber­spielen und die schlimmsten aller Parteikämpfe sich erneuern las­sen, dann ist es vollends um die nationale Einheit gethan.

Möchten unsere Landleute recht bald einsehen, wie wenig für sie selbst bei derlei Streitigkeiten herauskommt und es nicht zur Anwendung von Zwangsmitteln zuu Herstellung der Ruhe kommen lassen.

Unschädlicherer Natur sind die fortwährend, meist von der , Gemeinde Fischbach, verübten Holzfrevel, obschon sie auch das I Interesse des Landes verkümmern.

Es wird schwer seyn, den Leuten den wahren Sinn der Bewilligung der Domänen begreiflich zu machen. Wenn nur bis zum Winter ein leidlich geordneter Zustand zurückkehrt, sonst wird's hier oben sehr schlimm.

0 Diez, 6. Mai. Meine vorige Korrespondenz hat hier von gar manchen Seiten Billigung gefunden und man hat fast allgemein zugestanden, daß sie wahr sey. Was ich unter anarchistischer Partei verstehe, haben Sie in der Anmer­kung zu der Erklärung des Herrn Horstmann schon vollständig I gesagt.

Es bleibt mir nur übrig, hinzuzufügen, daß ich an Ge- hässigkeiten nicht gedacht habe, wohl aber glaubte, durch eine schärfere Sprache manchen Leuten die Augen öffnen zu müssen.

Jetzt wäre eine solche unnöthig, da sowohl die hiesigen Bürger als auch das Landvolk auf unzweideutige Art zu erken­nen gegeben haben, wie wenig sie mit derartigen Adressen übereinstimmen, namentlich das Landvolk soll gemeint haben, daß es weit mehr an der Zeit sey, praktische Maßregeln zur Hebung des darniederliegenden Handels und der Gewerbe ; anzugeben.

j Die Adresse ist übrigens in ruhigerem Geiste abgefaßt, als I die Debatten in der Versammlung waren.

Aus dem Seekreis, 29. April. (Karlsr. Z.) Von allen Seiten hört man bestätigen, daß in der That manche nur gezwungen an dem sogenannten Freischaarenzuge Theil genom­men haben; gezwungen theils durch Drohungen gegen ihre Per­son, theils gegen ihr Besitzthum oder das der ganzen Gemeinde. Hecker erließ überall die Aufforderung, daß alle waffenfähige Mannschaft, unweigerlich aber das erste Aufgebot, mitziehen müsse. Sobald dieseFreiwilligen" dann einmal fort waren, erfuhr man nichts mehr von ihnen, wenigstens nichts über den wahren Sachverhalt; denn wenn sie an ihre Angehörigen schrei­ben wollten, so mußten die Briefe erst einem der Anführer zur Zensur" eingereicht werden, und schon die Aeußerung des leise­sten Zweifels an dem Gelingen des Unternehmens wurde mit Todesstrafe bedroht.

Es war überhaupt ein ganz stattlicher Despotismus ein- gefährt; jeder mißtraute dem andern, sah sich beobachtet und I überwacht, und durste sich Glück wünschen, wenn er Gelegenheit fand, unbemerkt zu entwischen. Einer dieser gezwungenen Frei­willigen, der übrigens sowohl das Gefecht bei Kandern als das bei Güntersthal mitmachte, erzählte bei der Heimkehr, daß ihm nach dem Rückzug in Todtnau seine Doppelbüchse von der eige- i nen Mannschaft gestohlen wurde; auch andere, die zu der Schaar gehörten, seyen von einer Anzahl aus der Schweiz her­übergekommener Arbeiter förmlich ihrer Habe beraubt worden. Von Todtnau gingen, nach dem Gefechte bei Güntersthal, die Konstanzer Anführer, welche in jenem Gefecht kommandirt hatten, in die Schweiz, und überließen die Mannschaft ihrem Schicksal. In unserer Gegend schiebt man eine Hauptschuld dem (ebenfalls in die Schwei; entwichenen) Pfarrer Ganter von Volkertshausen zu, durch welchen Hecker vornehmlich zu dem Beginn dieses un­heilvollen Unternehmensangezeigt" worden seyn soll.

Aus dem Breisgau, 30. April. Nach den tragischen Ereignissen, die wir erlebt haben, stellt sich nun auch der Humor wieder ein man hat den überstandenen Wirren den Spitz­namen desHecker-S truw el- Peter'schen" (Hecker, Struve und Peter) Unternehmens beigelegt.

