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nautischen Bildungs-Anstalten, keine kundigen Baumeister für Kriegs-Fahrzeuge und nichts von all' dem unübersehlichen Ap­parat, den eine Flotte erfordert. Wir werden selbst in Verle- genbekt darüber seyn, wo unsere Kriegshäfen anzulegen sind; denn diese müssen eine sichere feste Vage mit sehr tiefem Fahr- iv affet verbinden.

Es wäre daher sehr rathsam, vorerst den Anfang mit be- ivaffneten Handels-Dampfschiffen zu machen, die hierzu nicht schwer herzurichten sind und auch keinen so großen Tiefgang -haben. Auch sind diese Fahrzeuge in Deutschland, Holland, England und Nordamerika in hinreichender Zahl herbeizuschaffen und sie können in Friedenszeiten auch wieder friedlichen Zwecken dienen und es bedarf die Leitung eines Dampf­schiffes lange nicht den Aufwand seemännischer Geschicklichkeit, wie die eines Segelschiffes.

An Seeleuten fehlt es uns nicht, um einer Seemacht zweiten Ranges bald die Spitze bieten zu können; nur ist dafür zu sorgen, daß erfahrene Offiziere gewonnen werden.

Es muß jedem Vaterlandssreunde das Herz bluten., wenn er sieht, daß unser natürliches KüstenlandHolland," das von einem deutschen Stamme bewohnt ist und nur durch den Verkehr mit uns eristirt, Alles in sich vereinigt, mn_ unserer Weltstellung, unserem drängenden Bedürfnisse nach Seehandel zu seinem eignen größten Vortheile die breiteste Unterlage zu geben von seinem natürlichen Hinterlande, durch die ränke- volle, selbstsüchtige Politik unserer Feinde getrennt gehalten wor­den ist, und trotz der kaum mehr zu bemäntelnden Schwäche noch immer getrennt gehalten wird.

Wird Holland nicht einsehen, daß es nicht mehr länger seine bisherige blos geduldete Rolle fortspielen kann, daß es sich uns anschließen muß, oder daß es sonst verloren ist und uns dann sicher anheimfällt? Leben in Holland keine patriotischen Männer, die das Volk belehren, daß es einst zu uns gehört hat und daß es durch die Handels-Verbindung mit uns groß und mächtig geworden ist, daß es aber in Folge des Aufgebens des politischen Verbandes mit uns an den Rand des Verderbens gekommen ist und nur mit uns groß und mächtig werden kann? Holland muß unser werden, es gehe wie es wolle!

Grd.

Deutschland.

88 Vom Rhein, 23. April. ^Nirgends wird gegen­wärtig großartiger gelogen als ander Nord- und Südgrenze Deutschlands. Im Norden senden die Dänen ihre offiziellen Kriegsberichte aus, im Süden die deutschen Anarchisten. Beide scheinen sich gleicherweise die napoleonischen Bülletins zum Muster genommen zu haben. Die Art wie dasDeutsche Volksblatt", dieMannheimer Abendzeitung", dieMainzer- Zeitung" 2C. über dieArmee" Hecker's, dasHeer" Struve's und nun gar denSieg" bei Kandern berichten, gemahnen vollkommen an den Siegesbericht John Fallstaff's und an seine Erzählung von den zwölf steifleinen Kerlen. Und kommt nun der amtliche Bericht, der die republikanischen Nachrichten über das Gefecht bei Kandern widerlegt, dann sprechen jene Blätter gerade wieder wie Fallstaff, als ihn Prinz Heinrich Lügen straft:Gott o Gott, wie ist diese Welt dem Lügen ergeben!"

Durch den Tag von Kandern ist die moralische Macht der anarchistischen Partei entschieden gebrochen. Jetzt gilt es, auf der Wacht zu stehen, daß nicht die Reaktionsmänner das Erb theil jener Republik-Despoten aufnehmen und mit gün­stiger Benutzung des gegenwärtigen Augenblicks in ihrer Weise im Style HeckerS die wahrhaft Freisinnigen zu terrorisiren suchen!

*i* Von der Lahn, den 22. April. In Nr. 19 dieses Blattes wird von Wiesbaden über eine in Aussicht genommene Versammlung von evangelischen Geistlichen des Herzogthums zu Idstein in einer Weise gesprochen, welche die Forderungen der Zeit wenig zu begünstigen scheint. Diese Bemerkung macht hier Einer, der außer dem erwähnten Artikel von der besprochenen Versammlung gar nichts weiß, also keineswegs zu den Veran­lassern derselben gezählt werden kann, dem es darum auch völlig unbekannt ist, ob die Einladung von hochgestellten oder niedrig- gestellten, von liberalen oder hierarchisch gesinnten Geistlichen ausgeht, der nur im Allgemeinen seine Gedanken darüber hat, ob eine solche Versammlung an der Zeit wäre, oder nicht. Warum nicht? Eine Reform der evangel. Kirchenverfassung ist dringendes Bedürfniß; die Geistlichen fühlen das und wollen Hand an's Werk legen; das ist recht! Aber es ist zu früh; sie hätten warten sollen, bis die Regierung sie eingeladen und ihnen den neuen Verfassungsentwurs vorgelegt hätte! Ist es

