schmiere) „vor Gott dem Allmächtigen —" und da ihn der Beamte wohl sechsmal zu deutlicherer Aussprache aufforderte, versuchte er's noch sechsmal, daS Amt und Gott den Allmächtigen mit seinem Wortspiel anzuführen, bis er endlich gestand, er könne den Eid nicht leisten. — Dergleichen Dinge kommen alle Tage vor auf der Muckersdorfer Amtsstube und auch anderwärts. Der Bauer glaubt, die Amtleute zu betrügen, sey kein Unrecht, wie der Student kein Ehrenwort vor dem Prorektor gelten läßt. — Und wer hat diese Hinterlist in unsern geraden, ehrlichen Bauersmann gebracht? — (Fortsetzung folgt.)
Fürst Metternich und seine Werkzeuge.
II.
So lange in Wim die Hauptstützen und die blinden Werkzeuge Metternichs einflußreiche Stellen und Aemter behaupten, droht der jungen Freiheit dort Gefahr. Wenigstens darf man nicht annehmen, daß die einstigen Träger des Absolutismus sich zur konstitutionellen Sache bekehrt hätten, wenn man auch weiß, daß Leute dieser Art mehr an Rang und Gehalt als am Prinzipe hängen. Eine durchgreifende Reinigung in den höchsten Aemtern ist in Wien durchaus unerläßlich. Die alten Pedanten müssen entfernt, die Intriganten unschädlich gemacht werden, um tüchtigen, freisinnigen Männern Raum zu geben. Da ist Graf Ficquelmont, von dem jedes Kind weiß, daß er die größte Hinneigung zum Czaren und zum russischen System hat. Seine Frau übt großen Einfluß und hält die Fäden eines weitverzweigten politischen Gewebes in der Hand; sie war es, welche um jeden Preis den Erzherzog Stephan mit der russischen Großfürstin Olga verheirathen wollte, welche die betreffenden Unterhandlungen leitete und in Metternichs Vertrauen war. Die Ficquelmontö passen nicht zum neuen Oesterreich.
Eben so wenig passen jene kirchlichen und politischen Renegaten, die der Wind von allen Seiten her in Wien zusammenwehte. War doch hier eine lockende Prämie auf die Abtrünnigkeit gesetzt, die mit hohem Gehalte und hohen Staatsämtern begabt wurde, und dafür dankbar Metternichs System pries, den blutigen Samen der Zwietracht auSftreute, daS Ringen der Völker nach Freiheit als Abfall von Gott darstellte und die Jesuiten lobte.
Den Reigen dieser Ueberläufer, welche noch allsammt in einflußreichen Aemtern sind, eröffnete der verstorbene Berliner Friedrich Gentze, der sich später Hr. v. Gentz nannte. Wenn man Barrere den Anakreon der Guillotine genannt hat, so kann man den diplomatischen Lüstling Gentz als Anakreon der Kongreß- und Konferenzbeschlüsse bezeichnen. Nie ist eine schlechte Sache glänzender und glatter dargestellt worden alS ton dieser ungemein gewandten, käuflichen Kreatur, gegen
welche sein Nachfolget Jar ck e die Unbeholfenheit und Plump- heit selbst ist. AlS Berliner Professor fand er es mit Pflicht und Gewissen vereinbar, seinen Uebertritt zur katholischen Kirche zu verheimlichen. AlS Lohn für seine Abtrünnigkeit wurde ihm eine Stelle in der Wiener Staatskanzlei übertragen, in welcher er jenen fanatischen Eifer gegen alles, was Fortschritt und Entwickelung heißt, bethätigte, der die Renegaten insgemein auszeichnet. Es mag für den Scharfsinn des Berliner HofeS zeugen, daß der Publizist der Staatskanzlei für eine politische Autorität galt, dessen Weisheit man anstaunte. Freilich stand Hr. Jarcke in lebhafter Korrespondenz mit dem wandernden Militärdiplomaten v. Radowitz, der in der Schweiz, in Paris und in Wien immer gerade zu rechter Zeit eintraf, um den Sonderbund, Ludwig Philipps Thron und Metternichs System über den Haufen stürzen zu sehen. Aus Jarcke'ö Feder sind die meisten Aufsätze und Kabinetsschriften geflossen, durch welche Fürst Metternich die liberale Richtung bekämpfen und verdächtigen ließ. Als Schildknappen standen ihm Klemens von Hügel, der Jesuitendiener, und der unglückliche Dichter der Todtenkränze, v. Zedlitz, zur Seite, dessen lügenhafte Berichte über die Vorgänge in Galizien Alles überbieten, was in diesem Fache von feilen Federn je geleistet worden ist.
Der Oesterreichische Beobachter ist mit Metternichs Flucht zu Grabe gegangen. Nie war ein Hofblatt frecher, unverschämter und armseliger. Sein Lenker ist der Edle v. Pilat, irren wir nicht ein Protestant aus Hannover, dessen Sohn in Innsbruck als Jesuit lebt. Seit länger als einem Vierteljahrhundert hat der Edle von Pilat das klägliche Amt versehen, die Freiheit zu verleumden, die Völker zu schelten, die offizielle Lüge in ein System zu bringen und den Hochgestellten und Mächtigen zu schmeicheln. „Unser Kaiser befindet sich durch Gottes Gnake wohl, also auch das Volk." DaS ist ungefähr der Inbegriff der Weisheit deS Oesterreichischen Beobachters gewesen, der sich am 1. April d. I. selber begraben mußte. Aber der edle von Pilat hat einen politischen Straußenmagen, er verdaut Alles, den Metternichschen Absolutismus wie das konstitutionelle Oesterreich: — so lange nur die „Emolumente" bleiben.
Und was wird der Metternichsche Rcichshisloriograph, der Erantistes aus Schafhausen, was wird der Friedrich Hur ter thun, der Liebling der Jesuiten und Liguorianer, weicherm seiner bekannten urbanen Weise so eifrig gegen „die kollerige, bauchblä- sige, schäbige Schindmähre Gleichheit" zu Felde gezogen; der unter weithinschallendcn Trompetenstößen, mit ausdrücklichem Beifall des Fürsten Metternich erklärte, „seine Grundsätze seyen durch und durch mit dem erhaltenden Prinzipe Metternichs verwachsen", und er wolle Ringe zu der Kette schmieden, mit welcher die „Bestie" Freiheit gefesselt werden müsse? Kann dieser Mann in seiner bisher einflußreichen Stellung bleiben? Wird daS konstitutionelle Oesterreich einen Mann besolden, der es sich zur Lebensaufgabe gemacht hat, der Willkürherr-