Münster, 3. Mai. (K. Z.) Die Wahlen in Münster sind auf eine Menge Geistlicher, und außerdem, mit wenigen Ausnahmen, nur auf solche Personen gefallen, welche Mitglie­der des katholischen Vereines sind oder doch von dem­selben begünstigt wurden. Sehr schlimm ist es, daß auch im Münsterlande überall fast nur die Geistlichen und oftmals gerin­gere Handwerker und ganz abhängige Menschen gewählt sind. In einem ländlichen Kirchspiele bei Münster sind der Pastor, der Kaplan, der Vikar und der Küster gewählt. In Warendorf 5 Geistliche, darunter der Klosterprior und der Pater Goßler.

Einem Privatschreiben vom 3. Mai aus Trier zufolge sind über fünfzig Barrikaden daselbst errichtet, um das am 2. Mai eingerückte Bataillon des 26. Infanterieregiments auszu­treiben. Die Hauptwache, welche von den Truppen verlassen worden, ist gänzlich demolirt. Die bei Abgang des Schreibens oben erfolgte letzte Antwort des Generals von Schreckcnstein lautete dahin, daß er Alles verzeihen wolle, wenn die Barrika­den wèggeräumt würden; andernfalls werde er die Stadt mit Kugeln beschießen.

Swine münde, 2. Mai. (B. N.) Seit gestern Nachmit­tag ist unser Hafen von einer dänischen Fregatte, die eine Biertelmeile von dem Leuchtthurme zu Anker gegangen ist, der­gestalt gesperrt, daß kein Schiff, selbst das Lootsenboot nicht, aus- oder eingehen darf. Sie hat bereits 10 oder 12 Schiffe aller Flaggen, darunter Engländer und Amerikaner, angehalten, und durch Schüsse gezwungen, innerhalb ihres Be­reichs Anker zu werfen. Die Fregatte von 28 Kanonen kann von den Küstenbatterien aus nicht erreicht werden, uns aber, von ihrem jetzigen Standpunkte aus, auch keinen direkten Scha­len thun.

Posen, 1. Mai. (Köln.Z.) Der Kampf hat von Neuem begonnen, zuerst in Grätz, dann in Lions. Der Kampf, oder vielmehr das Nied er schmettern da von Seiten der Truppen fast nur mit Bomben und Kartätschen gewirkt wurde, soll gräßlich gewesen seyn, da die Polen wohl fallen, aber nicht weichen wollten. Bon 15 bis 1700 Mann Polen sollen, nach Abzug der 500 Gefangenen, nur siebenzehn Mann sich durch die Flucht gerettet haben, die anderen todt oder verwundet auf dem Platze geblieben seyn. Ein Trupp Kujavier, der ein Viereck gebildet, sind auf dem Platze, wo sie sich aufgestellt, fast bis zum letzten Manne mit Kartätschen niedergeschmettert worden.

Von Lions hat sich das preußische Heer in einem Halb­bogen, dessen beide Flügel sich an die russisch-polnische Gränze lehnen, gegen Miloslaw gezogen, doch ist noch keine Nachricht hier, ob es auch dort schon zum Kampfe gekommen ist. Uebri- gens hören wir, daß sich aller Orten wieder neue Haufen Bewaffneter zusammenziehen, und der so unglückliche wie ver­gebliche Verzweiflungskampf der Polen wird noch lange nicht enden, ja, wir fürchten, daß er in den schrecklichsten Ver­nichtungskrieg ausarten wird. Man fürchtet sehr, daß die Stadt einem Angriffe ausgesetzt werden könne.

So eben hören wir, daß von hier aus der Stadt 5 bis 600 Polen nach einem Orte der Umgegend gezogen seyn sollten, um dort die deutschen Einwohner zu entwaffnen; der Ort selbst wird uns jedoch nicht genannt.

Posen, 1. Mai Abends. Heute gegen Abend trafen hier nach und nach zwölf Wagen mit Verwundeten aus dem gestern bei Miloslaw stattgefundenen Kampfe ein, und zugleich nähere Nachrichten über den Ausgang desselben. Als General von Blum von Schroda aus vor Miloslaw eintraf, war dort der Oberst von Brandt, der über Neustadt hieher anrücken sollte, noch nicht eingetroffen; dennoch entschloß er sich zum Angriffe, und nach einem heftigem Kampfe wurde die Stadt auch von dep Truppen genommen. Bei einem kleinen Wäldchen, dicht hinter der Stadt, wurde jedoch die zur Verfolgung der Polen ausge­sandte Avantgarde von einem Korps polnischer Scharfschützen mit einem heftigen und gutgezielten Feuer empfangen, während die inzwischen von Wreschen eingetroffene polnische Reiterei eine Abtheilung Husaren des 7. Regiments warf, eben so eine nach­rückende Schwadron Kürassiere, die in wilder Flucht die eigene Infanterie durchbrachen und niederntten. Hierauf stürmten die Polen, die Infanterie vor sich hertreibend, wieder gegen tue Stadt und warfen die Truppen hinaus; der von einer hohen Mauer geschützte Gottesacker wurde von einer Schaar Sen-