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Beilage zur Nassauischen Allgemeinen

M 26.

Donnerstag den 27. April

L8L8.

Uebersicht.

Die Erstürmung von Freiburg.

Aus Schleswig-Holstein.

Deutschland. (Berichte aus Baden über die dortige Kriegsoperationen),

* Botzen (Die italienischen Freischaaren zurückgeworfen).

Die Erstürmung von Freiburg.

* Wiesbaden, 26. April. Durch gütige Mittheilung des ehemal. Hrn. Oberstlieutenants von Breidenbach-Bür­resheim, der selber bei Freiburtz mitgefochten hat und eine Büchsenkugel durch den Hut erhielt, erfahren wir folgende Einzelheiten:

In der Frühe des zweiten Ostertages langte das erste Bataillon des 2. Regimentes der Nassauer vor Freiburg an. Es wurde im Bahnhof aufgestellt, während eine Ertralokomo- tive an den kommandirenden Chef, den badischen General Hoffmann abging, um Verhaltungsmaßregeln einzuholen.

Nach 2 Stunden kamen zwei Bataillone Hessen, zwei Bataillone Badener und die badische Artillerie mit General Hoffmann herzu. Der General traf folgende Disposition:

zwei Kompagnien des Bataillons der Nassauer wurden links vom Bahnhof in den Gärten als Tirailleure ausgestellt;

zwei Kompagnien Badener rechts als Tirailleure;

dann die Artillerie, welche den 8 Fuß hohen Barrikaden gegenüber Posto faßten. Auf diese Art war also die Stadt im Halbkreise umzingelt.

Die tiefste Ruhe lag über der Stadt, kein Mensch regte sich urâLe Nassauer und Badener tiraillirteo eine Wesse., ohne daß sich ein Feind blicken ließ, bis endlich die Büchsenschüsse aus den Hinterhalten der Rebellen den Kampf begannen.

Nun begann die badische Artillerie die Barrikaden zu be­schießen. Nach 5060 Schüssen waren dieselben gesprengt und General Hoffmann kommandirte zuck Sturm. Voran rückte ein halbes Bataillon Badener, dann ein halbes Bataillon Nassauer.

An den Barrikaden wurde ein Pelotonfeuer in die Straßen gegeben und mit gefälltem Basonnett durch dieselben eingedrun­gen. Bei dieser Gelegenheit war es, wo die Nassauer (die Kompagnie des Hauptmann von Holbach) 2 Kanonen und 2 Fahnen nahmen.

Die Aufrührer, ungefähr 400 Mann stark, zeigten sich mit in Fenstern und anderem Versteck und richteten von da ihre Büchsen auf die andringenden Truppen. Aus den Kanonen thaten sie nur fünf bis sechs Schüsse mit Kartätschen und ge­hacktem Blei.

Während die Nassauer und Badener auf der Einen Seite eindrangen, gelang es der andern Abtheilnng badischer Trup­pen und den Hessin, gleichfalls auch auf der andern Seite einzubrechen. Gegen halb 1 Uhr war das Militär im Besitze der ganzen Stadt. Die Rebellen flohen durch'ö Pfaffenthor hinaus.

Vor dem Rathhause wurden 4050 von den Freischär­lern gefangen, an 20 sind niedergestochen worden.

Die Nassauer haben nur einige Verwundete. Von den Hessen sollen 3 geblieben, 4 verwundet, von den Badenern 3 schwer und 4 leicht verwundet seyn. Sämmtliche Truppen sollen sich mit einer Auszeichnung gehalten haben, welche selbst alte Militärs zur Bewunderung hinriß. Ueber die Tapferkeit der Nassauer wie der Andern scheint nur Eine Stimme zu herrschen.

Aus Schleswig-Holstein.

