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Hr. Horstmann ist bei dem großen Mangel an Rednern eine wichtige Person, auch er stellt zuweilen paradoxe Sätze auf, z. B. daß die künftige Volksvertretung die Meinung des Volks nicht sey, weil sie nach indirektem Wahlsystem zusammengerufen würde.

Wahrlich, etwas mehr Besonnenheit wäre unsern hiesigen Schwärmern um so mehr zu wünschen, als der Kern des Volks nüchtern genug ist, die Dinge in ihrer wahren Gestalt zu sehen und diese Leute im Moment, wo sie sich auf ihn stützen wollen, fallen lassen wird, wie so manchen Verblendeten oder Ehrgeizigen, der sich unter dem Namen Volk nur blinde Vollstrecker seiner weltbeglückenden Plane vorstellt.

t Frankfurt, 30. April. Der Fünfziger - Ausschuß hat «'ne Adressean die Stürmer der Schanze Danewerk bei Schleswig" erlassen.

Das hiesige Journal, welches sich gerne mitGerüchten" abgibt, theilt auch das der Breslauer Ztg. entlehnte mit, der Kaiser von Oesterreich habe zu Gunsten des Erzherzogs Johann abgedankt; nach den neuesten direkten Nachrichten bestätigt sich dies jedoch keineswegs.

Der Entwurf eines Reichsgrundgesetzes der Ver­trauensmänner wird Vielen schlecht behagen, und wenn man ihn vor 4 Wochen aufgestellt hätte, würde Einem schier der Kopf heruntergeriffen worden seyn. Mag man aber auch an Einzel­nem ausstellen, was man will, so wird man dennoch zugestehen, daß das Streben,Deutschland in der Einheit Kraft zu geben, sehr entschieden darin sich geltend macht. Die konsti- luirende Versammlung mag nun das Uebrige thun.

tit Aus dem nassauischen Feldlager in Freiburg, 28. April. Wir liegen noch immer hier in der Stadt, und, wie es heißt, sollen wir wohl noch 14 Tage hier im Quartier bleiben. Im Ganzen sind wir sehr gut und freundlich von den Einwohnern ausgenommen worden, und es ist eine andere Freund­lichkeit, als die, welche man in Heidelberg und Mannheim den Nassauern angethan, wo man nur darauf ausging, die gemeinen Soldaten zu bestechen. Die hiesigen Bürger sind im Ganzen gar nicht so anarchistisch gesinnt; sie ließen sich nur durch einen kleinen Haufen überrumpeln und zu der lächerlichen Neutralitäts­erklärung hinreißen, die ihnen nun so bittere Früchte getragen hat. Daran sollten sich unsere Wiesbadener Mitbürger ein Exem­pel nehmen!

Unsere (freiwillige) Kompagnie hat sehr leichten Dienst. Wir halten das Schwabenthor besetzt und müssen nur alle vier Tage auf die Wache. Bis jetzt sind schon weit über zweihundert Gefangene hier von den Soldaten eingebracht worden.

Nachschrift. So eben erfahre ich, daß wir morgen nach Offenburg abziehen sollen. Das wäre also wieder eine gute Strecke weiter gegen Mannheim zurück; doch ist noch kein offi­zieller Befehl deshalb ergangen.

Mannheim, 29. April. (Aus dem Nassauischen Feldlager.) Die Verhöhnungen, welche sich ein Theil der hiesigen Bürgerschaft bisher gegen unsere Mannschaft herauSge- nommen hat, werden nun ein Ende finden. Man schreitet endlich | zu energischen Maßregeln und die besser gesinnten Bürger ver­kriechen sich nicht mehr furchtsam, seit die Militärmacht in hie­siger Stadt zu einer solchen Stärke angewachsen ist, daß sie die Auswiegler jedenfalls niederhalten kann. Die Verbindung mit dem jenseitigen Rheinufer ist nunmehr wieder hergestellt; es fand keine gewaltsame Widersetzlichkeit dabei statt. Die Hauptfriedens­störer, namentlich Grohe und Hoff, sind verhaftet.

*i* Mannheim, 29- April, Abends 5% Uhr. General Schirmer von Kurhessen ist hier Kommandant. Es stehen in Garnison das 1. Regiment Nassau, die ganze nassauische Artil­lerie und die Pioniere; ferner von Kurhessen ein ganzes Infan­terieregiment , 2 Kompagnien Jäger, 4 reitende Geschütze und 6 Eskadronen Husaren. Heute früh wurde befohlen, daß um 8V, Uhr sämmtliches Militär auf dem Allarmplatze zum Ab­marsch bereit stehen sollte. Der Allarmplatz ist für alle Trup­pen, außer dem zweiten Bataillon des 1. Regiments, welches den seinigen vor dem Zeughaus hat, vor und in dem Schlosse. Anstatt abzumarschiren wurde nun von hier aus der Bahnhof mit der ersten leichten Kompagnie, das Kaufhaus mit der zwei­ten und 4. Linienkompagnie, und so noch mehrere Plätze besetzt, und hierauf zur Verhaftung von Hoff, Grohe und den bei­den Leuten geschritten, welche bei dem Zerstören der Brücke auf den Bayern geschossen hatten. Die Verhaftungen gingen ohne den geringsten Widerstand vor sich, kein Sensenmann ließ sich leyen. Die Vorbereitungen waren sehr gut getroffen, und so geheim war die Sache gehalten worden, daß kein Offizier etwas davon wußte, sondern alle glaubten, wir rückten weiter vorwärts.

