° i -<s*tB .fieiTenzAnmbiirn und her freien Stakt
ich spring' auf, lauf' und freu' mich — und sing' und sing' und weiß nicht woher cs kommt, wie es kommt. Die Worte kommen wie von selbst.--Jetzt kann ich keinen Reim finden. Ach, in der Brust sind so viel Lieder — aber — aber sagen kann ich sie nicht: — und die ich sage — taugen nichts. — Kann Dir kein Lied machen — bin krank."
„Sage lieber faul," fiel Käthe ein. „Das Mädchen be- daure ich, das Dich zum Mann bekömmt. Und hätt' ich's nicht der Mutter wegen gethan, wahrlich ich hätt' Dich nicht her zur Arbeit angenommen. Und die Herrschaft wird's mir auch nicht danken, daß ich ihr solch faulen Gauch angenommen, den Garten zu reinigen."
„Käthe! sollen Dich nicht schelten," fiel gutmüthig Franz ein — „ich mach's besser als alle Andere — ich thu's gern." Das Mädchen vermochte nicht zu antworten, denn die Frau, Helene, trat so eben hinter den Büschen vor und schnitt auf diese Weise den Faden des Gespräches ab.
Helene gab der Käthe Beschäftigung im Hause. Franz arbeitete emsig. Die junge Frau ging ruhig auf und ab, sie schaute nach den Blumen und freute sich der über Nacht empor- geschossenen. Plötzlich jedoch blieb sie vor dem arbeitenden Franz stehen und den Rosenstock haltend, den er im Begriff war fest zu binden, sagte sie: „Franz! Ich hör' Du kannst hübsche Liedchen machen." Der Bursch ward glühend roth, er bückte sich tief und blieb die Antwort schuldig.
„Run, nun," lächelte Helene, „brauchst nicht verlegen zu werden; ich weiß es längst. Die Mädchen erzählen es sich unter einander und theilen sich wohl die Lieder mit. Haft Du schon viel Lieder gemacht?"
„Nein, nein!" rief Franz; „möcht's aber gern."
„Machst auch den Reimschmied bei Hochzeiten und Kindtaufen."
„Ja, ja, thu's aber nicht gern — that's nie gern — und jetzt kann ich's gar nicht."
„Und warum kannst Du es jetzt nicht?"
Der Bursch ward bei dieser Frage wieder glühend roth, er schaute verlegen und doch verwundert der jungen Frau in das ruhig schöne Antlitz, endlich sagte er: „Ich kann's nicht!"
„Der Käthe hast Du die Bitte abgeschlagen?"
„Ja — ich kann's nicht — jetzt nicht!"
„Und würdest Du mir eine gleiche Bitte abschlagen? Ich will natürlich kein Hochzeitslied — nur ein Lied von Dir."
Franz zitterte, er zertrat eine Blüthe — und ward durch dieses Mißgeschick nur noch verlegener — endlich sagte er: „Sie lachen mich aus!"
„Ich, Franz? ich?" rief Helene erstaunt — „gewiß das thu' ich nicht. Ein Lied zu machen ist eine gar schöne Kunst, die ich hoch achte."
„Ach ja," fiel freudig Franz 'ein. „Und die so glücklich macht."
„Glücklich? " rief Helene erstaunt. „Du wirst verspottet,
verhöhnt ob Deiner Lieder, wenn man Dich nicht braucht — und ist Dir ein Lied gelungen, nennt man Dich doch einen Tagedieb."
„Das mögen sie immerhin," sagte Franz zutraulich. „Ich bin doch glücklich, ach so recht glücklich, wenn's aus der Brust so tönt, wie ich's mir gedacht. Freilich, freilich wenn's hier in der Brust so still, so krank ist; kein Wort heraus kommt; dann ist gar trübe Zeit."
„Dann mußt Du an einen Freund Dich wenden," warf Helene dazwischen.
Franz schüttelte das Haupt. „Ich habe keinen Freund," sagte er wehmüthig, „ich bin immer allein. Der Georg, des Nachbars Sohn, der war lahm, der konnte nicht mit hinaus mit den.Andern, mit dem saß ich oft zusammen, dem sagte ich, was ich dachte — und er erzählte mir dafür Mâhrchen, die er von der Mutter vernommen. Der Georg ist längst todt — nun bin ich allein."
„So will ich Deine Freundin seyn," sagte Helene gerührt, und reichte dem Burschen die Hand. „Bring' mir Deine Lieder. — Aber — aber steh' mir nicht wieder am Fenster, wenn ich singe — und jetzt arbeite nur. Ade Franz." Und schnell, ohne eine Antwort abzuwarten, eilte sie den Weg hinauf — und verließ den Garten. Andern Tages früh, als Helene ihr Fenster öffnete, lag draußen auf dem Sims ein Strauß Feldblumen, und unter demselben lagen ein paar Blättchen Papier. Es waren die Lieder des Franz; unbeholfen, fehlerhaft aufgeschrieben, aber voll von tiefem Gefühl und unverkennbaren Spuren dichterischer Weihe.
Helene fühlte sich angenehm überrascht. Unwillkürlich griff sie nach dem ersten Blatt und las:
Der Schlaf der heilt den Schnier; mir nicht,
Der Tag gibt keine Nnh';
Zn dem, was in mir Lutte spricht
Find' ich kein' Warte zu.
Die Sonne scheint so hell und klar
Und macht eS doch nicht offenbar:
Was in mir brennt so heiß —
Und doch Niemand nicht weiß.
Die Blümelein, die Vögelein
Sind froh wohin ich schau';
Die wärmt bei Tage Sonnenschein,
Die kühlt der Morgenthau.
Das Federlein wiegt sich im Wind,
Die Thränen die Verräther sind,
Was in mir brennt so heiß —
Und doch Niemand nicht weiß.
(Fortsetzung folgt.)
^ Ueber Arbeitsnachweisungsanstaltett
In einer Zeit, wo in Folge der großen Geschâftsstockung gar Viele, welche von ihrer Händearbeit leben müssen, Mangel leiden, erscheint es passend, alle jene Anstalten öffentlich zu be^