Damian, der Stauff'S Erstaunen merkte. ,Seht daS geht Alles auf Konto. Je theurer daS Korn wird und je schwärzer die Kartoffeln, desto fürstlicher leben wir. Wir sind die Todt- feinde der Wucherer und doch theilen wir Leid und Freud mit ihnen; wir singen, wenn der Kornpreis steigt, und flennen, wenn er fällt, und hören wir, daß den Leuten alle Kartoffeln im Keller faulen, dann lacht unS daS Herz im Leibe. Die theuerste Zeit wird unsere Aernte-Zeit seyn."
„Wie soll ich DaS verstehen?" fragte Stauff und flüsterte dann dem Damian in'S Ohr: „Habt Ihr vielleicht die „„theuere Zeit"" als den Termin angesetzt, wo eS los gehen soll, und zecht wohl gar jetzt schon auf Konto deS Euch in Aussicht gestellten Ministeriums? "
„Wie? Habe ich etwas Dergleichen gesagt? " rief Damian mit verstelltem Erstaunen. „Habe ich gesagt, wir wollten krawalliren? Nein! Aber wenn ich auf den Markt komme und will mir ein Kochent Kartoffeln kaufen und so ein Schuft von einem reichen Bauern sitzt da mit falschem Maaß und treibt seine Waare noch im Verkaufen hinauf, daß ich'S zuletzt nicht mehr bezahlen kann, und ich werfe ihm nNn im gerechten Zorn seinen ganzen Kartoffelsack um und haue ihm EinS über — Kameraden, würdet Ihr mir da nicht beistehen, wenn eS zum Prügeln käme?"
„Hol' uns der Henker, so wir's nicht thun!" riefen Alle. „Das wird eine lustige Geschichte geben, wenn'S über die reichen Bauern hergehtl"
Affrom, der Wirth, hatte bisher theilnahmloS in einem Winkel der Stube seines Geschäftes gewartet, indem er mit Hülfe eines Knechtes einen frisch geschlachteten Hammel abzog und ihn nun an einem Querholz aufhing, um ihn ohne Umstände im Gastzimmer auSzuwaiden. Allein daS laute Geschrei lockte ihn nun auch an den Tisch. Stauff schrack zusammen als er aufblickte und den Schlächter mit den aufgestreiften Hemdärmeln, daS blutige Messer im Munde, vor sich stehen sah; er hatte ihn vorher nicht bemerkt, und seine wild erregte Einbildungskraft brachte den blutigen Kerl sogleich mit den eben vernommenen Ausbrüchen der verzweifelten Zechgenoffen in Verbindung.
„Ja, erschreckt nur, zartes Herrchen!" rief ihm Einer von den Gästen zu, der sein Zusammenfahren bemerkt hatte. „Seht Ihr dort den geschundenen Hammel hängen mit dem aufge- /chlitzten Bauch? Den wollen wir unS ins Wappen setzen lassen!"
(Fortsetzung folgt.)
General Friedrich v. Gagern (Fortsetzung.)
Im Jahr 1838 wurde General von Gagern auf sein Verlangen vom Generalstab zur Linie und zwar in die Kavallerie
versetzt; er erhielt ein Regiment Dragoner in Deventer. Im Jahr daraus wurde er dem jungen Prinzen Alexander der Niederlande zl» einer Reise nach Rußland beigegeben, wo er von dem russischen Hof und Reich sich gründliche Kenntnisse erwarb, die zum Theil in einem sehr lehrreichen und ungedruckten Tagebuch enthalten sind. Im Jahr 1843 wurde er alS Oberst zugleich Brigadier der Kavallerie, im folgenden Frühjahre General und Flügeladjutant deS Königs und als solcher bald mit einer wichtigen Mission nach Ostindien betraut. Während seines dreijährigen Aufenthaltes unter den Tropen hatte er nicht allein das Heer und die Festungen deS alten blühenden Java in Augenschein zu nehmen und über die wichtigsten militärischen Fragen der Kolonien zu berichten, sondern auch die neuen Besitzungen auf Sumatra zu gleichem Zwecke oft aus ungebahnten Wegen zu bereisen und endlich auf dem Rückwege daS englische Indien von Zeylon bis Kalkutta, den Ganges hinauf zum Himalaya mit allen von ihm bewunderten Militäretablissements der Engländer zu besichtigen, worauf er über Bombay und Aegypten, durch viele in europäischen Diensten seltene Erfahrungen bereichert, im Juni vorigen JahreS zurückkam.
Kaum hatte der 81 jährige Vater hoffen können, in seiner ländlichen Zurückgezogenheit zu Hornau im TaunuSgebirge, welches der Sohn selbst früher besungen hatte, ihn wieder in seine liebenden Arme zu schließen.
Kennst Du die Berge in deS Rheines Gauen
Von fern so schwarz, so finster anzuschauen k
Komm näher, wag eS, Dich hindurchzuwinden.
Du wirst das Vaterhaus, daS theure finden. ^ ^.mHtr
Das Vaterhaus, wo uns der sanfte Weise
Am Blumenbeet mit offnem Arm empfängt,
8r, der geprüft auf langer Lebensweise
Mit warmem Herzen an den Seinen hängt;
Sein Auge zugewandt dem Lichte,
Erkennt deS ew'gen Lenkers Spur
3m Offnen Buche der Natur
Und in den Büchern der Geschichte.
Bald nach der Heimkehr wurde der General von Gagern zum Gouverneur der Residenz und Provinzialkommandanten von Holland ernannt, und in dieser Stellung erfreute er sich nicht allein des ausgezeichneten Vertrauens seines Monarchen, sondern wurde auch wegen seiner hohen politischen Einsicht, seiner unerschütterlichen Gerechtigkeit und einer alle Herzen bewältigenden, durch tiefsinnigen Ernst nie verhüllten Humanität während der letzten politischen Krisis in Holland der Freund aller edlen Bürger, so daß sich die Nationalgarde der Hauptstadt freiwillig unter seine Befehle schaarte.
Aber kaum war dort die gewünschte Ruhe eingetreten, st verlangte er einen kurzen Urlaub in die theure Heimath, wo unterdessen der erschütternde Einfluß der französischen Umwälzung die Gestalt der Dinge gänzlich verändert hatte.
DaS sehnliche Verlangen der Freunde des Vaterlandes,