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und Nivellirung beginnen. Sollte diese Bahn vollendet werden, ehe eine Bahn über den Westerwald, diagonal durch das Herzog- thum, in Angriff genommen ist, dann würde unser Land mit seinen industriellen Interessen abermals in eine Ecke geschoben. Im günstigsten Falle würde Siegen der Hauptmarkt für unsern Westerwald werden, statt daß es Limburg oder eine andere un­serer Städte seyn sollte; im schlimmeren Falle aber, d. h. wenn die inneren Verbindungswege des Westerwaldes in ihrem trau­rigen Zustande verbleiben und die dortige Industrie nach wie vor so gut wie gar keinen Markt hat, wird auch für die Zukunft alle Hoffnung eines großartigen gewerblichen Aufschwunges schwinden, denn wenn der Verkehr einmal einen bestimmten Weg eingeschlagen hat, dann ist nichts schwerer, als ihn wieder auf einen neuen zu leiten.

DieDarmstädter Ztg." widerlegt die in der Nass. A. Z. mitgetheilte Nachricht vom Desertiren mehrer hessischen Soldaten mit einem Unteroffizier. Im Gegentheil haben sich die hessischen Soldaten sammt und sonders äußerst musterhaft gehalten, vollkommen ihres alten Ruhmes würdig.

Dresden, 20. April. (Deutsche Allg. Ztg.) Durch Be­kanntmachung vom 10. April wird die Versammlung der Stände des Königreichs Sachsen auf den 18. Mai zu einem außerordentlichen Landtage nach Dresden einberufen.

* Auch wieder ein Stück vom alten Zopf! Die sächsischen Minister haben dieser Tage wieder den Religionseid ge­schworen, d. h. den Eid,daß sie die reine lutherische Lehre schützen und aufrecht erhalten wollen". Was hat dieser Eid, der an's 17. Jahrhundert gemahnt, fttzt noch für einen Sinn? Was hat es überhaupt für einen Sinn, daß man einen Mini­ster irgend einen Religionöeid schwören läßt? Sind wir denn immer noch nicht über die verderbliche Ansicht hinaus, daß der Staat die Kirche schützen müsse? Im Evangelium steht geschrieben: Gebet dem Kaiser, was des Kaisers und Gott, was Gottes ist, d. h. auf deutsch: Lasset die Minister keine Reli­gionseide mehr schwören!

Aus Baden. Der einstweiligeKommandant der badischen und hessischen Truppen, Oberst v. Hinkeldey berichtet an das badische Kriegsministerium Folgendes über den Tod des General V. Gagern:

Um 4 Uhr Morgens sind wir 3 Bataillone, Cronebold, Lebrun und Klock, 3 Schwadronen, 4 Fuß - und 2 reitende Geschütze gegen Kandern aufgebrochen, woselbst nach sicherer Nachricht die Hecker'sche Schaar die Nacht zugebracht hatte. Vor Kandern trafen wir die Vorposten derselben. Der Re- gierungSrath Stephani begab sich mit einem Trompeter vor, um zur Niederlegung der Waffen aufzufordern. Es wurde verweigert, darauf rückten die Sturmkolonnen gegen die Ein­gänge des Ortes und nahmen solchen, ohne daß ein Schuß fiel. Durch rasches Verfolgen erreichte unsere Spitze ihre Nachhut hinter Kandern, wo Generallieutenant v. Gagern den Führer derselben, Hecker vorrufen ließ und diesen erneuert zur Niederlegung der Waffen und Aufgeben ihrer Unternehmung aufforderte. Aber vergebens, sie beharrten dabei. Es fiel kein Schuß; wir folgten in das Gebirg, wo sie auf der Scheideck, einem Passe, die 2 Kanonen aufstellten und rechts und links in einspringendem Winkel in dichter Reihe sich anschloffen. Es mögen/ wie allgemein bestätigt wird, 1200 Männ gewesen seyn.

Wir rückten ruhig voran, Generallieutenant von Gagern an der Spitze. Die Aufrührer riefen den General vor, der sogleich voranging und erneut zum Aufgeber ihres Unterneh­mens mit energischer Sprache aufforderte. Sie begrüßten uns mit dem Geschrei:Kommt Brüder, deutsche Brüder, zur Frei­heit rc., kommt Brüder!" und näherten sich immer mehr der Vorhut, diese auffordernd.

Generallieutenant v. Gagern zog sich ein paar Schritte zurück und bestieg das Pferd, doch in diesem Augenblick erfolgte aus den, 15 Schritte vorstehendem 2 klei­nen Kanonen und hunderten von Gewehren auf diese nahe Entfernung eineSalve, welche die Vorder­sten niederschmetterte' und augenblicklich die Anrückcnden zurück­drängte; doch alsbald gingen diese mit dem Bajonnett vor und warfen die Aufrührerischen zurück; das darauf von den Plänklern eröffnete Gefecht brachte dem Feinde viel größeren Verlust bei, als wir erlitten.

Bei der ersten Salve war General v. Gagern, von drei Kugeln getroffen, gefallen, worauf ich alsbald das Kommando übernahm.

St. Blasien, 21. April. (Karlsr. Z.) Von Kandern her, wo ein Treffen stattgefunden hat, sieht man Flüchtlinge hier durchkom- men. Gleichzeitig wird übrigens versichert, daß aus dem Seekreise

herüber neuer Zuzug unterwegs sey. Die Plünderung im Pfarr­hofe zu Urberg wurde mit Unrecht einer Abtheilung der Schaaren Heckers zugeschrieben, der vielmehr möglichst strenge Mannszucht hielt. Es war eine Zusammenrottung anderer Art, wie es scheint, von zwei Fremden angeführt.

