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Nassauische

Allgemeine Zeitung.

^N 26 Donnerstag den 27. April L8L8.

Die Nass. Allg. Zeitung mit ihrem belletristischen Beiblatt erscheint täglich. Der vierteljährige Pränumerationspreis ist in Wiesbaden 8 fL, für den Umfang des HerzogthumS Nassau, des GroßherzoqthumS und Knrfürstenthums Hessen, der Landgraffchast Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt S fl. 30 fr., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und TariSscheu Verwaltungsgebietes Ä fl. 40 kr. Inserate werden die drei- spaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellenberg' sehen Hos-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

Uebersicht.

Das Oberhaupt des deutschen Reichs.

Organisation der Arbeit.

Deutschland. Wiesbaden (Wahl fürs Parlament. Die Regierung und die Geistlichen). Mainz (Die konstitutionelle Partei). Frank­furt (Der Fünfzigerausschuß über General Gagern). Heid clberg (Unruhen). Freiburg (Schreckensherrschaft der Freischaaren.) Berlin (Die Polensache). Hannover (Maßregeln in Betreff Hil­desheims). Königsberg (Die russische Geldausfuhr). Rends­burg (Heftiges Gefecht).

Frankreich. Paris (Das Fest. Korrespondenz mit Guizot. Die Kom­munisten. Algier).

Italien. Venedig (Heldenmüthige Vertheidigung). Verona (Offf- zieller Kriegsbericht).

st Das Oberhaupt des deutschen Neichs

Die Frage, ob Deutschland sich eine republikanische oder monarchisch-konstitutionelle Berfassung geben werde, scheint ent­schieden zu seyn; wir werden unsere Staaten so einrichten, daß dem Volkswillen der weiteste Einfluß gestattet, der Macht der Fürsten aber, sowie dem Kitzel ehrgeiziger Demagogen gebüh­rende Schranken gesetzt werden. Die Freiheit des Einzelnen wird in unsern Verfassungen gesicherter seyn, als irgendwo in Europa. Das ist unsere Hoffnung und unsere Zuversicht. Ge­theilter sind bis jetzt noch die Ansichten über die Einrichtung des deutschen Staatenbundes selbst. Einige wollen Eine Volks­kammer und wollen die ausführende Gewalt in die Hände eines Präsidenten mit verantwortlichen Ministern legen; andere wollen Zwei Kammern, deren eine aus den Abge­ordneten des Volkes, die andere aus denen der Regierungen gebildet werde; sie wollen weiter die ausführende Gewalt ent­weder einem wählbaren, oder zwischen den wichtigsten Staaten, Preußen, Oesterreich und Bayern wechselnden Reichsoberhaupte aus der Reihe der Fürsten, oder endlich einem erblichen. Kaiser übertragen. Prüfen wir die verschiedenen Ansichten und sehen wir dabei, wie am sichersten die Einheit und Festigkeit des Reichs erreicht und gewahrt werden könne.

Was nun zunächst die Meinung derjenigen betrifft, die nach dem Vorbilde Nordamerika's einen aus dem Volke gewählten Präsidenten an die Spitze zu stellen beabsichtigen, so möchten wir diesen erwiedern, daß nordamerikanische Verhältnisse sich kaum mit den unserigen vergleichen lassen. Wir sind von mäch­tigen Nachbaren bedroht, denen gegenüber ein festes Regiment nothwendig ist; Einheit und Festigtest läßt sich aber nicht erreichen da, wo volkreiche Staaten der Leitung eines selbst machtlosen Namens leicht sich entziehen können. Die Begeisterung, welche jetzt für ein großes, einiges Deutschland schwärmt, sic wird nach dem natürlichen Gange der Dinge sich abkühlen und ein Streben nach Selbständigkeit in einzelne» Staaten erwachen und sich geltend machen. Wir bedürfen zum Schutze unserer Freiheit einer Verfassung, in der die monarchisch-konstitutionellen Einrichtungen der einzelnen Staaten sich im Großen wiederholen ; ganz Deutschland muß eine Monarchie werden, in welcher die

