Einzelbild herunterladen
 

zum Ackerbaue zu haben scheine und außerdem seit dem kürz­lich erfolgten Tode seiner Frau stark an Hypochondrie leide. Er zweifelte nicht, daß dieser gegen ein billiges Kaufgeld seinen Grund und Boden veräußern und gerne zu seinem Leisten zurückkehren würde. Der Dienstfertige erbot sich, uns dahin begleiten zu wollen, erklärend, auch ihm sey es angenehmer, statt eines melancholischen SchusterS zwei rüstige, junge Leute zu Nachbarn zu haben, mit denen sich dann und wann ein Stündchen verplaudern lasse.

Das Blockhaus des Schuster-PflanzerS war bald erreicht. Es lag sehr malerisch auf einem Vorsprunge an einem ziemlich beträchtlichen und fischreichen Landsee, über welchen hinaus man eine weite Aussicht genoß. Links dehnte sich eine weite Prärie aus und hinter uns entfaltete sich ein majestätischer Urwalv, unser Feind, an dem wir die Kraft unserer Arme und die Schärfe der Art zu versuchen im Sinne hatten, Vor dem Hause erhoben zwei stattliche Eichen ihre Gipfel in stolzer Höhe in die Lüfte und überragten hoch die bescheidene Woh­nung.

UebrigenS war Alles in der nobelsten Unordnung und der Insasse bewährte vollkommen das alte Sprüchwort:Schuster, bleib bei deinem Leisten!" Das Blockhaus, obgleich erst kürz­lich gebaut, bedurfte einer Hauptreparatur, und auch mit dem Urwalde war der Schuster sehr glimpflich verfahren, indem er nur ein unbeträchtliches Stück Land urbar gemacht hatte. Mit dem Einhägen seines Grundeigenthums hatte er sich ebenfalls nicht übereilt; kurz, wohin man blickte, gewahrte man deutliche Merkmale, daß der Besitzer sich mit geringer Liebe dem Pflanzer­leben gewidmet hatte.

Nachdem wir uns, den erfahrenen Irländer bei diesem Geschäfte zu Rathe ziehend, von der Güte des Landes über­zeugt hatten, kam der Handel balv zu Stande. Wir zahlten für die Pflanzung 370 Dollars und wurden dagegen Fürsten über ein Gebiet so weit unser Blick reichte. Unseren neuen Herrschersitz, das Blockhaus, nebst seinem bescheidenen Inven­tarium, auch einer Kuh, Federvieh rc. erhielten wir in den Kauf. Jetzt hieß es Hand an's Werk.

Zwei Tage darauf zog unser Antezessor ab. Mein Ge­fährte, ein gebildeter Schotte, und ich hatten anfangs die Sache durch das Prisma des Humors betrachtet, allein wir überzeugten uns bald, daß dieses neue Verhältniß mit Kraft und Energie unternommen werden mußte, wenn es anders einen ersprieß­lichen Fortgang haben sollte.

Unsere erste Beschäftigung war deßhalb, das ziemlich ver­fallene Blockhaus in baulichen Stand zu setzen, um gegen den herannahenden Winter Schutz zu haben. Diese Arbeit war keine leichte Aufgabe für Neulinge in diesem Fache; allein die eiserne Nothwendigkeit besiegt alle Schwierigkeiten, und so kamen auch wir damit glücklich zu Stande. Das schadhafte

Verantwortlicher Nedakteur: W. H. Riehl. Druck und Verlag

Dach wurde regenfest gemacht, die Wände verdichtet, und wir richteten uns überhaupt so gut ein, als es die Wildniß und unsere Mittel erlaubten. Mein Gefährte ritt nach dem näch­sten, etwa 60 (englische) Meilen entfernten Flecken, um einige ganz unentbehrliche Geräthschaften und Lebensmittel für den herannahenden Winter einzukaufen und dafür Sorge zu tragen, daß unsere Effekten (Kleidung, Wäsche und Bücher) zur Stelle kamen.

Der gefürchtete Winter kam. Wir hatten einen tüchtigen Haufen Brennholz eigenhändig aufgeschlagen, und die damit verknüpfte Arbeit war eine vortreffliche Vorübung zu dem unö bevorstehenden, ungewohnten Pflanzerleben. Der Winter war sehr strenge, und außer dem Schneevogel und einigen Pelz­thieren belebten nur wenige Geschöpfe die Einöde, dieser zwar fruchtbaren, aber äußerst sparsam bevölkerten Gegend. Der Winter in diesen Gegenden ist nicht ohne Reiz und Annehm­lichkeiten; die Tage blieben schön, und nur selten wurde die Klarheit der Luft getrübt; denn im höheren Nordamerika fällt der Schnee mit Winters Anfang, sodann herrscht bei unbe­wölktem Himmel strenger Frost. Der Sonnenuntergang ge­währt gewöhnlich ein prächtiges Schauspiel, und ein zarteS Roth oder ein violetter Duft verkünden strenge Kälte. Der Mond, durch die weiten Räume des tiefblauen Himmels zie­hend und die Spitzen der schlummernden Wälder ^â seinem Silberfliinmer erhellend, gewährt ebenfalls einen prachtvollen Anblick. In Europa kann man sich überhaupt von dem reinen, funkelnden Glanze des Mondes und der Sterne einer nord­amerikanischen Winternacht kaum einen Begriff machen; zwischen den Sternen spielen meistens Nordlichter, am Zenith häufig eine prächtige Krone bildend, von welcher wiederum strahlende Säulen von den mannigfaltigsten Farben herabfallen und daS unermeßliche Himmelsgewölbe gleich einem ungeheueren Tem­pel darstellen.

(Fortsetzung folgt.)

Miszellen.

Neu-Bork, 8. April. Die hiesigen Zeitungen melden den Tod eines der reichsten Männer des Jahrhunderts. Johann Jacob Astor, geboren in dem Dorfe Waldorf, nahe bei Heidelberg, ist am 29. März, 85 Jahre alt, gestorben. Er hatte sich seit 1784 in New-Bork niederge­lassen und sein ungeheures Vermögen, welches man auf 50 Millionen Dol­lars schätzt, im Pelzhandel erworben. Sein Vermögen fällt an seine beider Söhne, von denen einer seit seiner Geburt blödsinnig ist.

Berlin. Die Arbeiter am Plötzensee haben eine Art Ehren­gericht unter sich errichtet, mittels dessen sie jeden von der Arbeit weisen, der sich eines unwürdigen Betragens oder der Trägheit auf Kosten der klebrigen schuldig macht. Sie haben den neue» ihnen zuertheilten Baumei­ster Hrn. Lehmann an die Spitze dieses Gerichts gestellt. Mehrere Arbeiter sind schon durch dasselbe entfernt worden.

der L. Schell enbcrg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.