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Buchdrucker in's Auge faßt, das familienlose, taglöhnerische Leben und die Aussicht aus ein hülfloses Alter. Die Unterzeich­ner jenes Zurufes haben daher einmüthig beschlossen, vorläufig mit Frankfurt, Darmstadt, Mainz, Wiesbaden, Mannheim und Karlsruhe sich in Verbindung zu setzen und zu einer Versamm­lung in Heidelberg auf den Ostersonntag einzuladen.

Einstweilen machen sie folgende Vorschläge zur Begutachtung:

1) Durch das Zusammenwirken dieser Städte eine Verbin­dung aller oder wenigstens der größeren Städte Deutsch­lands zu erzielen.

2) Bildung von Buchdrucker-Komite's in jeder Stadt.

3) Bildung von zwei Zentral-Komite's in den Hauptbuch­druckerstädten Stuttgart und Leipzig, welche die geeigne­ten Schritte etwa beim deutschen Parlament thun, um sich als kompetente Schiedsgerichte zu konstituiren über folgende Punkte:

a) Lehrlingswcsen, feste Norm hierüber durch ganz Deutschland.

b) Feststellung der Arbeitspreise, je nach den ver­schiedenen Gegenden.

c) Bestimmungen über das Viatikum.

d) Ein durchgreifendes System zur Unterstützung unse­rer Kranken.

e) Ebenso unserer Invaliden.

f) Eine allgemeine Lebensversicherungs-Anstalt für deutsche Buchdrucker.

Der sehr gut geschriebene Aufruf hat am Schluß folgende Keherzigenswerthe Worte:

Der Staat will und kann nicht unsere Existenz garan- tiren, deßhalb müssen wir für uns sorgen. Lassen Sie uns brüderlich Hand an's Werk legen, und wie Andere unter dem Schutze des Gesetzes Reichthümer zusammenscharren, so wollen wir auf gesetzlichem Wege, ober unbeugsam durch unsere Einig­keit und Menge darnach trachten, uns vor dem völligen Unter­gang zu schützen.

Deutschland.

3 Wiesbaden, 20. April. Wie sehr wir uns auch über die seitherigen Bemühungen für den hiesigen Gewerbestand ge­freut haben und ihren aufrichtig guten Erfolg wünschen, so glau­ben wir doch keineswegs, daß auf dem eingeschlagenen Wege Vollständig geholten werden könne. Hierzu wären vor Allem noch zwei Gesetze nöthig,

1) daß jede Schuld für gelieferte Arbeit, welche nicht binnen einem Jahre auf dem gütlichen oder dem Wege der Klage beige­trieben ist, nicht mehr gefordert werden kann;

2) ein Gesetz, welches den Verkehr der Gewerbtreibenden unter einander mehr vor Betrug sicher stellte.

Diejenigen, welche seither pünktlich bezahlten, haben zum Theil die Zinsen der Schuld der säumigen Bezahler mit ent­richten müssen, wodurch sie in bedeutenden Nachtheil kamen und natürlich in Mainz und Frankfurt, oder auch nur in Biebrich lieber kauften.

Wir geben zu, daß die Gewerbtreibenden zu solchen Repres­salien theilweise gezwungen waren, finden aber eben so begreif­lich, daß man den übrigen Einwohnern nicht eher zumuthen dürfe, nur in Wiesbaden zu kaufen, bis man die zum Theil viel zu hohen hiesigen Preise ermäßigt haben wird.

Was den zweiten Punkt, den Verkehr der Gewerbtreibenden unter sich anlangt, so sind hier äußerst empfindliche Mißstände zu beseitigen, deren ausführliche Darlegung wir am liebsten einem Gewerbtreibenden selbst überlassen.

In Zukunft hoffen wir überhaupt weniger halsbrechende Spekulationen jeder Art und die Herstellung des Kredits auf natürlicheren Grundlagen als seither.

Braunfels, 16. April. (Köln. Z.) Gestern Abends und heute sind die Bauern des fürstlichen Gebietes, theils um von dem Fürsten abermals Zugeständnisse zu erpressen, theils um zu demoliren und wegen mehrerer vorgenommenen Verhaftungen Rache zu üben, vor den Ort Braunfels gerückt. Eine Kom­pagnie des 27. Jnfanterie-Regim nts hatte den Ort besetzt und operirte zum Schutze gemeinschaftlich mit der Bürgergarde. Von beiden wurde mit lobenswerther Geduld die Ordnung gehand­habt. Es ward von 8 bis 12 Uhr Abends mit den Bauern unterhandelt. Inzwischen waren schon zwei Patrouillen von bewaffneten Bauern angefallen. Jene haben von der Waffe Gebrauch gemacht und zwei der Angreifer erschossen. Die Bauern zogen sich gegen 1 Uhr Nachis von dem Orte zurück

und zündeten Wachtfeuer an. Am anderen Morgen demolirten und plünderten sie das am Ende des nicht besetzten Theiles des weitläufigen Ortes belegene Haus des Müllers Weiß und miß­handelten den Besitzer dergestalt, daß er wohl den, Geist ausge­ben wird. Die Bürgergarde und das Militär machten einen Zug dahin, wurden von Bauern mit Flintenschüssen empfangen, worauf das Militär sich tapfer wehrte, sie hinter einer Garten­mauer, wo sie sich aufgestellt hatten, vertrieb, einen tödtete und einen verwundete. Die Bauern ergriffen die Flucht und wurden dann völlig verjagt.