drei Stâatsgewalten, die Volkskammer, die Regierung und der Fürst mit dem ihnen zustehenden Theile der Gewalt ausgerüstet sind. Das ist wohl die Absicht des bei Weitem größten Theiles aller Deutschen und die Verschiedenheit der Ansichten macht sich uns in Bezug auf das Oberhaupt geltend. Wir möchten jedoch denen, die ein Wahl re ich fordern, zu bedenken geben, was die Geschichte über diese Einrichtungen lehrt. Sie lehrt, daß Deutschland an der Errichtung eines wählbaren Oberhauptes zu Grunde gegangen ist und daß Polen sein Schicksal und die gräßliche Unterdrückung der Nationalität den unseligen Zwistigkeiten verdankt, durch welche es als Wahl­reich zerriffen wurde. Diejenigen aber, welche einen Wechsel der obersten Gewalt begehren, so daß jedesmal einer der drei mächtigsten Fürsten fünf Jahre Reichsoberhaupt sey , sie vergessen es, wie dadurch die Kraft gelähmt und durchgreifende Maßregeln unmöglich gemacht werden. Mitten in der Ausführung einer vom Bunde beschlossenen Sache kann gerade der Zeitpunkt des Regierungswechsels eintreten und die Leitung aus einer erfahrenen Hand in eine unerfahrene gelegt werden müssen. Der Wechsel des Oberhauptes scheint uns zudem das sicherste Mittel, Alles auf die lange Bank zu schieben und nichts zu beendigen, das Unangenehme überläßt man gern dem Nachfolger.

Wir sind für eine erbliche Monarchie, und wenn die Ber- 'iuer Ereignisse nicht so frisch im Andenken wären, würden noch gar Viele diese Ansicht mit uns theilen, die jetzt aus einer ge­wissen Abneigung gegen Preußen in andern Einrichtungen das Heil für Deutschland suchen. Denn das fühlen sie wohl, daß nur der preußische Staat die geistige und physische Kraft besitzt, die nöthig ist, um an der Spitze Deutschlands sich behaupten zu können. Die verschiedenen ächt deutschen Volksstämme, welche dort zu keinem Ganzen vereinigt sind, sie zeigen rbensoviele Züge und Seiten des Nationalcharakters, und sind schon darum geeigneter, den Strom deutschen Lebens und deutscher Gesinnung barzustellen, als der einzige Staat, der sonst noch in Betracht kommen dürfte, Oesterreich. Rechnen wir dazu noch die augen­blickliche Lage beider Staaten, so wird sich die Wagschaale entschieden zu Gunsten Preußens neigen; Oesterreich, im höchsten Grade ohnmächtig und kaum im Stande, mit seinen 11 Millionen deutschredenden Unterthanen seine Grenzen zu be­haupten, Preußen mit seinen 14 Millionen deutschen Einwoh­nern , mit schlagfertigen Heeren gegen Rußland und Frankreich gerüstet, in Schleswig im Kampfe für unsere Bluts- und Stamm­verwandten, hat soeben in Polen den ernsten Willen gezeigt, frühere Sünden wieder gut zu machen. Preußen will das Wohl Deutschlands und ist jetzt allein im Stande, den um die Erhal­tung des Vaterlandes besorgten Gemüthern Vertrauen cinzuflö- ßen. Diese Ueberzeugung wird und muß durchdringen selbst gegen die philisterhafte Beschränktheit derjenigen, die wie unsere Nachbarn in Baden, diefremden Truppen" aus Württemberg und Bayern nicht in's Land hincinlaffen wollten» Ja, wir glau­ben das in Aussicht genommene Auskunftsmittel, einstweilen einen Reichsverweser zu ernennen, beruht blos auf der Gewißheit, daß die Leitung der deutschen Angelegenheiten in die Hände des preu­ßischen Staates gelegt werden muß, und daß man dieser Nothwen­digkeit, um die aufgeregten Gemüther der süddeutschen Bevölkerung zu schonen, einstweilen noch aus dem Wege gehen will. Wir hoffen aber, die preußischen Abgeordneten werden durch Energie, durch unerschütterliche Hingebung an die Sache des deutschen Volkes, durch Einsicht und offenen, geraden Sinn den zur konstituirenden