sich nichts. Vor bet Hand müsse Guizot noch am Ruder bleiben, und man müsse ihn blos verhindern, sich den Continental- Mächten zu nähern. Zu diesem Zwecke müsse die Kammer ihm die Politik aufbringen, die er nach Außen zu befolgen habe; barum werde er (Thiers) in der italienischen und Schweizer- Frage die Tribune besteigen und Guizot nach allen Kräften bekämpfen.
Paris, 21. April. (Köln. Z.) Eine Festlichkeit von wahrhaft foloqalcr Proportion, die leider nicht sehr vom Wetter begünstigt worden ist, hat gestern hier Statt gesunden. Die Nationalgarde von Paris und der Banlieur, so wie die Garde mobile erhielten ihre Fahnen und fraternisirten mit den Truppen. Um 7 Uhr des Morgens fing die Aufstellung dieser verschiedenen Korps an, welche vom Carre Marigny bis zur Bastille und längs den beiden Quais der Seine vertheilt waren. Auf einer Estrade, die am Arc de létoile errichtet war befanden sich die provisorische Regierung und Deputationen des Staatsrathes, des Kaffationshofes, aller Militär- und Zivil- Verwaltungen u. s. w. Ihnen gegenüber waren die Kolonels der verschiedenen Legionen, der Armee-Abtheilungen, die Ba- taillons-Ehefs der Garde mobile mit ihren resp. Fahnenträgern versammelt. Um 10 Uhr fing die Austbeilung der Fahnen an, wohei Arago dem Kolonel der 12. Legion, Barbös, eine kurze Anrede hielt, auf welche aus dem Munde Tausender der begeisterte Ruf: vive la re'publique! vive la ligne! zur Antwort erscholl. Run begannen die Legionen, welche jede einen Theil der Linientruppen unter sich hatten, vor der provisorischen Legierung vorbei zu defiliren, und bei dieser unabsehbaren Masse, welche von Einigen auf nahe an 400,000 Mann geschätzt wird, konnte die Bewegung natürlich nur sehr langsam vor sich gehen. So geschah es denn, daß diese revue monsire erst um 10 Uhr Abends, also nach zwölf Stunden beendigt war, und da die Nationalgarde bereits um 7 Uhr des Morgens ihren Dienst begonnen hatte, so war sie fünfzehn Stunden unter den Waffen. Aber weder das schlechte Wetter, noch der entsetzlichste Koth, noch die große Anstrengung waren im Stande gewesen, die von Patriotismus begeisterten Gemüther herabzustimmen und die gedrängten Reihen zu lichten, und als die Legion, zu welcher ich gehöre, um 9 Uhr Abends am Arc de letoile anlangte, welcher um 9 Uhr des Morgens am entgegengesetzten Ende von Paris aufgestellt gewesen war, hatte weder ihr Enthusiasmus noch ihre Zahl irgend abgenommen. Abends war die Stadt glänzend erleuchtet, alle Cases und Restaurants gedrängt voll und überall frohe Gesichter. Heute herrscht gränzenlose Müdigkeit, an welcher auch ich meinen rechtschaffenen Theil habe und mit welcher Sie die Kürze meines Berichtes entschuldigen mögen.
— Aus dem Pont Neuf deklamirte vorgestern Abend ein wohlgekleideter Mann zu Gunsten des Kommunismus. Aus der ihn schnell umgebenden Volksmasse erscholl sofort der einstimmige Ruf: „In die Seine! Werfet ihn in's Wasser!" Schon schwebte er, von zahllosen Armen gepackt, über der Tiefe, als das Zureden von Bürgern ihn noch rettete. Er wurde nach der Polizeipräsektur gebracht.
In Algier ist der mit Organisirung Algeriens in drei Departements beauftragte Generalkommiffär Gouvut angelangt; General Cavaignac führt fortan blos den militärischen Oberbefehl. Die Ausstandsversuche einiger Stämme wurden rasch unterdrückt.
I t a l i e n.
Aus Venedig. (Allg. Z.) Die kleine, aber heldenmü- thige Besatzung von 16 Mann vom Infanterieregiment Kinsky, welche den Pulverthurm zu San Spirito in der Festung von Venedig noch immer besetzt hält, hat auf die Aufforderung zur Uebergabe erklärt: bei dem ersten Angriff, oder wenn man sie durch Hunger zur Uebergabe zwingen wollte, den Pulverthurm in, die Luft zu sprengen. Dieser heldenmüthige Entschluß zwingt nun den Feind selbst diese wackern Männer täglich mit Lebensmitteln gehörig zu versehen. Zur größern Vorsicht lassen sie aber denjenigen, welcher ihnen die Speisen bringt, jederzeit früher davon kosten. Nach dieser kleinen Besatzung zu urtheilen hätte die Garnison von Venedig, unter einem würdigeren Kommandanten, keine schimpfliche Kapitulation einzugehen gebraucht.
