das Begehren nach einer starken Regierung kundgeben. Aber wir wollen eine ganz andere Art von starker Regierung als sie; wir wollen, daß die Regierung stark sey, damit die Freiheit nicht durch überwuchernde Zügellosigkeit und Gesetzlosigkeit erstickt werde, Jene wollen eine Regierung, welche stark sey, damit sie di e Freiheit unterdrücke. Da kommen sie nun herbeigeschlichen, wo man ein Wort zu Gunsten des kräftig gehandhabten Gesetzes spricht, meinen, dies hätte man für sie'gesprochen, ja meinen wohl gar, man sey überhaupt ihres Schlages! Im Gegentheil, wir fordern die Regierung auf, stark zu werden, damit die Männer des alten Systems für immer und ewig niedergedrückt bleiben. Wir verbitten uns ihre höchst bedenkliche Freundschaft, denn wir sind und bleiben Feinde selbst da wo wir, scheinbar gemeinsam mit ihnen, für die strenge Aufrechthaltung der gesetzlichen Ordnung sprechen.
Von der Lahn, 1. Mai. Preußen scheint nun einmal aus den Mißverständnissen und Mißgriffen nicht herauskommen zu wollen. Kaum hat der Umschwung der Dinge, so schwer er jetzt auch die einzelnen Industriellen drückt, für die G esammtindustrie Deutschlands günstigere Hoffnungen Raum fassen lassen, kaum sind uns wieder Aussichten gegeben, daß der Zollverein ganz Deutschland umfassen und nun endlich einmal eine nachdrückliche, der großen deutschen Nation wahrhaft würdige Haltung entfalten werde, so zeigt Preußen wieder durch die Ernennung Patow's zum Handelsminister, daß es von alle dem nichts wissen will. Patow kommt ans Ruder, und Rönne, der einzige Wann, der in diesen Dingen, das Vertrauen von fast ganz Deutschland besaß, der vielleicht den industriellen Bruch zwischen Nord- und Süddeutschland hätte heilen können — wird nach A m e -, rika geschickt! Dieses Verfahren zeugt von einer ungeheuren Verblendung! Glaubt denn die preußische Regierung schlechterdings mit einem Dutzend Berliner und Hamburger Freihandels-Journalisten in Ein Horn stoßen zu müssen? Ist ihr das Lob solcher Leute mehr werth, als ein Vertrauensvotum von ganz Südvcutschland? Ist der Riß zwischen dem deutschen Norden und Süden dermalen nicht schon groß genug, muß er durch die Ernennung jenes bürokratischen Theoretikers zum Handelsminister noch geradezu muthwillig erweitert, und eben auf dem industriellen Gebiet erweitert werden, wo wir am ersten noch ein Band der Einigung zu finden hoffen konnten?
Mainz, 26. April. (Allg. Z.) Gestern ward vor dem Guttenbergs-Standbild eine Figur verbrannt, der eine Nummer der „Deutschen Zeitung" angeheftet war und die bent Vernehmen nach Hrn. Gervnmö verstellen sollte. Die welche dieß veranstaltet, haben es dem Anschein nach auf einen Triumph der Preßfreiheit abgesehen! Bekanntlich hatte die Deutsche Zeitung in der letzten Zeit einige gegen Hrn. Zitz gerichtete Artikel.
$ M a n nhei m, 1. Mai. (Aus dem nassauischen Feldlager) AbendS 6H, Uhr. Heute Mittag um 1 Uhr ist Mannheim in Belagerungszustand erklärt worden. (S. die gestrige Beilage). Alle Waffen sind bis auf ungefähr 10 bis 12 Sensen abgeliefert worden ohne den geringsten Widerstand. Wir haben bis vor einer halben Stunde unter den Waffen gestanden, seit heute Morgen um 8*4 Uhr. Der bei weitem größte Theil der Mannheimer Bürger ist froh, daß diesem schmählichen Zustande ein Ende gemacht worden ist. Heute Nacht bleibt wieder die Hälfte unserer Mannschaft in Bereitschaft. 4000 Mann Bayern sind eingerückt von denen 1500 Mann bei den Bürgern ciuguartirt sind.
Weimar, 27. April. Die hiesige Staatsregierung hat an die deutschen Höfe ein wichtiges Rundschreiben gerichtet, worin sie, auf die traurigen Antecedentien des Bundestages und die dadurch herbeigeführte demüthigende Lage desselben in jetziger Zeit hinweisend, den Vorschlag macht, den Bundestag ganz auszulösen. An seiner Statt möge man eine provisorische Zentralbehörde zur Verhandlung mit dem Ratio nalparlament cinsetzen.
Bon den Berliner Freiwilligen, die nach Schleswig- Holstein gezogen waren, sind mehrere, welche die allerdings sehr bedeutenden Strapazen nicht ertragen konnten, zurückgekehrt. Sie klagen namentlich über die Verpflegung, indem sie während ihres ganzen sechstägigen Feldzuges nur zwei Mal warme Speise und einmal Käse und Brod erhielten. Hungrig gingen sie in das Gefecht, in welchem sie mehrmals bis an den Gürtel in den sumpfigen Moorgrilnd versanken.
Jakob Grimm schreibt in der Voss. Ztg.: Gegen die dänische Seeräuberei steht ein kräftiges Mittel zu Gebot. Man besetze Jütland und erkläre, daß es für die Schadloshaltung haften werde.