Rendsburg, 20. April. (W.«Z.) Am heutigen Tage hat ein ziemlich hitziges Vorpostengefecht auf dem rechten Flügel

unserer Stellung stattgefunden. (S. das heutige Hauptblatt.) Die Dänen waren gegen 8001000 Mann stark (andere wohl übertriebene Angaben sprechen von 2000) von Eckernförde früh­zeitig aufgebrochen, wahrscheinlich um sich durch eine Ueberrum- pelung der Unsrigen für die vor einigen Tagen von diesen aus- geführte Aufhebung eines Postens dänischer Dragoner zu rächen. Sie trafen indeß in der Gegend von Altendorf auf das von dem (bayrischen) Major v. d. Tann befehligte Freikorps, welches auf seiner Hut gewesen war. Alsbald entspann sich ein lebhaf­tes Gefecht. Eine der ersten Kugeln traf den Major v. d. Tann in den Leib, doch konnte er noch eine Zeitlang zu Pferde das Kommando fortführen. Der Graf Eltz, sein Adjutant, früher in österreichischen Diensten, erst vor einigen Tagen hier eingetroffen und dem Tann'schen Korps zugetheilt, erhielt einen Schuß in die Brust; doch werden beide Verwundungen nicht sehr gefährlich gehalten.

Anfangs zurückgeworfen, drangen die Unsrigen, sobald sich eine einigermaßen hinreichende Anzahl gesammelt hatte, es sind von unserer Seite gegen 500 im Gefecht gewesen, wie­der vor und so wogte der Kampf gegen 6 Stunden hin und her. Von dänischer Seite focht reguläres Militär und Freischaa- ren, von unserer nur Freischaaren. Endlich machten die Unsri­gen durch einen Bajonnettenangriff der Sache ein Ende ein um so kühneres Manövre, als nur ein Theil mit Bajonnetten versehen war. Der Feind ward bis unter die Kanonen seiner Schiffe zurückgeworfen. Die Berliner Freiwilligen, die Kölner und Hamburger, sowie ein Theil der Kieler Turner theilen die Ehre des Tags. Unsere Freikorps haben sich wieder trotz den besten Regulären geschlagen. Während unser Verlust zu 21 Todten und 50 Verwundeten angegeben wird, so ist der Verlust auf dänischer Seite, obschon begreiflicherweise nicht genau anzu­geben, doch viel größer. Madame Luise Aston, welche das Berliner Freikorps hierher begleitet hat, widmet den Verwunde­ten ihre Pflege.

Rendsburg, 21. April. (W.--Z.) Endlich geht's vor­wärts ! und das haben wir dem tapfern Herzoge von Braun­schweig zu danken. Derselbe hat auf seine dringende Vorstellung beim Könige von Preußen endlich zur Antwort erhalten : . Sie nutzlosen Vermittelungs-Versuche sollten nunmehr aufhören und die Gewalt der Waffen entscheiden.

Mittags. Eine Estafette bringt die Nachricht, daß die Dänen Husum besetzt und gen Friedrichstadt an der Eider ziehen. Das Gerücht, daß die Feinde die Eider überschritten, hat sich nicht bestätigt. Heute Morgen hörten wir Kanonendonner von der Eckernförder Seite her.

Nachmittags 2 Uhr. So eben erläßt die Kommandant- schaft den Befehl, daß um sechs Uhr sämmtliche Wachen durch Bürgergarden abgelöst werden sollen. Die preußischen Garde- regimenter, welche gegenwärtig die Wachen besetzt haben, werden demnach ausrücken sollen.

DerAlt. Merkur" schreibt aus Kiel, vom 21. April: Die provisorische Negierung hat heute Berichte aus London empfangen, nach denen das dortige Kabinet die Schritte des Bundestages wegen Schleswigs noch nicht als einen Krieg ge­gen Dänemark betrachtet und solchem nach wenigstens vorläusig sich neutral verhalten wolle." Die Andeutungen der dänischen Blätter vom 19. scheinen damit übereinzustimmen.

Am 22. Morgens sind die beiden preußischen Regimenter Kaiser Franz und Alexander aus Rendsburg ausmarschirt. Wie man glaubt, wird der Angriff von Friedrichstadt aus erfolgen, da die jetzige Position der Dänen durch Torfmoore und das alte Dannewerke so gedeckt ist, daß man den Angriff von der Fronte wohl nicht versuchen wird.

Der provisorischen Regierung ist folgendes Schreiben zugc- gangen:Der hohen, lieben provisorischen Regierung senden wir hierbei unsern Gold- und Silberschmuck zur freien Verfügung. Liebe zu Gott und zum Vaterlande sey hinfort unser Schmuck. Brunsbüttel, den 18. April 1848. Einige Brunsbüttler Jung­frauen." Die übersandten Gegenstände sind: 12 Nmge, 3 Tuchnadeln, 1 Collier, 2 Strickemi, 6 Strickhakcn, 1 Rah- ring , 2 Medaillen.