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Hier war sie am liebsten, hier war sie gern. Bald kannte sie jede Blume, jede Pflanze. Stundenlang durchwanderte sie die Steige, ruhte in der Laube, roch an dieser oder jener Blü­the und bewunderte das Farbenspiel der einzelnen Blätter. Hier im Garten fühlte sie sich ruhig glücklich. Der Mann saß in der Aktenstube, hielt seine Termine ab und kam höchstens des Tages einmal hinab, um seine Helene zu begrü­ßen, zu bewundern, mit ihr ein Viertelstündchen zu plaudern; dann ging er wieder hinauf, um sich unter Akten zu vergraben.

Wie hübsch war es im Garten! Die Rosen blühten, Jasmin duftete dazwischen und die Akazie verstreute ihre Blü­then. Bienen summten in den Zweigen. Helene wandelt ruhig, träumend umher. Die Sonne ist im Untergeben begriffen, Gie sendet das dunkle, brennende Auge der Scheibenden nach. Alles ist still. Da vernimmt sie plötzlich neben sich ein tief­unterdrücktesAch!" und gleich darauf die hastig ausgestoßenen Worte der Verwunderung:Wie schön!"

Sie wendet das von der Sonne umleuchtete Antlitz zur Seite. An der Zaunhecke im nebenliegenden Garten steht ein junger Mensch in dürftiger abgetragener Kleidung. Das Ge­sicht ist nicht regelmäßig schön, aber kindliche Ruhe und Glück­seligkeit liegt auf demselben. Der mußte den Ausruf gethan haben und als Helenens fragender Blick dem seinigen begegnete, da ward der junge Mensch feuerroth und ver­legen, schüchtern sich abwendend, verlor er sich in dem nahe­liegenden Gebüsch.

Nun wußte Helene, wem der Ausruf gegolten. Sinnend, ernst schritt sie davon. Das Dienstmädchen arbeitete in der fernen Ecke des Gartens. Helene schritt einige Mal stumm an demselben vorüber, endlich scheinbar gleichgültig das Haupt wendend fragte sie:Käthe! wem gehört der Garten nebenan?"

Das Mädchen schaute auf.Der dort," rief es, mit dem Finger zeigend,gehört der Fichtelmann, der Wittwe."

Wohnt die Frau allein in dem Häuschen? Bebaut sie selbst den Garten?"

Ja nein! Sie sollts nicht thun und thut's doch, denn der Sohn, der Franz, thut's nicht, obwohl er's könnt'. Der faullenzt, liegt unter dem Apfelbaum und träumt oder treibt Narrethei. Der Tagedieb!"

Die junge Frau lächette!Nun, nun, Käthe! Du läßt kein gutes Haar an dem Burschen."

Ach, was," ries die Käthe unwirrsch.Der Franz ist ein Tagedieb; könnt' Geld verdienen, arbeiten, der Mutter helfen aber sinnt lieber auf allerlei Schnurren und macht Reim- zel--*

Helene lächelte unwillkürlich:Er ist also, was man so nennt, ein Dichter. Nun freilich, die Käuze gehen ihren eige­nen Weg!"

Uno sich zum Abgänge anschickend, sagte sie:Käthe, jenes Beet reinige noch, dann komm hinauf."

Mit diesen Worten verließ sie den Garten.

Der junge Mensch, der Franz, der bisher hinter de Hecke verschämt gelegen, blickte hervor und schaute der Abgeher den nach. Als Helene verschwunden, fuhr er sich mit de Hand über das Gesicht, strich sich das wirre Haar hinter da Ohr und sprang mit einem Satz über die grüne Hecke Rasch trat er zu dem arbeitenden Mädchen.Käthe!" rief ei und erfaßte die Erschrockene bei der Schulter;Du bist schlecht ganz schlecht hab' Dir doch nichts gethan und nench mich doch einen Tagedieb. Hab' nicht gestohlen."

Käthe hatte sich von ihrem Schreck erholt, und dem Bur schen in das geröthete Antlitz schauend, rief sie:Franz! wa treibst? Hast gehorcht? Ganz recht: Ein Horcher an der Wan! hört seine Schänd'. Bist gut, ganz gut; thust keinem Kind ein LeidS; mag Dich gern, ganz gern wenn ich nichts zi treiben weiß; höre-Deinem Plaudern zu bleibst âr dos ein Tagedieb."

Und warum?"

Weil Du nicht arbeitest, auf dem Gras liegst und ir den Himmel starrst, als wollt'st Du dort hinein I"

Bin auch manchmal dort," sprach unwillkürlich der Franz vor sich hin.

(Fortsetzung folgt.)

Miszellen.

Fran Dudevant (George Sand) protestirt in der Reform gegen das in der Voir des FemmeS, einem von Frauen herausgegeben« Blatte, enthaltene Gerücht, sie wolle als Kandidat für die National Versammlung auftreten, und verbittet sich für die Zukunft die Ver­mengung ihres Namens mit den Zwecken der Voir des FemmeS.

DerVerein der deutschen Köche" in Berlin hat eine An­sprache an die hohen nnd höchsten Herrschaften drucken lassen, worin er um Abschaffung des Modeartikels der französischen Köche bittet. Es heißt in dieser Ansprache:Die Zeit ist gekommen, wo Den tsckkarrd -frtni| Suppen allein kochen kann. Es wird eine Kraftbrühe werden In den französischen Küchen wird jetzt so Manches gekocht, was einen ehrlichen deutschen Magen zuwider ist.

Leipzig, 17. April. (D. A. Z.) Gestern Abend fand im Eoliseu» die angekündigte Versammlung der Dienstmädchen statt, undwkj die Ankündigung besagt, wurden Herren nur auf den Galerien zugelaffen. ® mochten gegen 300 Mädchen versammelt seyn, unter denen sich bald mehre« Sprecherinnen hervorthaten und in vielleicht grellen Farben die Bedrückung« und Zurücksetzungen schilderten, die sie von Seiten mancher Herrschaften jH erdulden hätten. Neber die schließlich gefaßten Beschlüsse vermögen wir bi! jetzt noch nichts Näheres anzngeben.

Theater zu Wiesbaden.

Montag den 24. April: Egmont. Trauerspiel in 5 Aufzügen W Göthe. Die zur Handlung gehörige Musik ist von L. van Beethoven.

Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl. Druck und Verlag der L. Schellenberg'schcn Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.