Helsingör, 19. April, Abends. (B.-H.) Heute Abend sind sämmtliche hier auf der Rhede liegende preußische Schiffe von zwei dänischen Kriegsschiffen mit Beschlag belegt worden.
Ein anderes Schreiben der Herren A. v. Deurs u. Comp. an das Komptoir der Hamburger Assecuradeurs, datirt Helsingör den 19. April, 10Uhr Abends, sagt dagegen: So eben werden alle deutsche Schiffe angehalten.
Auch in der Nordsee sind nunmehr wohlbemannte dänische Schiffe erschienen.
Deutschland.
Ueber die Vorfälle vom 23. gibt die D. Z. folgenden Auszug aus einem Privatschreiben: Freiburg, 23. April, Nachts 10 Uhr. Um 2 Uhr wurden der Bürgermeister und Stadtdirektor vom General Hoffmann, der mit seiner Mannschaft jenseits der neuen Dreisambrücke stand, beschieden und ihnen aufgegeben, bis 3 Uhr die Stadt von den Bewaffneten (die dort übernachtet hatten) zu räumen, oder es werde mit Waffengewalt geschehen, — auf einmal hieß es, Hecker kommt mit einer Schaar, und wirklich kamen mindestens 2000 Männer von Güntersthal her marschirt. General Hoffmann sammelte seine disponibeln Truppen und zog ihnen entgegen. Drei Salven mit Kartätschen am Waldhorn, der Ecke des Waldes, zerstreute sie zwar, aber mit wenig Unterbrechung dauerte eine Viertelstunde herwärts von Güntersthal das Schießen fort, und nun begann es an der Dreisambrücke mit hiesigen und Bauernbanden und dauerte bis 8 Uhr, wo das Feuer schwieg. Die Banden waren total geschlagen und haben viele Todte und Verwundete. General Hoffmann steht noch vor der Stadt.
Von der Schweizergrenze, 24. April. (D. Z.) Seit 8 Tagen halten eidgenössische Truppen zum französischen und deutschen Grenzgebiete alle Auswege besetzt, um Bewaffnete weder ein noch aus zu lassen. Die Regierungen von Basel und Baselland nehmen entschieden alle Maßregeln, um die Neutralität der Schweiz ausrecht zu erhalten, und namentlich die mehrfach angedrohten Einfälle der deutschen Freischaaren in das Badische zu verhindern; aber in derselben Zeit steht der radikale Klubb in Basel mit den badischen Führern und den Verbündeten in der Schweiz in der lebhaftesten Verbindung und direktem Verkehre.
Während vorgestern Hecker und Struve mit ihren Schaaren bei Kandern mit den Truppen zusammenstießen, soll in Basel selbst den ganzen Tag über die größte Aufregung geherrscht haben. Schon am 19. hatte die Nationalzeitung in einem Aufrufe alle „entschlossenen" deutschen Arbeiter zu einer Versammlung eingeladen und während inmittelst zu Großhünin- gen eine Schaar der aus Frankreich vordringenden Arbeiter erschienen war, fuhren am Abend des 20., als die Nachricht von dem Rückzug Heckers schon eingetroffen, jene Entschlossenen in mehreren Kutschen ganz gemächlich zur Stadt hinaus. Zn dem Wagen waren die Waffen verborgen und die Grenzhut argwöhnte nichts Böses.
Um 8 Uhr traf diese Bande auf der Leopoldshöhe ein, entwaffnete sofort die Zollwächter, nahm ihnen die Mäntel ab, sperrte einige dieser Leute mit dem dort stationirten Gendarmen ein und vertrieb dann den Grenzposten von der Hüninger Brücke. Dies Letzte ist nun unbegreiflicher Weise gelungen und durchgeführt worden etwa 100 Schritte von der Schweizergrenze und im Angesicht der dort aufgestellten eidgenössischen Kompagnie. Der größere Theil der Bande zog aus die Leopoldshöhe zurück und zechte dort his 4 Uhr Morgens mit der verbrüderten Bürgerwehr von Weil auf Kosten des neutralen Wirths.
Als man gegen Morgen des 21. das Anrücken hessischer Infanterie gewahrte, meldete die Weiler Bürgerwehr die drohende Gefahr am Wachthause der Hüninger Brücke, wo die Betrunkenen sich eben angeschickt hatten, ihren Rausch gemüthlich auszuschlafen; die Truppen fanden nur noch die 2 Schwerstbetrunkenen ; diese wurden, mit Mühe erweckt, als Gefangene mitgenommen und die Gefangenen auf Leopoldshöhe befreit; die entlaufenen Schuster und Schneider aus Basel aber waren in eifrigster Flucht durch Schlamm und Sumpf nach Basel entronnen, wo sie ziemlich nüchtern ankamen.