Die oben genannten vier Männer wurden in Chaisen auf

die Eisenbahn gebracht und von da durch Polizeikommissäre und einen Offizier (Lieut. v. Normann) mit 50 Mann nach Bruch­sal transportirt. Es ist hier, als wenn gar nichts vorgefallen wäre.

Auf heute Nacht sind alle Vorkehrungen getroffen, daß jeder Tumult aus's Kräftigste unterdrückt werden kann. Der Geist un­ter Hessen und Nassauern ist ganz vorzüglich, die Truppen ver­tragen sich sehr gut untereinander. Die meisten Offiziere liegen in der Kaserne, soweit Betten vorhanden sind; die hessischen Husaren haben keine mehr erhalten.

Mannheim, 27. April. (D. Z.) Heute Nachmittag ist ein Regiment Hessen nebst 2 Kompagnien Scharfschützen ei 'ge­rückt, so daß wir jetzt eine Garnison von ungefähr 3000 Mann haben. Bis jetzt haben nämlich die nassauischen Truppen die hiesige Stadt noch nicht verlassen, ungeachtet des drin­gend an die Staatsbehörde gerichteten Verlangens, dieselben zu entfernen. Die Absendung eines Regierungskommissärs in hie­sige Stadt, sowie die auf Morgen angekündigte Ankunft weiteres Truppenabtheilungen läßt hoffen, daß die Regierung energischer als bisher auftreten und dem unsinnigen Treiben unserer Anar­chisten ein Ziel setzen wird.

Die Rhein brücke ist bis auf diese Stunde noch nicht wieder aufgeführt, obgleich ein Beschluß des Gemeinderaths dieses heute angeordnet hat, allein eine Abtheilung unserer ent­schiedensten Republikaner, an deren Spitze Streuber steht, hat erklärt, daß sie das abgefâhrte Joch der Brücke nicht eher wie­der ausführen ließen, als bis sämmtliches nassauisches Militär die Stadt geräumt hätte. Hoffentlich werden sie die Erlaubniß dazu noch früher ertheilen, ehe es bei ihnen zu spät wird.

Mannheim, 28. April. (D. Z.) Die Ruhe in unserer Stadt ist seit vorgestern nicht wieder gestört worden. Man sieht übrigens noch nicht klar, was eigentlich von den Leitern der vorgestrigen Bewegung beabsichtigt war, ob man uns eine Szene nach Freiburger Muster oder was sonst aufführen wollte. Das Sturmläuten deutet auf tiefer gehende Plane ; auch soll ein Emissär Heckers hier gewesen seyn. Man sagt sogar, es seyen schon am Morgen des 27. Leute aufs Land gesandt worden, um zu einem Zuzug einzuladen. Ob dies wahr ist, weiß ich aber nicht.

Freiburg, 27. April. (K. Z.) Hier ist Alles ruhig. Nach eingekominenen Meldungen sollen die Rebellen sich gegen­wärtig in der Gegend von Kandern befinden, wo sie aller Wahrscheinlichkeit nach heute den Truppen des General v. Miller in die Hände fallen werden. Man sieht hier iin Lause des Ta­ges der Nachricht von einem Treffen entgegen. Das Hauptquartier wird voraussichtlich einige Zeit hier bleiben.

cf Karlsruhe, 29. April. Die Würtemberger sind am 25. d. M. bei Todtnau mit einem Trupp Freischaaren zusam- mengestoßcn, der bei dem Gefechte vor Freiburg dem siegenden Militär entgangen war. Die Rebellen wurden gänzlich ge­schlagen; auf würtembergischer Seite blieb kein Mann, auf Seiten der Aufständischen Einer. Mehrere Kanonen und Gepäck­wagen sind erbeutet.

Am darauf folgenden Tage stieß dieselbe Heeresabtheilung der Würtemberger im weiteren Vorrücken mit einer gegen 1000 Mann starken Kolonne deutscher und französischer Arbeiter unter Her« wegh zusammen. Es kam zu einem Gefecht, in welchem 23 von den Rebellen getödtet, eine große Zahl gefangen wurden. Herwegh mit seiner Frau, Bornstedt (der ehemalige Re­dakteur der deutschen Brüsseler Ztg.) und Börnstein (der be-> kannte Pariser Uebersetzungsfabrikant neuer Lustspiele) entkamen für den Augenblick, allein da ihnen der Rückweg nach Frankreich abgeschnitten ist, werden sie schwerlich ganz entrinnen können. Herwegh soll keinen sonderlichen Heldenmuth bei diesem Gefecht bewiesen haben. Auf würtembergischer Seite sind nur wenige Verwundete.

Das ist der schmähliche Ausgang eines knabenhaften Begin­nens, welches viele Leute in's Unglück gestürzt hat, weil dem Eigensinn und dem Ehrgeiz Einzelner kein Genüge geleistet worden war!

Karlsruhe, 29. April. (D. Z.) Mathy ist zum Staatsrath ernannt worden. Sein Rath wird wohlthätig wirken; sein feiner, praktischer Sinn wird schnell das Rechte treffen, und seine Thatkraft wird hoffentlich bald die Folgen haben, daß das Nothwendige, was lange hätte geschehen sollen, um das schwer verletzte Ansehen der Gesetze herzustellen gethan wird. ' ,

Die oberländischen Briefe und Zeitungen bringen dw Nachricht, daß die H e r w e g h'sch c n F r e i s ch a a r e n vorgestern (27. April) in der Nähe von Schopfheim von den 2vurttembcr« gern gänzlich zersprengt worden sind und sich unter Jam-