Deutschland.
Darmstadt, 2. Mai. (D. Z.) Gestern hielt die 2. Kammer nach zehntägigen Osterferien die erste Sitzung. Der Präsident Hesse begrüßte in kurzer Anrede die Mitglieder und forderte auf, durch Aufstehcn Sympathie auszudrüâen für den Sieg Ler deutschen Sache in Schleswig und für den Sieg über die Aufrührer in Baden. Alle erhoben sich mit Ausnahme von -Behlen, Heldmann und Mohr. Behlen erklärte, er freue sich wohl über den Sieg über die Dänen, nicht aber über den Sieg in Baden; er halte es für ein Unrecht, „fremde" Truppen zu Parteizwecken zu benutzen. Heldmann konformirte sich damit; Mohr sprach insbesondere dagegen, daß bei der Tödtung Gagerns eine Verrätherei vorgefallen sei. Reh erwiderte kräftig. Eine solche Geistesverwirrung wie die jener drei Herren ist unendlich kläglich. Wenn diese Freunde des offenen Aufruhrs im Stande wären, Konsequenzen zu ziehen, und Muth hätten, dann wären sie mit Hecker gezogen und wären nicht bequem daheim geblieben.
München, 1. Mai Nachts 10 Uhr. (Allg. Ztg.) Der Münchener Pöbel scheint es sich nicht nehmen lassen zu wollen, daß er Anfang Mais seine Bier-Revolution machen müsse. Trotz der wahrhaft großartigen Entwickelung militärischer Kräfte war es möglich, daß eine Rotte von 30—40 solcher Bierpreis- Unzufriedener beim Löwenbräu zunächst der Frauenkirche im Wirthszimmer wie im ersten Stock mit zahlreichen Steinwürfen Läden, Fenster und Zimmergeräthe zcrtrümmte, und erst nachdem die Zerstörung so ziemlich beendet war, durch eine Patrouille verjagt wurde. Man will mehrere ganz gut gekleidete Leute unter den Zerstörern bemerkt haben, die ganz leise herangeschlichen waren und die Steine in Körben herbeigeschleppt hatten. Dieß geschah zwischen 8 und 9 Uhr, nachdem mehr im Innern der Stadt (auf dem Schrannenplatz z. B., der einem wahren Lager gleicht) schon das Aufruhrgesetz war verkündet worden.
Bereits im Laufe des Tages fielen, wie ich erst spät Abends erfahren, einzelne Verwundungen auf dem Schrannenplatz, im Thal re. vor. Die Nachrichten von weiteren Angriffen auf Brauer und Bäcker (die heute und gestern vielfach mit Drohungen sollen geschreckt worden seyn) bestätigten sich mir bis zur Stunde nicht. Das Landwehrsreikorps sowie das der Bürgerssöhne und der Staatsdienstadspiranten sind heute zum erstenmal im Dienst.
Hamburg, 29. April. (Wes.-Z.) Gestern Abend versarm melte sich das hier seit einigen Tagen in's Leben getretene Ko- mite zum Behuf der Erbauung des ersten hamburgischen Kriegsfahrzeuges; dieses Konnte besteht vorläufig aus acht Mitgliedern, cs dürften jedoch noch verschiedene Sachkundige Hinzugezogen werden. Ueber die zweckmäßigste Form und Größe desjenigen, welches nun sicher in Angriff genommen und zwar auf einer hamburgischen Werste hergestellt werden soll, herrscht noch starke Meinungsverschiedenheit unter den Komite-Mitgliedern. Falls das Fahrzeug im Stande seyn soll, bis nahe an die Stadt zu kommen, muß der an flachen Stellen reiche Elbstrom — der Unterschied des Wasserstandes zwischen Ebbe und Fluth beläuft sich nur auf etwa 6 Fuß — ein Hinderniß werden, das wohl dazu führen könnte, Curhafen, zur Aufnahme von Kriegsschiffen trefflich geeignet, später auf Kosten des hamburgischen Handels begünstigt zu sehen. Wäre der dortige Hasen^einmal vollständig eingerichtet, so würden viele Kaufleute ihre Seeschiffe gar nicht mehr bis Hamburg zum Löschen u. s.w. heraufkommen lassen.
Die größeren preußischen Truppenabtheilungen, welche marschfertig gehalten werden, erwarten nur den ersten Ruf des General- Lieutenants Wrangel, um nach Schleswig abzugehen. Drei oberländische Kähne brachten bereits schwere preußische Artillerie, nebst Munition; diese Sendungen sollen unmittelbar fortgesetzt werden.
Köln, 28. April. Die „Kölnische Zeitung" spricht ein entschiedenes Wort aus: Der Herzog des unheilbaren Schleswig-Holstein hat es gewagt, nach den zahllosen Attentaten auf die Unabhängigkeit seiner Herzogthttmer dieselben mit den Truppen eines fremden Staates zu überschwemmen. Der Herzog von Schleswig-Holstein hat die Dänen zu Hülfe gerufen, um sein Schleswig ihren Händen zu überliefern. Als er sah, daß das Volk von Schleswig-Holstein es einmüthig verschmähte, seine
Freiheit gegen die schimpfliche Unterwerfung unter das Dänenvolk zu opfern, hat er zum Landesverrath seine Zuflucht genommen und mit fremden Söldnern sein eignes Land bekämpft. Es ist billig, daß sein eigenes Volk ihn für einen Verräther am Vaterlande, für verlustig seiner herzoglichen Krone erklärt.
