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Arbeit, welche in freien Zeiten nebenbei geschieht, hier nicht angeschlagen wird^ andererseits ist aber eine solche Unterstützung, um welche die Empfänger sich doch etwas bemühen müssen, weit nützlicher und auch noch Vielen weit angenehmer, als wenn ihnen die gleiche Menge von Kartoffeln geschenkt würde. Die Selbsterzeugung im ersteren Falle verleiht dem Geschenke in den Augen Gutgesinnter einen besonderen Werth.

(Fortsetzung folgt.)

Das Pflanzerleben im Westen Nord- Amerika's

(Fortsetzung.)

Diese kühnen Männer, welche gegen jeden Einfluß der Witterung gestählt sind und jeder Gefahr furchtlos die Stirn bieten, machen häufig und besonders in der Winterzeit unermeß­liche Reisen fast durch die ganze Breite der nordamerikcuüschen Erdfeste, von der Hudsonsbay bis zu den Schluchten des Fel­sengebirges, und fliegen auf den mit ihren Hunden bespannten Schlitten pfeilschnell über die unabsehbaren Eisflächen dahin. Aus dieser weiten Strecke hat die britische Pelzhändler-Gesell­schaft verschiedene Faktoreien und Stationen zur Erleichterung des Pelzhandels mit den Indianern angelegt. In den hohen Breiten Nordamerikas, wie schon bemerkt, fällt der Schnee in der Regel nur mit Winters Anfang, und nur einzelne Schnee- schauer, gleich den Sandstürmen der afrikanischen Wüsten, über­fallen später den Reisenden. Man bekommt in diesem Erdgürtel einen ganz andern Begriff von Schnee, der hier keine weiche Masse ist, sondern derselbe schmilzt selbst an der Hudsonsbap den Tag über, worauf er des Nachts wieder friert und auf diese Weise jene unermeßlichen Eisflächen erzeugt, über welche die Jäger und Pelzhändler nur mit Hülfe der Schlitten und Schneeschuhe hinwegkommen. Daher ist dem Kanadier und dem Bewohner des noch höheren Nordens nichts kostbarer als seine Hunde, die nur zu einem hohen Preise losgeschlagen werden. Man muß inzwischen selbst eine Reise in jenen end­losen Eisfeldern gemacht haben, um den Werth dieser nützlichen Thiere schätzen zu lernen. In jenen grauenvollen und unwirth- baren Einöden überfallen den Pelzhändler mitunter so heftige Schneegestöber, daß er mit Schlitten und Hunden im wahren Sinne des Wortes begraben wird; die Nacht gesellt sich hinzu, und keines Menschen Kunst würde alsdann im Stande seyn, den Weg durch diesen Schneeozean zu finden. Allein der Pelz­händler weiß sich zu helfen, und glaubt er, daß die Strecke nicht gar zu lang zu einer gastlichen Behausung sey, so spannt er einen der Hunde los, und der merkwürdige Instinkt dieser Thiere bringt ihn bald, durch Anschlägen das Zeichen gebend, auf den rechten Pfad und führt ihn in der geradesten Richtung dem gewünschten Ziele zu. Hat die Nacht ihn überrascht und

dünkt ihm die Wohnung zu entfernt, oder das Unwetter zur Fortsetzung der Reise zu gefährlich, so gräbt er sich, in seinen Mantel verhüllt, tief in den Schnee, und seine treuen Hunde werfen sich über ihn, um ihn gegen die strenge Kälte zu schützen; so erwartet er ruhig auf diesem weichen und warmen Lager den Anbruch des Tages.

Unsere unerwarteten Gäste hatten zwar Lebensmittel bei sich, allein es würde der amerikanischen Gastfreundschaft Hohn gesprochen haben, wenn wir sie nicht aus unserer eigenen Vor- rathskammer bewirthet hätten. Wir trugen demnach nach besten Kräften auf, und ihr gesunder Appetit ließ den vorgesetzten Gerichten auch alle Gerechtigkeit widerfahren. Am folgenden Morgen setzten sie bei Sonnenaufgang ihre beschwerliche Reise fort.

Der Winter entwich endlich; der Zuckerahorn zog Saft und die Holztaube und andere befiederte Bewohner des Wal­des, welche nach und nach zurückkehrten, verkündeten den Einzug des holden Lenzes. Jetzt war Zeit, die Saumseligkeit unseres Vorgängers wieder gut zu machen und zur Urbarmachung unseres Gebietes zu schreiten.

Das erstemal, als wir mit Aerten auf den Schultern das Blockhaus verließen, blieben wir unwillkührlich in einer Ent­fernung vor dieser dichten Holzmasse stehen, und unS beide, mich und meinen Gefährten, mußte zu gleicher Zeit der Ge­danke an das Schwierige, ja fast Unmögliche, ihn zu bewältigen, ergreifen; denn die majestätischen, in stolzer Höhe ihre Gipfel entfaltenden Bäume schienen unserer zu spotten.

Wir hatten inzwischen bereits eine vortreffliche Schule den Winter über durchgemacht, und durften uns einer ziemlichen Bekanntschaft mit der Art rühmen. Unsere Hände waren hart geworden, um Schwielen und Beulen nicht mehr zu befürchten. Zur größeren Belebung unseres Muthes fand sich auch unser Nachbar, der dienstfertige Irländer, ein, um uns Anweisung zu ertheilen, auf welche Weise einem Urwalde am füglichsten der Garaus gemacht werde. Die Bäume werden in fast glei­cher Höhe mit der Brust geschlagen; denn die Handhabe der Art läßt es nicht zu, sie niedriger zu fällen. Die Art näm­lich, der man sich in Amerika bedient, ist von der in Deutsch­land 'gebräuchlichen sehr verschieden. Das Eisen derselben- ist kürzer und das Blatt stärker. Der Stiel, gewöhnlich von Hickorynuß- oder Ulmenholz, ist etwas gekrümmt und am Ende mit einem Knopfe versehen, um daö Entgleiten aus der Hand zu verhindern. Der Hieb wird gewöhnlich von der Schulter herab, oder indem man die Art um den Kopf schwingt, geführt. Auf die letztere Weise hat den Hieb eine große Gewalt und dringt tief in daS Holz ein.

(Fortsetzung folgt.)

Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl. Druck und Verlag

der L. Schell cnberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.