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Nassauische

Allgemeine Zeitung.

M 34. Freitag den S Mai 1848.

Die Nass. Allg. Zeitung mit ihrem belletristischen Beiblatt erscheint täglich. Der vierteljährige PrämimerationSpreis ist in Wiesbaden L fl., für den Umfang des HerzvglhumS Nassau, des GrvßherzvqlhumS und KurfürstenthuniS Hessen, der Landgrafschaft Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt A fl. 30 fr., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und TariSschen Verwaltungsgebietes Ä fl. 40 fr. Inserate werden die drei­spaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellenberg'scheu Hof-Buchhandlung auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

Uebersicht.

Das konstitutionelle Prinzip und die konstitutionelle Ein­heit Deutschlands.

Die Volksschulen im Herzogthum Nassau.

Deutschland. Wiesbaden (Die Landtagswahlen). MüN ch eN (Das Haberfeldtreiben in Throl). (Leipzig (Das deutsche Parlament nach Prag). Berlin (Die Drucker und Setzer. Russische Truppen an der Gränze). Auö der Provinz Preußen (Rüstungen zur See. Der Königsberger Magistrat). Posen (Die Metzeleien). Prag (Die deutsche Opposition gegen die Czechen). Wien (Grau­samkeiten gegen die Juden in Preßburg).

Frankreich. Paris. (Die National-Versammlung. Departements-

Wahlen. Nationalwerkstätten. Die Unruhen in Rouen).

Großbritannien. London (Ludwig Philipp).

Italien. Rom (Das Ghetto).

Sprechsaal für Stadt und Land.

Nachschrift.

O Das konstitutionelle Prinzip und die konstitutionelle Einheit Deutschlands*)

Wiesbaden, den 28. April. Für alle Diejenigen, welche dem wahren monarchischen Prinzip noch Lebensfähigkeit zutrauen, und das ist bei Weitem die größte Mehrzahl der Deutschen, gilt es jetzt, mit Entschiedenheit und Bestimmtheit ihre Ansicht schriftlich und mündlich zu vertreten, damit nicht die konstitu­tionelle Monarchie, nachdem sie in offenem Felde gegen die leichten Truppen der Republik gesiegt hat, nur um so tiefer verwundet werde durch friedliche Beschlüsse der konstituirenden Versammlung. Denn verhehlen wir es uns nicht, die Zahl derer ist nicht gering, die von der konstitutionellen Monarchie nur einige für schwache Gemüther beruhigende Formen, in denselben aber das Wesen der Republik wollen, die es geradezu aussprechen, man müsse durch die demnächst zu gebende Verfassung Deutschlands auf die Republik hinarbeiten, da man sie nicht sogleich ohne große Er­schütterungen einzuführen vermöge. Diese machen sich also, nur nach einer andern Seite hin, desselben Fehlers schuldig, den man bisher den Regierungen mit Recht zum Vorwurf machte, daß sie theils gezwungen, theils freiwillig in die konstitutionellen Formen beständig einen denselben durchaus unangemessenen (absolutistischen) Inhalt hineinzulegen suchten. Männer von so schwankender un­entschiedener Ansicht sind der Entwickelung eines gesunden poli­tischen Lebens viel gefährlichere Feinde, als die, welche sich im offenen Kampfe derselben widersetzen. Die Letzteren treibt man weg, wenn sie, obgleich in der Minderzahl, die Grund­legung einer ihnen mißfälligen Staatsverfassung verhindern wol­len; die Ersteren helfen mitbauen, bis es an den Schlußstein des Gewölbes, oder, wenn sie sich recht mäßigen, bis es an den Dachstuhl des Hauses geht. Dann aber wollen sie den Schlußstein entweder gar nicht eingesetzt haben, oder so, daß das Gewölbe bald einstürzen muß; den Dachstuhl hätten sie am liebsten so, daß er das Haus wo möglich zusammendrückte und bald wieder einen Neubau nöthig machte. Hüten wir uns daher

*) Vor bem Erscheinen des R ei chsgrundgesetzentw urses | eingesandt, durch ein Versehen verspätet. Die Red.

