Boden sind und mithin mit größerer Sicherheit vorschreiten, als es im Anfang bei neuen Gesetzen möglich ist, mögen sie auch aufs Beste redigirt seyn.
Auch ohne sofortige Einführung eines neuen Strafgesetzbuches kann der Anklageprozeß und das langersehnte Institut der Schwurgerichte eingeführt und von Geschworenen eben so gut bei den bestehenden Gesetzen ihre Ueberzeugung darüber ausgesprochen werden, ob der Angeschuldigte die den Gegenstand der Anklage bildende Handlung begangen habe, als wenn wir ein neues Gesetzbuch haben.
Die Einführung des letzteren kann sich möglicher Weise wegen der in Aussicht stehenden gleichmäßigen Gesetzgebung für die sämmtlichen deutschen Staaten noch längere Zeit verzögern und warum sollen wir säumen, die Institute sofort in das Leben zu rufen, in welchen die höchste Garantie aller politischen Freiheit gefunden wird?
Wenn auch nur ein Uebergang zum Guten erlangt wird, so wäre es doch die Grundlage, die ungesäumt ins Leben treten würde und schlechter kann die Kriminalgerichtspflege durch Sonderung der Urtheilsfällung in die Entscheidung über die Thatfrage durch Geschworene und Ausmessung der Strafe durch die vom Staat angestellten Richter, wenn auch mit Beibehaltung der veralteten Gesetze gewiß nicht werden, als sie dermalen ist.
Die der Zeit gegebenen Rechtsmittel der weiteren Vertheidigung bei geringeren Strafen von demselben Gericht und bei schweren von einer zweiten Instanz, wird man gerne hingeben, wenn man Schwurgerichte und Oeffentlichkeit erlangt!
Nach den neuesten Zeitungsnachrichten ist der baierischen Kammer ein Gesetz über sofortige Einführung der Schwurgerichte vorgelegt. \
□ Aus dem Amte Langenschwalbach, 22. April. Die in den jüngsten Tagen stattgehabten Urwählerversammlungen haben zum Theil sehr unerwartete und überraschende Resultate zu Tage gebracht — und dies soll namentlich auch zu Langenschwalbach der Fall gewesen seyn. Einsender dieses kann eS durchaus nicht billigen, wenn Männer dabei keine Berücksichtigung gefunden, deren politische Ansichten seit länger alS 20 Jahren bekannt, jedenfalls bekannter sind, als diejenigen von Andern, welche entweder erst seit dem 4. März ihre politische Ansicht, wenn auch nicht Einsicht geäußert oder solche bisher in einer Weise bethätigt, die zu nichts weniger, als einem 4. März hinzuführen geneigt war. Solche Nichtberück- tigung politisch gebildeter und bewährter Männer scheint eine traurige Folge der Parteien zu seyn, die sich jetzt vielfach in den Gemeinden feindselig gegenüberstehen und geeignet sind, dem Feinde von außen ein leichtes Spiel zu verschaffen. Daß zwei bis drei Parteien (die des alten, die des neuen Schultheißen und die des KomiteS) fast in jeder Gemeinve dermalen bestehen, ist eine unleugbare Thatsache: eine andere Frage ist die, sind diese Parteien in der politischen Erhebung des Volkes nothwendig begründet, oder hätten sie, auch bei derselben, vermieden werden können? Wir glauben ja, sie hätten wenigstens an vielen Orten auf dem Land ^vermieden werden werden können, wenn nicht die einzelnen Sicherheitskomite'S, in der Stabt und auf dem Lande, — von der ihnen ursprünglich gestellten, durch ihren Namen selbst bezeichneten Aufgabe abgewichen und die ihnen ursprünglich gesteckten Grenzen — man leugne eS nicht, — vielfach, ohne Noth, überschritten hätten.
Einen hauptsächlichen, wir sind weit entfernt zu glauben beabsichtigten Grund zu dieser Verrückung der Aufgabe, zu dieser vielfachen Überschreitung der Grenze, namentlich auf dem Lande, wodurch so unselige Spaltungen in unsern Gemeinden entstanden sind, zu deren friedlicher Ausgleichung viel Jahre erforderlich seyn werden — hat, wie wir glauben, das Sicherheitskomite in Wiesbaden, dessen Aufopferung und Selbstverleugnung wir übrigens anerkennen, dadurch gegeben, daß eS alle Klagen, alle Beschwerden vom Lande anhören zu müssen glaubte, vielleicht aus Unkenntniß unseres Landvolks, in dem guten Glauben, dasselbe bedürfe der stets unterhaltenen Erregung, um nicht wieder in den alten vierzigjährigen Schlaf zu verfallen. Dem war durchaus nicht also: das Volk bedarf vielmehr der Beruhigung und der Hinweisung auf daS, worauf es, bei den Garantien, die wir haben, jetzt mehr ankommt, als auf die gewaltsame den Einzelnen vielfach kränkende Herbeiführung und Beschleunigung von Einrichtungen, die bei der Entwickelung des Gegebenen von selbst folgen müssen — in ihrer der maligen Art und Weise vielleicht nicht einmal dauern und bestehen können. Es ist aber Thatsache, daß viele Abgeordnete — oft solche, die sich selbst abgeordnet, oder wenigstens nicht von der ganzen Gemeinde abgeordnet — weit eher auf's neue erregt und aufgeregt, als beruhigt von Wiesbaden heimkehrten. Das SicherheitSkomite zu Wiesbaden
hat selbst am meisten unter diesen nie aufhörenden Deputationen zu leiden gehabt und wir wiederholen, daß wir weit entfernt sind, dem genannten Konnte hierbei einen andern Vorwurf, als den einer falschen Auffassung der Verhältnisse unsers Landvolks zu machen.
