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Nassauische

Allgemeine Zeitung.

^N 33» Donnerstag den L. Mai L8L8.

Die Raff. Allg. Zeitung mit ihrem belletristischen Beiblatt erscheint täglich. Der vierteljährige Pränumerationsprcis ist in Wiesbaden Ä fl., für den Umfang des HerzogthumS Staffan, des GroßherzoqthnmS uns KurfürstenthumS Hessen, der Landgrafschaft Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt 2 fl. 30 kr., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und TariSschen Verwaltungsgebietes Ä fL 40 fr. Jinerate werden die drei­spaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Sch ellenberg'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zn machen.

Uebersicht.

Alte Sünder.

Die Reformen des Rechtswesens.

Deutschland. Wiesbaden (Die bevorstehende Kur). Vom Rhein Freiherr von Andlaw und die Reaktion). Von der L a h n (Preu­ßische Mißgriffe). Mainz (Das Bildniß von Gervinns verbrannt).

Weimar (Antrag der Regierung in Betreff des Bundestags). Berlin (Iakob Grimm über Repressalien gegen Dänemark. Die Frei- schaaren in Schleswig). Ham bürg (Die Schneidcrgesellen). A l- tona (Befestigungen der Seeküste. Einrücken in Hadersleben). Rendsburg (Die Gefangenen). Königsberg (Tumultuarifche Auftritte).

Frankreich. Paris (Bevorstehende Eröffnung der Nationalversammlung. Unruhen in Rouen).

Nachschrift.

* Alte S ü «der

Wenn man sehen will, wie tief die Verderbtheit und sittliche Fäulniß den Männern des alten Systemes auch in Deutschland in Fleisch und Blut gesessen hat, dann muß man die Pariser Revue retrospective lesen. Nicht als ob dort wirkliche deutsche Staatsmänner, Männer, die am Ruder standen, komproinmittirt wären; nein, den großen Dieben kann man's gewöhnlich nicht beweisen, daß sie gestohlen haben und darum hängt man sie nicht. Aber die Art und Weise, wie die untergeordneten Kreaturen und Helfershelfer des Systems in fremdem Solde standen, gibt schon Winke genug, wie eS auch weiter nach oben hin beschaffen gewesen seyn mag.

Ist es doch noch kein halbes Jahr her, daß man am Bun­destage den für einen Demagogen erklärte, der eine nationale Politik in Deutschland anstrebte! Hat je die Diplomatie irgend­wo einen ähnlichen fortwährenden Landes» errath be­gangen, als die deutsche, indem sie jedes entschiedene Anstreben einer deutschen Nationaleinheit fürverdächtig" erklärte? Eng­lisch, französisch, russisch durste man gesinnt seyn, so viel man wollte, man ward den Herren in Frankfurt nichtverdächtig"; nur wer deutsch gesinnt war, der war sofort einverdächtiger" Mann! Die Sache war fast räthselhaft, weil sie geradezu auf einen Widerspruch gegen die menschliche Natur hinauslief, sieht man aber jetzt, wie viel französisches Geld nach Deutschland geflossen ist, dann löst sich der Widerspruch. Und wenn nun vollends die Nemesis der Veröffentlichung Metter­nichs geheime Papiere übergeheime Staatsausgaben" erreichte? wenn man gar einmal in Petersburg ein Einsehen haben dürfte in die dortigengeheimen Staatsausgaben"---?

Und glaubt doch ja, nicht blos die paar Literaten und diplo­matischen Zwischenhändler, welche jetzt an den Pranger gestellt werden, haben ihre runden Summen empfangen; da sind noch ganz andere Summen an ganz andere Leute in's Ausland ge­wandert, und war es kein baares Geld, dann waren es diplo- fuPt'schc goldene Dosen, Ringe, Uhren und Orden, diplomatische Diners, wie ja bei dem Wiener Kongreß die wetteiftrnden Köche eine ebenso wichtige Rolle gespielt haben, als die Staats- mänuer selber, Beförderungen, ja wohl Weibergalanterien, die

man aufbot, um deutsches Wesen zu Schanden zu machen und an's Ausland zu verrathen.

