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cf Karlsruhe, 3. Mâl'. Als die Märzunruhen ausbra­chen und namentlich die Züge der Bauern gegen die Standes­herren und Juden begannen, verließen viele Beamte feig ihre Stellen, wodurch die Anarchie in den bedrohten Orten nur um so tiefer Wurzel fassen mußte. Bewies einerseits diese Beamten­flucht, daß eben der alte Polizeistaat und seine Diener sich fürch­teten und fürchten mußten vor dem Volk, daß diese im entschei­denden Augenblicke durchaus keine moralische Macht in Händen hatten, und also das ganze System auf gar zerbrechlichen Füßen stand, so legte sie doch auf der anderen Seite auch ein schweres Zeugniß für die persönliche Feigheit der Beamten ab. Es ist daher nur ein Akt der Gerechtigkeit, wenn heute unsere zweite Kammer auf Bekk's Antrag beschloß, daß solche Beam­ten von ihren Stellen entfernt, beziehungsweise mit Verlust der Pensionen oder mit schlechteren Stellen bestraft werden sollen.

München, 2. Mai. (Allg. Z.) Meinem kurzen Bericht von gestern Nacht habe ich noch hinzuzufügen, daß schon Nach­mittags ein Offizier vom Leibregiment, bei friedlichem Einschreiten zur Dämpfung einer Wirthshausrauferei auf dem Schrannen­platze bedeutende Verletzungen erhielt, und daß zu dieser Zeit und bis spät Abends eine Anzahl Verhaftungen von Ruhestörern vorgenommen wurden.

Bezeichnend für den Geist dieser Unruhstifter ist ein Nachts zwischen 10 und 11 Uhr in der Weiten Gasse vorgekommener Frevel. Dort hatten dieselben einen vor dem Mauthgebäude stehenden Güterwagen in Brand gesteckt. Nasch'herbei- geeilter Hülfe gelang es das Feuer dämpfen und dadurch die böswillige Absicht der Anstifter zu vereiteln. Die Sicherheits­patrouillen aller Waffengattungen waren bis tief in die Nacht hinein vom Pöbel häufig schmählichen Insulten ausgesetzt gewe­sen; gegen 2 Uhr Nachts erst war die Ruhe der Stadt vollkom­men hergestellt. Zur Erhaltung derselben sind wie gestern so auch heute energische Vorkehrungen getroffen.

Berlin, 3. Mai. (B. N.) Vorgestern hatten wir hier einen betrübenden Anblick. Eine letzte Berliner Freischaar nach Schleswig-Holstein, welche manche traurige Schicksale erlebt hatte, und endlichzu spät" kam, hat sich zum Marsch nach Polen entschlossen, um die Deutschen vor den ihnen drohenden Gefah­ren schützen zu helfen. Die Truppe, zum Theil 4» offenbar dürftigsten Umständen, war, nachdem sie Berlin durchzogen, auf dem Exerzierplatz vor dem Schönhauser Thore versammelt, und brach von dort angeblich nach Friedrichsfelde auf.

* In den B erli ne r Zeitungen lesen wir schon seit einiger Zeit eine Menge vonEingesandt's", in welchen sich das Erstaunen und der Groll über die diktatorische Haltung des Frankfurter Fünfzigerausschusses sehr unverholen ausspricht. Diese Stimmen scheinen keineswegs vereinzelt zu seyn , sondern vielmehr eine bei einem großen Theil der preußischen Bevölke­rung herrschende Stimmung auszudrücken. Insofern schei­nen sie einige Aufmerksamkeit zu verdienen. Einer dieserfragen­den" Artikel lautet z. B. folgendermaßen.

Vier Fragen. 1) Hat jemals ein deutscher Kaiser in solchem Tone mit den deutschen Rcichsfürsten gesprochen, wie dermalen der sogenannte Fünfzigerausschuß? Seit dem westphä- lischen Frieden gewiß nicht. 2) Von wem ist der Ausschuß auto- risirt? Vom sogenannten Vorparlamente. Und von wem dieses? Keinesfalls vom deutschen Volke, denn eine kaum bemerkbare Minderheit desselben hat cs erwählt. 3) Wird dieser schlechthin anarchische Zustand mit dem Zusammentreten des Reichsparla- ments enden? u. s. w,

Zum Schutze der preußischen Ostseeküsten sind bereits bewaffnete fliegende Korps bestimmt. Viele Privatleute in England haben den Preußen zum Schutze gegen die Dänen wohlbewaffnete Dampfboote zum Kauf angeboten. Es sollen auch Vorkehrungen zu schleuniger Einrichtung preußischer Ka­nonenböte getroffen werden. (B. N.)

Elbing, 27. April. (B.-H.) Es erregt bei uns eine freu- mge Sensation, daß, wie wir erfahren, acht Danziger Schiffs- Kapitane auf die Nachricht von der dänischen Kriegserklärung gegen den deutschen Seehandel sich auf der Stelle erboten haben, mit ihren Schiffen gegen die Dänen in See zu gehen, sobald man ihnen die nöthigen Kanonen gäbe. Andere Schiffskapitäne sollen diesem Beispiele bereits nachgefolgt seyn.

1. Mai. Man sagt, daß Preußen noch 50,000 Kugeln und 6000 Mann frischer Truppen nach dem Kriegsschauplatz senden werde, waS sich auf eine Besehuna Jütlands deuten laßt.

