Beilage zur Nassauischen Allgemeinen
M 31.
Dienstag den 2. Mai
1848
Uebersicht.
Die Republik auf der Schusterinsel.
Aus Schleswig-Holstein.
Deutschland. (Die Leiche Gagern's in Hornau). (Der Ausfall mehrerer Parlamentswahlen). — Wien (Sommaruga. Vom Kriegsschauplätze. Radetzky). — Stettin (Der Sundzoll. Vereinigung Dänemarks mit Schweden.) — König sberg (Verwunderung der russischen Offiziere über die deutsche Kokarde).
Frankreich. Paris (Zur Charakteristik Lebru-Rollin'S)
Vereinigte Staaten von Nordamerika. (Besorgnisse wegen Aufhebung der Sklaverei).
Nachschrift.
rerer Flüchtlinge hätte sich Herwegh nach Rheinfelden zu geflüchtet mit dem Reste seiner Bande. Da aber dort überall Truppen stehen, so könnte es leicht geschehen, daß der Schwaben- jüngling seinen unsanften Landsleuten in die Hände geriethe, die, wie eben die Nachricht kommt, nun auch bei Schworstättm unweit Rheinfelden zum zweiten Male auf ihn gestoßen seyn sollen.
Wenn nun auch Deutschlands Befreiung durch die Frei- schaaren mißlungen, so trösten sich diese damit, daß jetzt Frankreichs Heere das ernstere Nachspiel aufnehmen werden. Die verrotteten Führer sagen es ihren Gesellen ganz unumwunden, die französische Regierung habe ihnen diese Zusage auf das Bestimmteste gemacht.
Die Republik auf der Schusterinsel.
Aus Schleswig-Holstein.
In der Deutschen Zeitung lesen wir folgenden Bericht:
„Von der Schweizer gränze, 28. April. Sie haben wohl ohne Zweifel schon von der neuen Republik Schusterinsel gehört, die in dem monarchischen Winkel zwischen den Republiken Basel und Frankreich ihre Banner aufgepflanzt hat.
Ungefähr 200 Bürger verschiedener Zungen — sehr viele dieser deutschen Patrioten verstehen kein Wort deutsch — bilden dieselbe; ohne Schwertstreich haben sie den Boden erobert und verschanzen sich nun durch umgehauene Bäume. Diese Verschanzungen auf's Aeußerste zu vertheidigen, scheinen sie nicht im Sinn zu haben, da sie von der französischen Behörde inHüningen die Erlaubniß erbeten und erhalten haben, sich im Fall der Noth wieder über den Rhein zurückzuziehen.
Man weiß nicht, über was man sich mehr wundern soll, über die Geduld dieser Leute oder über die Geduld der badischen .Regierung, die nun schon seit vier Tagen diesen Afterstaat buldet. Gestern ist dieser Staat wieder um einige Bürger vermehrt worden; gegen Abend kam aus dem Wiesenthal herüber eine Anzahl deutscher und französischer Flüchtlinge, ohne Waffen, die Blusen zum Zeichen friedlicher Absichten meist unter dem Arm tragend. Sie waren von der Herwegh'schen Schaar und erzählten, daß sie gestern Morgens 10 Uhr in der Nähe von Schopfheim plötzlich von den Würtembergern angegriffen wurden, die nicht viel parlamentirten, sondern gleich ihre Waffen gebrauchten. Ihre Schaar sey bald zerstreut und Viele gefangen genommen worden. Ueber Herwegh beklagten sie sich bitter; er habe sie im Stich gelassen. Seine Frau besitze noch mehr Muth als er. Sie vermuthen, daß er in einem Chaischen, das er mitgeführt, entkommen sey. Bornstedt, wollten Einige wissen, sey geblieben.
Nachdem die republikanische Ländesverrätherei, die schon ganz Baden den Franzosen in die Hande spielen zu können wähnte, nun gehetzt und gejagt über die deutschen Grenzen flüchtet, behauptet sich noch immer der kleinste und neueste Freistaat der Schusterinsulaner. Es ist nicht anders, als sollte der Hü- ninger Brückenkopf auf rechter Rheinseite ein Vorwerk für Frankreich werden. Als wenn sie Söldner Frankreichs wären, bauen da unter des Kommunisten Willich's und Heinzen'S Befehlen deutsche Blusenmänner Schanzen und Barrikaden.