Der Geschichte wird es vorbehalten seyn , das ganze Netz dieser diplomatischen Niederträchtigkeiten bloszulegen. Betrachten wir uns einstweilen eine Gruppe derkleinen Diebe", wie sie uns in einem Artikel der Weserzeitnng in treffender Charakteristik vorgeführt wird.

Derselbe Heinrich Heine, welcher sich an dem edeln Börne so schwer versündigte, als dieser Gigant schon todt war, wird mit Schimpf und Schande in die Grube fahren; er war ein Söldling einer fremden Regierung. Und dieser Söldling schrieb das Wintermâhrchen, er gefiel sich in den gemeinsten Späßen gegen das eigene Vaterland. Sein Aufwag war: der Welt den Herzog von Nemours als einen vortrefflichen Mann anzupreisen, und er that es schon damals, als er in den Pyrenäenbädern weilte. Wie heuchlerisch und lügenhaft hat er noch bis auf die letzte Zeit den Edeln und Unbestech­lichen gespielt; wie hat gerade er gegen die Korruption geei­fert! Uebrigens wissen wir zufällig, daß er sich bitter über die Allgemeine Zeitung beklagte, weil die Redaktion dieses Blattes von zehn Briefen, welche er ihr einsandte, kaum einen abdruckte. Er ist entlarvt worden, er hatte sich verkauft; wer­fen wir den von körperlicher und geistiger Pein gleichsebr ae- quätten.Penponisten Lu den Dvolem ^---------- -

Ein anderer SëlblincjT'^TH^^ spielt seit bei­nahe dreißig Jahren den strengen Kato in der Presse; erst trug er den Jesuiten den Schlepp, wimmerte den älteren Bour­bons Klagen der Sehnsucht nach, und traf allmählich seine Ausgleichung mit der Julidynastie, welche er von dem Tage an als einzigen Rettungsanker Frankreichs und Europa's dar- stellte, an welchem das Geld der Zivilliste in seiner Börse blinkte. Welch tugendhafte Lehren hat dieser fromme Mann, dessen drittes Wort Glaube und Religion war, unermüdlich zum Besten gegeben! Er ist ein betagter Greis; auch sein Haupt ist mit Schande beladen.

Neben Heine und Ekstein sigurirt der bekannte Klind­worth aus dem Hannoverschen, jener alte Theaterdirektor, Abenteurer und Ränkeschmied, der noch Alle betrog und belog, die sich jemals mit ihm eingelassen. Herzog Karl von Braun­schweig, welchem er manche Goldfeder ausgerupft, nennt ihn kur; und bündig einenSchuf." Uns hat man seiner Zeit in Frank­furt erzählt, daß er, der in Guizot's Bureau <lc l'csprit public arbeitete und Agent Ludwig Philipps war, bei Nacht und Nebel dem Fürsten Metternich, als dieser auf dem Johannisberge sich aufhielt, vertrauliche Besuche machte. Ob nicht ans Metternichs Papieren hervorgehen würde, daß Klindworth neben dem fran­zösischen auch österreichischen Sold ür verkaufte französische Ge­heimnisse erhielt, und somit zwei Diplomaten betrog, die aller­dings kaum etwas Besseres verdient haben, als' von einem solchen Subjecte hinters Licht geführt zu werden?

' Von dem bekannten Karl Weill in Stuttgart wußte man längst, daß er ein Stipendiat Ludwig Philipps sey. Es ist nur zu verwundern, daß achtbare Männer an seinen, mit franzö­sischem Gelde gegründeten Jahrbüchern mitarbeiteten, und acht­bare Redaktionen noch heute Mittheilungen aus der Feder dieses Mannes drucken. ,' k .

Der alte B er l y in Frankfurt, auch ein Sckpeudmt Ludwig Philipps und anrüchig von jeher, gehörte nicht zu den chNadr- lichen oder bösartigen Subjektcn^cr war ein ^ -

manu, dem sein Essen und gut grinsen über .ticke g - g-