Von der Schweizer gränze, 21. April. Die republi­kanische Schilderhebung hat nun ihr Ende erreicht, und zwar ein klägliches. Nach allen Richtungen haben sich die Banden zer­streut, und wie wir vernehmen, hat Hecker im Laufe dieser Nacht sich auf schweizerischen Boden gefluchtet. Struve soll in Säckingen gefangen seyn. Einige hundert Freischaaren- männer, die auf ihr»r Flucht aargauisches Gebiet betreten hatten, sind entwaffnet worden. Hessische Truppen haben diesen Morgen Leopoldshöhe und die Schusterinsel besetzt, welche gestern Nacht von deutschen Arbeitern in Besitz genommen worden war. Etwa 240 Mann deutscher Freischaaren, die gestern in Großhüningen und Umgegend ankamen, sind diesen Morgen um halb 9 Uhr mit der Eisenbahn das Elsaß hinabgefahren. Ueber den Tod des Generals v. Gagern herrscht allgemeines Bedauern und große Entrüstung über die Urheber desselben. Das Militär na­mentlich ist ergrimmt darüber.

Rendsburg, 19. April. (Börs.-H.) Heute Morgen ist ein Scharmützel eines Theils des Rantzau'schen Freikorps mit einer Anzahl dänischer Dragoner im Dorfe Ascheffel, Amts Hütten vorgefallen. Der Wachtmeister der Dragoner, ein Deutscher, ward getödtet, ein anderer Dragoner verwundet und mit seinen vierzehn Kameraden, nebst siebenzehn Pferden, hier eingebracht. Einer unserer Freiwilligen ist verwundet. Diesen Nachmittag drangen 800 Dänen mit zwei Kanonen gegen unsere schwach besetzten Vorposten bei Sorgbrück vor, tödteten uns einen Mann, gingen indeß baldigst wieder zurück.

Breslau, 18. April. (Ztgh.) Der gestrige Abend war ein höchst betrübender. Eine Rotte Gesindel hat die Ruhe unserer Stadt, nur in der Absicht um zu rauben und zu plün­dern, gestört. Viele Läden sind demolirt, des Inhalts ihrer Schaufenster, auch des Innern beraubt. Die Bürgerwehr konnte ohne Munition nur schwachen Widerstand leisten, die Tumultuanten vertheidigten sich mit Steinwürfen, auch durch Schüsse. Später erwiderte die Bürgerwehr mit einzelnen Schüssen, so daß viele Verwundungen, auch eine Tödtung vor­gekommen ist. Die von den Tumultuanten Verwundeten und Gebliebenen sind nicht ermittelt. Um 11 Uhr mußte das Mili­tär requirirt werden, worauf. dann die Ruhe hergestellt wurde.

W t e n, 18. April. (A. Z.) Endlich. steigt das Barometer unserer Zeit: die Staatspapiere; der Abschluß der Bank mit der Finanzverwaltung bringt wieder einiges Vertrauen in die Lage der Dinge und zum neuen Finanzminister. Dieser ordnete die Sache nämlich so, daß mittelst Kontrolanweisungen 30 Millionen Gulden aus 2 8 Monate in Umlauf gesetzt wer­den, wofür Staatsgüter hypothekarisch verpfändet werden. Bei dieser Gelegenheit wurde noch ein Theil derunfundirten" Staatsschuld gedeckt.

Wien, 17. April. (A. Z.) Die Lage der österreichischen Armee in Italien wird immer bedenklicher. Sie verliert mit jedem Tag mehr an Boden, und die von allen Seiten vordrin­genden Freischaaren und Parteigängerhaufen haben offenbar die Absicht, sie ganz zu umwickeln und ihre Kommunikationen mit Oesterreich völlig abzuschneiden. Nach den Berichten, welche die Regierung heute vom Kriegsschauplätze veröffentlicht, haben die lombardisch-piemontesischen Freischaaren sogar gewagt, den Gar­dasee zu überschreiten.

Botzen, 19. April. (A. Z.) Die Einfälle welicher Frer- schaaren und Piemontesen in Judicarien, ihr Vordringen durch das Sulzthal, wo sie unverkennbare Sympathien fanden, und die Versuche, welche sie unternahmen, gegen Ulten und Kältern auszubrechen, haben in der Bevölkerung der Gerichte Lana, Me­ran und Paffeier, in Sarnthal und längs der Etsch bis an dre deutsch-tyrolische Grenze eine elektrische Wirkung hervorgebracht. Die Männer erheben sich allenthalben voll Ingrimm über dre Frechheit dieser Friedensstörer, der Ruf nach Waffen tönt von Berg und Thal.

Schweiz.

Basel, 22. April. (F. I.) Hecker hat die Nacht hier zugebracht, er ist aber angewiesen worden, sich wieder von hier wegzubegeben. Man sagt, auch Struve und Herwegh seyen gestern hier gewesen, um die deutschen Arbeiter zu einem Streiche zu verleiten.

Frankreich.

Paris, 20. April. (Köln. 3^3 Der Gold- und berpreis ist seit einigen Tagen merklich gewichen; ein Beivcio, daß das haare Geld all mähltg zuruckkehrt. -^