Auf der linken Rheinseite stehen zwei geladene Kanonen, deren Mündungen auf Deutschland gerichtet sind. Vielleicht werden diese Geschütze den Franzosen mit Gewalt entführt, sobald die Freischaar in die Noth versetzt wird, ihren der Freiheit ge- weiheten Boden gegen Uebergriffe der deutschen Heeresmacht zu vertheidigen. Oder sollen ' etwa die wälschen Kanonen den Deutschen antworten, sobald diese ihre Kugeln rheinwärts den zu Vertreibenden nachsenden? Wird etwa der casus belli mit der Schusterinsel eingeleitet? Nun, es wird sich bald zeigen.
Gestern sprengten die Würtemberger bei Zell und Katzenbach im Wiesenthal die Herwegh'sche Freischäar auseinander. Die berüchtigten Führer Bornstedt und Schimmelpfennig (vulgo Rheinhardt) sollen dabei gefallen seyn, und nach Aussage meh
Die dänische Macht in Schleswig ist, so schreibt die Weser- Zeitung, durch den Sieg bei Schleswig gebrochen, die dänische Armee hat ihren Rückzug zum Theil über Flensburg nach der Insel Alsen, zum Theil nach den nördlichen dänischen Grenzdistrikten des Herzogthums angetreten.
Eine Depesche des optischen Telegrvphen aus Altona, 27. April bestätigt das mit folgender Meldung: „Die Dänen gehen nach Tondern, um Ripen zu erreichen. Zu Alsen sind sie abgeschnitten. Ihre Batterien bei Hol- nis sind genommen."
In Flensburg ließen die Dänen sich nur kurze Rast. Am 23. und 24. kam die dänische Armee daselbst ziemlich ge- und zerschlagen, wie ein Brief in der Börsenh. sich ausdrückt, an, und verließ schon am 24. auf den Ruf „die Deutschen kommen"! wieder die Stadt. Am 25. Morgens sind diese dann auch zahlreich eingerückt. Die Dänen hatten so eilig die Flucht genommen, ^daß sie ihr Gepäck auf den Straßen zurückließen.
Somit ist der Auftrag, welchen die deutsche Armee zunächst zu erfüllen hatte, nämlich das Herzogthum Schleswig von den Dänen zu räumen, so gut wie ausgeführt anzusehen. Der Status quo ante , (frühere Stand der Dinge) welchen der Bund verlangte, ist hergestellt und die gerechte Forderung Schleswigs, die Aufnahme in den deutschen Bund, wird jetzt bei dem Dänenkönige wohl ein geneigteres Ohr finden.
(Alt. Merk.) Nach den neuesten Nachrichten scheint es als ob die Dänen wirklich ihren Rückzug mit ganzer Macht westlich um Flensburg gegen Bâu ausgeführt haben, ohne dabei einen Verlust von Bedeutung anders als durch die Abschneidung ihrer Nachhut zu erleiden. Diese bestand aus einem, Detachement Dragoner und Jager, ungefähr 300 Mann stark, welche in einem Holze zwischen Oeversee und Julschan Posto faßten und erst, nach tapferer Gegenwehr die Waffen niederlegten, wodurch die Unsrigen 273 Gefangene erhielten.
Die deutsche Hauptmacht mit ungefähr 13000 Mann war die Nacht auf den 26. in Flensburg, wo General von Wrangel im Hause des Kaufmanns Fedder Mommsen sein Hauptquartier hatte. In den mehreren Gebäuden des entflohenen Kaufmannes A. Christiansen waren 1600 Preußen einquartirt. Unsere Freischaaren hatten ihre Quartiere nicht in der Stadt, daher die Vermeidung aller Erzesse im dänisch gesinnten Stadt- theile um so leichter gewesen ist.
(H. Korr.) Nach der Besetzung Flensburgs war eine hannoversche Neunpfünder-Batterie auf den Anhöhen an der See aufgefahren, um die Kriegsschiffe zu beschießen. Nach einigen Schüssen, die das Dampfschiff Hekla erwiederte, zog letzteres Plötzlich die weiße Fahne über die Danebrogsfahne auf, was dadurch erklärt wird, daß Schiffe mit Verwundeten sich zwischen dem Dampfschiffe und der hannoverschen Batterie befanden, worauf das Feuer sogleich eingestellt wurde.
Sobald die Schiffe jedoch aus dem Bereich der Batterie waren, wurde das Feuer wieder eröffnet; indessen das Geschütz der Hannoveraner war zu leicht, um den Dänen in bet Entfernung wesentlichen Schaden zufügen zu können, während das