Rendsburg, 30. April. (Wes.-Z.) Man ist hier, ob­wohl dem Kriegsschauplatz so nahe, von den Ereignissen daselbst

^*r benachrichtigt, fast nur das Gerücht bringt seine chwankenden Botschaften. Augenblicklich weiß man noch keines­

wegs mit Bestimmtheit, ob die Insel Alsen bereits von den Bundestruppen besetzt ist, oder ob der Uebergang dorthin noch nicht bewerkstelligt wurde. Er würde auf keinen Fall bei der schmälsten Stelle des Wassers, Sonderburg gegenüber, stattfinden, sondern etwas höher hinauf. Uebrigens hegt hier das ganze Publikum den Glauben, daß die Dänen sammt und sonders Nordschleswig verlassen haben.

Vorgestern wurden hier 481 Gefangene eingebracht, dar­unter 13 dänische Offiziere. Erstere sind größtentheils in der Kirche untergebracht, woselbst sie meistens zwischen den Kirchen­stühlen auf Strohlagern liegen und sich recht gut befinden. Wenn sie, um frische Luft zu schöpfen, sich täglich zwei Stunden im Freien unter guter Bedeckung ergehen, findet man die Dänen überraschend munter; sie sind nun endlich der ihnen absichtlich beigebrachten Besorgniß enthoben, als Kriegsgefangene der Deut­schen erhängt oder todtgeschossen zu werden. Das hiesige Pro­vianthaus ist ebenfalls zur Aufnahme von Gefangenen eingerich­tet worden; die Hauptwache dient zum Quartier für die däni­schen Offiziere. Dieselben, darunter der tüchtige Kavallerieoffizier Oberst v. Astrup, werden hier höchst anständig behandelt. Auch sie ergehen sich täglich im Freien und zwar immer in Abtheilun­gen von 4 Personen, eine Schildwache mit geladenem Gewehr begleitet sie. Ihre Spaziergänge erstrecken sich jedoch nicht bis zur Nähe der Festungswerke.

Den Verwundeten, welche in so großer Zahl hier liegen, wird die sorgsamste Verpflegung zu Theil; sie befinden sich in denselben Barraken, welche früher dem Militär, das in Rends­burg lag, zur Kaserne dienten. Leider sind auch hier manche der Blesffrten schon an ihren im Gefecht erhaltenen Wunden gestorben. Die hier liegende Abtheilung hannover'schen Mili­tärs beträgt etwas über 200 Mann Infanterie.

Rendsburg, 30. April. (S.-H. Z.) Vom Kriegsschau­platz ist nichts wesentlich Neues zu berichten. Die Dänen haben auf der Seite nach Alsen hin das feste Land und nach Norden Schleswig ganz verlassen. Im Westen ist Tondern be­setzt worden. Wohl auf dem Zuge dahin hat man sich der Ar­tillerie des Grafen Schackenburg bemächtigt, 6 Kanonen, die doch etwas mehr als bloße Böller seyn sollen.

Auf Sundewitt hatten die Dänen sich große Mühe mit Errichtung eines Landsturms gegeben, auch richtig 2000 Mann zusammengebracht und sie ganz leidlich einererzirt, so daß sie dieselben schon zu Helden gestempelt zu haben glaubten, brauch­bar selbst gegen die Preußen. Doch waren die Sundewitter nicht der Meinung und blieben ruhig zu Hause, als die Preußen kamen.

Noch erfährt man aus sicherer Quelle, daß die dänischen Kriegsschiffe am Morgen des 25. noch ganz wacker schossen, daß aber ihr Kartätschenhagel den Major von Zastrow vom 5. Li­nieninfanterie-Bataillon nicht binderte , mit seinen Soldaten aus einem Magazin cirka 200,000 Patronen zu holen. Die See- batterien Friedrichsort und Laboe sind sehr bedeutend verstärkt und unter den Befehl eines ausgezeichneten preußischen Offiziers gestellt worden.

Apenrade, 29. April, 11 Uhr Vormittags. (B. H.) Unsere Stadt bildet jetzt das Hauptquartier für die preußischen Truppen, die hier und in der Umgegend einquartirt find. Der General von Wrangel, der Herzog von Augustenburg, der Prinz Friedrich von Augustenburg-Noer u. s. w. sind jetzt hier. Gestern Abend sahen wir hier eine improvifirte Illumination. Der Rückzug der Dänen hat auf den Spießbürger und insbesondere auf das Landvolk einen tiefen moralischen Eindruck gemacht. Das Vertrauen der Einen auf Dänemark ist wankend geworden, die Furcht der Andern vor den Dänen ist überwunden und es gilt nun, Hand an's Werk zu legen, um die Neigung für Deutich­land in die Herzen zu pflanzen und für immer zu befestigen. Die Brutalitäten einzelner Dänen gegen Deutschgesinnte nordschlesw. Notabilitäten erregen eben so wie die Räube­reien der Marodeurs bei Schleswig, von denen heute Hr. Lieutenant Hilliger, ein tüchtiger Schütze, der den dänischen Lieu­tenant Matthiessen gefangen nahm, eine betrübende Schilderung entwarf, einen traurigen Eindruck. Es sollen hier Verschanzun­gen angelegt und Batterien errichtet werden.

Gestern reiste der dänische Parlamentär wiederaus Flensburg nach Sonderburg zurück, wie die Einen sagen, um eine Auswechselung der Gefangenen anzubahnen, nach Andern, um für vier bei Holms eingeschloffene Kriegsschiffe, denen der Proviant beinahe ganz ausgegangen ist, Befreiung zu erwirken.

Schleswig-Holstein, 30. April. Nördlich von Flens­burg will man Kanonendonner gehört haben und Gerüchte ge­hen schon von begonnenen oder sogar schon glückliw bcendiAtcn Operationen gegen Alsen. Dagegen hört man auch von