Zwecken benutzt und als dafür eigentlich nur bestimmt ange- seben wird. Ganz Deutschland taumelt wie ein Betrunkener einem bodenlosen Abgrunde zu (?) und fühlt eine grausenhafte Befriedigung, daß es sich einmal frei nennen darf. Armes Deutschland, wie wirst du erwachen, wenn dein Rausch ausgeschlafen ist?
Ist es aber zu verwundern, daß das befreite Volk sich so zuversichtlich diesem gefährlichen Taumel bingibt, in dem es so fleißig an seinen eigenen Ketten schmiedet? Alle Welt schmeichelt ihm, spricht ihm die größte politische und sittliche Bildung zu, verspricht ihm alle geistigen und materiellen Güter dieser Erde und lobhudelt den guten souverainen deutschen Michel, daß er vor Stolz und sprudelndem Uebermuth aus der Haut springen möchte.
Ist das ehrliches Spiel und hat Deutschland keine Männer mehr, die es aufrichtig mit ihm meinen, die den Muth haben, ihm die derbe ungeschminkte Wahrheit in's Angesicht zu sagen, und denen die augenblickliche Volksgunst weniger werth ist, als das innere Bewußtseyn treu erfüllter Pflicht gegen das Vaterland? Nur dadurch allein noch kann Deutschland vom Verderben, dem es — in voller Auflösung begriffen und von zahlreichen, mächtigen innern und äußern Feinden bedroht — mit Riesenschritten entgegeneilt, gerettet werden; nur dadurch allein ist das im Dunkeln tappende Volk zur Erkenntniß seiner selbst und auf den richtigen Weg zu bringen.
Wie ist es möglich, daß auch nur ein kleiner Theil all' der Versprechungen verwirklicht werden kann, die manche Mitglieder der constituirenden Versammlung zu Frankfurt z. B. — auf die aller Augen gerichtet sind — aus Gutmüthigkeit, Mißverstand oder gar politischer Spekulation und eigennützigen Zwecken ihren Wählern gemacht haben? Werden die Mitglieder dieser Versammlung, der buntesten, die wohl je zur Entscheidung der Geschicke eines großen Volkes berufen worden ist und ein kaum vorher zu bestimmendes Gepräge haben wird, — nicht sogleich auf die ernstlichsten Hindernisse stoßen, und werden sie dann im Stande seyn, den an sie gestellten Ansorderungen zu genügen?
Ich mag dieses nicht weiter verfolgen, denn ich könnte nur mißverstanden werden; aber ich sehe eine bange, schwere Zeit herannahen, deren zerschmetternde Wucht nur durch die kräftigsten Maßregeln, ähnlichen Willen und praktischen Takt gemildert und abgewendet werden kann. Das Vaterland ist in großer Gefahr!
Komme ich auf unsere Volkskammern, so sieht es fast noch trüber aus. Diese werden zuerst für die großen Versprechungen angegangen und in die Enge getrieben, während sie vergebens nach einem sichern Halt und nach Mitteln sich umsehen werden, diese Versprechungen unter einander selbst und dann wieder mit den Bedürfnissen des Staats und des Volkes in Einklang zu bringen. Noch viel weniger werden sie die Ausgaben des Staats Beschränken können, da seine Bedürfnisse durch eine Menge neuer Einrichtungen, wofür er angegangen wird :c. in erschreckenden Steigerungen wachsen müssen und an erhebliche Ersparnisse vorläufig nicht zu denken ist.
Was wird nun aber das gute Volk dazu sagen , wenn es statt weniger viel mehr zu den Staatslasten beitragen muß? Wird es sich wohl mit dem Gedanken trösten, daß die wohlfeilste Negierung die beste — und daß eine theure Negierung wohlfeil seyn kann?
Grdj.
Ueber die bevorstehende Pariser National- Versammlung.
Das „Journ. des Deb." sagt: Die National-Ver- fammlung wird in wenigen Tagen das Schauspiel eines berathenden Körpers darbieten, dem es an jedem ihm eigenthümlich angehörenden Reglement fehlt und auf den auch, seinem Ursprünge und seinem Wesen nach, die durch frühere Legislaturen gegebenen Beispiele selten anwendbar seyn werden.
