Alle Thore und sonstige offene Punkte waren verbarrikadirt und die wichtigsten mit zusammen fünf Stück Geschütz besetzt. Nachdem sich zwei Bataillone hessen-darmstädtische und ein Bataillon badische Infanterie und zwei Schwadronen Kavallerie, so wie zwei Geschütze mit dem nassauischen Bataillon vereinigt hatten, wurde die Stadt angegriffen. Unser Geschütz bestrich die Barrikade in der Jcsuitengasse und warf sie bald nieder; die Barrikade an dem Predigerthor konnte vom Geschütz nicht angegriffen werden , weil die Borstadt sich dicht vor dem Thore krümmt. Unser Bataillon kämpfte an beiden Barrikaden, an dem Predigerthore unter dem Befehle des Obristlieuteuant Gerau , in der Jesuiten- gasse unter dem des Major Weber. Die badischen Truppen griffen zuerst das Predigerthor an, litten aber stark durch Kartätschen und mußten weichen. Unsere Truppen standen während dessen in der Vorstadt und es wurde aus den Häusern, aber ohne besondern Nachtheil, auf sie geschossen. Die nächsten Häuser wurden gestürmt und mehrere Gefangene gemacht, auch Munition und Gewehre erbeutet. Nach dem Sturm der Badener stürmten die Nassauer. Unsere Leute stutzten zwar bei dem Anblicke der gefallenen Badener und wurden bei dem ersten Sturme ebenfalls zurückgeschlagen, bei dem zweiten Sturme aber wurde die Barrikade mit zwei Kanonen genommen und nun war der Eingang in die Stadt geöffnet. Der Kampf in den Straßen war unbedeutend; die Freischärler zogen sich sogleich in das Freie und ließen uns als Sieger im Besitz der Stadt.
Von Nassauern ist nur ein Soldat gefallen; drei Mann wurden schwer verwundet, worunter Lieutenant Eyring, den eine Kugel über dem Auge traf, übrigens hoffen die Aerzte, daß er gerettet wird. Von den Freiwilligen erhielt Alefeld einen unbedeutenden Streifschuß im Gesicht. Die Badener haben mehr gelitten. Wir haben die Stadt ganz besetzt und von außen umschlossen.
Der Verlust der Freischärler ist noch nicht genau zu ermitteln. Eine sehr große Zahl ist gefangen; doch stündlich werden noch Gefangene von außen eingebracht und in den Häusern auf- , ^sucht und hervorgezogen. Wir werden dem Vernehmen nach in Freiburg einige Tage bleiben und dann den Freischärlern entgegenziehen.
Deutschland.
* Wiesbaden, 28. April. Die aus Mannheim einlaufenden Privatnachrichten zeigen, daß in den ersten Berichten des Frankfurter Journals über den Kampf der Nassauer mit den Bürgern viel Uebcrtriebenes war, und die Soldaten keineswegs den Streit hervorgerufen haben. Schiffer, Packträger u. s. w. vom Hafen waren es, die zuerst die Schildwache an der Schiffbrücke angriffen, worauf sich diese gegen die Mitte der Brücke zurück zog und die Bayern herbei rief. Nun erfolgte das Feuern. Ein Mannheimer soll getödtet, mehrere verwundet seyn. Bei den Nassauern sind blos Verwundungen vorgekommen. Daß Mannheimer Leute den nassauischen Soldaten allerlei Unbill zufügten, nachdem sie gesehen hatten, daß dieselben mit Geld und Bier nicht zu bestechen waren, ist gewiß, und hier wird auch der erste Anfang des Streites zu suchen seyn.
O Mainz, 27. April. Das hiesige Wahlkomite bestand aus 19 Republikanern und 11 konstitutionell Gesinnten. Die Letzteren, welche sahen, daß ihnen durch die Mehrheit alle Wirksamkeit abgeschnitten werde, traten aus. Als nun darauf die 19 andern sich versammeln wollten, hatte der Bürgermeister Nack das Lokal verschlossen und erklärte, daß nach dem Ausscheiden der 11 Mitglieder das Konnte nicht mehr in Kraft bestehe. Hierüber ist eine große Aufregung in der Stadt entstanden, deren letzte Folgen noch nicht abzusehen sind.
cf Bruchsal, 27. April. Die Haupträdelsführer der Freiburger Rebellen sind hierher gebracht worden in das neuerbaute große pensylvanische Gefängniß. Eine Abtheilung Nassauer (vom 2. Regiment, früher in Heidelberg) liegt in unserer Stadt, sie werden heute oder morgen nach Offenburg vorrücken.
Freiburg, 26. April. (Freib.Z.) In den Reihen der Waffenmänner, welche mit stürmender Hand unsere Stadt von den Freischaaren säubern halfen, befand sich auch Rausch en- plat, der wacker das Seinige zur Einnahme des Predigerthores beigetragen hat. Das ist eine That, die selbstredend zeigt, wie richtig die deutschen Republikaner in Straßburg gesehen hatten, als sie ihn, als der konstitutionellen Gesinnungen „überwiesen,"
von sich ausstießen. Man sieht ihn jetzt, den Säbel umgeschnallt, in Civilkleidung in unserer Stadt einhergehen.