II Minden, 29. April. (Wes.-Z.) Heute verließen uns etwa 350 Polen, welche auf dem Durchmarsch aus Frankreich nach ihrem Vaterlande, zu dessen Befreiung sie mitzuwirken entschlossen sind, in unserer Stadt fünf Tage verweilten. Von der preußischen Regierung wurden der Fortsetzung ihrer Reise hier Schwierigkeiten in den Weg gelegt, es mußte erst ein Deputir- ter nach Berlin geschickt werden, um dort über die Fortsetzung ihrer Reise auf der Eisenbahn zu verhandeln. Da dieser Abgeordnete aber bis heute nicht wieder eingetroffen war, so mar- schiren die Polen nun zu Fuß nach ihrer Heimath. Die Polen haben hier die gastfreundliche Aufnahme und die Sympathie gefunden, welche ihr Schicksal und ihre Begeisterung und Hingebung an die Sache ihres Vaterlandes verdient, so lange sich damit nicht die Feindschaft gegen die deutsche Nationalität verbindet, welche in den letzten Vorgängen in Posen so widerwärtig hervorgetreten ist.
Berlin, 26. April. (Karlsr. Z.) Der Regierungsrath v. Kamptz ist von hier nach Frankfurt a. M. abgegangen , um den dort zu pflegenden Berathungen in Betreff des endlichen Zustandekommens eines allgemeinen deutschen Zollvereins als preußischer Beauftragter beizuwohnen.
Schleswig-Holstein. Auszug aus einer Depesche des General-Lieutenants Halkett an den König von Hannover; angekommen den 30. April halb 12 Uhr Mittags:
„Hauptquartier Nübel, im Amte Sonderburg, den 27. April. Die mobile Division des 10. Bundes-Armee-Korps hat heute einen Marsch von Höckerup und Umgegend bis an die Küste, der Insel Alsen gegenüber, ausgeführt. Ich erwartete den Feind in einer starken Stellung vor dem Uebergange, an deren Verschanzung er lange gearbeitet haben sollte, zu finden. Der Feind hatte die noch unvollendeten Schanzen nur mit einer schwachen Wache besetzt, und verließ sie bei unserer Annäherung ganz, ohne einen Schuß zu thun. Ich ließ sie in Besitz 'nehmen und wenigstens theilweise zerstören. Unterwegs und bei der Demo- lirung der Schanzen wurden wir durch einiges Feuer aus Kanonenböten und Dampfschiffen belästigt, jedoch ohne daß Mr dadurch Schaden erlitten hätten.
Der lieb er gang nach der Insel Alsen, obgleich nur über einen sehr unbedeutenden Meeresarm führend, hat doch der dänischen Schiffe wegen nicht unbeträchtliche Schwierigkeiten. Außerdem ist auch die gegenüberli gende Küste verschanzt und mit Artillerie besetzt.
Schleswig, 25. April. (Sch.-Holst. Z.) Die Tage des diesjährigen Osterfestes sind für Schleswig rechte Auferstehungstage geworden. Die Stadt war 12 Tage lang von dänischen Truppen fast erdrückt, und dieser geistige und äußere Druck war deshalb doppelt schwer, weil aller Verdienst für die zahlreichen dürftigen Bürger 4 Wochen lang stockte. Bei dem Einzuge des Königs sah man auf den Straßen fast nichts als dänische Soldaten , und hiesige Bürger, die von Offizieren aufgefordert wurden, ihren König zu begrüßen, antworteten ruhig: „Wir kennen den König nicht!" Es war von den Schleswigern- für ihren Landesherrn, da er als dänischer König kam, kein Hurrah zu erpressen; wo einige Häupter entblößt waren, waren sie es durch dänische Fäuste. Zur Audienz, die nur einige Minuten dauerte, waren die Mitglieder des Magistrats gekommen. Die wenigen hier gebliebenen Beamten, außer den wenigen schon hinlänglich bekannten, hielten sich sehr tapfer und selbst Bevollmächtigte und Schreiber widerstanden dänischen Drohungen und Lockungen bis auf's äußerste. Die Prediger, Probst Nielsen an der Spitze, hatten sich mit vier Lehrern der Domschule zu einer energischen Erklärung vereinigt, worin sie ihr Festhalten an der provisorischen Regierung und ihre Gründe dafür darlegten und demgemäß die Fragen der Haderslebener Kommission beantworteten. Mit einem Worte: Es herrscht hier kein Deutsch thun, sondern ein wahres Deutsch thum. Das haben auch die Dänen sehr wohl erkannt und wiederholt erklärt, in Schleswig sey wirklich Alles deutsch und nichts Dänisches mehr zu finden.
Verantwortlicher Redakteur: W. H Riehl. — Druck und Verla« der L. <5cbeHenberfl Wn Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.