Wahrscheinlich wird die National-Versammlung unter dem Vorsitze des Alters-Präsidenten ihre Arbeiten begin- jwn. Sie wird sich anfangs mit der Prüfung der Vollmachten zu beschäftigen und die Art und Weise dieser Operation selbst festzustellen haben. Unter der legislativen Versammlung war, obgleich es damals keinen Zensus der Wählbarkeit gab, die Prüfung langdauernd und umständlich. Die Konstitution von 1791 knüpfte die Eigenschaft des aktiven Bürgers an die Erfüllung von sechs Bedingungen. Es gab durch einen Artikel vorgesehene Unerträglichkeiten, und jede Kommission mußte
sich überzeugen, ob die Wahlkörper durch die Urversammlun- gen in dem genauen Verhältnisse eines Wählers auf hundert aktive Bürger zusammengeletzt waren. Beim Konvent waren die Formen wett einfacher und man ging rasch zu Werke. Schon am ersten Tage, am 21. September 1792, verfügte man einstimmig die Abschaffung des Königthums. Nur zwei Mitglieder wollten diese Maßregel bis zur Prüfung der Vollmachten der 749 Mitglieder des Konvents verschoben wissen. Diese Prüfung ging schon in der folgenden Sitzung vor sich, und Tags darauf de- kretirte man ein Gesetz für die Organisation der Arbeiter. Der neue Vollziehungsrath wurde alsbald gebildet und eingesetzt. Am 28. genehmigte man ein Reglement, das von den nachher angenommenen sehr abwich; denn der Präsident und drei der sechs Sekretäre wurden alle 14 Tage erneuert. Während der 100 Tage war die Nepräsentantenkammer beinahe in der Lage, worin die neue Versammlung seyn wird. Die Charte und das Reglement von 1814, welche die Deputirtenkammer in Büreaur theilten, waren aufgehoben. Es fehlte an Raum, um die mindestens nöthigen 15 Büreaur unterzubringen. Man improvisirte ein Reglement in sechs Artikeln. Man zog neue Kommissionen von 10 Mitgliedern durch's Loos, vertheilte unter sie die Wahlprotokolle der 87 Departements, und verfügte sofortige Zulassung aller Vertreter, deren Wahl kein Bedenken darbiete. Es erhob sich keine Anfechtung gegen die Wahlen, die noch in der nämlichen und in der folgenden Sitzung gültig erklärt wurden. In dieser Sitzung wurde auch schon der Präsident ernannt.
ES ist kaum möglich, daß gegenwärtig die vorläufigen Arbeiten eben so rasch gehen. Die verschiedenen Kommissionen werden verpflichtet seyn, die Protokolle jeder Bezirks-Versammlung zu prüfen, deren es bloß für das Seine-Departement 350 gibt. Auch werden ohne Zweifel Protestationen gegen gewisse Wahlen einlaufen. Sehr wahrscheinlich wird daher die National-Versammlung sich durchs Loos in 15 Büreaur von 60 Mitgliedern theilen, die sich dann wieder zur Prüfung der Wahlakte in Unter-Kommissionen theilen werden. Ernste Schwierigkeiten konnten bis nach definitiver Konstituirung der National-Versammlung vertagt werden; aber man wird vorläufig entscheiden müssen, ob die Präsidenten und Sekretäre jährlich oder monatlich gewählt werden sollen. In den Legislaturen vor 1814 gab es keine Vizepräsidenten; in Abwesenheit des Präsidenten vertrat ihn der Alterspräsident. Wir reden hier nicht von der Nothwendigkeit, Quästoren und Saal-Inspektoren zu ernennen, so wie die Zahl der Staatsbooten, der Huissiers :c. zu bestimmen. Diese Einzelnheiten werden einen Zusatz des Reglements bilden, welches die Weise der Vorlegung oder Vorschlagung von Gesetz-Entwürfen und der Wahl der Kommissare, welche die Berichte zu erstatten haben, feststellen wird. Ein Reglements-Gesetz wird auch die gegenseitigen Beziehungen zwischen der Versammlung und der vollziehenden Gewalt bestimmen müssen.
Die erste Sorge der Versammlung wird zweifelsohne dahin gehen, die Republik zu proklamiren; bevor sie sich aber mit der Redaktion der neuen Konstitution beschäftigt, wird sie, wenigstens nach unserer Meinung, die verschiedenen Erlasse der provisorischen Regierung zu prüfen haben, um sie entweder für definitiv zu erklären oder aufzuheben.
D e u t s ch l a n d.
* Von Offenbach ist eine zahlreich unterzeichnete Adresse an den Fünfziger-Ausschuß in Betreff der „fremden Truppen" in Baden abgegangen, welche sich den mehrfach deßfalls laut gewordenen Krähwinkeleien gegenüber sehr vortheilhast ausnimmt. Allen denjenigen Nassauern zu Nutz und Frommen, die an dem Kampfe unserer Soldaten gegen die despotischen Anstifter eines freventlichen Bürgerkrieges so großes Aergerniß nehmen und denen der Zopf noch so weit hinten hängt, daß sie wohl gar meinen, ein freiheitsmörderifcher Aufruhr in Baden gehe die Nassauer nichts an, sondern wenn sich Baden schlechterdings zu Grunde richten wolle, so müsse ihm dies im Namen der Freiheit freigegeben werden, — allen denen zu Nutz und Frommen, die in dieser Weise kannegießern, als ob noch die Reichseinigkeit von Anno 1748 in Kraft sey, lassen wir einige Stellen aus dieser Zuschrift hier folgen:
„An den verehrten Aus schuß der Fünfziger. Mit großem Befremden bemerken die Unterzeichneten daß von manchen Seiten es mißfällig ausgenommen wurde, Soldaten des einen deutschen Staates in einen andern einziehen zu lassen, und man darin nur den Anfang einer gewaltsamen Reaktion in Deutschland erblicken will. Man hat sich sogar nicht entblödet,