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zu der von ihm beherrschten weißbehuteten deutschen Legion ein schwarzer, breitberäuderter, tiefe Schatten werfender Filz- Hut. Die Frau Präsidentin, Mad. Herwegh, die sehr ge­sprächig und populär neben dem schweigenden, tiefsinnenden Gatten an der Wirthstafel saß, trägt ihr Haar â la Titus republikanisch geschoren und ist in eine enganschließende Tunika von schwarzem Atlas gehüllt. Schade, daß die Figur für die zu spielende große Rolle etwas zu klein ist. Beim Braten wurde ihr vom Kellner eine, wie es schien, eben vom Sattler geholte Patrontasche von gelbem Leder mit reichverziertem Ban­delier, die wirklich sehr niedlich war, gebracht. Sie sprang auf, hängte sie sich vor dem Spiegel um und empfing die Komplimente der Getreuen.

Für uns andere Gäste war es ein Glück, daß der Om­nibus zur Eisenbahn uns fortlief, sonst wären wir des schwer bekämpften Lachens nicht mehr Meister geblieben. Es war ein halbes Diner, aber ein ganzer Spaß. -Mein Gefährte be­merkte ganz richtig: ich habe heute ganz dasselbe für die deut­sche Republik gethan, wie Herwegh; auch ich habe mit mei- ner Frau im Rebstock gegessen, während Hecker sich drüben schlägt. Ernsthaft gesprochen, die Sache wäre unermeßlich ko­misch, erschiene sie einem nicht tragisch, wenn man an die Zu­kunft der armen verführten Arbeiter denkt, die sich der Arbeit entwöhnen, beim zweck- und erfolglosen Umherwandern den letzten Pfennig verzehren, und im Mißmuth darüber, daß die goldenen Träume nicht reifen wollen, wer weiß wohin gera­then werden.

Wäre es mit der Leitung der Kostümangelegenheiten, der Kokarden, Federn, Schärpen und Symbole und etwaigen Re­den und Proklamationen gethan, so haben es die Anführer (mit und ohne Calembourg) an Nichts fehlen lassen, und dem Herübertragen der Republik stände dann ja auch nicht die ent­schiedene Haltung des französischen Gouvernements im Wege, das durchaus keinen bewaffneten Uebergang über den Rhein gestattet. (Wes.-Ztg.)

Das Pflanzerlebett im Westen Nord- Amerika's

(Fortsetzung.)

Zwar hielt unS eine kältere Ueberlegung unser etwas romanhaftes Beginnen vor, daß wir uns in einen, uns ganz fremden, mit vielen Mühseligkeiten und Entbehrungen verknüpf­ten Stand begeben wollten; allein wir trösteten uns mit dem Gedanken, daß Männer, welche weit höher in Europa gestellt und an ein gemächlicheres Leben gewöhnt gewesen, in Amerika zur Art und zum Pfluge gegriffen und sich dabei wohl befun­den hatten. Man hat nämlich hier in der westlichen Hemisphäre einen solchen Umschwung des Glückes, bei welchem der Reichste plötzlich wieder zum Tagelöhner und dieser zu einem Krösus wird, fast täglich vor Augen.

Wir ritten nun, nachdem wir nicht ohne Gefahr den vor uns liegenden Fluß passirten, auf das nächste Blockhaus zu, um Nachtherberge zu suchen denn Wirthshäuser waren in dieser einsamen Gegend noch nicht vorhanden und um nähere Erkundigungen zur Verwirklichung unseres Vorhabens einzu- [ ziehen.

Der Abend war schon ziemlich weit vorgerückt, als wir das Ziel der heutigen Wanderung erreichten. Der Pflanzer: war ein Irländer von Geburt, der zwar nicht wenig über einen« so unerwarteten Besuch erstaunte, uns aber freundlich aufnahm und gerne ein Nachtquartier in seiner einfachen Hütte gestattetes

Unser Wirth war ein ächter Irländer: gesprächig, nichts ohne Humor und reich an barocken Einfällen. Bald ckânnkdn f wir nicht allein seine eigene Biographie, sondenk^nech die der Seinigen bis in's dritte und vierte Glied in aufsteigender! Linie. Wahrscheinlich hätten wir auch noch anhören müssen, wie einer seiner Ahnen Zeuge gewesen sey, wie St. Patrik,! der irischen Farze nach, auf einem Mühlsteine über das Meer schiffend, an der Küste Irlands landete und durch dieses undi ähnliche Wunder die damals heidnischen Insulaner zum Chri-i stenthume bekehrte. Zu rechter Zeit erinnerte er sich aber noch | seines Dudelsackes, und so wurde denn, nachdem wir unser einfaches Abendmahl verzehrt, bis tief in dio^acht Hinein kommetzirti

Es giebt nichts Einfacheres in der Welt, als das Blocks Haus oder die erste Behausung eines angehenden amerikanischen Pflanzers. Das ganze Gebäude besteht aus Holz mit Dachj werk von Lehm- oder Erdwänden und enthält nur eine Abthei­lung, die also Wohnzimmer, Küche, Vorrathskammer, Diele tel zugleich bildet und worin, wie in der Arche Noah's, Menschen und Thiere friedlich beisammen wohnen. Alles ist aus den rohesten Materiale verfertigt, wie auch die wenigen sich- dam findenden Mobilien. Ein Tisch, einige Binsenstühle, eine Bam die unentbehrlichsten Küchengeräthe, Betten 20. machen dal ganze Mobiliar des angehenden Pflanzers aus. Das Femi wird Tag und Nacht unterhalten, da Holz im Ueberflusse voi Handen ist. Wir lagerten uns auf der einen Seite desselben unser Wirth mit seiner Familie auf der anderen. Ein PM Büffelhäute vertraten die Stelle des Unterbettes, unsere Sät« dienten zu Kopfkissen und unsere Mäntel zu Decken.

Am folgenden Morgen cs war ein Sonntag mad ten wir unseren Wirth mit unserem Vorhaben bekannt, un- in seiner Nachbarschaft anzusiedeln, und erkundigten uns, s | vielleicht ein oder der andere Pflanzer in der Umgegend gench' seyn würde, seine Pflanzung verkäuflich abzustehen? (Forts.'

Theater zu Wiesbaden.

Sonntag den 30. April: Die Zauberflote. Große Oper in 2 ® zugen von Schikaneder. Musik von Mozart.

Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl. Druck und Verlag der L. S ch elle n der g'scheu Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.