Berlin, 24. April. (Deutsche Ztg.) Auf der Heimkehr nach Schlesien rückten (wie es heißt, am 22. d. M.) preußische Jäger und Kürassiere in Adelnau, einer posenschen Kreisstadt, ein, um dort Quartier zu machen. Die Quartiermeister verfügen sich auf das Rathhaus. Die Soldaten halten in vollster Ruhe und Ordnung auf dem Markte. Plötzlich öffnen sich die Häuser. Bewaffnete Polen in Masse stürzen auf das deutsche Militär. Aus den Fenstern ringsumher wird geschossen. Zwei oder drei Jäger bleiben aus der Stelle todt; mehrere Kürassiere werden verwundet. Die Ueberlebenden wehren sich tapfer ihrer Haut. Aber die Salven aus den Fenstern machen es rathsam, sich dicht vor der Stadt auf einem freien Platze zu sammeln. Unterdeß rückt Bcrstärknng heran; die Deutschen nehmen die verrätherische Stadt ein, und (angeblich) hundertfünfzig Polen bleiben auf dem Platze.
Posen, 22. April. (D.A.Z.) Noch immer sind nicht । alle bewaffneten Jnsurgentenhaufen, wie die Konvention vom 11. April es doch verlangt, auseinandergeqangen; in dem Städtchen Miloslaw und auf einigen andern Punkten hat man eS sogar gewagt, sich dem einrückenden Militär zu widersetzen, so daß cs, zum Handgemenge kommen mußte. In Miloslaw haben, wie verlautet, sechs Sensenmänner diesen unsinnigen Widerstand mit dem Tode büßen müssen. Gestern Nachmittag sind aus diesen Kämpfen 67 Gefangene, darunter zwei Geistliche, hier angekommen und im Festungslokal untergebracht worden.
Kiel, 23. April. (A. M.) Ueber das vorgestrige Gefecht beim Schnellmarker Holze stellen sich die glaubwürdigsten Angaben dahin, daß unser Verlust an Todten und VerwundeM zusammen zwischen 50 und 60 betragen hat. Ganz^ykrschieden von jenem Gefechte war ein Vorfall bei Harzhof, wohin sich um Mittag eine Abtheilung dänischer Freiwilliger von Eckernförde aus in aller Stille begab und unsere dort liegenden Freiwilligen umzingelte, ehe diese die Nähe von Feinden bemerkt hatten. Es scheint, daß unser ganzer Posten gefangen worden ist, dessen Zahl jedoch von Landleuten, die in der Nähe gewesen, nur auf 16 bis 18 Mann geschätzt wird.
Hamburg, 24. April, 9 Uhr Abends. (H. C.) Der heutige Abendzug aus Rendsburg meldet, daß die Bundestruppen bereits 2 Stunden über Schleswig hinaus vorgerückt waren. Aus Schleswig wird von heute Mittag gemeldet, daß der Vortrab unter lautem Jubel der deutschgesinnten Bevölkerung in Flensburg eingerückt sey. Die Dänen hatten sich in großer Verwirrung nach Angeln gezogen. Der Verlust war auf beiden Seiten sehr bedeutend; ein preußisches Regiment soll gegen 100 Todte verloren haben.
Botzen, 22. April, früh. (A.Z.) Zufolge neuer Nachrichten sind die Insurgenten gegen den Tonale, daun von Stenico nach Tione, von Riva bis Condino zurückgeworfen, haben gestern | (21. d. M.) bei 2000 Mann stark mit vielen Blessirten Tione geräumt, und sind über Condino nach Lodron zurückgegangen. Die Nachricht von der Uebergabe der Festung Peschierä tss nne Erfindung. Peschiera befindet sich unter dem Befehle des tapfern Generals Baran Rath von dem Ottochaner Gränzinfanterieregimente besetzt.
Trient, 22. April. (A.Z.) Heute ist folgende in italienischer Sprache gedruckte Bekanntmachung des Kreisamts erschienen: „Es wird zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß nach einer so eben eingelangten Mittheilung des k. k. Militär-Kommando kein Mann von den eingedrungenen italienischen Jnsurgentenhaufen, vielleicht ein oder das andere Individuum am Fuße des Tonale ausgenommen, heute mehr auf tyrolischem Boden weile.
Ital i e n.
Dem Mailänder offiziellen Blatt zufolge hat der König von Neapel an Sizilien Krieg erklärt. Dasselbe Blatt entnimmt aus der neuesten uns noch nicht zugekommenen Alba, daß das Bombardement von Messina mit furchtbarem Grimme wieder begonnen habe.
46i Chemisches Laboratorium
Am 1. Mai d. I. beginnt der praktisch-chemische Unterricht in meinem neu errichteten, aus öffentlichen Mitteln unterstützten Privatlaboratorium. Einrichtung und Bedingungen theile ich mündlich oder brieflich gerne mit. Wiesbaden, den 25. April 1848.
Professor Mr. R. Fresenius.
Verantwortlicher Redakteur: W. H Riehl. — Druck und Verlag der L. Schellcnberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.