Die jüngsten Nachrichten aus Verona bestätigen die Vereinigung des ersten und zweiten Armeekorps daselbst, in der besten Verfassung nach allen Seiten zu operiren. Mantua war auf 4 Monate mit Lebensmitteln versehen; das „Schwert Italiens" stand mit seinem Hauptquartier in Volta, der rechte Flügel in Goito, der linke in Valezio und Viechill in vollkommener Unentschlossenheit zu weiteren Angriffen. Einige Streifkorps von
Verantwortlicher Redakteur: W. H. Niehl. — Druck und Verlag
Gesindel jeder Art, die sich aber den Namen von Brigaden unter den Führern Manara und Arcino gaben, deckten in den Gebirgen von Salo bis Tione das königliche Heer durch räuberische Einfälle in die Judicarien und vom Gardasee aus. Eine Kolonne von einigen tausend Mann war von Verona und Leg- nago ausgegangen, um einige Schwärme sogenannter Papalini auseinander zu jagen, welche sich in der Gegend von Este plündernd uno verheerend herumtrieben, ein nicht ganz probates Mittel, Proselyten zu machen.
G e f f e n t 1 i ch e D e k a n n t m a ch u n g.
II.
Die 5 Kompagnien des 1. Bataillons vom 1. Regiment sind am 23ten Nachmittags 12% Uhr in Mannheim eingerückt. Das 1. Bataillon des 2. Regiments ist darauf Nachmittags 2% Uhr nach Offenburg abmarschirt.
Eine weitere Kompagnie des 2. Regiments ist demselben nach Heidelberg gefolgt. Die Mannschaft des 1. Regiments sowie die des zweiten ist in den verschiedenen Kasernen zu Mannheim einquartirt. Die Artillerie liegt im dortigen Schloß.
Das Gerücht, als fraternisirten die Soldaten des 2. Regiments mit dortigen Unruhestiftern, und hätten die ganze Nacht mit ihnen gezecht, entbehrt allen Grundes. Sämmtliche Mannschaft verläßt nach Zapfenstreich die Kasernen nicht mehr. Ein Soldat, Unkelbach von der 8. Kompagnie, stieß aufrührerisches Geschrei aus; seine eigenen Kameraden verlangten, daß er aus ihren Reihen entfernt werde, weil er gezeigt habe, daß ihm der Eid, welchen er zur Aufrechthaltung der Verfassung geleistet, und die Ehre des Regiments nicht mehr heilig sey. EL ist unter Eskorte an das hiesige General-Kommando abgeliefert worden.
So eben — Nachmittags 4 Uhr — läuft noch die Nachricht ein, daß das 1. Bataillon des 2. Regiments die Freischaa- ren, welche Freiburg und die Höhen um die Stadt besetzt hatten, verjagt oder entwaffnet haben. Unsere Truppen haben dem Feind zwei Kanonen abgenommen und den alten Ruf der Nassauer auf das Beste bewährt. Die Einzelheiten des Gefechts sind noch nicht bekannt; von unseren Truppen sollen jedoch nur wenige leicht verwundet seyn.
Wiesbaden den 25. April 1848.
Herzoglich Nassauisches Staatsministerium, gez. Hergenhahn.
Nachschrift
i Weilburg, 25. April. Bei der Wahl für das Parlament erhielt Konrektor Schulz 547 Stimmen, M. von Gagcrn 25, Habel 72, Neallehrer Schübler und Justizrath Reichmann 1 Stimme.
Der offizielle Bericht des badischen Ministeriums über das Treffen bei Freiburg lautet folgendermaßen: „Karlsruhe, 24. April 1848. Gestern Nachmittag zwischen 3 uab-4 Uhr, als die Truppen unter dem Kommando des Generals Hoffmann in die Stadt Freiburg einrücken wollten, kam der Zug der Ausrührer, der sich bei Todtnau gesammelt hatte, bei Güntersthal vom Gebirge herab, worauf die Truppen sich gegen dieselben wendeten. Von 4 Uhr bis nach 7 Uhr wurde gefeuert. Die Rebellen zerstreuten sich fliehend, worauf die Truppen sich in die nahe liegenden Orte begaben und heute früh gegen die Stadt Freiburg rückten.
Die Thore waren mit Barrikaden verrammelt. An den Eingängen der Stadt hatte von 9 Uhr an ein Kleingewehrfeuer Statt, und zugleich wurde die Stadt mit Kanonen beschossen. Um 11% Uhr drangen die Truppen über die Barrikaden in die Stadt, die darin befindlichen Rebellen flüchteten sich. Die Stadt ist jetzt im Besitze der Truppen und Alles ist ganz ruhig. Bekk."
* Die neuesten Nachrichten aus Schleswig-Holstein lauten dahin, daß durch die Bemühungen des Herzogs von Braunschweig dem Zaudern ein Ende gemacht ist, und der König von Preußen erklärt hat, daß statt der Vermittelungs- versuche sofort die Gewalt der Waffen entscheiden solle. Das preußische Garderegiment rückt bereits aus Rendsburg aus. Näheres in der Beilage.
45] Es können mehrere Gymnasiasten Kost und Logis haben Langgasse No. 38.
der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.