Es wäre sehr zu wünschen, daß die Zeit, die auf dem Lande mit zum Theil gar nicht nöthigen Absetzungen hingebracht wurde, dazu verwendet worden wäre, sich nach tüchtigen Männern für die Deputirtenkammer umzusehen. Es treten dem Vernehmen nach Kandidaten für die Kammer auf, die man bisher nur dem Gesicht nicht einmal dem Namen nach gekannt haben soll.
0 Wetzlar, 25. April. Nicht zu Werdorf, wie ich Ihnen neulich berichtete, sondern zu Ehringshausen, dem Sitze des Amtes Greifenstein , hat sich die auf Befehl des Königs niedcrge- setzte Kommission zur strengsten Untersuchung aller bisher im Standesgebiete Solms-Braunkels vorgckommenen Ungesetzlichkeiten konstituirt. Die Kommission ist inzwischen durch mehrere Richter aus den höchsten Gerichtsstellen verstärkt worden. Die sie umgebende bewaffnete Macht zeigt den Ernst, womit dieselbe ihr schwieriges Geschäft besorgen wird, wonach also die Schuldigen, vornehmlich die der Aufreizung zum Aufruhr Ueberwiesè- nen der Strenge der Gesetze ohne Zweifel verfallen.
Während wir noch in voriger Woche die in dem hiesigen Jntelligenzblatte geschehene schöne, kräftige Ansprache unsers Stadtverordneten-Vorstehers an seine Mitbürger bezüglich der jüngsten, hier vorgefallenen Ereignisse bewunderten, und nur bedauerten, daß dieser Mann des Volkes nicht den Muth gehabt hat, am 16., wo es galt, mit solcher Ansprache unter das Volk zu treten, wodurch manchem Unheil vorgebeugt worden wäre; können sich die ruhigen und verständigen Bürger Wetzlar's kaum von der Möglichkeit überzeugen, daß Einer der ihrigen den in der ersten Beilage zum Frankfurter Journal Nr. 112 (vom 2l. April) abgedruckten, die Vorfälle vom 16./17. d. M. beschreibenden Artikel mit auffallender Entstellung allgemein bekannter Thatsachen und Behauptung von Unwahrheiten abgesendet oder verfaßt habe. Die Absicht, welche damit erreicht werden soll, nämlich: „die Schlichtung des Zwistes" von den Vertretern der deutschen Nation übernommen zu sehen, wird sich nicht realisiren.
Frankfurt, 25. April. (Fr. I.) Der Fünfzigerausschuß hat in seiner heutigen öffentlichen Vormittagösitzung die Absendung einer Deputation von zwei Mitgliedern nach Böhmen beschlossen, um der von der czechischen Partei betriebenen Loß- reißung Böhmens von Deutschland entgegen zu wirken unb die Vornahme der Wahlen zum konstituirenden Parlament auf dem Wege der Verständigung zu erzielen.
Nach erfolgter Mittheilung der neuesten Beschlüsse der badischen Regierung, Verkündigung des MartialgesetzeS im See- und Oberrheinkreise u. s. w. beschloß der Ausschuß, eine Proklamation an das Volk zu erlassen, in welcher zugleich seine vollständige Zustimmung zu den der Freiheit eben so sehr, wie der Ordnung förderlichen Maßregeln der bad. Regierung ausgesprochen werden soll. Zu gleicher Zeit wird, unter Mittheilung der über die Ereignisse in Baden eingelaufenen Berichte, die Bundesversammlung zur Beschleunigung des Marsches der kur hessischen Truppen nach dem Badischen ersucht.
Heidelberg, 24. April. (F.I.) Wir haben heute einen stürmischen Tag verlebt. Gegen 2 Uhr Nachmittags kamen mehrere hundert mit Sensen und Gewehren bewaffnete Bauern aus dem benachbarten Sinsheim hierher, in der Absicht, die Republik zu proklamiren. Sie stellten sich auf dem Markte vor dem Rathhause auf; sogleich wurde der Generalmarsch geschlagen und alle Bürger traten unter die Waffen. Die vor dem Rathhause versammelte Menge wurde eingeschloffen, auseinandergesprengt und zum Theil entwaffnet. Verwundungen sind nicht vorgefallen.
</ Karlsruhe, 25. April. Mit der Republik in Konstanz hat es ein rasches Ende genommen. Die bayerischen Truppen sind ohne Hinderniß in Radolphszell eingerückt. Man wird ihnen in Konstanz keinen sonderlichen Widerstand entgegensetzen; denn nicht einmal der Antrag, die Rheinbrücke abzutragen, konnte bei der Konstanzer. Bürgerschaft durchgesetzt werden. Der Statthalter Peter scheint sich vor der Republik gleicherweise wie vor der Monarchie zu fürchten; er wagt sich gar nicht mehr in die Stadt. Peter war immer ein Mann ohne Persönlichkeit und Selbstständigkeit, der viel Lippenwerk mil liberalen Phrasen machte. Als man ihn zum Reglerurigsdiret- tor machte, da machte das Ministerium einen großen Schnitzer, cs fragt sich nur, ob die Republikaner mcht einen noch viel