vor den Baumeistern, die auf unser konstitutionell-monarchisches Haus ein republikanisches Dach setzen wollen. Zwietracht der schlimmsten Art im Volke, Halt- und Kraftlosigkeit der Negierungs­gewalt und eine damit unter allen Umständen hereinbrechende Schaar von Uebeln wären die unmittelbaren Folgen des Ge­lingens ihrer Bestrebungen. Es ist undenkbar, daß eine große Zahl von konstitutionellen Monarchien ihren Einheitspunkt finden sollten in einer Verfassung, deren Prinzip dem ihrigen vollständig widerspricht; wollen wir also die Einheit Deutschlands, so müssen wir auch die Mittel dazu wollen. Sollen die konstitu­tionellen Monarchien Ein Ganzes bilden, nicht bloß zum Schein, sondern in Wahrheit, und dabei doch ihre Freiheit und Selbst­ständigkeit bewahrenso müssen sie durch dasselbe Recht und die­selbe Verfassung im Großen vereinigt und geschützt werden, welche im Kleinen ihre Zustände gewährleisten, d. h. durch einen kon­stitutionellen Monarchen mit verantwortlichem Ministerium und zur Seite stehendem gesetzgebendem Körper.

Dies sahen die 25 kleineren deutschen Fürsten und 4 freien Städte, die beiden Hessen und Nassau an der Spitze, wohl ein, als sie ihre schöne Erklärung vom 16. Nov. 1814 abgaben, in welcher sie freisinnige Verfassungen für alle Länder Deutschlands und Herstellung der deutschen Kaiserwürde verlangten, und bereit­willig Verminderung ihrer Herrschergewalt zu Gunsten der Volks­freiheit und Nelchoeinheit zugestanden. Sie wollten einen Kaiser als ersten Repräsentanten der deutschen Nation, als Gegenstand allgemeiner Ehrfurcht, als den kräftigsten Schutz der deutschen Verfassung und Freiheit, der den Beschlüssen der Stände unver­brüchliche Vollziehung sichere, die Säumigen oder Weigernden mit Nachdruck zur Erfüllung ihrer Pflichten anhalte, der Bundes­justiz schnelle und vollkommene Folge verschaffe, die Kriegsmacht des Bundes leite, und so im Innern und nach Außen allen Staaten Deutschlands, auch den mächtigsten, als Beschützer sich darstelle.

Die Ausführung aller dieser schönen Vorschläge scheiterte an der völlig undeutschen selbstsüchtigen Politik Oesterreichs und der kleinlichen Eifersucht Bayerns und Würtembergs auf die Fülle ihrer Souveränität, die ihnen Oesterreich verbürgt habe. Preußen und die kleineren Fürsten wurden systematisch aus der nationalen Richtung ihrer Politik Herausgetrieben und genöthigt, auch an den eignen Vortheil und dann erst an den des gemein­samen Vaterlandes zu denken. Daß trotz aller Verknöcherung und Erstarrung, die nun in Preußens öffentlichem Leben eintrat, jene nationale Richtung nicht ganz verloren wurde, beweist der mit großen Opfern preußischer Seits zu Stande gebrachte Zoll­verein, der mehr für Deutschlands Einheit gethan hat, als alle Maßregeln Oesterreichs seit zwei Jahrhunderten zusammenge- nommeu.

Hat sich nun inmittelst das Verhältniß der drei Hauptländer Deutschlands zu der großen deutschen Frage wesentlich geändert? Kaum.' Oesterreichs Ministerium, gestützt auf einen nicht kleinen Theil des österreichischen Volkes, gehemmt durch seine außerdeut­schen Provinzen stellt Bedingungen seines Beitritts zu einem deutschen Bundesstaate auf, welche das Wesen eines Bundes­staates vernichten. Bayern spricht viel von einem dreifachen Wechsel der Kaiserwürde, so daß es auch an die Reihe kommt; mit demselben Rechte, mit dem sich Bayern, Oesterreich und Preußen beiordnet, könnten dann Sachsen, Würremöerg, Han­nover und nach diesen wieder Vaden und Hessen u. s. f. ver­langen, daß auch sie an die Reihe kamen. Das gäbe eine schöne Einheit! Preußen allein hat erklärt, daß es in Deutschland auf«