Hamburg, 27. April. Hier haben seit gestern die Schneidergesellen zu arbeiten aufgehört und leicht könnten unter den andern Gewerken ähnliche Demonstrationen vorkommen. Die Schneider haben anfangs sechs „Reformpunkte", welche sie mit Nachdruck, jedoch ohne alle Rohheit, zur Geltung bringen wollten, von ihren Brotherrn angenommen, wurden nun aber extravagant in ihren Forderungen, so daß keine Verständigung mehr zu Stande kam.
Altona, 29. April. (Köln.Z.) Gestern kamen von Magdeburg mehrere Sendungen schwerer Festungsgeschütze, welche an der Elbmündung zu Strandbatterieu verwendet werden sollen. Hannover hat seinerseits Stade und Brunshausen, so gut es in der Eile gehen will, befestiegt und seit einigen Tagen arbeitet man auch an der Armirung des glückstadter Hafens. Von der Bereitwilligkeit der blankeneser Schiffer, Kanonenböte zu bauen und ihre rasch segelnden, leicht gebauten Briggs zu Kapern umzuwandeln, habe ich Ihnen bereits gemeldet, und höre ich, daß die provisorische Regierung ihr Anerbieten dankbar angenommen hat. Die Besorgnisse eines Vordringens dänischer Kriegsschiffe zu unserm und dem Hamburger Hafen find wohl sehr übertrieben. Der blankeneser Sund ist für mit Kanonen beladene Kriegsfahrzeuge nur bei selten hoher Fluth zu passiren. Ueberhaupt glaube ich, daß sich die dänischen Streifzüge und Blokaden zumeist auf die Ostsee und deren Häfen beschränken werden. Im Hamburger Hafen liegen etwa sechs bis acht dänische Schiffe, welchen von dem Senate bedeutet worden ist, daß sie gut thun würden, vorläufig hier zu bleiben , da das früher dänische, jetzt schleswig-holsteinische Wachtschiff sie schwerlich zur See würde passiren lassen.
Der eben eintreffende Bahnzug (12 Uhr) bestätigt das Einrücken der deutschen Truppen in Hadersleben, und kann nunmehr das Festland von Schleswig als von den Dänen gereinigt angesehen werden, denn einige nach Westen versprengte Korps dürften ohne Mühe in Gefangenschaft genommen werden. Wichtiger wäre die Nachricht, welche mir von einem aus Rendsburg kommenden Reisenden gegeben wird, wor- nach auch die Insel Alfen, — man erinnert sich, daß hier die erste Landung erfolgte — von dem Feinde gestern Morgen geräumt worden sey. — Auch erhielt sich die Nachricht von einer Kontre-Revolution in Kopenhagen. /
R e n d s b u r g, 29. April. Das „Tageblatt" meldet in einer Nachschrift: So eben wird hier eine Abtheilung dänischer Gefangenen, 4—500, eingebracht. Schon vorher hatten 11 Offiziere, unter denen ein Oberst-Lieutnant, die hiesige Hauptwache bezogen. Die näheren Umstände morgen.
Königsberg, seT-Wit^^C^^r'tnr^^ wieder zu tumultuarischen Auftritten gekommen. Eine große Masse größtentheils Chausseearbeiter durchzog lärmend die Stadt, führte Reibungen mit Soldaten und Bürgerschutzmannschaften herbei und ließ sich zum friedlichen Awseinandergehen auf keine Weise bewegen. Die Schutzmannschaften mußten endlich von den Waffen Gebrauch machen, und hierdurch gelang es, die Ruhe bald wieder herzustellen. Wäre die Bürgergarde, die durch Generalmarsch sehr schleunig zusammengerusen war, von vorn herein kräftiger cingeschrittcn, so würde der Krawall viel rascher beseitigt worden seyn.
Frankreich.
Paris, 29. April. Nach der „Union" wird die Eröffnung der National - Versammlung erst am 5. Mai stattfinden, dem Jahrestage der Eröffnung der Generalstaaten zu Versailles im Jahre 1789.
In mehreren Departements ist es aus Anlaß der Wahlen zu bedauerlichen Ruhestörungen gekommen. Die Erzesse zu Rouen sind ernster geworden, als man vermuthete. Der Kommandant der dortigen Militär-Division meldete vorgestern Nachts dem Kriegsminister, daß die Truppen und die Nationalgarde am 27. von 6 Uhr Abends bis nach Mitternacht gegen einen bedeutenden Meutererhaufen f «impften, der ihr Feuer erwiderte. Er verlangte dringend Verstärkungen. Eine von gestern früh 4*4 Uhr Morgens datirte Depesche des dortigen General- Prokurators lautet, daß die Emeute, welche nach Bekanntwer- dung des Wahlergebnisses losbrach, unterdrückt wurde, wobei es 8 Todte und 15 Verwundete gab. Gestern scheint jedoch der Kampf von Neuem fortgewuthet zu haben. Nach einem schreiben im „National" dauerte das Gewehrfeuer den Tag hindurch fort; Sain t-Sever erhob sich in Masse; man errichtete dawlbst Barrikaden. Maron ne hatte Truppen begehrt, um den von dieser Seite her ausbrechenden Aufstand zu bewältigen. Alles verkündigte eine schreckliche Nacht. Von hier aus ist ein Regiment nach Rouen abgeschickt und die Stadt in Belagerungszustand citacr worden.