aber zu verwundern, wenn sie vom Jahr 1818 bis zum Jahr 1848 des Wartens müde geworden sind? Ueberall, wo jetzt erst bisher zurückgehaltene Bewegungen im Geiste der Neuzeit hervortreten, ruft man:Es ist zu spät!" Nur für die evange­lischen Geistlichen Nassau's ist es auch jetzt noch zu früh!? Das Vertrauen des Volkes zu der evangelischen Geistlichkeit ist durch die bisherigen Verhältnisse leider vielfach geschwächt, und es wieder zu beleben und zu befestigen ist die schöne, wenn auch nicht leichte Aufgabe der Geistlichen in unserer Zeit. Werden sie aber Vertrauen gewinnen, wenn sie sich ganz ruhig verhalten und mit vielgeübter Geduld zuwarten , bis die Negierung der evangel. Kirche eine freie Verfassung gibt? Wird alsdann das Volk nicht mit Recht denken, den Geistlichen sey an der neuen Gestaltung des kirchlichen Lebens nicht gelegen, sie sähen sich nur genöthigt, die ihnen durch den Fortschritt der Zeit aufgedrungene Freiheit ebenso mit ehrerbietigem Danke aufzunehmen, wie die ihnen früher aufgedrungene Unfreiheit? Warum sollen die evangel. Geistlichen allem warten, bis die Regierung ihnen, oder vielleicht einigen unter ihnen, den Verfassungsentwurf vorle­gen wird? Sollen sie allein sich des freien Vereinigungsrechtes nicht bedienen? Ueberall im Lande werden Versammlungen ge­halten, um die Forderungen der Zeit zu berathen und der Regie­rung die Wege zur Erfüllung derselben anzubahnen ; es gibt keine Seite des politischen Lebens, zu deren Berücksichtigung nicht hier und da besondere Versammlungen gehalten werden; der achtbare Stand der Volksschullehrer halt kleine und große Versammlun­gen, um auszusprechen , was er von der neuen Ordnung der Dinge erwartet, und Niemand sagt ihnen allen, sie sollten fein warten, bis sie gefragt würden. Nur die Geistlichen hätten doch warten können! Sie würden vielleicht gewartet haben, wenn ihnen bekannt gemacht worden wäre, daß' die Regierung sie näch­stens berufen werde; aber das ist meines Wissens nicht geschehen. Und verräth es denn wirklich Mißachtung gegen die Regierung, wenn sich die Geistlichen versammeln, um über die Neugestaltung der Kirche zu berathen und die Resultate dieser Berathung der Regierung zur Berücksichtigung vorzulegen? Beweisen sie nicht dadurch gerade das rechte Vertrauen in die Regierung, das Ver- * trauen, daß sie den Gesammtwillen der Kirchenglieder ebensowohl wie den Gesammtwillen der Staatsbürger der neuen Organisa­tion zu Grund legen werde? Ist nicht dieser Verkehr freier Vereinigung mit der Regierung das beste Fundament zum Neu­bau des Vertrauens im Lande?

Ist also eine Einladung zu einer solchen Versammlung er­gangen, so liegt kein hinreichender Grund vor, dieselbe zuruazü- nehmen, und es ist alsdann nur nöthig, daß diese Einladung durch einen öffentlichen Aufruf (mit offenem Visir) an alle evan­gelische Geistlichen und an Alle im Lande, denen das Wohl der evangelischen Kirche am Herzen liegt, ergehe! Die geistliche Oberbehörde würde hierdurch im Geringsten nicht in ihren Pla­nen gestört, sondern vielmehr in der raschen Ausführung dersel­ben unterstützt werden. A. S.

5 Diez, 21. April. Hier werden fast jeden Abend Volksversammlungen zur Besprechung der Deputirtenwahlen ge­halten. So getheilt die Meinungen auch sind, so wird doch für Frankfurt wohl Schulz von Weilburg obsiegen, da er, außer in den Aemtern Weilburg und Runkel, auch im Amte Diez die meisten, und im Amte Limburg gewiß viele Stimmen erhal­ten dürfte. Im zweiten Wahlbezirke (Selters, Montabaur, Hadamar, Wallmerod) wird die Wahl, wie man jetzt fast mit Gewißheit annehmen kann, auf den Bischof Blum in Limburg fallen. Welche drei Deputirten aus dem sechsten Wahlbezirk in unsere Kammer kommen werden, läßt sich noch gar nicht be­stimmen. An Rührigkeit, die Personen zu bezeichnen, fehlt es indessen nicht. So sollen in Limburg an dieFrauen" Zettel mit 35 Namen darunter Blum, Diehl, Busch rc. ausgegeben worden seyn. In H., Amts Selters, ist von der Kanzel herab verkündet worden, die katholische Religion sey in Gefahr, und man müsse deshalb besonders katholische Geistliche in die Ständekammer wählen rc.

Gegen diese Versuche, Mißtrauen und Spaltungen hervor­zurufen, bildet das gute Einvernehmen zwischen dem hiesigen Militär und der Bürgergarde einen erfreulichen Gegensatz. Als unsere Truppen heute morgen abmarschirten, wurden sie von der Bürgergarde bis Limburg begleitet und ihnen zum Abschiede noch das herzlichste Lebehoch nachgerufen.

Vom Westerwald, 22. April. Wie wir aus guter Quelle vernehmen, wird trotz des traurigen Zustandes des Geld­marktes das Projekt einer Eisenbahn von Marburg nach Köln jetzt zur Ausführung kommen. Damit verknüpft wird dann eine Zweigbahn nach Siegen. Demnächst wird der Oberingenieur der kurhessischen Eisenbahnen bereits die Vermessung