Am 21. um 11 Uhr sind Hecker, Weißhaar und einige andere flüchtige Republikaner über Rheinfelden mit der Post
in Basel eingetroffen, wo sie, wie es scheint, nun ihr Hauptquartier aufschlagen und für's Erste sich in den Wirthshäusern in Gesellschaft des Dr. Brenner umhertreiben. Sie geben ihre Sache noch nicht verloren; es eilen Sendlinge und Briefe nach allen Richtungen, in das Elsaß, das Badische, die Schweiz; die französischen Banden bleiben noch zusammen p die in Groß- Hüningen erschienenen sollen gestern wieder rheinab gefahren seyn und wahrend gestern noch einige Hundert Freischärler vom Walde in Schopfheim standen, rüsten sich die „Entschlossenen^ in Basel wieder zu neuen Unternehmungen. Dagegen ist, wie wir von Augenzeugen wissen, unter den Truppen ein tüchtiger Geist und militärische Zucht.
Darmstadt, 23. April. (D. Ztg.) Die Aussage eines Augenzeugen, der den Brüdern Gag er ns, dem greisen Vater, die Einzelheiten des Todes ihres edeln Angehörigen berichtete, läßt seinen Zweifel mehr, daß ein schändlicherer Mord noch nie begangen worden. Ein Parlamentär der Hecker'schen Schaar forderte den General zu einer Unterredung. Gagern, obschon von den Offizieren gewarnt, zu edel an Verrath zu glauben, trat vor, Hecker auf der andern Seite; Gagern wollte int Laufe des Gesprächs Hecker nochmals bestimmen, dem Vergießen von Bürgerblut zu entsagen, ja er ergriff seine Hand, aber vergebens! Die Unterredung ward abgebrochen und ehe Gagern noch in den Reihen seiner Truppen zurück war, feuerte auf Kommando die Schaar des Hecker aus dem Wald, wo sie im Versteck lag. Und von denen, die eine bessere Zeit zu bringen vorgeben, war eine That geschehen, deren sich die rohesten Völker nicht schuldig machen. Deutschlands giftigster Feind konnte dem Vaterlands" nicht eine tiefere Wunde schlagen. Und ein solcher Mann mußte gegen solche Menschen fallen! Wahrlich die Wege der Vorsehung sind räthselhaft und daö Leben der Menschen ein Spiel in ihrer verhüllten Hand.
Botzen, 20. April. Endlich ist der tapfere Muth der Tproler wieder erwacht; als der verrätherische Wälsche seinen Banditendolch vollends nach unserm Herzen zückte, erwachte in ihm das alte Bewußtseyn deutscher Kraft, deutschen Selbstgefühls. Die Passeier, Ultener, Möltner und Sarnthaler erhoben sich und zogen auf den Ronsberg, die einigen und 70 Freiwilligen von hier vermehrten sich aus Kältern durch 130.
So eben vernehme ich von meinem Freunde, der Augenzeuge des ersten Angriffs auf und um Eles war, daß dies Dorf von unsern Truppen und Schützen genommen, der Freiheitsbaum zerhauen, die Fahne der Kreuzfahrer erbeutet, und diese auf der Flucht nach Male begriffen sind.
In Revo und einem andern Orte wurden die Unsern selbst von den wälschen Einwohnern mit Jubel empfangen und mit Brod , Wein und Käse, während sie auf der Lauer standen, reichlich versehen; es stießen selbst einige aus diesen Orten zu ihnen und waren durch Kundschaft dienlich. Die piemonkesischen Freischaaren wollten in Einverständniß mit den Bewohnern von Eles den dortigen Friedhof halten; als sie aber unsere Tproler Jäger kommen sahen, nahmen sie Reißaus über den Bergrücken.
Nachschrift.
0 Königstein, 25. April. In der heutigen Wahlversammlung des fünften Bezirks wurde Herr Regierungsrath Hehner zu Wiesbaden zum Abgeordneten für die deutsche Nationalversammlung gewählt.
* Wir ersahren so eben, daß die Wahl für das Parlament in Nastätten auf Hrn. Regierungsrath Schepp gefallen ist.
47] Da ich als Freiwilliger unter die Herzoglich nassauischen Truppen getreten bin, so bitte ich Diejenigen, welche noch Forderungen an mich haben, sich bei meinem Bruder, dem Bauaccessisten Schüler, dem ich die Ordnung meiner Comptabilität übertragen, anzumelde».
Zugleich sage ich hiermit meinen Freunden ein herzliches „Lebewohl". Gust. Schüler, Staatskassen-Probator
46j Chemisches Laboratorium.
Am 1. Mai d. I. beginnt der praktisch-chemische Unterricht in meinem neu errichteten, aus öffentlichen Mitteln unterstützten Privatlaboratorium. Einrichtung und Bedingungen theile ich mündlich oder brieflich gerne mit.
Wiesbaden, den 25. April 1848.
Professor Dr. R. Fresenius.
Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl. — Druck und Verlag der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.