-H Mannheim, 19. April. Man befürchtet, daß man sich auf die Treue einzelner badnischer Truppenabtheilungen den Auf­ständischen gegenüber im entscheidenden Augenblick nicht werde verlassen können. General v. Gagern läßt daher fast täglich die Quartiere wechseln und schiebt hinter die unzuverlässigeren Kompagnieen jederzeit zuverlässige ein. Kommt nicht Verrath in's Spiel, dann werden die Rebellen der Truppenmacht wahr­lich nicht Stich halten können.

Ergötzlich sind die Uebertreibungen der hiesigen Abendzeitung in Betreff der Freischaaren. Sie spricht von einer Hecker'schen Armee, einem Struve'schen Heer! und gibt ersteres auf 3500, letzteres duf 2000 Mann an!

Hecker hat sich von seiner Frau scheiden lassen. Dieser Schritt war schon um deßwillen geboten, damit sein Vermögen seinen Kindern gerettet bleibt.

Vom Bodensee, 15. April. (A.Z.) Gestern gab es Tu­mult in Konstanz. Man fing an die Läden zu schließen, und besorgte das Aeußerste. Doch ist Alles jetzt glücklich vorüber. Gesetzlichkeit hat die Oberhand behalten, und gutgesinnte Bür­ger haben die Gemeindebehörde in ihrer Wirksamkeit unterstützt. Die Freiwilligen und die Sensenmänner (Arbeiter) sind abge­zogen.

Stuttgart, 17. April. (D.Z.) Kaum war ausgesprochen worden, daß Stuttgart P. Pfizer in die deutsche National­versammlung wählen wolle, als ein bedenklicher Krankheitsanfall drohte, ihn seiner jetzigen Wirksamkeit für Deutschland zu ent­ziehen. Er fiel gestern auf einem Platze der Stadt in Ohnmacht und wurde zu seinem Bruder Gustav getragen; heute hört man, daß bereits Besserung eingetreten ist. Die Theilnahme hier ist allgemein.

Berthold Auerbach, unser Landsmann, wird die Eman­zipation seines Glaubens benützen, er ist im Lande und bewirbt sich in dem Bezirke, dem seine Heimath Nordstetten angehört.

Wir hoffen unsern tiefsten Denker nach Frankftwt-fbn- den zu können: Strauß ist in Ludwigsburg vorgeschlagen. Aber es wird einen Kampf kosten, denn die Pietisten im Lande haben gegen ihn ihre Wuth noch nicht vergessen. Sein politisches Auftreten in jüngster Zeit dagegen hat ihm allgemein die Herzen der Besonnenen zugewandt; eine Reihe von vortrefflichen lei­tenden Artikeln von ihm (Republik und Monarchie, Louis Blanc u. s. w.) im schwäbischen Merkur haben die allgemeinste Auf­merksamkeit und Zustimmung erregt.

Berlin. (B. N.) Der Justizminister Bornemann hat jetzt, ohne erst besondere Anträge abzuwarten, den Nechts-KâN- didaten jüdischen Glaubens, welche sich bereits tiri ver­geblich darum bemüht, angezeigt, daß sie die Prüfungen Behufs Eintritt in das Richteramt ablegen können, da Dem eine gesetzliche Schranke nicht mehr entgegensteht.

Berlin, 16. April. (D. A. Z.) Das 15. Stück der Gesetzsammlung enthält die Verordnung, betreffend das Verfahren bei politischen und Preßvergehen in der Rhein Provinz und die Wiederherstellung des rheinischen Strafrechts und Strafverfahrens bei politischen und Amtsverbre­chen; vom 15. April. Desgleichen über die Herstellung des rheinischen Zivilgesetzbuchs in Betreff der Schließung der Ehe für die zum Bezirke des rheinischen Appellationsgerichtshofs gehö­rigen Landestheile des ehemaligen Großherzogthums Berg, von demselben Tage; und das Gesetz vom 15. April über die Grün- : dung der öffentlichen Darlehenskassen und Verausgabung von Darlehenskassenscheinen.

Breslau, 16. April. Nach einer Mittheilung der Oder- * zeitung kommen täglich Polen jedes Alters über die russische: Gränze , um sich in die Reihen ihrer Landsleute zu stellen, obwohl die Gränze selbst hermetisch verschlossen ist. Jenseits der Grenze soll eine sehr unglückliche Stimmung herrschen und die Zahl der Verhaftungen sehr groß seyn. Nach der Bres­lauer Zeitung soll in dem Großherzogthum Posen eiue fried­liche Lösung der Dinge nicht mehr möglich seyn. Nach eben dieser Zeitung haben in Czerniejewo, in Nekla und bei Km- nik Gefechte mit den preußischen Truppen stattgefunden. Ebenso